Import Export

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   2006

Import Export: Zweiter Spielfilm von Ulrich Seidl über eine ukrainische Putzkraft und einen österreichischen Security-Mann, die sich einen Lebensneuanfang erhoffen.

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Filmhandlung und Hintergrund

Import Export: Zweiter Spielfilm von Ulrich Seidl über eine ukrainische Putzkraft und einen österreichischen Security-Mann, die sich einen Lebensneuanfang erhoffen.

Die ukrainische Krankenschwester Olga (Ekaterina Rak) versucht ihren kargen Lohn ziemlich erfolglos mit einer Online-Sex-Agentur aufzubessern. Für einen Job im Altersheim in Wien lässt sie sofort alles stehen – Bruder, Mutter und ihr Kind. Der arbeitslose Sicherheitsmann Paul (Paul Hofmann) lebt in Wien und ist hoch verschuldet, seit er Job und Freundin verlor. Um nicht unterzugehen, liefert er mit seinem Stiefvater (Michael Thomas) Spielautomaten in die Ukraine aus. Weder ihm noch Olga ist es vergönnt, ihr Glück zu finden.

Auf seinen radikal-abschreckenden Spielfilm „Hundstage“ lässt der österreichische Menschenfeind und Dokumentarist Ulrich Seidl einen weiteren Blick auf die Kehrseite des Lebens folgen. Das ist meisterhaftes Kino großer Tristesse für jeden, der genug von Fun-Movies hat.

Olga ist eine Krankenschwester aus der tiefsten Ukraine. Pauli ist ein arbeitsloser österreichischer Security-Mann. Olga sucht ihr Glück im Westen und landet als Putzfrau in einem Altersheim in Österreich, während es Pauli und seinen Stiefvater auf der Suche nach Arbeit und Sinn in die Ukraine verschlägt.

Ost und West kreuzen die Wege, wenn eine ukrainische Kinderkrankenschwester nach erfolglosen Versuchen im Internet-Porno-Geschäft ihr Glück in einem Wiener Altenheim sucht, wo das menschliche Elend fast nicht zu ertragen ist, während ein junger Wiener Prolet mit seinem asozialen Stiefvater in die Ukraine aufbricht, um olle Spielautomaten aufzustellen und festzustellen, dass er dieses Leben nicht führen will. Was sie finden sind jedoch nicht die Kehrseiten des Elends, dem sie entkommen wollen, sondern dessen Spiegelbild.

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Kritikerrezensionen

  • Zwei Geschichten mit entgegengesetzten Bewegungen, von Osten nach Westen und von Westen nach Osten; Import und Export zweier Menschen, aus österreichischer Perspektive gesehen: der Weg nach Wien und der Weg weg von Wien. Zwei Geschichten, die nichts miteinander zu tun haben, die sich nie berühren, nie kreuzen – und die doch nur zusammen Sinn ergeben, die nur durch die Verknüpfung das Ganze des Films und seiner Bedeutung ergeben.

    Ulrich Seidl inszeniert die Realität, nicht ihre filmische Illusion. Laiendarsteller spielen mehr oder weniger sich selbst, die Drehorte werden on location nicht verändert, am Set wird improvisiert, das Drehbuch nur als Arbeitsgrundlage verwendet, und die Kamera verbleibt stets im beobachtenden, dokumentarischen Gestus. Gleichzeitig sind Seidls Spielfilme auf unaufdringliche Art stark stilisiert, er sucht stets das Extreme, um es abzufilmen: die Boxen einer Webcam-Sexfirma, die winterliche Eiseskälte in der Ukraine, die sterbenden Patienten in der Altenpflege. Er zeigt die Monotonie des kleinen Alltags, die Leere der Räume – häufig ist nach einem Schnitt nicht klar, ob wir uns im Westen in Wien oder im Osten, in der Ukraine, befinden. Diese Gleichförmigkeit des gesellschaftlich Unteren ist ein wichtiger Teil von Seidls Botschaft – die er im Übrigen nie deutlich ausspricht.

    Seidl zeigt den dreckigen, zugemüllten Hinterhof der Wohlstandsgesellschaft, und er zeigt die Ausbeutung, die Erniedrigung, die das Geld, das Kapital den kleinen Leuten antut. Hartes Training, nein: Exerzieren bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus für die Ausbildung zum Security Man bedeutet nicht, dass man seinen Job behält, wenn man als Wachmann in der nächtlichen Tiefgarage von einer Türkengang verhöhnt und zusammengeschlagen wird. Junge Ukrainerinnen zeigen vor der Webcam alles, aber auch alles, um westliche Wollust zu befriedigen. Wer einem Geld schuldet, ist in dessen Hand, auch wenn’s der Stiefvater ist. Olga arbeitet als Putzfrau im Haushalt reicher Snobs, ist die Sklavin der Dame des Hauses, die ihre Macht willkürlich ausspielt. Und Pauli erhält eine Lektion von der Macht des Geldes, als Stiefvater Michael im ukrainischen Hotelzimmer eine junge Prostituierte unten ohne auf dem Boden Radl fahren, sie als Hund bellen oder sich selbst beschimpfen lässt.

    Das sind harte Bilder, das ist extrem und radikal, formal streng und lang und monoton, was Seidl da zeigt – wenn auch nicht so zwingend und quälend wie in seinem Spielfilmdebüt „Hundstage“. Und auch wenn man manche Bilder, die der Film bietet, nicht sehen will, blitzt doch auch immer Humor auf, Witz, satirische Einsprengsel, die das Radikale nicht abschwächen, sondern zuspizen, verdeutlichen – wenn Olga im Flur des Fließband-Websex-Betriebes dirty talk in phonetischem Deutsch lernt, oder wenn in einem Bewerbungsseminar Dirk Stermann auftritt, der österreichische Radio-Satiriker, demnächst auch mit „Immer nie am Meer“ im Kino.

    Der Mensch muss wissen, wie seine Lebenswelt funktioniert, wie die Dinge hinter der Fassade laufen – und Seidl hält seine Kamera drauf, zeigt, ohne offen zu bewerten – und doch hat jedes Bild, jede Einstellung seine eingeschriebene Moral, die den Ausverkauf des Menschlichen anprangert. Er zeigt die Trostlosigkeit, lässt sie aber nie gänzlich hoffnungslos erscheinen – in der Geriatrie, im Umgang mit den alten und hilflosen Menschen, die keine Macht mehr haben, könnte Olga vielleicht – obwohl sie nur die Putze ist – glücklich werden. Und Pauli findet etwas wie Freiheit, als er ganz unten angelangt ist.

    Fazit: Ein zuweilen harter, zuweilen gar quälender, dann aber auch wieder satirisch zugespitzter Blick auf die alltägliche Erniedrigung kleiner Leute. Und dabei ist die Bewegungsrichtung – ins „goldene“ Westeuropa oder ins „verkommene“ Osteuropa – zweitrangig…
  • Leben ist Leid in Ulrich Seidls mit pechschwarzem Humor durchzogenen Ballade vom Ringen um Glück und Würde in Ost und West.

    Das Prinzip Hoffnungslosigkeit beherrscht keiner besser als der für seine bitteren Dokumentationen bekannte Österreicher Ulrich Seidl, der mit seinem bedingungslos brutalen „Import Export“ seine zweite Spielfilmarbeit nach „Hundstage“ vorstellt. Nun könnte man Seidl leicht vorwerfen, er mache wenig mehr, als nur seine sprichwörtlich misanthropische Weltsicht leicht variiert wiederzukäuen und sich am Elend anderer zu ergötzen, würde er nicht nach und nach Seiten seiner beiden Protagonisten offenbaren , die so gar nicht dem Klischeebild entsprechen wollen, das man sich gleich zu Beginn von ihnen macht. Natürlich ist die Welt, in der sie sich bewegen, ob nun die Ukraine oder Wien, ein einziges Jammertal. Dass und wie sie sich nicht unterkriegen lassen im Verlauf dieses Films, der auch in den schlimmsten Momenten niemals abblendet, macht die endlose Abfolge von Erniedrigungen, Rückschlägen und Enttäuschungen in immer trostloseren Situationen erträglich. Wenig wird dem Zuschauer erspart, aber dennoch verlieren die beiden Protagonisten ihre Würde nie: Ost und West kreuzen hier die Wege, wenn eine ukrainische Kinderkrankenschwester nach erfolglosen Versuchen im Internet-Porno-Geschäft ihr Glück in einem Wiener Altenheim sucht, während ein junger Wiener Prolet mit seinem asozialen Stiefvater in die Ukraine aufbricht, um olle Spielautomaten aufzustellen. Was sie finden sind jedoch nicht die Kahrseiten des Elends, dem sie entkommen wollen, sondern dessen Spiegelbild. Seidl hat seinen Film ausschließlich vor Ort gedreht, an den hässlichsten Flecken, die man sich vorstellen kann und die er mit stoischer Ungerührtheit einfängt. Und doch hat sein großartiger Film einen eigentümlichen Witz, in den man sich als Zuschauer flüchten kann. Und dann hebt in der gespenstischen letzten Szene im Crescendo ein regelrechter Chor des Leidens an, der mit dem Wort „Tod“ abrupt endet. ts.

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