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Fakten und Hintergründe zum Film "Immer Drama um Tamara"

Kino.de Redaktion |

Immer Drama um Tamara Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Die Figur Tamara Drewe hat unbestreitbar eine ganz besondere Anziehungskraft – aber was reizte ausgerechnet Regisseur Stephen Frears an der berühmten Comic-Serie und schließlich am Drehbuch? „Beim Lesen des Drehbuchs musste ich lachen. Es ist sehr, sehr witzig, dabei sehr, sehr sexy und ein überaus zeitgenössischer und moderner Stoff. Die Adaption eines Comics für die Leinwand empfinde ich als wahnsinnig befreiend. Man kann sich quasi alles erlauben. Bei Comics denkt man meistens ‚Superman‘ oder andere Superhelden, aber dies ist eine sehr intelligente Bildergeschichte und handelt von Dingen, die wir selbst kennen. Ich habe noch nie eine solche Art von Film gemacht und musste völlig umdenken, um die Sache anzupacken.“

Produzentin Alison Owen erinnert sich: „Ich sah eine Gelegenheit, mit IMMER DRAMA UM TAMARA einen interessanten Independent Film mit tollen Figuren zu realisieren, eine Mischung aus Drama und – intelligenter – Komödie mit einigen gesellschaftlichen Bezügen.“

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Ein glücklicher Zufall stand Pate bei der Entstehung von IMMER DRAMA UM TAMARA. „Ich kannte Posys Arbeit und liebte sie“, so Alison Owen (der Comic erschien zunächst als Serie im „Guardian“). „Aber erst als Posys Verleger auf die geniale Idee kam, Tamara als komplette Comic-Serie zu veröffentlichen, sah ich Material für einen wunderbaren Filmstoff. Ich bekam das Buch am Wochenende zu sehen, und am Montagmorgen schickte mir der Literaturagent Anthony Jones eine Kopie, offensichtlich hatten wir dieselbe Idee. Gleichzeitig sandte er eine Kopie an Christine Langan von BBC Films, und dann liefen Christine und ich uns in einem Delikatessengeschäft über den Weg, beide mit den TAMARA DREWE-Büchern in der Tasche. Christine und ich verliebten uns sofort in die Geschichte, und die BBC erklärte sich bereit, das Projekt zu entwickeln – bessere Rahmenbedingungen konnte ich mir gar nicht wünschen.“

Stephen Frears erlag ebenso schnell dem einzigartigen Charme von Posy Simmonds Comic und der verlockenden Herausforderung: „Ich wusste, es war etwas Besonderes. Christine Langan schickte mir das Buch und meinte, ‚Ich habe etwas für dich‘. Auf meinem Flug nach New York öffnete ich den Umschlag und traute meinen Augen kaum. Es war wie bei „The Snapper – Hilfe, ein Baby“. Man glaubt nicht, was man in den Händen hält. Einfach super.“

Der glückliche Zufall und die Lebendigkeit des Basismaterials waren das Pfund, mit dem Alison bei der Zusammenstellung des Teams wuchern konnte: „Moira Buffini war die erste Autorin, der wir die Unterlagen zukommen ließen, und sie war sofort Feuer und Flamme. Ihr erster Drehbuchentwurf war schon traumhaft gut. Wir haben ihn noch etwas optimiert und gaben ihn dann Stephen Frears, unsere erste Wahl als Regisseur. Und der sagte sofort zu. Das war so eine Situation, in der man ahnt, der liebe Gott ist mit dir und du weißt, du hast das Universum auf deiner Seite.“ „Wenn man über Jahre hinweg die unterschiedlichsten Arten von Produktionen stemmt, freut man sich über eine so seltene Gelegenheit, in der einfach alles passt“, fügt Produzent Paul Trijbits hinzu.

Produktion: Das Drehbuch

Eine weitere Besonderheit und die nächste Herausforderung bei der Adaption von TAMARA DREWE war die Tatsache, dass in Posy Simmonds Original-Comic bereits ein quasi fertiges Storyboard für den Film existierte. Für Drehbuchautorin Moira Buffini bedeutete das mehr Hilfe als Hindernis: „Visuell kriegt man einiges geboten, sodass man denkt: ‚Du meine Güte – das ist ein Film! Die Charaktere in den Zeichnungen geben viele Anhaltspunkte, alle Figuren sind sehr gut getroffen.“

Frears selbst empfand Posy Simmonds Illustration als hilfreichen Bezugspunkt: „Es lag buchstäblich schon ein Storyboard vor. Häufig haben wir ins Buch geschaut und gesagt: ‚Da kann ich nichts mehr verbessern, alles, was ich wissen will, ist erzählt. Vor uns hat jemand schon alles zu einem einzigen Bild komprimiert. Es mochte ein komplexes Bild sein, aber es passte in einen Rahmen.“

Produktionsdesigner Alan MacDonald, einer von Frears ständigen Mitarbeitern, führt dazu aus: „Es ist ungewöhnlich für einen Designer, ein fertiges Storyboard vorzufinden, das ständig gegen meine Interessen arbeitet. Oft sagte Stephen: ‚Schau ins Buch!‘, manchmal aber auch: ‚Jetzt ignorier das Buch!‘“

Niemand sollte sich gezwungen fühlen, Posys Illustrationen eins zu eins zu folgen – einer der Schlüssel zum Erfolg des Produktionsteams. Kostümdesignerin Consolata Boyle: „Man geht immer zurück zum Originalmaterial, weil man da etwas Tolles findet. Gleichzeitig braucht man auch die Freiheit, die Vorlage zu interpretieren, weil die Schauspieler mitsamt ihrem Aussehen, ihren Gefühlen und ihrer Ausstrahlung involviert sind; auch diese Faktoren müssen einbezogen werden. Aber Buch und Illustrationen bildeten ein gutes Sicherheitsnetz.“

Produzentin Alison Owen zum Casting: „Eine Anzahl der Charaktere sah letztendlich nicht ganz so aus wie in Posys Zeichnungen. Einige hatten nichts mit der Vorlage zu tun, und wir überlegten: Macht es wirklich viel aus, wenn wir das Wesen der Figur lieben, aber sie in keiner Weise an Posys Buch erinnert? Ist es nicht wichtiger, das Innere einzufangen? Können wir uns den Charakter neu ausdenken, solange er das Wesentliche von Posys Figur ausdrückt?“

Für die Schauspieler hielt die Comic-Serie ganz eigene Herausforderungen bereit. Luke Evans, der den Andy spielt: „Als ich das Drehbuch las, wusste ich sofort über meine Figur Bescheid. Das war ziemlich merkwürdig. Auch meinen Kollegen erging es ähnlich, sie hatten das Gefühl, durchgescannt zu werden, und dachten: ‚Ich sehe so aus wie die vorgegebene Figur, da habe ich doch einen guten Job abgeliefert!‘ Wir übernahmen alle etwas von den Figuren. Es ist einfach magisch, dass wir trotz individueller Auswahl den Charakteren sehr ähnlich waren, nicht nur physisch, sondern auch in unseren Eigenarten.“

Auch für Tamsin Greig war das Buch eine große Hilfe: „Es schmeichelt mir als Schauspielerin, wenn ich das Gefühl habe, ein ganz spezifisch eigenes Storyboard überreicht zu bekommen. Posy Simmonds ist einfach super in den kleinen Ausdrucksnuancen. Man glaubt, ein 3-D-Skript zu haben, weil es so viele visuelle und körperliche Blickwinkel berücksichtigt.“

Auch die Form der Comic-Serie löste unter den Filmemachern Diskussionen aus: Wie viel des ursprünglichen Stils der Comic-Serie sollte in den Look des Films einfließen? Alison Owen: „Wir wollten einiges davon einfangen, weil die Art der Umwandlung des Ausgangsmaterials in Filmbilder einen ansprechenden Rhythmus hat und eine Extra-Dimension hinzufügt, das wollte ich – so weit wie möglich – berücksichtigen. Ich glaube, Stephen war unheimlich klug, den Rhythmus zu übernehmen, ohne auf die typischen Elemente einer Comic-Serie zurückzugreifen. Die einzige Ausnahme war ein wenig Split-Screen hier und da, der den Rhythmus beeinflusst hat. Man spürt, dass eine Comic-Serie adaptiert wurde und das Cartoonhafte am Film, aber diese Elemente sind eingebunden, statt das Ganze zu überlagern. Stephen hat den Geist der Vorlage aufgespürt und in den Film integriert, nicht nur den des Materials, sondern auch den von Form und Genre.“

Produktion: Die Besetzung

„Solange die Besetzung nicht feststeht, fange ich einen Film nicht an“, sagt Regisseur Stephen Frears und weist darauf hin, dass auch Investoren ganz genau auf die Besetzungsliste gucken.

Nichts war schwieriger, als die titelgebende Heldin zu finden. Bis die Richtige kam: „Gemma Arterton erinnerte mich mit ihren Kurven sofort an die Zeichnungen. Sie ist ein tolles Mädchen, warmherzig und witzig. Ich dachte, die würde ich gerne 90 Minuten sehen. So einfach war das.“

Produzentin Alison Owen: „Tamara muss supersexy sein, intelligent, ein bisschen verloren, und sie muss in der Lage sein, die Ironie auszuspielen und beim Publikum Empathie zu wecken, sodass die Zuschauer ihr am Ende den richtigen Mann fürs Leben wünschen. Gemma schien mir all diese Charakteristika bestens zu verkörpern. Stephen hätte den Film ohne sie wohl nicht realisiert.“

Auch an die Suche nach Nicholas, dem Autor, der ständig mit Frauen flirtet, erinnert sich Alison Owen: „Stephen fand von Anfang an, es sei verboten, diesen Film ohne Roger Allam als Nicholas zu besetzen! Das war klar. Schon bei unserem ersten Treffen meinte Stephen: ‚Es liegt auf der Hand, dass Roger den Nicholas spielt!‘“

Frears hatte mit Roger Allam schon bei „Die Queen“ („The Queen, 2006) zusammengearbeitet und lobt ihn: „Er ist wunderbar, wie ein schelmischer Bösewicht in einer Pantomime, ein brillanter Schauspieler, der bisher zu wenig in Filmen auftrat. Dann fand ich als nächsten Tamsin. Und mit diesem Trio – Roger, Gemma und Tamsin – im Boot wusste ich, dass ich den Film jetzt angehen konnte.“

Bei der Besetzung von Beth Hardiment scherte Frears erstmals aus Posy Simmonds Figurenbeschreibung aus: „Tamsin Greig passte nicht in das Zeichnungsschema. Am Ende brauchten wir eine Schauspielerin, die wirklich witzig und ergreifend rüberkam. Ihre Glaubwürdigkeit war wichtiger, als dass sie der Figur äußerlich ähnelte.“

Zu den dreien stieß Dominic Cooper als Tamaras ausgeflippter Liebhaber, Rockmusiker und Teenager-Idol sowie Luke Evans als Andy Cobb, Mädchen für alles bei den Hardiments. Frears fand Dominic beim Vorsprechen unheimlich witzig, und die Frauen meinten, er müsse ihn unbedingt engagieren. „Also habe ich auf sie gehört. Er war ja schon in „Mamma Mia!“ (2008) umwerfend gut. Die Teenies gehen für ihn auf die Barrikaden, und er wirkt sehr überzeugend. Luke zu finden war schon komplizierter. Aber er ist einfach traumhaft als ländlicher Typ.“

Und Alison Owen fügt hinzu: „Ich verstand total, warum alle Mädchen auf Ben (Dominic Cooper) abfahren, und ich verstehe auch, warum Tamara, die gerade etwas verloren ist, von all dem Glamour und Glitzer um seine Person fasziniert ist. Nur sieht man in einer Beziehung unter den Lack auf der Oberfläche, und was sie da entdeckt, gefällt ihr nicht. Und genau in dem Moment erinnert sie sich an den Typen, den wir schon die ganze Zeit auf dem Radar hatten. Von seinem ersten Auftritt an, als Andy eine Flasche Wasser im Gegenlicht trinkt, wussten wir, er ist der eigentliche Traummann aller Frauen.“

Produktion: Stonefield

„Stonefield ist die von Nicholas und Beth Hardiment geführte Schriftstellerresidenz“, erklärt Drehbuchautorin Moira Buffini. „Aber sie ist eigentlich Beths Baby. Während ihr Gatte Nicholas sich als Bestsellerautor mit guten Krimis profiliert, sieht Beth ihre Lebensaufgabe darin, Schriftsteller zu hegen und zu pflegen. Sie hat ihre kleine Farm und kümmert sich um Hühner und Ziegen und eben um Autoren. Stonefield zieht alle möglichen Spezies an: Da ist Glen, der Intellektuelle, der sein anspruchsvolles Buch über Thomas Hardy schreiben will. Und dann sind da noch andere Autoren, die verzweifelt auf Veröffentlichung ihrer Werke warten – wie Tess mit ihren romantischen Romanen, Eustacia mit ihrem Lesben-Krimi und der bekannte Dichter Diggory auf der Suche nach einem größeren Leserkreis. Beth kümmert sich um sie, sorgt dafür, dass sie genug trinken, kocht ihnen schmackhaftes Essen und unterstützt sie nebenbei in ihrer Kreativität.“

„Als Tamara nach dem Tod ihrer Mutter nach Dorset zurückkehrt, um das Familienanwesen zu renovieren und dann zu verkaufen, funktioniert ihre Anwesenheit vom ersten Augenblick an wie ein Stein, den man ins Wasser wirft und darin Kreise zieht“, meint Cutter Mick Audsley.

Drehbuchautorin Moira Buffini stimmt zu: „Tamara hat eine Vorstellung von der Person, die sie gerne sein möchte, und stilisiert sich zu einem Schönheitsideal. Sie hat sich die Nase operieren lassen, legt Wert auf ihr Haar und ihre Kleidung. Mit achtzehn verließ sie das Dorf als hässliches Entlein, ein wütendes Mädchen, das Mitte zwanzig als wunderschöne Frau zurückkehrt, die niemand auf den ersten Blick erkennt, sodass zunächst niemand glauben kann, dieselbe Person von damals zu sehen. Sie spielt bei ihrer Rückkehr die Provokateurin und mischt alle auf, testet ihre neue Rolle als schöne Frau aus. Was passiert, wenn ich diesen oder jenen Knopf drücke, dieses oder jenes ausprobiere? An Tamara mag ich, dass sie ganz tief im Herzen immer noch unsicher ist, sich immer noch als linkisches und wütendes Wesen sieht, sie experimentiert mit dem Leben. Dabei glaubt sie, durch äußere Attraktivität würde sich alles ändern, aber das ist eben nicht der Fall, wie wir alle wissen.“

„Tamara schafft Chaos, wo sie steht und geht, und sitzt ganz schön in der Patsche“, ergänzt Gemma Arterton. „Irgendwie konzentriert sich alles auf ihre Nase, der ganze Film fokussiert auf dieses Thema. Die Unsicherheiten, die Tamara plagen, betreffen heute viele Mädchen, dieser ganze Stress, anerkannt zu werden, gut auszusehen, erfolgreich zu sein und alles, was man tut, auf diese Äußerlichkeiten auszurichten. Ich kann mich damit identifizieren und kenne eine ganze Reihe von Leuten in meinem Bekanntenkreis, denen es ähnlich geht.“

Über seine Rolle als NICHOLAS HARDIMENT sagt Roger Allam: „Er zählt zu den Männern, die glauben, sich sexuell alles erlauben zu können, das Recht darauf leiten sie quasi aus ihrer Kreativität ab. Ich kann mir vorstellen, dass er gerne als Schriftsteller ernst genommen werden möchte und dass er bei seinem neunzehnten Buch den Eindruck hat, wie am Fließband zu arbeiten. Er möchte sich weiterentwickeln. Wahrscheinlich hat das alles damit zu tun, dass sich ein Mann in den mittleren Jahren durch die Augen und den Körper einer sehr viel jüngeren Frau neu erfinden möchte.“

Tamsin Greigs Einschätzung der BETH HARDIMENT: „Beth trägt die Verantwortung für die Residenz und macht sie zu einem Paradies, wo Schriftsteller, ihren Gatten eingeschlossen, sich um keinerlei Alltagskram sorgen müssen. Sie kümmert sich um alles und ermöglicht alles, was in ihrer Macht steht, dabei möchte sie eine unsichtbare Dienerin bleiben und erwartet keine Belohnung. Ihre Freude und ihre Befriedigung resultieren daraus, dass niemand weiß, wie sie diesen Ort geschaffen hat. Sie ist eine Art Zauberin.“

Drehbuchautorin Moira Buffini fügt hinzu: „Beth glaubt, ihr großes Talent liege darin, die Kreativität von anderen zu fördern. Ihr Selbstwertgefühl ist wohl ziemlich klein. Sie wirkt wie eine Heilige und sitzt in dieser Ehe als eine Co-Abhängige fest, wie es Psychotherapeuten nennen würden. Keiner der beiden Partner scheint wirklich glücklich mit der Situation, beide stecken fest und leben die tödliche Agonie ihrer Ehe aus.“

Bill Camp beschreibt GLEN MCCREAVYs Schreibblockade: „Glen hat sich in seine Hardy-Biographie verbissen und kommt wegen der Idylle und Schönheit des Ortes in die Residenz. Er beobachtet alles genau und ist fasziniert von dem, was er sieht. Das schürt seine Begeisterung. Er findet alles ziemlich aufregend – Andy und Tamara und jeden, der sich in diesen romantischen Intrigen verfängt. Wenn Beth ihn bei der Hand nimmt und sanft erklärt, was wirklich mit ihm los ist, erlaubt sie ihm sozusagen, für sie zu schreiben, als würde er für sie sprechen, und das gibt ihm eine Stimme.“

ANDY COBB ist Hardiments Mädchen für alles, Gärtner und gleichzeitig die Hardy’sche Verkörperung dörflicher Tugend, einfach und geerdet. Als Teenager hatten Tamara und er ein kurzes Liebesabenteuer. Aber wie es Luke Evans zusammenfasst, gehört er eben nicht ins Showbiz, den Celebrity- oder Medienzirkus oder zum Journalismus-Bohei … „Ihn juckt es nicht so richtig, was in der Welt passiert. Tamara kommt zurück mit dieser Nase und der ganzen Story, über die sie auch in der Zeitung geschrieben hat, und er kann nicht verstehen, warum sie das gemacht hat. Er ist so etwas wie eine abgeklärte Tamara.“

Rockstar BEN SERGEANT ist ziemlich unausstehlich, wenn er mit seinem gelben Porsche durch die Gegend brettert und mit seinem großstädtischen Gehabe im Dorf unangenehm auffällt. Aber Dominic Cooper findet doch etwas Positives an ihm: „Auch wenn er den widerlichen Angeber mimt und viele Fehler macht, fühlt man doch Sympathie für ihn, weil er zu blöd ist zu kapieren, wie sein Verhalten auf die anderen Leute wirkt. Er ist so egozentrisch, dass ihm die Einfachheit und der Mangel an Verständnis sogar etwas Charme verleihen, weil man ihm fast nicht die Schuld geben kann.“ Cooper genoss es sichtlich, als Ben ein paar alte Fantasien auszuleben: „Als Mitglied einer Rockband wurde ein Jugendtraum wahr. Im wahren Leben erreiche ich so etwas nicht. Also freue ich mich, dass ich im Film die Gelegenheit bekam.“

JODY LONG und CASEY SHAW, dargestellt von den Newcomern Jessica Barden und Charlotte Christie, sind zwei Schulmädchen aus dem Dorf, die an der Bushaltestelle herumhängen, Joints rauchen, von Ben besessen sind und deshalb Tamaras Ruin planen. Die anfänglich kleinen Rollen erhielten während der Produktion immer mehr Bedeutung. Dazu Alison Owen: „Für Posy waren die beiden der Schlüssel der Geschichte, und man sollte ihnen Beachtung schenken. So wurden sie – wie auch schon in der Comic-Serie – immer wichtiger. Ihre Funktion entspricht in etwa einem griechischen Chor, der das Geschehen kommentiert. Moira wollte ihnen mehr Raum geben und Stephen sogar noch mehr, und so wurden ihre Rollen immer mehr erweitert. Ein Grund war natürlich die tolle Besetzung mit Jessica und Charlotte.“

Stephen Frears zu dieser Entwicklung und Moira Buffinis Zuneigung zu den Mädchen: „Moira liebte diese beiden Figuren, deren Scherze ihr locker aus der Feder flossen. Und dann fanden wir diese perfekten Mädchen. Es ist schon seltsam: Ich stellte mir schon Szenen vor, obwohl ich noch gar nicht wusste, ob wir sie mit ihnen drehen würden. Aber uns war klar, sie würden sich in jeder Situation durch eine außerordentliche Performance behaupten.“

Produktion: Look und Design

„Die größte Herausforderung war, Stonefield zu finden, die Location für Nicholas’ und Beth’ Schriftstellerresidenz“, sagt Produktionsdesigner Alan MacDonald. „Das Haus Limbury, das wir in Salwayash in Dorset entdeckten, verfügte über die perfekte Grundausstattung, die wir noch ausschmücken konnten. Wir haben das Innere etwas liebenswerter ausgestattet. Wir ließen Rosen die Wand hochwachsen, bepflanzten den Garten und legten einen Gemüsegarten an, um die sehr akkuraten Hecken und anderen Pflanzen zu verdecken. Wir filmten das Ende des Sommers, als der eigentlich schon seit sechs Wochen zu Ende war. Deshalb mussten wir überall künstliche Farben anfügen, was die Arbeit auch erleichterte, weil uns so während des Drehs nichts verbleichen oder verwelken konnte. Wir haben die Außengebäude angestrichen, errichteten einen Stall für die Kühe und bauten die Umzäunung. IMMER DRAMA UM TAMARA gehört zu den Filmen, in denen das Produktionsdesign sehr wichtig ist, gleichzeitig sollte alles aber ganz natürlich aussehen. Unsere Eingriffe harmonisierten bestens mit dem Haus.“

Erneut wurden Posy Simmonds Zeichnungen zum wichtigsten Richtwert für das Produktionsdesign: „Comic-Serien sind ja nicht unbedingt naturalistisch angelegt, sondern überzeichnen die Realität. Ich merkte aber, dass trotz der Treue zur Vorlage eine Wirklichkeitsnähe notwendig war. Auffallend war die große Bedeutung, die Posy der Farbskala beimaß, deshalb achtete ich auch sehr stark bei der Innenausstattung darauf. Da gibt es eine bestimmte Weichheit, ich nenne es ‚Dorset Cream‘, für die Welt von Stonefield. Hier fehlt beispielsweise das Blau. Posy zeichnete Stonefield immer in einem Spektrum von Rot über Braun bis Gelb. Wenn wir zu den Winnards gingen, dem Haus, in dem Tamara als Teenager aufwuchs und wohin sie zurückkehrt, fällt ein starkes Blau auf, das auch Posy so gezeichnet hatte. Aber das Haus verwandelt sich im Laufe des Films, weil Andy ständig etwas ausbessert. So haben wir dem Gebäude das Blau entzogen und eine eher organische Farbskala gewählt. Während der Affäre von Tamara Drewe mit Nicholas Hardiment dominiert zum Beispiel leuchtendes Rot in der Innenausstattung.“

Zum Job eines Produktionsdesigners gehört es immer auch, dafür zu sorgen, dass das Design der Story und dem Charakter dient: „Das Interessante in der Welt von Stonefield ist, dass Beth Hardiment für die Einrichtung Verantwortung trägt. Da spielt sehr viel von einer Psychose mit hinein. Sie steht psychisch auf der Kippe, während sie alles ganz toll zusammenhält, quasi eine makellose Welt erfunden hat mit Kochen, Säubern, Buchführung, Unterhaltung und dem Umhegen der Gäste. Man fühlt ihre Kontrolle, sobald das Innere betreten wird. Und ich fühlte, dass Nicholas Hardiments Unterschlupf der einzige Platz war, wo er seine Persönlichkeit ausdrücken konnte. An diesem Platz spiegelt sich die Mentalität eines 15-jährigen Jungen, der sich dem Erwachsensein verweigerte. Nicholas ist ein Mann, der nie erwachsen wurde, ein Muttersöhnchen.“

Die Anklänge an Thomas Hardy, die durch diese sehr moderne Geschichte durchscheinen, waren auch eine Herausforderung für MacDonald: „Ich sah das Dorf im Grunde als eine Szenerie wie aus einem Historienfilm. Statt die Elemente des 21. Jahrhundert zu unterschlagen, wollte ich es verschönern. Das ganze moderne Zeug interessierte mich für das Design – so die vergammelte Busstation und das Graffiti, die 30-Stundenkilometer-Schilder, Abfalleimer vor den Häusern, alles, was einen zusammenzucken lässt und was man bei einem Period Piece entfernen würde, das wollte ich lassen und sogar zufügen. Mein Ziel war: einen periodenbezogenen Film mit all dem modernen Mist zu gestalten.“

Die Filmemacher nutzten am Ende zwei Stonefields – eines für die Innen- und eines für die Außenaufnahmen: „Die Maße der Innenräume dieser Farmhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind ziemlich klaustrophobisch. Wir waren sehr glücklich, dass wir bei unseren Reisen eine Farm namens Blackdown fanden, die in einem größeren Umfang gebaut war. Sie strahlte eine romantische Qualität aus, die den Innenräumen in Limbury fehlten. Es gab auch ein wunderbares Treppenhaus, eine tolle Küche und Esszimmer, wodurch wir die Räume verbinden konnten, was uns die Dreharbeiten erleichterte.“

Kostümdesignerin Consolata Boyle zu ihrer Herausforderung bei IMMER DRAMA UM TAMARA: „Zeitgenössische Filme sind kostümmäßig oft besonders schwierig auszustatten. Glücklicherweise bringen alle kreativen Mitarbeiter ihre Vorstellungen ein. Das erfordert aber auch eine bestimmte Begrenzung und Disziplin, sonst würde das visuelle Chaos ausbrechen und jeder tragen, was er will. Da musste eine Stimmigkeit herrschen zwischen den Charakteren, ein Farbschema, ein Bogen zu der Charakterentwicklung, der jeweiligen Atmosphäre und den wechselnden Emotionen, sodass jedes Kostüm einen Teil der Geschichte erzählt und sein Einsatz begründet ist. Alle Departments – Kostüm, Produktionsdesign, Beleuchtung – sollten zum Wohle der Gesamtvision des Regisseurs zusammenarbeiten.“ Bezüglich der Figur der Tamara Drewe sagt Consolata: „Sie ist sehr selbstbewusst und weiß genau, was sie tut. Sie ist sich ihrer Verführungskraft bewusst, das musste ich in meine Überlegungen einbeziehen. Posy hat sie in ihren Zeichnungen wunderbar porträtiert: Sie zeigt eine Menge Haut, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, wenn sie eine Sache oder eine Person will, und sie kann andere manipulieren. Das sieht man an ihrer Kleidung – leicht figurbetont, sie stellt ihren Körper aus, nur wenn sie in sich selbst ruht, ist davon weniger zu sehen. Wir haben ihr Bild sehr subtil angelegt, aber manchmal ist es offensichtlich, was sie tut, und wir spüren den Spaß und die Komplexität einer Frau. Man kann ihre Ambivalenz und ihren Mangel an Selbsterkenntnis ahnen, sie wandelt sich schnell zur manipulativen Angeberin, während sie unter der Oberfläche viel tiefsinniger und gründlicher, behutsamer und nachdenklich ist. Sie verkörpert zwei Wesenszüge zur gleichen Zeit, da ist das Bild in der Öffentlichkeit und die private Wirklichkeit.“

Und da Schriftsteller nicht unbedingt für ihre übermäßige Eleganz bekannt sind, bedeutete das eine weitere Herausforderung für Consolata und ihr Team: „Jemanden anzukleiden, dem es völlig egal ist, wie er aussieht, ist genauso schwierig, wie jemanden auszustatten, der von Mode besessen ist.“

Komponist Alexandre Desplat stellte sich die Frage, ob man für IMMER DRAMA UM TAMARA wirklich einen Score brauchte: „Einige Filme benötigen einen Score, weil Zeit vergeht, Schlachten stattfinden oder große emotionale Szenen für eine Liebesgeschichte oder sehr melancholische Augenblicke einer Figur Musik fordern. Und in IMMER DRAMA UM TAMARA gibt es zwei Energiequellen für die Dramaturgie: die Chor-Struktur der Charaktere und der überaus schwarze Humor des Films.“

Desplat leitet die Erzählung mit seinem Score und unterstreicht die Pausen zwischen den einzelnen Abläufen. Außerdem macht er es Regisseur Frears und Cutter Mick Audsley leichter, von den dunklen zu den leichteren Momenten des Films zu wechseln. „IMMER DRAMA UM TAMARA ist sehr dialoglastig – da muss man aufpassen, die Balance nicht zu zerstören. Wenn die Musik zu komisch wird, zu dunkel oder zu spannungsgeladen, kann sie das Gleichgewicht des Films gefährden. Ich lasse das Publikum die Gefühlsmomente genießen. Stephen mag es, wenn ich Raum schaffe und Raum lasse für die Darstellung und die starken Gefühlsmomente, ohne sie durch die Musik zu erschlagen. Sie ist präsent, gibt manchen Momenten ein spezielles Gewicht und sorgt für Harmonie – außerdem erinnert sie das Publikum daran, dass wir in einer Komödie sind. Trotz dramatischer Momente ist IMMER DRAMA UM TAMARA kein Drama, und wir lassen den Film auch nicht dahin abdriften, nur weil die Stimmung sich durch eine Szene mal ändert.“

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