Im Alter von Ellen

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   2010
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Filmhandlung und Hintergrund

Im Alter von Ellen: Eine Frau am Rand des Nervenzusammenbruchs porträtiert die Regisseurin von "Die Unerzogenen", Pia Marais, in diesem Drama.

Die 43-jährige Stewardess Ellen hat ihren festen Freund in die Arme einer anderen getrieben. Als sie auch noch einen niederschmetternden ärztlichen Befund erhält, hat sie endgültig die Schnauze voll von ihrem aktuellen Leben. Sie verlässt ihr startfertiges Flugzeug aus dem Notausgang. Einen Plan für ihr neues Leben hat sie nicht. Sie verfolgt einen Kollegen, lässt sich treiben, bis sie an eine Tierschutzorganisation gerät und dort einen jungen Verehrer findet, dessen Avancen sie aber abwehrt.

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Kritikerrezensionen

  • Pia Marais zweite Regiearbeit reiht sich ein in Ausstiegsstudien wie „Eat Pray Love“ oder „Villa Amalia“ über Frauen vor radikalem Neuanfang, die aufgrund eines plötzlichen Entschlusses oder tief sitzender Kränkungen mit ihrem bisherigem Leben hadern und alle Bahnen hinter sich abbrechen. Bei Flugbegleiterin Ellen weisen die Ursachen in beide Richtungen, da neben der Enttäuschung durch ihren untreuen Freund Florian sie das unablässige Gefühl beschleicht, nicht den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Das unterschwellige Bedürfnis nach einschneidendem Wandel kulminiert in der plötzlichen Flucht ihres Arbeitsplatzes, woraufhin sie entlassen wird.

    Bis hierhin liefert Pia Marais einen atmosphärisch Blick in den geregelten Alltag der Protagonistin mit langsam einsetzenden Dissonanzen. Bei einer Flugverzögerung in Afrika kommt es zur Begegnung mit einem eingefangenen und betäubten Gepard, in dem sich Ellen zu erkennen scheint, wodurch sich allmählich Risse in ihrer festgefügten Existenzgrundlage bilden. Für ein Gefühl von Unsicherheit und der Notwendigkeit eines Ausbruchs spricht die somnambulen Stimmung, ohne dass das Drehbuch viele Worte darüber verlieren müsste. Wenn Ellen mit ihrem Koffer als letzte Habe allerdings an eine Gruppe kompromissloser Tierschützer gerät, ändert sich der Tonfall wesentlich. Durch die Konfrontation mit einem befreiten Affen fließt etwa etwas Humor in die offen entwickelte Charakterstudie.

    An anderen Stellen wirkt die Komik allerdings eher unfreiwillig, wenn Gruppendiskussionen oder interne Differenzen wie eine Parodie auf linke Phrasendrescherei oder Julia Hummer mit struppiger Mähne wie eine Karikatur auf die Spontiszene erscheinen. An dieser Stelle glaubt man sich in Marais Debüt „Die Unerzogenen“ über Generationskonflikte in einer Hippie-Kommune versetzt. Offensichtlich zogen hier ebenso autobiografische Elemente ins filmische Schaffen der Regisseurin ein wie Reminiszenzen auf ihre Kindheit in Südafrika. Diese Sequenzen bilden gewissermaßen die Klammer von Ellens unsteter Sinnsuche, nachdem sie in der (Schein-)Beziehung zu einem wesentlich jüngeren Partner und dessen radikalem Aktionismus keine echte Zukunft sieht.

    Eine weitere Affinität scheint Marais zum französischen Kino zu besitzen. Während in ihrem Debüt die derzeit unterbeschäftigte Französin Joana Preiss in einer Nebenrolle auftrat, trifft man dieses Mal im Titelpart den Star Jeanne Balibar, die ihre Dialoge komplett auf deutsch spricht – immerhin akzentfrei, aber mitunter ohne rechte Betonung. Balibars darstellerische Fähigkeiten vermögen allerdings nicht durchweg die Leerstellen in Ellens Verhalten zu füllen, selbst wenn nicht jede Handlungsweise ihrer Odyssee psychologisch erläutert werden soll. Das in Köln und Frankfurt von der dort ansässigen Pandora Film produzierte Werk wartet neben vertrauten Gesichtern des deutschen Kinos wie Julia Hummer, Eva Löbau oder Alexander Scheer mit einen Gastauftritt von Comedian Johann König als Ellens Barbekanntschaft auf. Dazu unterstützt die verhalten, aber stimmig eingesetzte Musik von Coautor Horst Markgraf das bemerkenswerte, aber letztlich unentschiedene Psychogramm einer Entfremdung.

    Fazit: Hervorragend gespielte, doch psychologisch sprunghafte Chronik einer diffizilen Selbstfindung.
  • Eine 43-jährige Stewardess zieht einen Schlussstrich und beschreitet bizarre Abwege in dem Lebenskrisendrama von Pia Marais („Die Unerzogenen“).

    Seltsam lautet das Prädikat, das Marais zweiter, an Arthouse-Kenner gewandter Spielfilm für sich verbuchen kann. Er handelt von einer Frau, die am Rande des Nervenzusammenbruchs laviert und so gar nicht mehr ins Leben zurückfinden will. Ellen heißt sie, gespielt von der französischen Bühnendarstellerin Jeanne Balibar („Bonjour Sagan“), deren Akzent ihre dünne Stimme noch brüchiger klingen lässt. Das hat Methode: Sie wirkt den ganzen Film über wie eine teilnahmslose Fremde, die überall dabei ist, ohne jemals dazuzugehören. Für diese Antiheldin Sympathie zu empfinden, ist kein Muss, zumal Marais so gut wie gar nicht Motive und Innenleben aufschlüsselt. Ihre Ellen bleibt eine distanzierte Sphinx, die anfangs feststellt, dass ihr Partner Florian („Import/Export“-Kultmime Georg Friedrich wieder mit breitestem Wiener Dialekt) eine andere hat – woran sie freilich nicht ganz schuldlos ist. Anderntags vervollständigt ein nicht näher genannter medizinischer Befund den Schock und als sie aus einer startfertigen Passagiermaschine durch den Notausgang über das Frankfurter Rollfeld flüchtet, ist, wenig überraschend, der Job futsch. Fortan taumelt sie ziellos umher und der Film folgt dieser emotional Verlorenen auf den bizarren (Ab)Wegen, die sie beschreitet.

    Nachdem sie einen schwulen Kollegen gestalkt hat, was lange Zeit auf eine Variante von „Lost in Translation“ hindeutet, schließt sie sich eher zufällig einer Tierschutzgruppe an. Während ihr Ex sie sucht, interessiert sich der junge Karl für sie. Doch die Beziehungsgeschädigte will nichts davon wissen. Ellen ist ein erratischer Charakter mit einer gelinde gesagt schwierigen Art: Derangiert, desorganisiert, desinteressiert. Das mag bisweilen tragikomisch wirken. Die radikale Aussteigerstory mit intensiver Atmosphäre gemahnt an das frühe deutsche Autorenkino, das zuletzt in „Eine flexible Frau“ ein Echo fand. Ob es den von den Aktionisten in Nacht und Nebel befreiten Versuchstieren in Freiheit besser ergeht als in Gefangenschaft, steht als Sinnbild für Ellens Situation. „Naivität ist eine gefährlich Einstellung“, warnt ein Wildhüter die Sinnsucherin in Afrika, wo Pia Marais zweite Arbeit endet, wenn sie die Hauptfigur einfach in der Landschaft verschwinden lässt. tk.

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