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Imaginary Heroes

   Kinostart: 10.11.2005
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Filmhandlung und Hintergrund

US-Independent-Film um eine Familie und die Probleme der einzelnen Mitglieder nach dem Selbstmord des ältesten Sohnes.

Im Leben von Familie Travis ist scheinbar alles in Ordnung. Dann aber schießt sich Sohn Matt (Kip Pardue), der allseits beliebte Schulsportstar, ohne Vorwarnung in den Kopf - und alles wird anders. Vater Ben (Jeff Daniels), ein kühler Ehrgeizling, irritiert alle mit bizarren Gendenkversuchen. Tochter Penny (Michelle Williams) flieht ins College, während Mutter Sandy (Sigourney Weaver) die Drogen neu entdeckt. Sohn Tim (Emile Hirsch) hat sein eigenes Außenseiter-Päckchen zu tragen, aber wenigstens eine verständnisvolle Mutter.

Mit Drehbüchern für Bryan Singer („X-Men„) erarbeitete sich der junge Newcomer Dan Harris sein stargespicktes Regiedebüt um eine Familie im Ausnahmezustand in der Tradition von „American Beauty“ und „Magnolia„.

Nach dem Selbstmord ihres ältesten Sohnes sieht das Leben in der Familie Travis in etwa so aus: Teenagersohn Tim verweigert sich der Anteilnahme seiner Mitmenschen, Vater Ben kapselt sich von allem und vor allem den Seinen ab, und Mutter Sandy entdeckt ihre Hippieseele wieder und plagt sich mit einem dunklen Familiengeheimnis herum.

Nach dem Selbstmord des ältesten Sohns befindet sich die Familie Travis im Auflösungszustand. Sohn Tim besitzt keinerlei Zukunftsperspektive und zieht sich mehr und mehr in seine eigene Welt zurück. Vater Ben ergeht es nicht viel besser. Er sieht keinen Sinn mehr im Leben und behandelt seine Familie wie Fremde. Mutter Sandy flüchtet sich dagegen in Sarkasmus und stetig steigenden Drogenkonsum. Und dann gibt es da noch ein bitteres Geheimnis, das nun ans Licht zu kommen und die Familie endgültig zu zerstören droht.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. „Imaginary Heroes“ ist das Spielfilmdebüt von Jungregisseur und Drehbuchautor Dan Harris. Es zeigt das Krisenjahr einer gutbürgerlichen amerikanischen Familie, doch, wie sich im Laufe des Films herausstellt, haben Mutter und Vater so viel Dreck am Stecken und verhalten sich dabei so gleichgültig, als seien sie aus Gummi. Dass sie sich noch mal bessern könnten, nimmt man diesen Figuren kaum ab, aber das Drehbuch verlangt es von ihnen, als handele es sich um Aufstehmännchen aus einem Comic.

      Mal erzählt der Film aus der Perspektive Tims, mal aus der Perspektive der Mutter. Diese Unentschiedenheit tut dem Werk nicht gut, genauso wenig wie sein Kokettieren mit Tragödie, tiefschürfendem Drama und satirischer Komödie gleichermaßen. Denn die Szenen und Dialoge mit den offenbar trauernden Hinterbliebenen sind plakativ und fahrig statt anrührend, und die witzigen Seitenhiebe auf amerikanische Erfolgsgeschichten werden von Versöhnungskitsch konterkariert.

      Sigourney Weaver erhält viel Gelegenheit, ihr schauspielerisches Können und ihr ironisches Talent zu entfalten. Sie darf – und das tut sie sehr witzig – einen Joint rauchen, bekifft auf der Wiese liegen, neuen Stoff kaufen wollen. Doch den Garaus droht ihr, wie das in Amerika offenbar sein muss, das Rauchen ganz normaler Zigaretten zu machen: Wird bei ihr doch tatsächlich eine Lungenkrankheit gefunden.

      Es gibt in dieser sprunghaften, oberflächlichen Geschichte etliche Selbstmordversuche, zwei davon sind erfolgreich. Außerdem ziehen sich Mutter, Vater, Tim, seine Schwester, seine Kumpels ständig etwas rein, Viagra, Arzneien, Ecstasy, Pillen mit unbekanntem Inhalt, der erst ausprobiert werden muss. Auch wenn Drogen im Jugendalter eine große Rolle spielen, die Art und Weise, wie ihr Konsum hier als alltäglich dargestellt wird, dürfte die Eltern im Publikum nicht erfreuen.

      Andererseits geht von „Imaginary Heroes“ schon deswegen wenig Gefahr aus, weil sich der Film nicht für ein Zielpublikum entscheiden kann. Jugendliche? Dafür steht Sigourney Weaver zu sehr im Vordergrund, werden die Dramen der Jungen nur angedeutet. Familienfilm? Wie gesagt, aus der Sicht von Eltern kaum. Hinzu kommt noch eine der peinlichsten Vater-Sohn-Aussprachen, die das Genre zu bieten hat. Familie in der Krise, die Krise des Familienfilms, darüber könnte man hier schon ins Grübeln geraten.

      Fazit: Eine amerikanische Familie in der Krise und im Drogenrausch: Erstaunlich flache Geschichte mit wenig Gefühl und Verstand.
    2. Imaginary Heroes: US-Independent-Film um eine Familie und die Probleme der einzelnen Mitglieder nach dem Selbstmord des ältesten Sohnes.

      Debütregisseur Dan Harris erzählt in diesem typischen US-Indie-Familiendrama im Stil, aber nicht ganz mit der Klasse von „Moonlight Mile“, mit Hilfe eines hervorragenden Schauspielerensembles von der wahrhaftigen Bedeutung der Familie.

      Harris hat zuvor mit Fantasy-Figuren und Comic-Helden Erfahrungen gemacht und die Drehbücher für „X-Men 2“, „Superman“, „Logan’s Run“ und „Fantastic Four“ geschrieben. Jetzt inszenierte der 24-Jährige sein erstes Drama mit ganz normalen, sterblichen Menschen - überhaupt schreibt er „sterblich“ in seiner Geschichte groß: Nach dem Selbstmord des ältesten Sohnes stirbt in der typischen dysfunktionalen Mittelklasse-Ami-Familie Travis jedes übrig gebliebene Mitglied mehr oder weniger seinen eigenen Tod. Das Sterben reicht von der völligen Selbstaufgabe und Distanzierung von allem Lebenden beim Vater (Jeff Daniels), über die Rückkehr in die eigene, nie wirklich ausgelebte Hippievergangenheit bei der Mutter (Sigourney Weaver), bis zum Verabschieden von der eigenen Kindheit beim jüngeren Sohn (Emile Hirsch). Dabei schleppt die Familie Travis ganz nebenbei noch ein bitteres Geheimnis mit sich herum, das bis dato nur die verfeindete Nachbarin teilt, und das Mutter Sigourney Weaver letztlich beinahe wirklich mit ins eigene Grab nimmt.

      Aber - Harris ist versöhnlich und belässt es bei einem einzigen Todesfall in seinem melancholischen Drama, wenngleich er den sympathischen kleinen Film gen Ende mit reichlich Pathos und Sentimentalität überlastet und dafür auf schwarzen Humor verzichtet, der anfangs sitzt, aber nie so treffend und schockierend platziert ist wie bei seinem offensichtlichen Vorbild „Moonlight Mile“. An den Schauspielern liegen die Schwächen von „Imaginary Heroes“ jedenfalls nicht: Vor allem Sigourney Weaver glänzt in ihrer sarkastischen Mutterrolle wie seit „Der Eissturm“ nicht mehr, Jeff Daniels zerbrochene Vaterfigur erlebt eine schier atemberaubende Wandlung, und Emile Hirsch sieht man immer gerne zu, wenngleich er als Rebell in „Dogtown Boys“ weitaus stärker war als in seiner lethargischen Position hier. Merken sollte man sich Ryan Donowho, der Hirschs besten Freund spielt und ironischerweise der wohl selbstzerstörerischste, wenngleich lebendigste Charakter des Films ist. „Imaginary Heroes“ ist letztlich genau die Sorte ordentlicher, intelligenter Filme, die man beim Filmfestival in Sundance erwartet - nicht mehr, aber auch nicht weniger. deg.

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