In den Gängen

  1. Ø 3.8
   Kinostart: 24.05.2018

In den Gängen: Lakonisches Drama mit Sandra Hüller und Franz Rogowski über den Mitarbeiter eines ostdeutschen Großmarktes, der sich in die Kollegin im nächsten Gang verliebt.

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Filmhandlung und Hintergrund

In den Gängen: Lakonisches Drama mit Sandra Hüller und Franz Rogowski über den Mitarbeiter eines ostdeutschen Großmarktes, der sich in die Kollegin im nächsten Gang verliebt.

Der 27-Jährige Christian (Franz Rogowski) ist der Neue in der Nachtschicht eines Leipziger Großmarktes. Unter den Fittichen des väterlichen Kollegen Bruno (Peter Kurth) lernt er nicht nur eine neue Welt kennen, die in Neonfarben von den hohen Decken erstrahlt, sondern muss sich im Mikrokosmos der Gabelstapler und Elektro-Ameisen in der Getränkeabteilung zunächst einmal beweisen.

Während er am Tag in Seminaren dank „Staplerfahrer Klaus“ lernt, die Paletten richtig zu sortieren, verliebt er sich des Nachts in seine Kollegin Marion (Sandra Hüller) aus dem Süßwaren-Gang nebenan. Sie ist jedoch verheiratet und er bekommt in ihrer Gegenwart den Mund nicht auf. Zu allem Überfluss kann er alte Laster aus dem rüpelhaften Vorleben nur schwer ablegen. Für die beiden wird der Pausenraum mit der altertümlichen Kaffeemaschine schnell zum einzigen Treffpunkt, um ihrer aufkeimenden Liebe Raum zu geben.

„In den Gängen“ – Hintergründe

Nach dem Erfolg des Dramas „Herbert“ über einen ehemaligen Boxer meldet sich Regisseur Thomas Stuber mit dem melancholischen Werk „In den Gängen“ zurück. Erneut in Leipzig angesiedelt und auf dem Erzählband „Die Nacht, die Lichter“ des Schriftstellers Clemens Meyer basierend versammelt er vor der Kamera gleich mehrere Gewinner des Deutschen Filmpreises. Peter Kurth („Babylon Berlin“) gewann für „Herbert“, Sandra Hüller für „Toni Erdmann“ eine goldene Lola. Und auch Hauptdarsteller Franz Rogowski überzeugt in Filmen wie „Transit“ und „Lux – Krieger des Lichts“ und wurde jüngst als „Shooting Star“ auf der Berlinale 2018 ausgezeichnet.

Der Film feierte im Wettbewerb der Berlinale 2018 unter tosendem Applaus seine Weltpremiere. Kritiker aus aller Welt schenkten Höchstnoten für die Menschlichkeit der Protagonisten. Obwohl der Film in Leipzig spielt, entstanden die Innenaufnahmen des Großmarktes im Sachsen-Anhaltinischen Bitterfeld.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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    Thomas Stubers Drama IN DEN GÄNGEN erzählt die Geschichte von Christian, der im Supermarkt anfängt und sich dort in eine Kollegin verliebt - zunächst ohne Hoffnung, dass aus dieser Liebe etwas werden kann.

    Als Christian Marion das erste Mal sieht, kommt es ihm vor, als höre er Meeresrauschen. Unwahrscheinlich, denn in den Gängen des Supermarktes, wo sie gerade die Süßigkeiten einsortiert und er von seinem älteren Kollegen in die Kunst des Kastenstapelns eingeführt wird, ist weit und breit kein Meer vorhanden. Und doch ist Christian sofort verzaubert von Marion. Der sehr stille und introvertierte junge Mann tut sich schwer damit, bei Marion einen Annäherungsversuch zu wagen. Doch sein Kollege Bruno bestärkt Christian, nicht aufzugeben. Denn Marion hat es seiner Meinung nach verdient, dass endlich jemand nett zu ihr ist. Und Bruno muss es wissen. Denn er arbeitet schon lange hier in den Gängen, die Teil einer Welt sind, die vom Schein der Neonlampen lebt. Und vom Klang des Gabelstaplers, der langsam seine Runden dreht. In seinem neuen Film IN DEN GÄNGEN erzählt Regisseur Thomas Stuber mit lakonischer Beiläufigkeit vom Mikrokosmos Supermarkt, der auf den ersten Blick kalt, trist und leblos wirkt. Doch je mehr Stuber in die Figuren und ihre Konflikte eintaucht, desto mehr verwandelt sich Tristesse in einen vertrauten Platz für Gefühle, für Sehnsüchte und Hoffnungen, die sich vielleicht nie erfüllen werden. Doch die in jeder Minute so präsent sind wie die übergroße Strand-mit-Palmen-Tapete, die den Aufenthaltsraum ziert. Dazu unterstützend findet die Kamera von Peter Matjasko Bilder, die die Poesie des Alltags in einem solchen Ort einfangen, ohne zu verkitschen oder zu überhöhen. Stuber und seinem Drehbuchautor Clemens Meyer, der für den Film mit seiner Erzählung auch die literarische Vorlage lieferte, gelingt eine feine Balance zwischen Tragik und Komik, zwischen nachvollziehbarer Schwere und großer Leichtigkeit. Dialoge braucht es dafür nicht viel, eher Blicke, Gesten oder Handlungen. Und wenn Bruno Christian das Staplerfahren erklärt oder Marion sich von Christian einen Kaffee ausgeben lässt, dann entstehen aus der Beiläufigkeit dieser Gesten große berührende Kinomomente. Franz Rogowski stellt einmal wieder unter Beweis, dass er nur wenige Worte braucht, um seiner Figur Ausdruck und Präsenz zu verleihen. Er spielt Christian zurückgezogen, scheu, auch ein wenig geheimnisvoll, und doch liebenswert empathisch. Sandra Hüller lässt als Marion beides durchscheinen: die Abgeklärtheit einer Frau, die mit nichts mehr im Leben rechnet und die Verletzlichkeit einer zarten Seele, die noch Träume hat. Der kraftvolle Pol dazwischen ist Peter Kurth, dessen Figur Bruno auf ganz authentische Weise auch die Lebenswirklichkeit eines Teils unserer Gesellschaft vermittelt Und auch das übrige Ensemble überzeugt, Jeder der dargestellten Menschen hat eine Geschichte, die angedeutet, aber nie komplette auserzählt wird. Als Zuschauer geht man einen Teil des Weges mit ihnen. Doch am Ende bewahrt jede Figur auch ihr eigenes Schicksal für sich. IN DEN GÄNGEN von Thomas Stuber ist ein leiser, zarter und warmherziger Film über die kleinen und großen Momente des Lebens.

    Jurybegründung:

    Ein deutscher Film, der gleich im ersten Bild eine Kubrick-Assoziation zu 2001 - ODYSSEE IM WELTRAUM provoziert, hat nicht nur Seltenheitswert, sondern beweist Schneid und Persönlichkeit. Und wenn IN DEN GÄNGEN uns auch nicht ins Weltall entführt, so zeichnet Regisseur Thomas Stuber mittels dieser Attribute dennoch einen Mikrokosmos, der sich wohltuend abhebt vom oft Gesehenen.
    Es stellt eine sehr feine Ironie im Grundkonzept des Films dar, ausgerechnet einen Supermarkt als Setting zu wählen und damit einen Tempel des Konsums, in dem das den Kapitalismus erhaltende Ritual des Kaufens täglich hundertfach vollzogen wird. Die Menschen jedoch, die hier arbeiten, sind vom System, dem sie dienen, längst abgestoßen worden. IN DEN GÄNGEN erzählt auf spannende und überzeugende Weise von den Nachwirkungen der deutsch-deutschen Vereinigung auf Menschen in Ostdeutschland. In den Figuren spiegelt sich mit Nachdruck der Verlust von Selbstbewusstsein und Perspektiven und der erzwungene Abschied von Identität und gewohntem Leben in der einstigen DDR, das plötzlich von einem auf den anderen Tag für falsch erklärt wurde. In der von Peter Kurth wunderbar verkörperten Figur des Bruno bündelt sich dieser Strang des Films mit Bravour. Wie ein Gefängnis ist der Supermarkt inszeniert, in dem alle zusammen und doch jeder für sich festsitzt. Lange bleibt die Kamera auf den Gesichtern der Figuren stehen, bis ihre Traurigkeit den Zuschauer durchdringt.
    IN DEN GÄNGEN zeigt offen die Tristesse und ist doch kein trister Film. Seine Figuren berühren, obwohl bewusst Leerstellen bleiben in ihrer Biografie. Auch Christian, von Franz Rogowski eindrücklich gespielt, ist als Figur nicht auserzählt, es ergeben sich Ungereimtheiten, und Einzelheiten seiner Vergangenheit verbleiben im Nebulösen. Doch gerade diese Leerstellen und offenen Fragen lassen den Film so authentisch werden - welcher uns umgebende Mensch ist schon in allen Belangen immer klar und transparent und in seinem Handeln stets schlüssig und logisch? Und so geht es den Figuren wie uns: Sie versuchen, diese Leerstellen zu füllen. Christian etwa verfolgt heimlich seinen Schwarm Marion nach Hause und sieht sich bei ihr um. Was er dort sieht, irritiert ihn, und er versucht es in das Bild einzupassen, das er sich von Marion gemacht hat. Wohnt jemand wie Marion so spießig?
    Jede der Figuren versucht ihren Platz in dieser irgendwie fremden Welt zu finden, so widersprüchlich der zum Teil auch wirken mag. Aus diesen Konstellationen bezieht Thomas Stubers Film starke Momente, deren Relevanz in Bezug auf unsere heutige Gesellschaft nicht hoch genug anzusiedeln ist. Formal filmisch hat die Jury neben der Auflösung des Supermarktes auch die Einbindung von Musik und Sound auf unterschiedlichen Ebenen überzeugt, weil sie als gestalterisches Mittel den geschilderten Mikrokosmos auf besondere Weise bereichert hat. Trotz empfundener Längen freut sich die Jury, den Film mit dem höchsten Prädikat auszuzeichnen.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Lakonische und warmherzige Liebesgeschichte in einem Großmarkt, vielleicht der schönste Film des Wettbewerbs der 68. Berlinale.

    Thomas Stuber verzaubert mit seiner wunderbar einfachen und warmherzigen Geschichte eines jungen Mannes, der im Mikrokosmos eines Großmarkts Freundschaft und Liebe findet. Die Vorlage lieferte Clemens Meyer, mit dem Stuber erneut zusammenarbeitet.Franz Rogowski, der bereits in Christian Petzolds „Transit“ im Wettbewerb überzeugte, spielt ihn und passt sich hier sogar noch besser in die liebevoll und durchdacht kreierte Filmwelt ein, ein profaner Markt, nachts, neonlichtbeleuchtet, doch gar nicht so trostlos, wie man meinen könnte. Christian wird als neuer Mitarbeiter vom Chef der Nachtschicht begrüßt, bekommt seine Arbeitsuniform, blauer Kittel samt Kulis, Cutter und Namensschild und hat bis dahin noch kein Wort gesagt. Er wird auch im Laufe des Filmes wenig sagen, am wenigsten unter den auch nicht gerade redseligen Kollegen. Den ersten, den er kennenlernt, ist Bruno, der sein väterlicher Freund wird, gespielt von Peter Kurth. Er hatte die Titelrolle in Stubers Lola-prämierten „Herbert“ inne und strahlt auch hier erdige Präsenz aus. So wunderbar lakonisch wie Stuber Kontaktaufnahme und Kommunikation durch Blicke, (auch durch die Regale hindurch), Gesten und nur wenige Worte stattfinden lässt, erinnert an Aki Kaurismäki. Die Kamera ist oft statisch, beobachtet aber auch von oben. Die Szenen funktionieren dank dem perfekten Timing – jeder Bewegung wird die richtige Zeit eingeräumt, sie aus zu führen und in Ruhe beobachten zu können – und dank der präzisen Spielweise. Rogowskis Christian bewegt sich ungemein behutsam, beim Gehen, beim Räumen in den Regalen und am Ende, wenn er ausgelernt hat, auch beim Gabelstaplerfahren, das einen durchaus großen Raum im Film einnimmt. Stuber liefert ein regelrechtes Gabelstapler-Ballett – ein bisschen wie bei Tati – was bereits zu Anfang angedeutet wird, wenn der Zuschauer zu Walzerklängen einen ersten Blick in die Gänge wirft, die der Film fast nie verlässt. Auch lakonisch, ein bisschen verspielter erzählt Stuber die Liebesgeschichte. Als der zurückhaltende Christian die kecke Marion – Sandra Hüller lässt auch deren Zerbrechlichkeit hervorscheinen – zum ersten Mal sieht, hört er Meeresrauschen. Das wird auch später passieren. Ihre Dialoge sind kleine Kunstwerke für sich. Details wie das Meeresrauschen oder Cutter, Kabelbinder und Palmentapete fügen die Geschichte zusammen, die nach dem Alltag, den Arbeitszeiten im Markt strukturiert ist. Nur dort findet das richtige Leben für die Kollegen statt, die eine Familie bilden, Wendeverlierer sind und alle ihre traurigen Hintergrundgeschichten haben, die aber nie auserzählt, sondern nur angedeutet werden. Ein feiner Film, der Räume lässt, für die Schauspieler und das Publikum, das schmunzeln und mit seinen Protagonisten fühlen kann. Ein Film, der bei der Bärenvergabe zu unrecht nicht berücksichtigt wurde. hai.

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