Ich und Earl und das Mädchen

  1. Ø 4.4
   2015

Ich und Earl und das Mädchen: Sensible Dramödie über die ungewöhnliche Freundschaft eines jungen filmbesessenen Außenseiters mit einer krebskranken Mitschülerin.

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Filmhandlung und Hintergrund

Ich und Earl und das Mädchen: Sensible Dramödie über die ungewöhnliche Freundschaft eines jungen filmbesessenen Außenseiters mit einer krebskranken Mitschülerin.

Greg (Thomas Mann) hat sein letztes Jahr auf der Highschool begonnen und würde sich am liebsten weiterhin aus dem sozialen Minenfeld seines Schüler-Daseins heraushalten. Seinen ältesten und einzigen Freund Earl (RJ Cyler), den jeder normale Teenager wohl als „besten Freund“ bezeichnen würde, betitelt er selbst nur als „Arbeitskollegen“. Grund dafür: Beide drehen gemeinsam kurze Parodien von Filmklassikern. Eines Tages verdonnern ihn seine Eltern dazu, seiner Mitschülerin Rachel (Olivia Cooke), die mit Krebs diagnostiziert wurde, in ihrer verblieben Zeit auf Erden ein guter Freund zu sein. Widerwillig beginnt er Zeit mit ihr zu verbringen, und anstatt sich wie jede x-beliebige Jugendliebe nach kürzester Zeit nach ihr zu verzehren, wird er schnell auf den Boden der Realität zurückgeführt und muss sich mit der Vergänglichkeit des Lebens und Werten wie Freundschaft auseinandersetzen. Auch seine Beziehung zu Earl wird dabei vor eine Zerreißprobe gestellt, als beide Rachel zu Liebe beginnen, ihr ein Video zusammenzuschneiden. Was als nette Geste beginnt, verwandelt sich schnell in die persönliche Identitätssuche der Hobby-Filmemacher. Nicht nur erkennen sie ihr eigenes Umfeld kaum mehr wieder, sondern müssen sich ihren Platz in der Welt neu suchen. Der Roman „Ich und Earl und das sterbende Mädchen“ von Autor Jesse Andrews, entwickelte sich schnell zum Bestseller. Für die Film-Adaption bekam der Autor ebenfalls die Chance das Drehbuch zu verfassen, welches nun von Alfonso Gomez-Rejon inszeniert wurde. Dieser setzt bei seinen Jungstars auf Newcomer, konnte aber in Nebenrollen namhafte Stars von Film und Fernsehen für das Projekt begeistern: Neben Connie Britton („Friday Night Lights“) sind Nick Offerman („22 Jump Street“) und Jon Bernthal (“The Wolf of Wall Street“) zu sehen. Der Film feierte auf dem Sundance Film Festival seine Premiere und konnte dort neben dem Publikumspreis auch den großen Preis der Jury einheimsen.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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    Als Greg von seiner Mutter losgeschickt wird, um mehr Zeit mit Rachel zu verbringen, ist er nicht gerade begeistert. Ja, Rachel geht mit ihm in die Abschlussklasse der High School. Aber er redet kaum mit ihr. Ja, Rachel hat Leukämie. Aber da kann er doch auch nichts dran ändern. Ja, Greg hat wenig andere Freunde. Aber Freunde will er im Grunde ja auch nicht. Lieber dreht Greg Filme, zusammen mit Earl, den er allerdings eher als "Arbeitskollegen" bezeichnet. Schon 42 Filme haben die beiden fertiggestellt, jeder einzelne eine Hommage an einen Arthouse-Klassiker. Als Greg Rachel von seinen Filmen erzählt, ist diese begeistert und will alles darüber wissen. Der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, in der Greg langsam herausfindet, dass ein wichtiger Bestandteil des Lebens nun einmal ist, andere Menschen daran teilhaben zu lassen. Der Film von Alfonso Gomez-Rejon, der auf der gleichnamigen erfolgreichen Buchvorlage von Drehbuchautor Jesse Andrews basiert, überrascht mit einem überbordenden Ideenreichtum. In seiner Verspieltheit und seiner Kreativität erinnert ICH UND EARL UND DAS MÄDCHEN an Filme von Michel Gondry. Da gibt es animierte Sequenzen im Stoptrick, visualisierte Gedanken, eine lakonisch-philosophische Erzählerstimme und so viele Szenen, die zunächst einmal wie Standards aus einem typischen Coming of Age-Film wirken - und diesen dann eben doch widersprechen. Denn immer geschehen Kleinigkeiten, mit denen man gar nicht rechnet, verlaufen Dialoge statt in eine hochbedeutsame Message in ein wunderbar leichtes und beschwingtes Nichts. Einen großen Anteil der Effekte nehmen natürlich die selbstgedrehten Filme der Jungs ein. Alleine hierfür gebührt den Machern großer Respekt für dieses herrliche Panoptikum an Zitaten, Verbeugungen und Variationen. Für die drei Hauptdarsteller wurde genau die richtige Besetzung gefunden. Thomas Mann, Olivia Cooke und RJ Cyler wirken perfekt aufeinander eingespielt und auch die "Erwachsenen" wie Connie Britton, Nick Offerman und Molly Shannon spielen ihre Rollen mit großem Spaß und sehr authentisch. Obwohl die Ideen sehr kunstvoll inszeniert werden, wirkt nichts in Gregs Welt künstlich. Das liegt auch an der phänomenalen Kameraarbeit von Chung-Hoon Chung und dem stimmungsvollen Soundtrack, für den Brian Eno verantwortlich zeichnet. Bis zum allerletzten Moment ist ICH UND EARL UND DAS MÄDCHEN berührend, unterhaltsam, schräg und liebevoll zugleich. Ein großartiger Film, über eine Freundschaft, die ein Leben ändern kann. Und eine bezaubernde Geschichte, die man nicht so schnell vergisst.

    Jurybegründung:

    Greg ist 17, Außenseiter in seinem letzten Highschool-Jahr, dessen soziale Kontakte sich auf seinen Freund Earl reduzieren. Geselligkeit ist ihm ein lästiges Übel. Gemeinsam mit Earl flüchtet er sich in die Welten historischer Filmklassiker, die sie selbst nachspielen und mit skurrilen Titeln persiflieren. Doch Greg wird aus seinem Alltagstrott geworfen, als ihn seine Mutter dazu zwingt, Zeit mit der an Leukämie erkrankten Mitschülerin Rachel zu verbringen. Aus der anfänglichen gegenseitigen Abneigung entwickelt sich eine innige Freundschaft, die das Leben der beiden nachhaltig verändert.

    ICH UND EARL UND DAS MÄDCHEN gelingt es, bei der im Zentrum stehenden Geschichte (die schon allzu oft in Filmen erzählt worden ist) ungewöhnliche Wege zu beschreiten und ein Gesamtkunstwerk zu kreieren, das aus Sicht der Jury völlig nachvollziehbar auch beim Sundance Film Festival mit zwei Hauptpreisen ausgezeichnet wurde. Das exzellente Drehbuch von Jesse Andrews nach seinem eigenen Roman wartet mit zahlreichen kreativen Einfällen und Figurenkonstellationen auf, die sich auf magische Weise zu einem großen Ganzen verflechten. Egal ob "Ill Phil" schwadroniert, flauschige Kissen weibliche Namen erhalten und von Greg zu Masturbationszwecken umfunktioniert werden oder der tätowierte Geschichtslehrer seinen Schülern Respekt vor der Forschung einzuimpfen versucht - der Film umschifft Klippen der Peinlichkeiten und kreiert einen humoristisch-skurrilen Erzählstil, der sowohl der literarischen Vorlage (durch wunderbare Kapitelüberschriften wie "Tag 1 der todgeweihten Freundschaft" und einen zeitweise philosophisch anmutenden Off-Kommentar) als auch den filmischen Möglichkeiten mehr als gerecht wird. Die persiflierten Filmklassiker werden vielfach nur angedeutet, doch schon die kurzen Ausschnitte von "A Sockwork Orange" mit Sockenmännchen bis zu "Apocalypse Now" aus Schnittblumen machen Lust darauf, Klassiker wie Satiren wiederzuentdecken. Werner Herzog spielt eine zentrale Rolle für die Filmemacher, mehrfach taucht er in Filmausschnitten auf - mit dem Höhepunkt von Gregs Imitation von Werner Herzog in einem Monolog über den Aufnahmeprozess ins College als ewiger Kampf, was erfreulicherweise auch in der deutschen Synchronisation sehr gut gelungen ist.
    Die hervorragende Kameraarbeit mit Trickelementen, ungewöhnlichen Perspektiven und Weitwinkel-Überhöhungen in den Zimmern der Protagonisten erzeugen die dem Stoff angemessene visuelle Vielfalt zwischen Puppenhaus-Ästhetik und den langen, als feindliches Gebiet inszenierten Gängen der Caféteria. Zugleich werden metaphorisch Kriegserfahrungen der amerikanischen Gesellschaft eingeflochten, die zahlreichen Metaebenen des Filmes funktionieren dabei herrlich unaufdringlich. Jeder Kenner von Filmgeschichte und amerikanischer Politik wird sich jedoch an den überaus inspirierten Insider-Anspielungen herzlich erfreuen. Zugleich ist auch der Musikeinsatz gespickt von Zitaten, die wie ein ergänzender Kommentar ironisieren und Distanz bzw. Nähe schaffen.
    ICH UND EARL UND DAS MÄDCHEN hat die Jury als mutiger Spagat zwischen Mainstream- und Arthousekino auf allen Ebenen überzeugt.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Videokritik anzeigen
  • Wenn ein filmverrückter Außenseiter und eine krebskranke Mitschülerin Freundschaft schließen, verbindet sich das Dramatische auf subtile Weise mit dem Komischen.

    Beim Sundance Film Festival wurde der zweite Kinofilm des Texaners Alfonso Gomez-Rejon („Warte, bis es dunkel ist„) mehrfach ausgezeichnet und in diverse internationale Märkte verkauft. Thematisch mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ und im Ton mit „(500) Days of Summer“ und ähnlich kauzigen Beziehungsgeschichten verwandt, spricht diese Dramödie ein junges Publikum an, das sich ohne Larmoyanz berühren und von den Orientierungs- und Anpassungsproblemen eines Teenagers mit obsessiver Kinosucht amüsieren lassen will.

    Erzähler Greg (Thomas Mann) ist einer dieser smarten Unsichtbaren, die in der Highschool mit ihren Popularitätsritualen als Exoten gelten. Seinen einzigen Freund Earl bezeichnet der bindungsphobe 17-Jährige als Mitarbeiter, der seine cineastische Besessenheit teilt und mit ihm Kurzfilme dreht, die Klassiker der Filmgeschichte absurd-komisch komprimieren und parodieren. Sekunden-Pretiosen wie “ A Sockwork Orange“ (Kubrick mit Socken) oder „Pooping Tom“ (frei nach Michael Powells Psychothriller) sind die witzigen Highlights dieses Coming-of-Age-Films, auch wenn die Bezüge zur Geschichte nicht immer eindeutig und manchmal wohl auch schlicht willkürlich sind, wenn etwa Bernard Herrmanns hypnotische Musik zu Hitchcocks „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ eine familiäre Diskussion untermalt. Diese amüsante Spielerei für Filmjunkies ist der Ausgleich für die Auseinandersetzung mit der schweren Krebserkrankung der Protagonistin (Olivia Cooke), die von Momenten der Verlegenheit und Ratlosigkeit, aber auch von Vertrauensbildung und Hoffnung geprägt sind.

    Mehr als 160 Tage lang beobachtet Gomez-Rejon, der für sein nächstes Projekt Will Smith gewinnen konnte, ein Paar, das eigentlich noch keines ist, aber durchaus eines sein könnte. Dass dieser Konjunktiv Wirklichkeit werden kann, steht für den Film außer Frage, der den Zuschauer mit einer gewagten Manipulation entspannt und in Sicherheit wiegt. Wenn er dann seine beiden Hauptfiguren ohne physische Berührung ganz nahe bringt, begegnen sich Euphorie und Ernüchterung, treffen verspielte Stop-Motion-Träumereien auf die Realität. kob.
  • Es gab einmal eine Zeit in Hollywood, da hofierte man nur die jungen Kinogänger. Da wurde der Filmmarkt, sprich die Kinos, mit unzähligen, unseligen Teeniefilmen überhäuft. Diese Zeiten sind gottseidank vorüber, oder nicht ganz. Den diese Geschichte von Regisseur Alfonso Gomez-Rejon würde sehr gut zu dieser Kategorie passen, allerdings mit bedeutend mehr Tiefgang.
    Greg (Thomas Mann) absolviert sein letzes Schuljahr. Dies möchte er möglichst unauffällig durchziehen. Keine Freundschaften um das soziale Minenfeld, die Teenagerzeit, einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Dabei ist Earl (RJ Cyler), den er schon seit Kindergartenzeiten kennt, sein bester Freund.
    Mit ihm zusammen haben sie mindestens 40 Kurzfilmparodien von Filmklassikern gedreht. Trotzdem stellt er ihn als seinen Arbeitskollegen vor. Doch Earl stört das nicht weiter. Mit Greg zusammen gammeln sie, halt das heißt ja jetzt Abhängen, die meiste Zeit bei ihrem stark tätowierten Geschichtslehrer Mr. McCarthy rum.
    Doch als seine Mutter ihm eröffnet, dass Rachel (Olivia Cooke), eine Klassenkameradin, schwer an Leukämie erkrankt ist, ändert das sein Leben total. Greg`s Mutter besteht darauf, dass er sich mehr um dieses Mädchen kümmern sollte. Mehr als widerstrebend gibt er seiner Mutter nach. Doch nach und nach entsteht daraus eine wunderbare Freundschaft.
    Ein Film der beim Sundance Film Festival 2015 mit dem Preis der Jury und dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Und man muss sagen zurecht. Allerdings die Bezeichnung Komödie trifft nicht ganz zu. Es ist eher eine Dramödie, die das Thema des Erwachsenenwerden in den Focus setzt.
    Mit drei hervorragenden Jungschauspielern besetzt und mit einer Sprache umgesetzt, die den Nerv der Zeit trifft. Mit ein paar hübschen Regieeinfällen, die als Animationsszenen dargeboten werden. Wobei der deutsche Verleiher nicht den Mut hatte den Originaltitel zu übernehmen (OT- Me and Earl and the dying Girl)!
    106 Minuten – ein Teeniefilm, der aus dem Rahmen fällt.
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