Im Zweifel

  1. Ø 5
   2015
Im Zweifel Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Im Zweifel: Drama mit Claudia Michelsen als Pfarrerin, die alles in Frage stellt, was ihr lieb und teuer ist.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Michelsen, Schön, Goette… Grimme-Preis-Power befeuert dieses stille Drama um eine Pastorin, die sich plötzlich gezwungen sieht, Ehe und Beruf zu hinterfragen.

    Eine Frau ist „Im Zweifel“. Ob ihres Glaubens. Ihres Berufs. Ihrer Ehe. Landesbischöfin soll die beliebte Judith Ehrmann – der Name ist mit Bedacht gewählt – werden. Ein Autounfall, zu dem sie als Notfallsseelsorgerin gerufen wird, löst ihre (Lebens-)Krise aus. Der junge Mann, der am Steuer saß, kommt schwer verletzt ins Krankenhaus. Seine 16-jährige Beifahrerin, Mitschülerin ihres Sohnes, stirbt vor Ort. Ein Kombi, dessen Lenker Fahrerflucht begangen hat, war in den Unfall verwickelt. So einen Wagen fährt Judiths Ehemann – und am nächsten Tag bringt er diesen in die Werkstatt.

    Um Schuld und Sühne, Hoffnung und Liebe, Wahrheit und Lüge kreist dieses Frauenporträt, das gleichermaßen als theologischer Disput und Familiendrama funktioniert. Geballte Grimme-Preis-Power ist versammelt, Claudia Michelsen („Der Turm“) spielt die dem „Göttlichen zugeneigte“ Heldin, das sorgsam ausgearbeitete Skript stammt von Dorothee Schön („Der letzte schöne Tag„), die bedachte Regie hat Aelrun Goette („Keine Angst“) übernommen. Sorgfältig führt sie die Figuren ein, ihr größtes Interesse gehört natürlich der Pastorin. Beim Gottesdienst lernt man Ehrmann kennen, Sie weiß zu reden, trösten, überzeugen – und manchmal greift sie zu einer (Not-)Lüge, wenn diese dem Gegenüber hilft oder es um die eigenen Angehörigen geht.

    Nahe geht Leah Strikers („Wolfskinder“) Kamera immer wieder an Michelsens ausdrucksstarkes Gesicht heran, so als wollte sie erforschen, was hinter deren Stirn vorgeht. Kleine Gesten, Blicke, Nebensächlichkeiten, bestimmen diesen Film. Tempo und Ton sind ruhig, die Auflösung ist fast beiläufig. Eine Frau steht an einem Wendepunkt. Sie fragt sich, ob ihr Mann (Henning Baum) sie betrügt. Den Kontakt zum Teenager-Sohn (Jordan Dwyer) hat sie verloren, die leisen Annäherungsversuche des ermittelnden Polizisten (Thomas Loibl) verwirren sie. Er ist ein charmanter Agnostiker – „Pfarrers Kirche, Müllers Vieh, geraten selten oder nie“… -, der sich gerne mit ihr auseinandersetzt, während der Gatte mit der „Heiligen Judith von Brandenburg“ hadert.

    Gottesdienste werden besucht, „Abendmahle“ eingenommen, am heimischen Esstisch genauso wie im Polizeiauto. Man berührt sich – gewollt oder ungewollt -, streitet, schweigt, kapselt sich ab. Bis es zum versöhnlichen, klug eingesetzten Splitscreen-Finale kommt. Jeder hat zu sich selbst gefunden – und auch alle wieder zueinander. Ein kleiner großer Film, konzentriert, philosophisch und unaufdringlich. Carl Theodor Dreyer und Krzysztof Kieslowski scheinen mit ihren moralischen Diskursen Pate gestanden zu haben bei der (selbst-)reflexiven Arbeit mit ihren starken Schauspielerleistungen. geh.

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