Fakten und Hintergründe zum Film "Immer nie am Meer"

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Immer nie am Meer Poster

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Regiestatement von Antonin Svoboda

Die Hoffnung stirbt zuletzt heißt es, aber was, wenn sie schon seit Jahren in einem begraben ist, und plötzlich wird es klar. Da ist eine aussichtslose Situation: eingekeilt zwischen Bäumen, absurd, grotesk und vielleicht gar nicht so endgültig. Aber wie in so vielen Situationen des Lebens gibt man sich hin, akzeptiert, kapituliert und setzt dem gelebten Fatalismus die Baumkrone auf. Manchmal geht man in den Keller lachen und manchmal in den Wald sterben, und in IMMER NIE AM MEER wohl beides.

Und trotzdem oder gerade weil sie so unfertige Menschen sind liebe ich meine Figuren. Sie sind kleinlaute Antihelden, fies, hinterlistig und gemein, und vielleicht gerade deshalb haben sie ein unbeugsames Herz, das aus ihnen herauspocht. Sollte man sich vorstellen wollen, wie und wo und vor allem mit wem man stirbt, dann wäre diese albernde Herrenrunde sicher nicht das Schlimmste, aber wenn du glaubst es geht nicht mehr…kommt's irgendwo noch schlimmer her.

(Regisseur Antonin Svoboda)

Interview mit dem Regisseur

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„Die haben alles ausgesessen. Bis zum Schluss.“

Antonin Svoboda spricht mit Peter Krobath über Authentizität, Selbstironie und Schauspieler, die keine sind.

IMMER NIE AM MEER ist nicht nur der Titel deines Films, so heißt auch ein Buch von Dirk Stermann und Christoph Grissemann. Buch und Film haben aber nichts miteinander zu tun . . .

ANTONIN SVOBODA: Genau. Der Titel hat aber mit dem Buch in dem Sinn auch nichts zu tun. Das ist eine Stoffsammlung, eine Art Selbstdarstellung, die ein Gefühl der Unerfülltheit skizziert, ein ständiges Scheitern beschreibt. Wir haben den Titel als eine Art Programm verstanden. So wie der Inhalt des Buches nicht unbedingt, aber doch etwas mit dem Titel zu tun hat, hat der Inhalt des Films auch nicht unbedingt, aber doch etwas mit dem Titel zu tun. Man darf das nur nicht so stringent sehen.

Wer Dirk Stermann und Christoph Grissemann von ihrer Bühnen- oder Radio-Arbeit her kennt, hat im Kino unweigerlich das Gefühl, die spielen sich da selbst. Ist das so?

ANTONIN SVOBODA: Natürlich sind die beiden nicht hundertprozentig so wie im Film, aber sie haben schon auch ein gewisses Kunstfigur-Verständnis von sich selbst. Christophs eher cholerisches Temperament und Dirks mehr phlegmatischer Charakter sind sicher angelehnt an der Wirklichkeit, aber die Tablettensucht vom Christoph ist zum Beispiel wiederum frei erfunden. Die beiden sind keine Schauspieler, also hätte es auch wenig Sinn gemacht, mit ihnen irgendwelche komplizierten Rollenbilder zu erarbeiten. Das hätte mich auch nicht interessiert. Mich fasziniert diese seltsame Gebrochenheit von Authentizität und Selbstironie, da steckt etwas ganz Naives drinnen. Die wirken total ungeschminkt, obwohl viel vorgegeben wird - das macht die Qualität von Stermann und Grissemann aus. Abgesehen davon, dass sie einen guten Humor haben. Einen anderen Humor.

Musstest du die beiden als Regisseur zurücknehmen oder antreiben?

ANTONIN SVOBODA: Schon eher zurücknehmen. Die waren nicht gewohnt, so minimal zu arbeiten. Es gab zwar eine gute Anlage, weil sie auf der Bühne auch meistens nur herumsitzen, das sind ja nicht unbedingt die großen Pantomime-Künstler. Grundsätzlich habe ich gesagt, ihr müsst nicht einmal das machen. Meiner Meinung nach hat das ganz gut funktioniert.

Quasi die Clint Eastwood Version von Stermann und Grissemann.

ANTONIN SVOBODA: Wenn man den Vergleich machen kann . . . Besonders der Christoph hat eine irrsinnige Präsenz, indem er einfach nur da ist. Und wie die beiden gewohnt sind, einfach nur zu sein, das reicht eigentlich schon. Also antreiben musste ich sie nicht. Obwohl es natürlich ein Kraftakt war, dreieinhalb Wochen im Wald zu sitzen und Tag für Tag und oft auch nächtelang in diesem Auto eingesperrt zu sein. Ich glaube, wenn die beiden, und natürlich auch Heinz Strunk, nicht so gut befreundet wären, hätte das schnell in einer Katastrophe enden können. Es gab Tage, wo wir am Limit waren. Gerade da habe ich gemerkt, das sind Profis. Steher. Oder Sitzer in diesem Fall. Die haben alles ausgesessen. Bis zum Schluss.

Der überwiegende Teil von IMMER NIE AM MEER spielt im Inneren eines Autos, das im Wald zwischen zwei Bäumen steckt. Wie bereitet man sich auf solche Dreharbeiten vor? Gab es ein Storyboard?

ANTONIN SVOBODA: Wir haben eines begonnen. Aber bald war klar, wenn wir nicht die Möglichkeiten haben, das Auto wie in Hollywood von allen Seiten her aufzuschneiden und die Kamera wirklich überall hinzusetzen, dann ist ein Storyboard sinnlos. Sechzig Seiten lang immer wieder nur Köpfe zu zeichnen, wird irgendwann unsinnig. Unser Kameramann hat lieber eine geniale Konstruktion gebaut, die es uns ermöglicht hat, die Bildebene auf Autofensterhöhe zu halten. Außerdem haben wir versucht, mehr oder weniger chronologisch zu drehen.

Du hast deine Filmfiguren als kleinlaute Antihelden beschrieben…

ANTONIN SVOBODA: IMMER NIE AM MEER ist kein Survival-Drama, in dem es darum geht, wie viel Fingernägel reiße ich mir aus, damit ich aus dem Auto komme. Darum geht es nicht. Das führt zur Frage, aus welchem Blickwinkel man den Film sehen will. In diesen Figuren steckt viel Fatalismus. Klar will man im Kino gerne Helden sehen, die größer als das Leben sind, die sozusagen mehr sind als ich selbst. In dem Sinn machen wir das Gegenteil. Wir zeigen welche, die weniger sind.

Interview mit den Drehbuchautoren

„Wir haben uns bemüht, so wenig wie möglich zu tun.“

Dirk Stermann und Christoph Grissemann sprechen mit Peter Krobath über Schreiben in Bulgarien, Sitzen im Auto und Menschen, die höflich sterben.

Heinz Strunk hat erzählt, dass ihr drei Jahre lang am Drehbuch gearbeitet habt. Wie muss man sich das vorstellen?

CHRISTOPH GRISSEMANN: Es war nicht so, dass wir tatsächlich jahrelang ununterbrochen geschrieben haben. Es gab auch große Pausen dazwischen. Es stimmt schon, von der ersten Zeile bis zur Realisierung sind etwa drei Jahre vergangen. Aber es war keine dreijährige intensive Beschäftigung mit dem Film.

DIRK STERMANN: Wir haben uns das erste Mal in Bulgarien getroffen. Da haben wir zwei Wochen lang geschrieben, dann war das Buch fertig. In Wien haben alle gesagt: „Das gibt's doch nicht. In zwei Wochen?“ Ich dachte, das ging so schnell, weil wir eben zu dritt waren. Aber das stimmte nicht.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Es gab einige dramaturgische Schwächen.

DIRK STERMANN: Unter anderem hat man uns ausgerechnet, dass der Film bei diesem Drehbuch nur etwa 25 Minuten lang gewesen wäre.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Dann haben wir es eben wieder umgeschrieben. Es gab überhaupt ein ständiges Verwerfen von Ideen. Zuerst war es ja auch tatsächlich als Komödie geplant, obwohl es jetzt nach drei Jahren als Tragödie geendet hat. Da haben wir total versagt.

Aber zwischendurch ist doch ein relativ gelungener Fäkalhumor dabei.

DIRK STERMANN: Wenn Leute lange Zeit auf engem Raum zusammen sind, passieren eben gewisse Dinge. Das war auch die Frage, ob man das nun zeigt oder nicht zeigt. Wobei alles haben wir ohnehin nicht gezeigt.

Das Thema wäre eigentlich die Grundlage für einen Actionfilm. Aber ihr habt dem Actionfilm jede Action genommen.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Weil wir eben keinen Actionfilm drehen wollten. Dadurch wird es realistischer. Wir wollten eher die wahnsinnige Langeweile zeigen, die gerade in so einer tragischen Situation entstehen kann. Wenn du volle fünf Tage in so einem Auto verbringst, hast du auch unglaublich lange Momente. Uns ging es darum, diese Banalität des Grausamen darzustellen.

DIRK STERMANN: Ganz ursprünglich wollten wir zeigen, wie das ist, wenn Leute, die sich nicht kennen, zusammen höflich sterben. Ich habe das mal wo gelesen, dass Leute, die mit dem Flugzeug abstürzen, kurz vor Ende ganz höflich miteinander umgehen. Das weiß man von Handygesprächen. Wenn der Kapitän plötzlich sagt: „Wir stürzen gleich ab. Sie dürfen jetzt rauchen und telefonieren, weil es eh schon wurscht ist.“ Das wollten wir zeigen.

Trotzdem: Auf welches Genre können wir uns einigen?

DIRK STERMANN: Intern haben wir uns auf den Begriff Psycho-Groteske geeinigt. IMMER NIE AM MEER hat ein bisschen was von Haneke, weil das Kind halt so unheimlich ist, und trotzdem ist es auch ein bisschen eine Groteske, weil es ja ursprünglich als Komödie angelegt war. Natürlich könnte man sagen, es ist eine schwarze Komödie. Aber warum sollte es das sein? Ich wüsste jetzt auch nicht warum. Es ist ein bisschen ein Katastrophenfilm. Aber so einer, wo die Leute relativ gut klar kommen mit der Katastrophe. Die wehren sich relativ wenig, was ich eigentlich sehr menschlich finde.

Wodurch unterscheidet sich IMMER NIE AM MEER von eurer Radioarbeit?

DIRK STERMANN: Radio ist auf den Moment geschrieben. Man hört es schnell und dann ist es auch schon wieder weg. Beim Film ist das Schockierende, dass man sich überlegen muss, wie möchte ich der Nachwelt überliefert werden. Ein Film ist wie ein Testament. Das Spielerische geht dabei völlig verloren.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Im Radio plapperst du los ohne Rücksicht auf Verluste, während beim Film um jedes Wort gestritten wird. Für mich war das eine ziemliche Enttäuschung, als ich gesehen habe, wie das beim Film abläuft. Da darfst du dich keinen Zentimeter bewegen, schon bist du wieder aus dem Licht raus. Ich bin nicht begeistert von der Tätigkeit als Schauspieler. Ich fühle mich da im Radio oder auf der Bühne viel freier.

Trotzdem sind die Figuren sehr nah bei euch.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Das war notwendig, weil wir ja keine Schauspieler sind. Damit wir uns nicht überfordern, mussten wir die Figuren so nah wie möglich an uns selbst schreiben. Ich kann schwer einen Zirkusdirektor darstellen, weil ich mit diesem Metier nichts zu tun habe. Dirk als Lokomotivführer ginge auch nicht. Deshalb war es gut, dass wir uns als uns selbst fühlen in diesem Film. Das hat die Arbeit natürlich wahnsinnig erleichtert, dass man ganz nah an sich schreibt. Weil man ist ja eh schon überfordert mit dem schauspielerischen Ding an sich. Der Film würde auch ganz sicher anders ausschauen, wenn da Louis de Funès, Klaus Kinski und Oskar Werner im Auto sitzen. Das wäre die expressive Variante. Wir haben uns bemüht - aus Angst vor Peinlichkeit - so wenig wie möglich zu tun.

Wer kam auf den Kunstgriff, das Auto aus dem Fundus von Kurt Waldheim zu nehmen und mit Panzerglasscheiben auszustatten?

DIRK STERMANN: Das war notwenig, weil sonst kann ja jeder sofort raus aus diesem Scheißauto. Und wer hat schon Panzerglas im Auto? Doch nur Wirtschaftsbosse und Politiker. Wir wollten anfangs, dass da auch noch private Sachen von Waldheim im Auto sind, die er vergessen hat. Zum Beispiel hatten wir überlegt, dass da eine CD liegt mit Hymnen. Aber das wurde dann rausgestrichen. Ich hätte auch gerne einen Knopf gehabt, wo dann vorne die österreichische Fahne rauskommt. Aber auch das wurde als albern verworfen.

Wie kam der Heinz Strunk auf die Rückbank des Autos?

DIRK STERMANN: Das war ein ganz banaler Grund. Wir kennen uns beide sehr gut. Und weil ein Film halt doch eine große Sache ist, wussten wir, dass wir jemand brauchen, der da auch dabeibleibt. Den Heinz kennen wir seit Jahren. Wir mögen, was er macht, aber wir wussten auch, das ist ein seriöser Arbeiter. Der macht das dann auch.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Außerdem ist er auch als Typ gut besetzt. Ich kann dem lange zuschauen, auch wenn er nichts macht. Das ist das Helge-Schneider-Phänomen. Egal was er macht, ich kann immer lachen oder finde es interessant.

Erzählt mir doch etwas über das Kind, das da seine Laborversuche mit euch macht.

DIRK STERMANN: Das Kind war ursprünglich ein 15jähriger grenzdebiler Landtyp. Dann hat Antonin Svoboda gefunden, das ist nicht gut, von wegen Landtyp und unheimlich und grenzdebil. Der wollte dann, dass das ein deutscher Tourist ist.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Da warst du dann dagegen.

DIRK STERMANN: Da wäre ich sogar dafür gewesen, aber das passte dann alles nicht. Ich glaube, es war die Idee vom Heinz, dass es da ein Camp mit dicken Kindern geben soll, wo der dann eben herkommt. Aber wir fanden es dann unsympathisch, dicke Kinder so zu zeigen. Schließlich gab es ein Casting mit dicken und dünnen Kindern und wir haben uns dann auf dieses dünne Kind geeinigt. In Folge musste natürlich auch das Camp mit den dicken Kindern umgeschrieben werden.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Aber letztendlich war es schon eine ganz gute Wahl, dass der Bub da so ausschaut wie das liebste, netteste Kind von nebenan. Dass es eben kein Dicker und kein Dummer war.

Wie lange habt ihr gedreht?

CHRISTOPH GRISSEMANN: Viereinhalb Wochen. Wobei wir ein wahnsinniges Glück mit dem Wetter hatten. Es hat erst am letzten Tag geregnet. Da haben wir erst bemerkt, was uns alles erspart geblieben ist. Das war so ein abschüssiges Waldstück, wo wir gedreht haben, da ist die Crew sofort einen halben Meter im Schlamm eingesunken, einige wurden richtiggehend weggeschwemmt. Etwas früher Regen, und es wäre ein Katastrophendreh geworden. So aber hatten wir wahnsinniges Glück gehabt. Es waren schon extreme Bedingungen. Auch wegen der Insekten. Das Auto stand fünf Wochen im Wald. Das war voller Viecher. Wir haben uns dauernd Zecken rausgedreht. Es war schon hart. Aber was man immer sagt - und in dem Fall stimmt es auch: Das Team hat hervorragend gearbeitet und wir haben uns wahnsinnig gut verstanden.

Von den viereinhalb Wochen wart ihr wie lange im Auto?

DIRK STERMANN: Schon drei Wochen. Wir haben sicher drei Wochen da gesessen. Zwar haben die das Auto von allen Seiten her aufgemacht, aber der Platz, den du zum Sitzen hast, wird nicht größer, nur weil die die Seitenwand wegnehmen. Vom Gefühl her ist das so, als hättest du einen dreiwöchigen Flug hinter dir. Du sitzt halt am Tag zwölf Stunden in diesem Scheißauto.

Klingt nach Lagerkoller?

CHRISTOPH GRISSEMANN: Das ging so. Eigentlich war es ganz gemütlich. Du wartest halt wahnsinnig viel, bis die auch nur eine Sekunde aufnehmen. Aber das haben wir psychisch ganz gut hingekriegt.

DIRK STERMANN: In Wahrheit haben wir uns alles viel schwieriger vorgestellt. Schon beim Schreiben in Bulgarien, wir hatten da zu dritt zwei Hotelzimmer, haben wir die Klimaanlage total runtergedreht, um das richtige Gefühl herzustellen, weil ursprünglich sollte der Film ja im Winter spielen. Also erstens arschkalt und zweitens dachten wird, um dieses Gefühl der Enge herzustellen, sollten wir unterm Bett liegend schreiben, damit wir wissen, worüber wir überhaupt reden. So haben wir uns das vorgestellt. Wir haben aber auch schnell gemerkt, dass das zu unbequem war.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Dagegen war die Situation im Auto relativ den Umständen entsprechend komfortabel. Da gibt es auch dauernd jemanden, der einem die Wurstsemmel reicht. Das ging schon. Kein großer Lagerkoller.

Ist IMMER NIE AM MEER nun die konsequente Weiterführung eurer Arbeit, oder seht ihr das doch eher als Seitensprung?

DIRK STERMANN: Vor Jahren haben wir das Drehbuch für Antonin Svobodas Abschlussfilm auf der Filmakademie geschrieben und auch mitgespielt. Der Film war 25 Minuten lang, das Drehbuch haben wir innerhalb von zwei Tagen geschrieben. Damals stand dieser legendäre Satz im Kurier: Für einen Kurzfilm erstaunliche Längen.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Jetzt wollen wir, dass es bei dem Film anders herum ist.

DIRK STERMANNN: Antonin hat uns trotzdem immer wieder gefragt, ob wir nicht irgendwann noch was machen wollen. Das ging über Jahre. Und jetzt hat es irgendwie gepasst. Es ist zwar vollkommen anders als Radio, aber eigentlich finde ich es ganz gut.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Um auf deine Frage zurückzukommen: Für mich war das schon eher ein Seitensprung. Ich sehe mich sicher nicht als große österreichische Kinohoffnung. Dafür bin ich zu alt und leider auch zu talentfrei. Trotzdem würde ich gerne auch in anderen Filmen spielen. Aber nur ganz kleine Rollen. Als Edelstatist, der irgendwo im Hintergrund Sushi isst. Für mehr finde ich mich nicht gut genug.

Dabei meinte Heinz Strunk, du seiest der beste Schauspieler von euch dreien.

CHRISTOPH GRISSEMANN: Das sagt einiges über die Qualität der anderen beiden aus.

DIRK STERMANN: Wir können nicht mal Sushi essen.

Angenommen, Hollywood produziert ein Remake von IMMER NIE AM MEER. Wer sollte dann euch zwei spielen?

GRISSEMANN: Christopher Walken. Das kann ich mir gut vorstellen. Der hat auch so ein leeres Gesicht wie ich. Und bei Dirk wäre es wahrscheinlich George Clooney, oder?

STERMANN: George Clooney möchte ich nicht. Ich würde die Rolle wieder selber spielen wollen. Und dann immer ins leere Gesicht von Christopher Walken schauen. Das stelle ich mir schön vor.

Interview mit Drehbuchautor Heinz Strunk

„Wir hatten Glück mit dem Wetter.“

Heinz Strunk erzählt Peter Krobath, wie sich einer fühlt, der drei Wochen lang im Wald im Auto sitzt.

Kannst du mir den Humor von Dirk Stermann und Christoph Grissemann sozusagen aus deutscher Sicht beschreiben?

HEINZ STRUNK: Ich kann nur sagen, dass das relativ nah bei dem liegt, was ich auch in Deutschland gut finde. Neue Frankfurter Schule, Helge Schneider, Polt und so was.

Würdest du weiters sagen, dass das auch relativ nah bei dem ist, was du auch selbst machst als Künstler?

HEINZ STRUNK: Sonst wäre unsere Zusammenarbeit, die ja immerhin schon seit über sieben Jahren andauert, sicher nicht zustande gekommen. Das liegt schon sehr dicht bei. Die letzten drei Jahre hat sich das allerdings auf den Film beschränkt.

So lange habt ihr am Drehbuch gearbeitet?

HEINZ STRUNK: Ja. Wobei, das Exposé habe ich alleine geschrieben. Aber ab da immer zusammen. Da waren ganz schön weite Wege zurückzulegen. Aber schlussendlich haben wir es dann doch zu Ende bekommen.

Was war die Grundidee von IMMER NIE AM MEER?

HEINZ STRUNK: Ich glaube, das kam von Stermann: Drei Männer verunglücken mit einem Auto und liegen im Sterben. Das war die Grundidee. Aber so ging's natürlich nicht. Es ist ja immer noch so, dass das Ende offen ist. Aber dass die nur dasitzen, sich unterhalten und sterben . . . das hätte dramaturgisch sicher nicht gereicht.

Das Drehbuch wurde im Team entwickelt?

HEINZ STRUNK: Ja, immer miteinander. Das Exposé habe ich auch nur deshalb alleine geschrieben, weil die beiden zuviel zu tun hatten. Aber später wurden die Ideen richtig gemeinsam entwickelt. Jeder sollte die Sätze, die er sagt, nach Möglichkeit selbst schreiben. Aber wenn beim Spielen was nicht gepasst hat, wurde das schnell wieder weggelassen. Wenn ich den Film sehe, habe ich das Gefühl, dass wir vom Temperament her schon so sind wie da auf der Leinwand. Das könnten auch O-Töne sein.

Du bist als Musiker, Vortragskünstler und Buchautor bekannt. Ist das dein erster Film?

HEINZ STRUNK: Also Feder führend und mit Hauptrolle schon.

Wie waren die Dreharbeiten? Wochenlang im Auto… Ich stelle mir das einigermaßen eng vor. Gab es Lagerkoller?

HEINZ STRUNK: Nein, gar nicht. Wir hatten Glück mit dem Wetter. Erst am allerletzten Tag haben gewaltige Regengüsse den Drehort verwüstet. Wenn das vorher schon passiert wäre, hätten wir den Film wohl gar nicht machen können. Letztendlich habe ich es mir härter vorgestellt. Es ging dann immer doch. Natürlich war es nicht immer angenehm, sich in dieses Auto zu quetschen. Besonders weil ich - typisch für mein Alter - an Rückenschmerzen leide.

Spielst du in IMMER NIE AM MEER dich selbst?

HEINZ STRUNK: Ich spiele den Heinz Strunk vor fünf oder zehn Jahren. Einen erfolglosen Entertainer, der von seinem Manager aus dubiosen Gründen nach Österreich geschickt wird, und der da komplett gar nix hinkriegt. Das zeichnet ja ungefähr fünfzehn Jahre meiner Laufbahn aus. Das ist genauso gewesen. Es war nicht ganz so wild, aber trotzdem habe ich ungefähr alles gemacht, was man sich vorstellen kann. Es gab nichts, was ich nicht gemacht hätte, außer James Last vielleicht.

Das heißt aber auch, dass im Film auch ein beträchtliches Maß an Selbstironie steckt.

HEINZ STRUNK: Es war von Anfang an so geplant, dass wir die Figuren, die wir im Film sind, relativ eng an uns anlehnen - allein schon aufgrund unserer mangelnden schauspielerischen Qualifikation. Das wäre wohl zuviel gewesen, wenn wir in komplett andere Charaktere geschlüpft wären. Es war so schon schwierig genug.

Die drei sitzen im Auto von Kurt Waldheim, deshalb sind die Fenster auch aus Panzerglas, und sie kommen nicht raus. Was sagt dir der ehemalige österreichische Bundespräsident Waldheim?

HEINZ STRUNK: Ich habe das schon alles mitbekommen. Und zu meinem großen Bedauern heißt der Film nun nicht „Waldheim“. Ich hielt den Titel für großartig, aber mir wurde gesagt, dass das aufgrund der Brisanz des Namens Waldheim in Österreich nicht möglich war, den Film so zu nennen. Ich habe dann vorgeschlagen „In Waldheim“, aber auch das wurde nicht gewollt.

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