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Im Oktober werden Wunder wahr

Kinostart: 14.10.2010
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Filmhandlung und Hintergrund

Preisgekrönte tragikomische Geschichte über einen verschlossenen Pfandleiher, der plötzlich das wahre Leben und ehrliche Emotionen kennenlernt.

Der Pfandleiher Clemente ist ein Pfennigfuchser und Pedant, der sich als einzigen Luxus regelmäßige Besuche bei Prostituierten erlaubt. Eines Abends findet er ein wimmerndes Baby in seiner Wohnung. Völlig überfordert holt er seine Nachbarin Sofia zur Hilfe, die schon lange ein Auge auf ihn geworfen hat. Gemeinsam suchen sie die Mutter des Babys. Als dann auch noch ein älterer Mann, dessen Erspartes er verwaltet, mit seiner aus dem Krankenhaus entführten Lebensgefährtin seine Bude bevölkert, verliert der jeglicher Veränderung abholde Mann endgültig jede Sicherheit.

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Darsteller und Crew

  • Bruno Odar
    Bruno Odar
  • Garbriela Velasquez
    Garbriela Velasquez
  • Carlos Gassols
    Carlos Gassols
  • Maria Carbajal
    Maria Carbajal
  • Sheryl Sánchez Mesco
    Sheryl Sánchez Mesco
  • Victor Prada
    Victor Prada
  • Sofia Palacios
    Sofia Palacios
  • Norma Francisca Villarreal
    Norma Francisca Villarreal
  • Diego Vega
    Diego Vega
  • Daniel Vega
    Daniel Vega
  • Fergan Chavez-Ferrer
    Fergan Chavez-Ferrer
  • Gianfranco Annichini
    Gianfranco Annichini

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Im Grunde erscheint der deutsche Titel des ersten gemeinsamen Langfilms der Brüder Daniel und Diego Vega fast zu großspurig, denn im Original lautet er schlicht „Octobre“, was ebenso lakonisch wirkt wie die ganze Inszenierung. Im peruanischen Kino scheinen Religion, Sexualität und Klassenunterschiede eng miteinander verzahnt zu sein, denn Francisco Lombardi, internationales Aushängeschild dieser wachsenden Filmszene, griff die Thematiken wiederholt in seinen Arbeiten auf. Zentrales Sujet der Vega-Brüder bildet die Einsamkeit und die Schwierigkeit, sie zu überwinden sowie die Bereitschaft, auf den Nächsten/Nachbarn einzugehen.

      In seinem Kokon aus Unnahbarkeit und Ablehnung richtete sich Pfandleiher Clemente bequem ein, der diesen nicht gerade abgesehenen Job von seinem Vater übernahm. Mit seinen Kunden aus bescheidenen Verhältnissen will der Geldhai im Anzug und weißen Hemd keineswegs ein Vertrauensverhältnis oder gar ein persönliches Gespräch eingehen. Die Inszenierung findet dafür ein prägnantes Bild, wenn beide „Geschäftspartner“ zwar am gleichen Tisch gegenüber sitzen, aber die Bittsteller vom Geldverleiher stets auf einen Kinderschemel platziert werden, um die Verhältnisse sofort klar zu stellen. Dieses Machtspiel wiederholt sich mit umgekehrten Vorzeichen allerdings, wenn er bei (keineswegs attraktiven) Prostituierten einkehrt und die eigene Zeit gewissermaßen mit der Stoppuhr rationiert wird. Selbst im Reich der Sünde hält hier die Religion mit einem beleuchteten Marienbild als Mini-Hausaltar Einzug.

      Als Clemente jedoch ein Baby in seiner eigenen Wohnung vorfindet, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich mit seiner Umwelt zu arrangieren, da er den Säugling nicht wieder los wird. Seine streng gläubige, verschuldete Nachbarin Sofia, die schon länger ein Auge auf ihn warf, wird für ihn zum Rettungsanker, zum Haus- und Kindermädchen. Längst betet sie regelmäßig zum Gott der Wunder. Nicht nur die beiden Protagonisten, sondern ebenso zahlreiche verschobene Nebenfiguren zeichnen die Vega-Brüder mit skurrilem Witz und präziser, lebendiger Beobachtungsgabe. Deren Alltag und ihr soziales Umfeld fängt die Kamera in meist statischen, häufig symmetrisch aufgebauten Bildkompositionen ein, was die ökologische Inszenierung schnörkellos und unsentimental verdichtet.

      An der so ruhigen wie pointierten Erzählweise lässt sich die Vorliebe der Filmemacher für Aki Kaurismäkis melancholische Kinowelten erkennen. Für ausufernde Emotionen bleibt dabei kein Platz. Selbst das verhalten optimistische Ende, natürlich bei einer traditionsreichen Oktober-Prozession, verläuft ebenso zurückhaltend wie der restliche Film. Doch das passt durchaus zur fein ziselierten Gesamtstimmung. Insofern beweisen die Vega-Brüder reichlich Geschick, indem sie die dramatischen Schicksale von Menschen am Rande der Gesellschaft mit viel Humor und Einfühlungsvermögen skizzieren.

      Fazit: Lakonisch erzählte, humorvolle Tragikomödie aus Peru über Einsamkeit, Kapitalismus, Sehnsüchte und das kleine Glück vor der Haustür.
    2. Im Oktober werden Wunder wahr: Preisgekrönte tragikomische Geschichte über einen verschlossenen Pfandleiher, der plötzlich das wahre Leben und ehrliche Emotionen kennenlernt.

      Preisgekrönte tragikomische Geschichte über einen verschlossenen Pfandleiher, der plötzlich das wahre Leben und ehrliche Emotionen kennen lernt.

      Es tut sich filmisch was in Peru: Nach dem Berlinale-Sieger „Eine Perle Ewigkeit“ kommt mit Daniel und Diego Vegas „Im Oktober werden Wunder wahr“ (Jury-Preis der Sektion Certain Regard) ein neuer Film aus dem südamerikanischen Land, das trotz schwieriger Produktionsbedingungen immer wieder kreative Talente hervorbringt. Der Titel bezieht sich auf den „purpurnen“ Monat Oktober, der in Lima eine religiöse und historische Bedeutung hat und mit seinen Prozessionen den Rahmen für das Schicksal kleiner Leute bildet:

      Da ist der seelisch verkümmerte Pfandleiher, ein Pfennigfuchser und Pedant, der sich als einzigen Luxus regelmäßige Besuche bei Prostituierten erlaubt, und eines Abends ein wimmerndes Baby in seiner Wohnung findet. Völlig überfordert von Windelwechseln und Wehgeschrei holt er die gläubige Nachbarin zur Hilfe, die schon lange ein Auge auf ihn geworfen hat und macht sich auf die Suche nach der Mutter. Erstmals vernachlässigt er seinen Job und ein ihm untergejubelter falscher Geldschein kompliziert die sowieso schon schwierige Situation, kratzt an seiner Reputation. Als dann auch noch ein älterer Mann, dessen Erspartes er verwaltet, mit seiner aus dem Krankenhaus entführten Lebensgefährtin die Bude bevölkert, verliert der jeglicher Veränderung abholde Mann die Sicherheit. Sein in allen Bereichen des Lebens geltendes ökonomisches Prinzip nur etwas zu bekommen, wenn man dafür zahlt, gerät ins Wanken.

      Die Sparsamkeit der Erzählung, die Wortkargheit der spröden Figuren und der absurde und sehr schwarze Humor erinnern an die Vorbilder des Regie-Duos Diego und Daniel Vega, Aki Kaurismäki und Jim Jarmusch, und das junge uruguayische und argentinische Kino wie Juan Pablo Rebellas minimalistischer „Whisky“ oder Rodrigo Morenos Langfilmdebüt „Der Leibwächter“. Die Symmetrie der Bilder unterstreicht die emotionale Starre der Hauptfigur, begleitet von chromatischen Farben als Zeichen einer undefinierbaren Traurigkeit. Einsamkeit und Verzweiflung bilden den roten Handlungsfaden, auch wenn ein Hauch von Glück am Ende winkt und vielleicht im ganz normalen Alltag Wunder wahr werden. mk.

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