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Illusions perdues

Filmhandlung und Hintergrund

Freie, emotionale Adaption von Balzac um einen jungen Mann, der Poet sein will, aber als Journalist in Paris nur Schachfigur der Mächtigen ist.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Illusions perdues: Freie, emotionale Adaption von Balzac um einen jungen Mann, der Poet sein will, aber als Journalist in Paris nur Schachfigur der Mächtigen ist.

    Freie, emotionale Adaption von Balzac um einen jungen Mann, der Poet sein will, aber als Journalist in Paris nur Schachfigur der Mächtigen ist.

    Xavier Giannoli wagt sich an Balzac, an sein Großwerk „Verlorene Illusionen“, Teil des ausufernden Zyklus‘ „Die menschliche Komödie“ und selbst für sich als Roman in drei Teilen ausufernd. Dabei geht der Regisseur von Publikumsfilmen wie „Chanson d’Amour“ oder „Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“ sehr frei um mit der Vorlage, entschlackt sie um diverse Figuren und Handlungsstränge, bis er alles entfernt hat, was seiner Geschichte vom Aufstieg und Fall eines jungen Mannes nicht dienlich wäre, der eigentlich Poet sein will, sein Talent dann aber in Paris in den Dienst des Journalismus stellt. Aus einer Éducation sentimentale wird so sehr schnell ein ätzendes und schlaues Sittenbild, dem man mit wachsender Faszination folgt: Wie der florierende Journalismus der Zeit funktioniert, wie es immer nur darauf ankommt, wen man kennt und wieviel man zu zahlen bereit ist, das ist wie ein kluger Spiegel, den Giannoli der heutigen Zeit vorhält, in der die sozialen Medien eine ähnlich perfide Rolle spielen wie die Presse in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und doch lässt der Film nie seine Hauptfigur aus den Augen, den tragischen Lucien Chardon, der sich selbst immer nur mit dem adeligen Mädchennamen seiner Mutter vorstellt, um in der feinen Gesellschaft Punkte zu machen, der glaubt, es geschafft zu haben, und schließlich erkennen muss, dass er nur eine Schachfigur in einem Spiel ist, in dem andere bestimmen, wie die Regeln aussehen. Benjamin Voisin aus „Sommer 85“ spielt den Lucien perfekt an der Seite größerer Namen wie Cécile de France und Gérard Depardieu (die beiden Stars von Giannolis „Chanson d’Amour“): keine leichte Rolle, denn Lucien muss der Sympathieträger sein, für ihn muss das Herz des Publikums schlagen - nur dass er es einem nicht immer einfach macht, weil er selbst dem bösen Spiel verfällt und bereitwillig seine Ideale verrät. Dass es doch funktioniert, ist auch einem genialen Offkommentar zu verdanken, der den Film immer zusammenhält. Und am Schluss auch noch für eine Überraschung gut ist.

    Thomas Schultze.
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