Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen"

Kino.de Redaktion  

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Über die Produktion

Die Grabeskirche in Jerusalem ist ein faszinierender Mikrokosmos, in dem sich viele sehr menschliche Verhaltensweisen versammeln – bis zum Überlaufen angefüllt mit Geschichte, Politik, auf der anderen Seite aber auch ein Ort der Sehnsucht und Hoffnung. Der Ort kann so profan wie ein Busbahnhof sein und dann wieder in seiner Heiligkeit überwältigend. Die Teilung der Kirche, die immerhin der heiligste Ort für einen großen Teil der Christenheit ist, ist eine Tatsache, die tragisch und gleichzeitig absurd ist. Hier offenbart sich eine Tragödie: Die utopistische christliche Vision einer besseren Welt trifft auf ein urmenschliches Dilemma – die Sehnsucht, fromm und gut zu sein, und das gegensätzliche, aber sehr menschliche Bedürfnis, als erster in der Schlange zu stehen.

Dieser reiche und extrem dichte Ort hat mich gepackt, und ich habe mich aufgemacht, die Leute zu suchen, die in der Kirche leben – mit ihr leben und für sie leben. Den Alltag in diesem außergewöhnlichen Ort mit seinen Höhen und Tiefen zu entdecken und die emotionale Achterbahn entlang der Ereignisse in der Kirche mitzuerleben, führt unweigerlich zu der Frage nach dem Glauben. Mit Respekt und Neugier, aber auch zeitweilig mit Verblüffung und Belustigung wollte ich herausfinden, was diese unfreiwilligen Hausgenossen umtreibt.

Info: Der Status Quo

Seit der christliche, römische Kaiser Konstantin einen Venustempel auf dem Hügel Golgatha abreißen ließ, um das originale Grab Christi freizulegen, ist an diesem Ort in Bastel- und Flickarbeit die Grabeskirche entstanden. Jeder, der sich berufen fühlte und der in der bewegten Geschichte Jerusalems Zugriff auf den Ort hatte, hat hier an-, um- oder ausgebaut. Zwischendurch wurde die entstehende Kirche immer wieder zerstört oder beschädigt: Von den Persern, dann von den ägyptischen Fatimiden, zurückerobert von den Byzantinern und in Beschlag genommen von den Tempelrittern.

Über die Jahrhunderte hat sich hier fast jede Glaubensrichtung des Christentums eine kleine Nische gebastelt, um den Ort für sich in Anspruch zu nehmen: hier eine Kapelle, da ein Seitenschiff, dort einen Altar – dabei haben sich immer neue Mythen und Reliquien gefunden, die sich die verschiedenen Glaubensrichtungen zu eigen gemacht haben: Der Salbstein Jesu, ein Splitter des Kreuzes, der gespaltene Felsen Golgatha, die Geißelungssäule oder das leere Grab werden wechselweise in Anspruch genommen oder schmählich ignoriert.

Untereinander sind die verschiedenen Glaubensrichtungen so zerstritten und festgefahren, dass jahrhundertelang keine wichtigen Instandsetzungs- oder Erhaltungsarbeiten koordiniert werden konnten. Als es unter den sechs verschiedenen Gruppen, die die Kirche zuletzt für sich beanspruchten, gar nicht mehr weiterging, wurde von der osmanischen Regierung 1852 der bis heute geltende „Status Quo“ erlassen, der Gebetszeiten und Zugangsrechte in der Kirche streng regeln sollte: die zu diesem Zeitpunkt bestehende Aufteilung der Kirche wurde eingefroren und als gültig angesehen.

Dieser „Status Quo“, in seiner Ursprungsform ein knappes Dokument als Erlass der Osmanen, ist seither um hunderte Seiten erweitert worden. Die streitenden Parteien teilen hier jede Bodenfliese und jeden Zentimeter der Kirche in zähem und erbittertem Ringen untereinander auf. Über dem Eingang der Kirche, gut zu sehen vom Vorplatz, steht auf einem Sims, scheinbar nachlässig an die Mauer gelehnt, die Holzleiter, die von allen Reiseführern als exemplarisch für den „Status Quo“ vorgezeigt wird. Angeblich steht sie hier seit 1852, dem Jahr, in dem der Ist-Zustand in der Kirche eingefroren wurde. Seitdem darf sie niemand bewegen, weil nicht klar ist, wem sie gehört. Die Kirche wird seit Jahrhunderten von einer muslimischen Palästinenserfamilie täglich auf- und zugeschlossen, die dieses Recht seit Generationen in ihrer Familie weitergibt. Eine zweite Familie hat das Recht, den Schlüssel zu verwahren. Wessen Recht das ältere ist und wer das ältere Dokument besitzt, ist ein ungeklärter und andauernder Streit.

Die sechs christlichen Gruppen in der Kirche sind: griechisch-orthodoxe Christen, römisch katholische Franziskaner, syrische Christen, armenische Christen, äthiopische Abessinier und ägyptische Kopten.

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