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In den Süden

   Kinostart: 21.09.2006

Vers le sud: Nordamerikanische Touristinnen erfüllen sich im Haiti der 70er Jahre ihre sexuellen Sehnsüchte und werden durch politische Unruhen unsanft aus ihren Träumen gerissen.

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Filmhandlung und Hintergrund

Nordamerikanische Touristinnen erfüllen sich im Haiti der 70er Jahre ihre sexuellen Sehnsüchte und werden durch politische Unruhen unsanft aus ihren Träumen gerissen.

In ihrer Heimat, den Vereinigten Staaten, haben Ellen (Charlotte Rampling), Brenda (Karen Young) und Sue (Louise Portal), drei Damen um die 50, selbst bei älteren Herren kaum mehr realistische Beziehungschancen. Also ziehen sie los, um Romantik, Sex und vielleicht sogar Liebe auf Haiti zu finden, wo knackige schwarze Muskelmänner der Touristinnen harren. Leider hat das Paradies in den späten 70ern einen kleinen Haken: Ein Bürgerkrieg droht alle Lust auf Libido in Blut zu ertränken.

Sextourismus und speziell der für Damen wurde bisher nicht häufig im Kino thematisiert. Im Film von Laurent Cantet geht es dann auch weniger um Horizontalsport als um den Zusammenprall von Kulturen, Machtspiele und mal mehr, mal weniger subtilen Rassismus.

Sonne, Sex und Meer suchen die nicht mehr taufrischen Frauen, die in der Heimat des Jugendwahns schon ab 40 als alt und unattraktiv gelten und es deshalb in den Süden zieht. Objekt der Begierde ist der muskulöse Legba, um den sich bald die einfach gestrickte Brenda und die zynisch-intellektuelle Ellen streiten.

Drei Frauen im besten Alter besuchen in ihren Ferien die Insel Haiti. Freilich nicht, um dort entspannt am Strand zu liegen: Die Professorin Ellen verbringt ihren Urlaub schon seit Jahren im gleichen Ressort, wo ihr die einheimischen Männer zu Füßen liegen. Diesmal hat sie es auf den jungen Legba abgesehen, doch an ihm ist auch Brenda interessiert, der Legba den ersten Orgasmus ihres Lebens bescheren konnte. Und dann ist da noch die Kanadierin Sue, die auf der gleichen Suche ist wie Ellen und Brenda.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Es geht um Sex-Tourismus. Sie kommen aus USA und Kanada, um im Urlaub eine nette, kleine Affäre zu haben, die sie ablenkt vom schweren Alltagsleben, die die Illusion von Freiheit und Liebe gibt. Die Touristen in Haiti Ende der 70er treffen auf williges, junges Fleisch, Geld, Geschenke, eine Essenseinladung reichen, um eine Nacht der Leidenschaft erleben zu können. Wie hier die Armen ausgebeutet werden, wie der Dollar die jungen Körper derer, die sich verkaufen, verdirbt: Das sehen sie nicht.

      Regisseur Laurent Cantet wendet für seinen Film einen Kniff an, eine Verdrehung der Geschlechterrollen: die geilen Ausbeuter sind alte, reiche Frauen, die sich junge Männer, Lustknaben, kaufen, um sich im Urlaub zu amüsieren. Dabei heischt er in „In den Süden“ um Verständnis für diese Frauen, die nach Haiti kommen in die Militärdiktatur und sich die Liebe erkaufen. Denn dramaturgsich nicht ungeschickt in Interviewszenen mit seinen Figuren blickt er auf beide Seiten: Auf die Frauen, die ihre Geilheit im Alter ausleben wollen, weil ihnen ihr Leben zuvor nicht genug geboten hat, und auf die Lustknaben, die zumindest einen temporären Ausweg aus der Armut sehen.

      Cantet verdichtet seine Geschichte auf ein Dreieck: Ellen, Brenda und Legba, den beide als ihren Favoriten beanspruchen. Auch hier greift seine Doppelstrategie. Brenda hatte drei Jahre zuvor mit Legba, damals 15 Jahre alt, ihren ersten Orgasmus im Alter von 45 Jahren, und sieht nun, wie sich aus dem Knaben eine männliche Edelhure entwickelt hat; und Ellen weiß einerseits genau um die Wirkung ihrer Dollars, sieht aber über diese unmoralische Seite des Geschäfts großzügig hinweg. Sie ist der Platzhirsch in der Clique der geilen Damen, zieht über andere her und konfrontiert sie auch ganz direkt mit den Mechanismen der Prostitution, die sie hier anwenden – um sich dann umso stärker um Legba und seinen schönen Körper zu bemühen.

      Es ist eine zynische Schizophrenie, die der Film zeigt. Frauen, von Leidenschaft übermannt, die sie sich kaufen und dabei ganz bewusst ihre Illusion aufrechterhalten, dies sei Liebe. Frauen auch, die sich in einen latenten Rassismus begeben, den sie sich nie erlauben würden, wäre er ihnen bewusst. Was macht nur den Unterschied aus zwischen den Schwarzen hier und denen zuhause, in den Fabriken? Die Sonne, die Nähe zur Natur, oder vielleicht, dass sie immer halbnackt sind?

      Neben dem Wunschbild des Paradieses zeigt Cantet auch die Realität jenseits der Beschönigungsversuche der Urlauberinnen, eine Realität, die Armut, Unterdrückung, gar Mord beinhaltet. Eine unübersichtliche Realität, die gerade dadurch wirkt, dass sie nur angerissen ist, dass nur ein kurzer Blick auf sie gestattet wird.

      Die Schizophrenie der Frauen, die ihr eigenes Handeln beschönigen, überträgt der Film auf den Zuschauer, indem er für ihren Sextourismus Verständnis einfordert – und ihn dann, nach dem Abspann, mit dem Gedanken allein lässt, dass der, der mit diesen Frauen empfindet, auch die Männer, die ihre Geilheit an Nutten auslassen, nicht verurteilen darf – immerhin gesteht Brenda freimütig ihren Fick mit einem Minderjährigen. Der Regisseur freilich scheint anderer Meinung zu sein über seinen Film, den er scheinbar gar nicht ganz verstanden hat. „Ich weiß, dass das Thema des Sextourismus immer wieder in Verbindung mit dem Film auftauchen wird,“ sagt er, „ich würde es bevorzugen, wenn sie es ‚Liebestourismus’ nennen würden.“

      Fazit: Ein Film über weiblichen Sextourismus auf Haiti; gegenüber der unmoralischen Seite von Prostitution und Sex mit Minderjährigen zeigt der Film aber erstaunlich wenig Vorbehalte.
    2. In den Süden: Nordamerikanische Touristinnen erfüllen sich im Haiti der 70er Jahre ihre sexuellen Sehnsüchte und werden durch politische Unruhen unsanft aus ihren Träumen gerissen.

      Nordamerikanische Touristinnen erfüllen sich im Haiti der 70er Jahre ihre sexuellen Sehnsüchte und werden durch politische Unruhen unsanft aus ihren Träumen gerissen.

      Ein Bilderbuchstrand mit feinem Sand und türkisfarbenen Wasser, eine idyllisch unter Palmen gelegene Bungalow-Anlage, eilfertige Bedienstete, die den Gästen jeden Wunsch von den Lippen ablesen und liebeswillige junge Einheimische: Für nordamerikanische Touristinnen ein Paradies. Sonne, Sex und Meer suchen die nicht mehr taufrischen Frauen, die in der Heimat des Jugendwahns schon ab 40 als alt und unattraktiv gelten und es deshalb „In den Süden“ zieht. Aber Laurent Cantet geht es in der freien Adaption von Dany Laferrières Kurzgeschichten „La chair du maitre“ nicht um trivialen Sex-Tourismus (er spricht von Liebes-Tourismus), sondern um das Aufeinandertreffen von Menschen, die mehr als nur ein Geschäft um sexuelle Gefälligkeit verbindet. Die Damen zahlen zwar, aber die knackigen Jungs lassen sich nicht kaufen. Sie wählen, wem sie ihre Liebesdienste offerieren, wenn sie im Austausch für ein paar Dollar und Drinks den Frauen das Gefühl geben, begehrenswert zu sein. Objekt der Begierde ist der muskulöse Legba, um den sich bald die einfach gestrickte Brenda und die zynisch-intellektuelle Ellen streiten. Während Ellen scheinbar souverän das Ganze als Spiel betrachtet, lernt Brenda erstmals, sich zu ihren Wünschen zu bekennen und erlebt mit Mitte Vierzig ihren ersten Orgasmus. Doch je mehr der 18Jährige mit Brenda das Bett teilt, um so mehr verliert die Konkurrentin die Contenance, bietet dem Beau sogar an, mit nach Boston zu kommen. Vergeblich.

      Cantet konfrontiert das Relaxen in der friedlichen Oase mit der eskalierende Gewalt in den Straßen von Port-au-Prince unter „Baby Doc“ Duvalier, die Lebenslust mit dem stets präsenten Tod, der letztendlich die Touristinnen aus ihren falschen Träumen reißt. Dramaturgisch basiert der Film auf den Konflikten Schwarz gegen Weiss, Arm gegen Reich, Zärtlichkeit gegen Ausbeutung, körperliche Anziehungskraft gegen Geld, Erotik gegen Politik, ohne jedoch in das übliche Muster von bösen Kolonialisten und armen Opfern zu verfallen. Beide Seiten profitieren voneinander, auch wenn die Sexualität die Gegensätze nicht überbrücken kann, zum Instrument der Macht wird. Die aus dem Blickwinkel der Frauen erzählte Geschichte stellt ihre ganz persönliche Wirklichkeit in den Mittelpunkt, sie sprechen fast dokumentarisch über sich selbst in die Kamera. Spannend die Wortgefechte von Karen Young als clevere Naive und Charlotte Rampling als schlechte Verliererin, die am Ende die Sinnlosigkeit der flüchtigen Intimität erkennt und mit dem Verlust von Utopie fertigwerden muss. mk.

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