Ida

  1. Ø 5
   2013

Ida: Drama über die junge Nonne Anna, die im Polen der Sechzigerjahre lebt und ein dunkles Familiengeheimnis entdeckt, das bis in die Nazizeit zurückreicht.

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Filmhandlung und Hintergrund

Ida: Drama über die junge Nonne Anna, die im Polen der Sechzigerjahre lebt und ein dunkles Familiengeheimnis entdeckt, das bis in die Nazizeit zurückreicht.

Novizin Anna hat gerade ihr 18. Lebensjahr vollendet, ist noch Jungfrau und lebt wie eine Heilige fern der Sünde. Bevor sie 1962 in dem polnischen Kloster, wo sie aufgewachsen ist, ihr Gelöbnis ablegt, bittet ihre letzte lebende Verwandte, die ihr bislang unbekannte Tante Wanda, sie in der Stadt zu treffen. Dort enthüllt sie dem stillen Mädchen, das Anna keineswegs katholisch, sondern die Jüdin Ida ist und ihre Eltern im Krieg von einheimischen Bauern ermordet wurden. Die resolute Ex-Richterin fährt mit ihr aufs Land, um die verschollenen Gebeine ihrer Familie zu finden.

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Kritikerrezensionen

  • Nach drei Filmen in England und einem in Paris drehte der in Europa aufgewachsene Regisseur Pawel Pawlikowski ("My Summer of Love") mit "Ida" erstmals in seiner polnischen Heimat. In seinem mit Rebecca Lenkiewicz verfassten Skript verarbeitete er Elementen der eigenen Biografie, darunter die Begegnung mit einer ehemaligen stalinistischen Richterin, die ihn zuvor mit ihrer ironischen Art beeindruckte. Wie in allen seinen Filmen lebt auch "Ida" von der Konfrontation zweier konträrerer Charaktere - hier sind es das unschuldige, schweigsame Mädchen und die mondäne, innerlich zerrissene Grande Dame. Während sich Anna/Ida den Fragen nach Vergangenheit und Zukunft stellen muss, wird sich ihre Tante langsam den eigenen Verfehlungen bewusst. Dagegen setzen die Menschen, denen beide bei ihren Nachforschungen begegnen, auf die Verdrängung der einstigen Schuld.

    Nach dem surrealen Mystery-Drama "Die geheimnisvolle Fremde" kehrt Pawel Pawlikowski zum nüchternen Inszenierungsstil von "Last Resort" zurück. Seine Werke leben von einem unsentimentalen Blick auf Menschen am Scheideweg, deren Schicksal sich in der unwirtlichen Natur spiegelt. Obwohl er in "Ida" unterschiedliche Themenpaare wie Verlorenheit und Identitätsbestimmung, Schuld und Sühne, Katholizismus und Kommunismus, Vergangenheit und Gegenwart anschneidet, wirkt sein Drehbuch nicht wie Stückwerk. Dass die Mischung aus Road Movie, Nachkriegsdrama, Coming-of-Age-Studie, kitschfreier Liebesgeschichte und Reminiszenz an die polnische Jazz-Welle funktioniert, liegt an dem trockenen Humor, der lakonischen Inszenierung und den glaubwürdigen Figuren.

    Dazu ordnet die häufig unbewegte Kamera die Figuren öfter am Rand des Geschehnes an, um ihre Verlorenheit und Isolation zu unterstreichen. In erster Linie geht es Pawlikoswki nicht um eine schonungslose Abrechnung mit der Tätergeneration und der Tristesse der polnischen Gesellschaft, sondern um das Porträt einer Ära der Neuorientierung im Sozialismus. Idas Reise zur eigenen unbekannten Biografie fällt mit der Aufbruchstimmung der frühen Sechziger zurammen. Gegen die Verfehlungen der Väter setzt Pawlikowski den Freiheitsdrang der jungen Generation. Als Entdeckung erweist sich Hauptdarstellerin Agata Trezebuchowska, die das Tastende und Fragende ihrer distanzierten Figur perfekt vermittelt.

    So wie alle Arbeiten Pawlikowskis unter 90 Minuten ausfallen, was in einer Zeit der ausufernden Filmepen wohltuend wirkt, zeigt sich "Ida" ebenso ökonomisch präzise erzählt. Auf dem Soundtrack stehen klassische Kompositionen, etwa von Mozart, den Jazz-Titeln eines John Coltrane gegenüber. Die zuvor schon in "Die geheimnisvolle Fremde" besetzte Joanna Kulig verkörpert die blonde Sängerin der Band, was angesichts ihrer Gesangsausbildung nahe lag. Das Jazz-Ambiente liefert gemeinsam mit der poetischen Schwarzweiß-Fotografie und dem ungewöhnlichen, fast quadratischen Bildformat (in 4:3) eine stimmige Hommage an das Kino der Sechziger.

    Fazit: "Ida" funktioniert ebenso als nüchternes Porträt zweier unterschiedlicher Frauen wie als eindringliche Anklage gegen die Verdrängung von Kriegsverbrechen, wobei der Tonfall zwischen Trauer und lakonischem Humor schwankt.
  • In lyrischem Schwarzweiß komponiertes, aufwühlendes Porträt einer Novizin, die ihre traurige jüdische Vergangenheit entdeckt.

    Der britische Independentfilmer Pawel Pawlikowski wurde für Werke wie „My Summer of Love“ preisgekrönt und etablierte damit eine eigene, spannende Handschrift. Diese forciert er auf beeindruckende Weise in seinem asketischen Arthouse-Drama, das den gebürtigen Warschauer zurück in seine Heimat führt. Das kommunistische Polen des Jahres 1962 bietet ihm Anlass zur Aufarbeitung volkseigener Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Mithin kein leichtes Thema, dem Pawlikowski jedoch mit stillem Stilwillen in seinem Porträt zweier gegensätzlicher Frauen begegnet, den letzten beiden Überlebenden ihrer Familie.

    Diese wurde zu Kriegszeiten von Bauern erschlagen und anonym im Wald verscharrt – für die katholische Novizin Anna ein Schock, als sie von ihrer bislang unbekannten Tante Wanda erfährt, dass sie tatsächlich Ida Lebenstein heißt, jüdischer Abstammung ist und nur dadurch gerettet wurde, dass man sie in einem Kloster versteckte, wo sie aufwuchs. Ihre Identitätssuche mit der resoluten ehemaligen Richterin Wanda stellt alle Schattierungen von Unschuld und Sünde, Heiligen und Huren aus. Die Frage, ob Gott überall ist, oder man anhand derartiger Taten merkt, dass es ihn nicht gibt, durchzieht den im beengten 4:3-Format entstandenen Schwarzweißfilm, der das Lebensgefühl des Sozialismus widerspiegelt, aber keinesfalls die Ostblocktristesse beklagt, sondern ihr trotzt.

    Denn es ist nicht nur der Holocaust aus einem ästhetisch aufregenden, anderen Blickwinkel, den Pawlikowski einnimmt. Er widmet sich auch einem Coming-of-Age zu einer Zeit, da die opportunistischen Täter ihre Verbrechen vergessen wollen und sich mit Jazz und Tanz an Friedenszeiten erfreuen. An unbequeme Wahrheiten möchte hier keiner erinnert werden, womit eine tragische Entwicklung von erschütternden Ausmaßen ihren Lauf nimmt, die nüchtern, aber intensiv Abschied von einem verschleppten persönlichen Traumakapitel nimmt, um sich für die Zukunft neu zu orientieren. Auch wenn das eigene Leben dafür kurzzeitig Kopf steht. Manche Wunden heilt die Zeit. Andere nicht. tk.

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