Ich reise allein

  1. Ø 5
   2011

Ich reise allein: Feinfühlige skandinavische Dramödie mit Niveau und Stil, die mit ausgeformten Charakteren familiäre Annäherung voller menschlicher Momente betreibt.

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Filmhandlung und Hintergrund

Ich reise allein: Feinfühlige skandinavische Dramödie mit Niveau und Stil, die mit ausgeformten Charakteren familiäre Annäherung voller menschlicher Momente betreibt.

Der 25-jährige Literaturstudent Jarle fällt aus allen Wolken, als eines Tages seine Tochter vor der Tür steht, die er im Vollrausch auf einer Party vor sieben Jahren unwissentlich gezeugt hat. Nun hat ihre junge Mutter nach einer Trennung die traurige Lotte ganz allein für eine Woche, kurz vor ihrem achten Geburtstag, zum konsternierten Papi geschickt. Der lässt das Mädchen spüren, dass er keine Lust auf Verantwortung und Erziehung hat, will er doch seinen Studentenlifestyle zwischen Feiern, Alkohol und hochgestochenen Elaboraten über Marcel Proust fortführen.

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Kritikerrezensionen

  • Mit einer pointierten Coming-of-Age-Story präsentieren Regisseur Stian Kristiansen und Hauptdarsteller Rolf Kristian Larsen quasi eine Fortführung ihrer gelungenen Dreiecksgeschichte „Der Mann, der Yngve liebte“. Trotz eines deutschen Verleihs kam die hetero-/homosexuelle Beziehungstragikomödie bei uns nur auf Festivals und im Fernsehen zum Einsatz. Gewissermaßen führen Kristiansen und Larsen ihren Protagonisten nun von der emotional aufwühlenden Schulzeit in den sorglosen Studentenalltag.

    Für den nun Jarle genannten Charakter endet das turbulente Partyleben abrupt, als ihm ein vergessener One-Night-Stand seine bislang unbekannte sechsjährige Tochter vorsetzt. Zwischen verpöntem Babysitting, unbequemen Beziehungsstress und dem Termindruck eines vereinbarten Artikels driftet Jarles geordnetes Leben zunehmend ins Chaos ab. Stets bietet die Konstellation der Konfrontation zweier konträrer Charaktere eine lohnenswerte Ausgangssituation für nachdenkliche Komödienstoffe (wie etwa bei „Chinese zum Mitnehmen“), da das Zusammenleben mit einem zunächst nur notdürftig geduldeten Menschen viel Geduld, Akzeptanz und Toleranz sowie das Abrücken von eingefahrenen Standpunkten erfordert.

    Der Titel „Ich reise allein“ bezieht sich sowohl auf die kleine Charlotte Isabel, die kurzerhand solo ins Flugzeug gepackt wird, als auch auf Jarle selbst, der trotz lockerer Beziehung auf seine Individualität pocht. Als ihn seine Gelegenheitsfreundin Hedis für ihren gemeinsamen Literaturdozenten verlassen will, setzt bei dem unbeschwerten Studenten zusätzlich der Katzenjammer ein. Seinen Appell für mehr Verantwortung und Lebensplanung legt Stian Kristiansen zwischen flotter Inszenierung, melancholischem Unterton und Indie-Retro-Soundtrack an. Offenbar stand bei der Anfang der Neunziger angesiedelten Handlung sein eigenes Studienleben Pate, was überzeugend zwischen akademischem Alltag und nächtlichem Partytrubel eingefangen wurde.

    In dieser Hinsicht wirkt der weitere Verlauf allzu harmonieselig, in dem sich das anfangs kratzbürstige, aber wohl erzogene Kind mit Lady Diana-Faible als kleine Prinzessin entpuppt. Mit einem konstruieren Geburtstags-Happy-End macht es sich Kristiansen und seinem zuvor recht arglosen Protagonisten doch etwas einfach, obwohl er andeutet, dass Jarle aus den Fehlern der Vergangenheit wenig gelernt hat.

    Fazit: Eine liebenswerte norwegische Tragikomödie mit lebendig gezeichneten Charakteren und leicht märchenhaftem Plot.
  • Feinfühlige skandinavische Dramödie mit Niveau und Stil, die mit ausgeformten Charakteren familiäre Annäherung voller menschlicher Momente betreibt.

    Auf „Der Mann, der Yngve liebte“, ein in Stavanger des Wendejahrs 1989 angesiedeltes Coming-of-Age um Punkmusik und (homo)sexuelle Wirrnisse, folgt Stian Kristiansens zweiter Film über Jarle Kepp, den er wieder mit Rolf Kristian Larsen („Max Manus„) besetzt hat. Die Mitte der Neunzigerjahre angesiedelten Geschehnisse haben sich vom Komödiantischen mehr, aber nicht vollständig, ins Dramatische verlagert und handeln auf ihre Weise von Familie und Erwachsenwerden, nicht ohne allerhand (rein heterosexuelle) Beziehungs- und Liebeswirren mit einzubeziehen.

    Milieu und Charakterisierungen sind die Antriebskräfte, aus denen sich Komik und Dramatik wie von allein ergeben, wenn man tief in das unbesorgte Studentenleben des 25-jährigen Jarle eintaucht, der es sich an der Uni eingerichtet hat und als junger Intellektueller mit seinen Kumpels von Bukowski und Nietzsche, Fassbinder und Bergman, Nick Cave und dunklem Rock schwärmt, während er hochgestochene Elaborate über sein Thema Marcel Proust verfasst. Das Hochkultur-Feierbiest muss über Nacht damit klar kommen, Vater zu sein, weil seine kleine Tochter Lotte (anbetungswürdig natürlich: die Entdeckung Amina Bergrem), die er vor sieben Jahren volltrunken in einem One-Night-Stand zeugte, vor seiner Tür steht. Von artgerechter Kinderhaltung hat der Hipster keinen Schimmer, lehnt das arme Mädchen ab und flüchtet in den nächsten Suff, auch weil sich seine Freundin gerade von ihm trennt.

    Den Beziehungsstatus mit „es ist kompliziert“ zu umschreiben trifft die Lebensumstände präzise, denn die alleinerziehende Nachbarin, seine Ex, die dann doch wieder an ihrer Entscheidung zweifelt, seine besten Kumpels und auch seine noch recht junge Mutter erweisen sich als kinderlieb – ganz im Gegensatz zum überforderten Problemvater, der sich mit Händen und Füßen wehrt. Als dann noch Lottes attraktive Mutter Annette zum achten Geburtstag des Kindes auftaucht, sprießen wieder Gefühle und das Chaos ist komplett. Das besteht allerdings nicht – wie unzählige thematisch vergleichbare amerikanische und deutsche Klamotten – aus plumpem Familienkitsch, sondern erweist sich als feinfühlige Studie voller Zwischentöne, sanfter Feel-Good-Tendenz und so vielen anrührenden menschlichen Momenten auf einem Niveau, dass jeder Connaisseur vergnügt mit der Zunge schnalzen wird.

    tk.

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