Ich - Einfach unverbesserlich Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Ich - Einfach unverbesserlich"

Kino.de Redaktion  

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Anfang des Jahres 2007 begann Universal Pictures mit dem Ausbau des Familien- und Animationsfilm-Business, indem Produzent Chris Meledandri an Bord geholt wurde, um diese Initiative zu leiten. Meledandri arbeitete viele Jahre lang bei 20th Century Fox, wo er die Animationssparte des Studios gründete und den Filmstart der höchst erfolgreichen „Ice Age“-Franchise leitete. Mit der Gründung von Meledandris neuer Produktionsfirma Illumination Entertainment wird Universal unter dem Banner des erfolgreichen Filmemachers eine ganze Reihe von Spiel- und Animationsfilmen finanzieren und vertreiben.

Meledandri, der 13 Jahre lang in führender Position bei Fox tätig war, wurde während seiner Zeit in diesem Studio zum Gründungspräsidenten der Animationssparte. Acht Jahre lang leitete er diese Abteilung und brachte dem Studio über zwei Milliarden US-Dollar aus Einspielergebnissen ein. Der Produzent zeichnete auch für den Ankauf der an der Ostküste ansässigen Visual-Effects-Firma Blue Sky Studios sowie deren Ausbau zur erfolgreichen Computeranimationsabteilung verantwortlich, bei der über 250 Künstler beschäftigt sind. In dieser Amtszeit war Meledandri auch als Leiter und / oder ausführender Produzent für Kinohits wie „Robots“, „Alvin und die Chipmunks“, „Die Simpsons – Der Film“ und „Horton hört ein Hu“ verantwortlich.

Meledandri sagt über seinen beruflichen Werdegang: „Ich habe festgestellt, dass ich die außergewöhnliche Chance, die Universal mir bot, einfach nicht ausschlagen konnte: der unternehmerische Aspekt, die Gelegenheiten in einem neu gegründeten Unternehmen, der breitegefächerte Rahmen des Produktionsauftrags, in dem alle Formen der Animation aufgenommen werden sollten, außerdem Spielfilme, und die Visionen des Studios zum Thema Film – insbesondere das Engagement für Qualität, ebenso wie die Vorstellungen zur Vermarktung der Filme auf einem Markt mit zunehmend verschärftem Wettbewerb.“

„Das Originalkonzept zu „ICH – Einfach Unverbesserlich 3D“ wurde mir von Sergio Pablos vorgestellt, einem spanischen Animationsspezialisten, der in Spanien ein kleines Studio betreibt“, erläutert Chris Meledandri. „Wir wussten sofort, dass die Autoren Cinco Paul und Ken Daurio genau das richtige Team bilden würden, um das Drehbuch zu schreiben.“ Die Autoren hatten bereits beim Welterfolg „Horton hört ein Hu“ mit dem Produzenten zusammengearbeitet, und Meledandri war sich sicher, dass sie genau das richtige Einfühlungsvermögen mitbringen würden, um Sergio Pablos Originalstory auf der Leinwand zum Leben zu erwecken.

Paul und Dario navigierten bereits zuvor gemeinsam mit Meledandri durch ausgefeilte Animationsgewässer: Sie ließen Dr. Seuss’ beliebte Figur Horton lebendig werden und erzählten die Geschichte eines sanften Elefanten, der einen fast unhörbaren Hilfeschrei vernimmt – und von einem vorbeischwebenden Staubkörnchen stammt. Dieser Film unter der Regie von Jimmy Hayward und Steve Martino war ein großer Erfolg und etablierte das Duo als Comedy-Autoren. Für ihr neuestes Projekt arbeiteten sie Sergio Pablos Idee zur Geschichte eines der größten Superschurken der Welt aus – Gru, ein Mann, der schließlich mehr vom Leben bekommt als nur das Auskosten seiner Schurkenstreiche.

Von Anfang an war es für Illumination sehr wichtig eine Geschichte zu erschaffen, die ein Markenzeichen werden sollte für die Art von Filmen, die unter diesem Banner entstehen sollten. Es ging auf keinen Fall um zweidimensionale Helden oder Antagonisten. Meledandri meint: „Die Idee zu einem Animationsfilm mit dem Schurken als Hauptdarsteller ist ungewöhnlich und stellt eine Herausforderung dar. Am Ende des Films hat Gru eine Wandlung durchgemacht, die dadurch möglich wurde, dass er zu Beginn in einer Situation ist, in der manche seiner Persönlichkeitsmerkmale einfach völlig abstoßend sind. Man würde seine Wandlung gar nicht zu schätzen wissen, wenn wir ihn nicht zu Beginn so abstoßend zeigen.“

Produktionskollege John Cohen war sich der Tatsache bewusst, das „ICH – Einfach Unverbesserlich“ dadurch hervorstechen würde, dass eine Seite unseres Wesens gezeigt wird, die uns nicht immer mit Stolz erfüllt. „Eine Zeitlang wollten wir einen Film über einen Schurken machen, in dem wir aus der Perspektive des Schurken selbst erzählen“, sagt Cohen. „Chris hörte sich diese Idee an, die von Sergio Pablos stammte, der ein großartiger Animationsspezialist ist. Sergio und Nina Rowan, die ausführende Produzenten sind, haben die Idee an Chris herangetragen, und er war sofort Feuer und Flamme. Es ist ein großartiges, klares Filmkonzept mit viel Comedy und einem ganz besonderen Hauptdarsteller.“

Cohen gefiel die Vorstellung, das Quäntchen Bösartigkeit auszuloten, das jeder von uns in sich trägt und nur darauf wartet, zum Ausdruck kommen zu können: „Gru bietet die Erfüllung eines Wunschtraums. Wenn man im Supermarkt an der Kasse in der Schlange steht, und der Kunde direkt vor einem an der Express-Kasse 25 Dinge kauft und dann mit Scheck bezahlen will – das wäre doch der perfekte Augenblick, um einen Gefrierstrahl einzusetzen! Es entsteht eine große Portion Komödie durch eine Figur, die sich Dinge zu tun traut, die wir uns nur insgeheim und verschämt vorstellen…“

Als es Zeit wurde, den Regisseur für dieses Projekt auszuwählen, wandte sich Meledandri an den Oscar-nominierten Filmemacher Chris Renaud sowie an den Sorbonne-Absolventen und Animationsspezialisten Pierre Coffin. Renauds Jahre als Mitarbeiter von Marvel und DC Comics machten es ihm möglich, einige der ikonengleichen Figuren der modernen Ära zu illustrieren. Coffin seinerseits hat etliche der meistgesehenen Animations-Kurzfilme geschaffen, die auf YouTube im Netz zu finden sind, darunter „The Lion Sleeps Tonight“.

„Chris Renaud ist jemand, mit dem ich schon Jahre lang zusammengearbeitet habe, sowohl bei Fox als auch in den Blue Sky Studios“, sagt Meledandri. „Er begann als Storyboard-Zeichner, doch seine Berufserfahrung vor der Mitarbeit bei uns ging viel tiefer in die Animationswelt hinein. Seine Wurzeln liegen in der Welt der Comicbücher, wo er am Anfang seiner Karriere als Illustrator arbeitete. Chris hat ein tolles Gespür für die Story und für deren Umsetzung in Bilder. Eine besonders erfolgreiche Erfahrung machten wir bei Blue Sky mit ihm als Regisseur eines Kurzfilms mit dem Titel „No Time for Nuts“, der für einen Oscar nominiert wurde.

Coffins arbeitete zuvor an so gefeierten Kurzfilmen wie „Flying Fish Tobby Who Aimed for the Stars“ und „Pings“. „Er hat an etlichen Kurzfilmen gearbeitet, die absolut außergewöhnlich sind“, fährt Meledandri fort. „Pierre hat die Begabung, eine ganze Persönlichkeit mit sehr subtilen Bewegungen zu beschreiben. Ich wurde während eines Besuchs in Paris auf ihn aufmerksam, wo man mir einen Ausschnitt von 15 Minuten aus seinen Arbeiten vorführte. Ich war mir sicher, dass er diesem Film genau diesen Sinn für Persönlichkeit und Charaktere verleihen würde, um besonders den Schurken Gru darzustellen, aber gleichzeitig auch seine verletzliche Seite zeigen zu können.“

Während Renauds Stärken im Storyboard-Bereich liegen, war Regiekollege Coffin hauptsächlich für die animierten Performances verantwortlich. Auf diese Weise teilten sich die Männer die gigantische Verantwortung bei der Entstehung von „ICH – Einfach Unverbesserlich“. Das Management der Lichteffekte, das Compositing und die Art-Direction-Teams teilten sie sich beide.

Gut gegen Böse – Who’s Who in Grus Welt?

Zwar ist es zu Anfang noch ziemlich unklar, wer in „ICH – Einfach Unverbesserlich“ die Guten und wer die Bösen sind, doch im Laufe der Geschichte wird alles aufgeklärt. Hier eine Handreichung zur Einordnung der hinterhältigen und wunderbaren Figuren in Grus Welt:

Gru (Steve Carell/Oliver Rohrbeck) ist ein Schurke, der großes Vergnügen daraus zieht, anderen Menschen gemeine Dinge anzutun. Sei es, dass er eine lange Kundenschlange vor ihm im Coffee-Shop einfach tiefgefriert, oder dass er einem kleinen Jungen ein Ballon-Tier schenkt, nur um es sofort wieder zerplatzen zu lassen – Gru darf all die Dinge ausleben, von denen wir nicht einmal zu träumen wagen. Er wird schon bald der weltgrößte Bösewicht aller Zeiten werden, denn er plant das schlimmste Verbrechen des Jahrhunderts – doch Gru steht seine größte Herausforderung noch bevor: die Vaterrolle.

Grus Gegenspieler ist der technikverliebte Vector (Jason Segel(Jan Delay), der viel zu absonderlich ist, um selbstbewusst aufzutreten. Eingeigelt in seinem topmodernen Haus, das eher eine Festung ist, trägt Vector normalerweise seinen orangenfarbigen Trainingsanzug, spielt Videogames und plant seinen nächsten Schachzug. Seine Lieblingswaffe ist eine Flinte, die lebende Piranhas abfeuert. Leider tut sich Vector aber ziemlich schwer damit, die Fleischfresser innerhalb der Waffenkammer zu halten…

Das älteste der Waisenmädchen ist Margo (Miranda Cosgrove/Friedel Morgen-stern), die ihre beiden kleinen Schwestern stets beschützt. Da sie ohne Familie aufgewachsen ist, misstraut sie den meisten Menschen und weiß, dass sich die Mädchen eigentlich nur aufeinander verlassen können. Margo ist hart im Nehmen und fürsorglich; sie hat auch keine Angst, Gru zu widersprechen, wenn er den Mädchen Vorschriften machen will. In Margo hat Gru wohl seinen Meister gefunden.

Edith (Dana Gaier/Derya Flechtner) ist das Kind, das alle Grenzen austestet; sie ist vielleicht diejenige, die man als letztes für eine Adoption in Erwägung ziehen würde. Sie trägt einen Hut tief in die Stirn gezogen und kann es kaum erwarten, Grus hochgefährliches Arsenal auszuprobieren. Edith wirkt wie ein kleiner Gauner. Obwohl das mittlere Kind Grenzen braucht (und will), wird es das niemals zugeben.

Das jüngste Waisenkind Agnes (Elsie Fisher/Sarah Kunze) ist ein unschuldiges kleines Mädchen, das bedingungslos lieben kann und sich verzweifelt danach sehnt, geliebt zu werden. Agnes lebt dafür, Umarmungen zu verschenken, ist von Einhörnern besessen und sagt zusammenhanglose, süße Dinge. Nichts wäre schöner für sie als Eltern zu haben, um ihre Familie zu vervollständigen… und ein Einhorn dazu wäre auch nicht falsch.

Grus Mutter (Julie Andrews/Kerstin Sanders-Dornseif): Hinter jedem großen Bösewicht steht eine tadelnde Mutter. Nichts von dem, was Gru geleistet hat, war für seine ewig nörgelnde Mutter jemals gut genug. Während sie meint, sie gehe ziemlich clever in ihrer Rolle als Mutter auf, behandelt die 80-Jährige ihren Sohn Gru jedoch noch immer, als wäre er gerade einmal acht Jahre alt. Ihre übermäßig kritische Einstellung hat Gru zu immer gewagteren Schurkenstreichen angestachelt, mit denen er seine wutschnaubende Mama beeindrucken will.

Grus verrückter Wissenschaftler, Dr. Nefario (Russell Brand/Peter Groeger), sieht aus, als wäre er etwa 150 Jahre alt und schwankt zwischen brillanten Geistesblitzen und schwarzen Löchern der Leere. Er schuftet rund um die Uhr, um seinem Boss die neuesten Entwicklungen der Fahrzeug- und Waffenbranche zu präsentieren, und ist (manchmal) blitzgescheit. Sein Gehör aber… das begann sich schon vor mindestens 50 Jahren zu verabschieden.

Die „Minions“ ( Pierre Coffin, Chris Renaud und Jemaine Clement) sind kleine, kartoffelförmige, umtriebige gelbe Wesen, die Grus nicht allzu clevere unterirdische Crew bilden. Sie arbeiten hart und sind ihrem Anführer und seinen verrückten Unterfangen treu ergeben; gerne dienen sie ihm als Crash-Test-Dummies. Als sie jedoch die von Gru adoptieren Kinder treffen, lernen sie drei kleine Mädchen kennen, die genauso lustig sind, wie sie selbst.

Miss Hattie (Kristen Wiig/Nana Spier) leitet das örtliche Waisenheim, in dem Margo, Edith und Agnes leben, bevor sie bei Gru einziehen. Miss Hattie wirkt wie eine freundliche und besorgte Beschützerin, ist jedoch eigentlich eine ehemalige Südstaatenschönheit, die an das große Geschäft glaubt. Wenn man seinen Anteil an den Keksverkäufen nicht schafft, dann geht es eben direkt in Miss Hatties „Ich schäme-mich-Kiste“.

Grus Nachbar, Fred McDade (Danny McBride/Hans-Jürgen Dittberner), ist natürlich der Vorsitzende der Eigentümerversammlung. Er ist schnell dabei, jede noch so kleine Verletzung der Statuten anzuzeigen, und damit ein ständiger Stachel in Grus Fleisch. Allerdings sollte er seinen Hund besser im Auge behalten, sonst droht ihm Grus Zorn.

Der nichts verzeihende Kreditmanager der Bank of Evil, Mr. Perkins (Will Arnett/Axel Lutter), finanziert schon seit langem die üblen Pläne von Gru. Er ist ein wahres Monster und zunehmend unzufriedener mit Grus unterdurchschnittlichen Ergebnissen; deshalb verweigert er Gru den Kredit, mit dem die Entführung des Mondes finanziert werden soll.

Die peinlichsten Touristen, denen man jemals begegnen wird, sind diese Familie mit Sohn (Jack McBrayer und Mindy Kaling) im Urlaub. Ausgestattet mit wild gemusterter Bekleidung, Einwegkameras und hässlichen Bauchtaschen steht diesen Touristen ein viel aufregenderer Trip bevor, als sie erwartet hätten – denn sie entdecken, dass jemand die große Pyramide gestohlen hat.

Der Budenbesitzer (Jack McBrayer/Bernhard Völker) im Vergnügungspark Super Silly Fun Land hat keinesfalls vor, Margo, Edith oder Agnes mit einem gewonnen Plüschtier davonkommen zu lassen. Mit Ausrufen wie „Jemand macht ein verkniffenes Gesicht!“ motiviert er allerdings Gru vielmehr dazu, die richtig großen Waffen einzusetzen, damit Agnes ihr geliebtes Einhorn bekommen kann.

Als Kreuzung zwischen einer Bulldogge und einem Piranha – und einer ebenbürtigen Verhaltensweise – ist Kyle der Wachhund von Gru. Kyle muss etliche unwillkommene Umarmungen von Agnes über sich ergehen lassen und ist sich nun gar nicht mehr sicher, ob er die Mädchen allesamt mit Haut und Haar verschlingen will oder sich lieber doch einfach an sie kuscheln möchte.

Produktion: Die Originalstimmen

Bei der Zusammenstellung ihres ersten Animationsspielfilms bestanden sowohl die Regisseure als auch die Produzenten von „ICH – Einfach Unverbesserlich“ darauf, Schauspieler zu besetzen, die mittels ihrer Stimmen nicht nur den Humor vermitteln, sondern auch ihren körperlichen Einsatz für die Figuren hörbar machen konnten, der die vielen Animationsspezialisten dann inspirieren sollte. Cohen erklärt: „Unsere Herangehensweise beim Casting bestand darin, die absolut besten Improvisationstalente der Comedy-Branche zu finden. Sie verleihen dem Film genau die richtige Spontanität und den nötigen Realismus.“

Um den obersten Superbösewicht zu besetzen – eine Figur, die beim Versuch, sich in dieser Branche ganz nach vorne zu arbeiten nun nicht mehr weiter weiß -, mussten die Filmemacher sich nur an einen ehemaligen Mitarbeiter wenden. Steve Carell ist Millionen von Fans aus seinen Rollen in dem US-TV-Hit „The Office“ und beliebten Filmen wie „Jungfrau (40), männlich, sucht…“, „Get Smart“ und „Date Night – Gangster für eine Nacht“ bekannt, doch es war seine Stimme, die von den Filmemachern begehrt wurde. Gemeinsam mit Meledandri hatte Carell schon an „Horton hört ein Hu“ gearbeitet und seine Stimme dem Bürgermeister von Who-Ville geliehen.

„Steve hat viel Pathos in seiner Stimme, vermittelt aber auch Comedy sehr effizient“, sagt Meledandri. „Die Zusammenarbeit mit ihm ist einzigartig, denn er trägt mit seiner Erfahrung als Schauspieler, Improvisationskünstler und Autor dazu bei. Es gibt kaum eine Szene, bei der Steve nicht eine zusätzliche Version findet, von der alle begeistert sind, weil sie das komödiantische oder dramatische Element noch verbessert hat. Die Zusammenarbeit mit ihm ist eine stetige Entdeckungsreise. Man weiß nie genau, wohin er will, doch man landet immer an einem Ort, der besser ist als der Abfahrtspunkt.“

Als sich das Team mit Carell zusammensetzte, um die Ideen über die Stimme von Gru zu besprechen, meinte Carell, dass die großen Schurken der Filmgeschichte stets unvergessliche Stimmen gehabt haben; er wollte jedoch nicht, dass die Zuschauer den Akzent von Gru irgendwohin zuordnen konnten. Meledandri erklärt: „Carell begann unterschiedliche Stimmen auszuprobieren, die auch mit Akzenten spielten, und entwickelte dann einen Stil, der irgendwo zwischen Ricardo Montalban und Bela Lugosi liegt. Sobald er diese Stimme dann einsetzte, wurde unser visuelles Konzept der Figur sofort klarer.“

Carell interessierte sich nicht nur wegen der Chance, einen Schurken zu spielen für dieses Projekt: „Die Geschichte ist wirklich süß“, meint der Schauspieler. „Das hat mich überzeugt. Gru mag zwar völlig irre klingen, teuflisch und gemein und fies sein – aber dennoch wird seine Menschlichkeit sichtbar. Sie schimmert allmählich hindurch, über den ganzen Film hinweg. Das sagt viel darüber aus, wie sich Menschen verändern können, und welche unterschiedlichen Aspekte einer Persönlichkeit die Oberhand bekommen, je nachdem, in welchen Umständen dieser Mensch lebt. Menschen sind ja nicht entweder gut oder böse… in jedem von uns steckt etwas Gutes und etwas Böses gleichzeitig. Wenn man jemanden sieht, der oberflächlich betrachtet einfach ekelhaft zu sein scheint, das dann aber doch nicht ist – so etwas ist richtig interessant und macht Spaß.“

Carell genoss auch den Aspekt des Wetteiferns zwischen Gru und Vector um den Titel des weltbesten Bösewichts. „Es ist für Gru sehr frustrierend, nur der zweitbeste Schurke der Welt zu sein, denn er ist ein Perfektionist“, fügt Carell hinzu. „Er ist stolz auf seine Arbeit, und er will der Beste unter den Bösen sein. Doch dort draußen gibt es jemanden, der ihn übertrifft… und das gefällt ihm ganz und gar nicht.“

Als Stimme von Grus Erzfeind Vector wählten die Filmemacher den Comedy-Schauspieler und Autoren Jason Segel. Vector ist ein formidabler Gegenspieler und wird von Carell beschrieben als „jüngerer Kerl, der viel Technologie zu seiner Verfügung hat. Er trifft Gru wirklich in Mark und Bein. Wenn man darum wetteifert, den Mond zu klauen, dann kann man nicht wirklich gut befreundet sein.“

Als Newcomer in der Animationswelt war Segel begeistert von dieser Rolle, die ihm außerdem die Gelegenheit bot, seine absonderliche Seite auszuleben, als es daran ging, Vectors Stimme zu finden: „So etwas hatte ich zuvor noch nie gemacht“, berichtet Segel. „Vielleicht annähernd einmal, beim Spielen mit Marionetten, aber das hier ist einfach spektakulär. Mir war nicht klar, dass ich nicht mit anderen Schauspielern zusammenarbeiten würde. Man spricht alle Texte für sich allein, also verlangt einem das sehr viel Vorstellungskraft ab. Um mich in die Rolle des Vector hineinzuversetzen, musste ich mich auf meine Zeit als ungeschicktes Kind zurückbesinnen. Das hatte ich weit hinter mir gelassen, aber ich konnte das Feeling wiederbeleben.“

Während Gru darum ringt, seine säuerliche Mutter zu beeindrucken, würde Vector alles in seiner Macht stehende tun, um die Aufmerksamkeit seines uninteressierten und bösartigen Vaters zu bekommen. Segel erklärt: „Er glaubt nicht an mich, und das ist eigentlich eine der Triebfedern für meine Taten, genau wie bei den meisten Bösewichten. Alles gründet auf einer eigenartigen Beziehung zu den Eltern.“

Teenage-Superstar Miranda Cosgrove (aus dem TV-Hit „iCarly“) kam als Margo, die ältere der drei Waisenschwestern, die Gru adoptiert, an Bord der Produktion. Als Veteranin von Nickelodeon seit ihrer Zeit bei „Drake & Josh“ half Cosgrove dabei, die Serie über ein unternehmerisch begabtes Teenager-Girl, das mit ihren besten Freunden Webcasts produziert, zu einer der meistgesehenen Live-Action-Shows des Senders und zur Nummer eins unter allen TV-Serien für Kinder zwischen zwei und elf Jahren zu machen. Eine der Episoden von „iCarly“ hält sogar den Rekord als meistgesehenes Live-Programm in der Geschichte des Senders Nickelodeon. Cosgroves ungeheuer präzises Timing und ihr angeborener Sinn für physische Comedy waren es auch, die ihr durch „iCarly“ die Rolle der Margo einbrachten.

Als misstrauischstes unter den drei Waisenmädchen, die Gru in seine üblen Machenschaften hineinziehen will, wacht Margo stets mit Argusaugen über das Wohlergehen ihrer kleinen Schwestern. Als die Regisseure und Produzenten Cosgrove zum ersten Mal trafen, wussten sie sofort, dass diese Darstellerin ihre Margo sein sollte. Renaud erläutert die Wahl: „Es ist eine schwierige Rolle, und Miranda hat etwas sehr wichtiges dazu beigetragen. Die Mädchen sind die Seele des Films, und Margo verkörpert – noch deutlicher als die anderen beiden – Grus Gewissen, sie ist jedermanns große Schwester… auch für Gru. Es war eine wichtige Entscheidung, Miranda für diese Rolle zu gewinnen, denn sie hat großartige schauspielerische Fähigkeiten und gab Margo genau die Stimme, die wir uns gewünscht haben: eine Stimme mit großem Gewicht.“

Für Cosgrove war entscheidend, mit einem Comedy-Kollegen zusammenarbeiten zu können, den sie sehr bewundert: „Steve Carell ist einer meiner Lieblingsschauspieler“, erzählt sie. „Als ich also herausfand, dass er auch an diesem Film mitwirken würde, war dies das Sahnehäubchen oben drauf. Die ganze Geschichte macht viel Spaß. Ich finde es toll, dass er den Bösewicht spielt, und dass der Bösewicht endlich einmal die Hauptrolle spielt. Gru offenbart dann auch sein großes Herz und zeigt sich zuletzt als richtig netter Kerl. Solche Geschichten liebe ich. Außerdem fand ich es gut, die älteste Schwester zu sein, diejenige, die alles zusammenhält. Ich darf viele kluge, lustige Dinge sagen.“

In der Rolle der mittleren Schwester Edith hören wir Newcomerin Dana Gaier. Sie beschreibt ihre Rolle so: „Edith ist umtriebig und sarkastisch. Sie macht richtig viel Ärger, und damit kenne ich mich schon aus, denn ich mache meiner Schwester auch Ärger. Edith fasst gerne die Dinge an, die sie nicht anfassen soll. Sie hört einfach nicht zu, aber nur weil sie neugierig ist und gerne alles Mögliche ausprobiert. Das macht mir großen Spaß – und Edith auch. Wir lieben unsere Schwestern.“

Außerdem entdeckten die Filmemacher die junge Elsie Fisher, um die Rolle der jüngsten Schwester, Agnes, zu spielen. Wann auch immer die Regisseure richtiges Gekicher brauchten, stand Fisher parat, um quirliges Gelächter loszulassen. Einige der größten Lacher in der Produktion stammten in der Tat von den eigenwilligen Performances, die Fisher lieferte. Zum Beispiel als sie gebeten wurde, die Worte zu sprechen, die Agnes sagt, als sie das Einhorn ihrer Träume bekommt („Es ist so flauschig!“), oder wie sie einen von Pauls und Darios Sätzen sprach, als Gru verlangt, die Mädchen sollten ihn nicht stören („Zählt das als Stören?“ – um dann spielerisch auf ihre Wangen zu klopfen). Fisher beeindruckte die Filmemacher andauern mit ihrem angeborenen komödiantischen Timing.

Fisher selbst freute sich daran, dass ihre Filmfigur einen eigenen Vater bekommen sollte: „Ich habe einen ganz tollen Dad, deshalb ist es wichtig für Agnes, auch einen zu kriegen.“

Eine der größten Entdeckungen der Produktion war die Zusage der beliebten Schauspielerin Julie Andrews für die Rolle als Grus anspruchsvolle, stets unzufriedene Mutter. Bei jeder Gelegenheit macht sie Grus viele diabolische Unternehmungen schlecht und lässt ihn wissen, dass er es ihr nie recht machen kann. Meledandri erinnert sich an sein erstes Treffen mit der Filmlegende: „Als wir bei Julie anfragten, war sie zunächst begeistert, dann aber doch zurückhaltend, als sie die Figur kennen lernte. Denn in diesem Film spielt sie ja sozusagen die Anti-Mary-Poppins, eine gemeine und fiese, nörgelnde Mutter.“

Die Autoren Paul und Dario hatten sich eine Mutter ausgedacht, die ihren Sohn stets zu Höchstleistungen antreiben will, jedoch gleichzeitig eine Frau ist, die ziemlich schlechte Methoden einsetzt. „Julies Reaktion war, dass sie nicht nur niemals zuvor so eine Figur gespielt hatte, sondern auch niemals irgendjemanden getroffen hatte, der auch nur im Geringsten so ähnlich war“, fährt Meledandri fort. „Diese anfängliche Zurückhaltung wandelte sich dann aber ziemlich schnell in Begeisterung um, denn sie wollte sich der Herausforderung einer Rolle stellen, die so ganz anders ist als alles, was sie je zuvor gemacht hatte.“

Julie Andrews beschreibt die oft maulende, nervende Mutter des Bösewichts und lacht dabei: „Grus Mutter ist eine schreckliche Frau. Manchmal war ich richtig entsetzt darüber, was meine Figur versuchte zu tun, und manchmal konnte ich kaum noch aufhören zu lachen.“ Doch die Schauspielerin mochte das Projekt sehr und vertraute auf Renauds und Coffins Vision: „Der Film hat so viel Herz“, fährt Andrews fort. „Letztlich geht es um die Macht der Liebe und um das Wunder der Kindheit. Diese drei kleinen Mädchen haben gar keine Ahnung, dass es so etwas wie das Böse überhaupt gibt. Sie wollen nur geliebt werden.“

Genau wie Carell sich einen eigenartigen Akzent für seine Rolle zulegte, so entwickelte auch Julie Andrews eine unverwechselbare Stimme für die Mutter. Sie erklärt: „Sie klingt leicht europäisch, etwas jüdisch, deutsch und britisch angehaucht. Ich wusste, dass Steve sich für eine eher tiefe, leicht zögerliche Stimme entschieden hatte. Also fragte ich mich, woher er das wohl haben würde… Vielleicht von seiner Mama? Vielleicht stammen sie ja aus einer Mittel- oder Osteuropäischen Gegend und sind dann hierher eingewandert…“

Carell beschreibt lachend die Mutter seiner Figur Gru: „Wenn es jemand gibt, der absolut ungeeignet ist, um eine fiese und bösartige Mutter zu spielen, dann ist das Julie Andrews. Aber sie macht das toll.“ Und er setzt noch einen drauf: „Vielleicht gibt es in ihr ja eine richtig üble Seite, und die lässt sie für diese Rolle raus.“

Dr. Nefario ist Grus verrückter Wissenschaftler und hilft dabei, die üblen Pläne umzusetzen und die Festung vor Eindringlingen (seien es auch nur kleine Mädchen, die Kekse verkaufen, oder vorwitzige Nachbarn) zu schützen. Um dem begabten und schwerhörigen Erfinder seine Stimme zu verleihen, wandten sich die Filmemacher an den britischen Comedy-Schauspieler Russell Brand.

Brand erläutert, dass er gemeinsam mit den Filmemachern unterschiedliche Stimmlagen ausprobierte, bis sie eine fanden, die genau auf die vorgestellte Rolle passte: „Ich schaute mir an, wie Dr. Nefario sich bewegt und wie er nachdenkt, und versuchte dann, darauf eine Reaktion zu finden. Er klingt wie ein Ray-Winstone-artiger Gangster, doch es schwingt auch viel Sanftheit mit. Außerdem musste ich die Stimme älter klingen lassen, indem ich in der Kehle Vibrationen erzeugte.“

Die Rolle des wütenden Mr. Perkins ging an Carells „Horton hört ein Hu“-Kollegen Will Arnett. Das Stimmtalent war schon in etlichen Animationsfilmen – darunter „Ratatouille“ und „Monsters vs. Aliens“ – zu hören und musste nun auf seine düsteren Seiten zurückgreifen, um die Stimme des Bankmanagers zu erschaffen, der alles daran setzt, den kreditbedürftigen Gru zu seinen Füßen kriechen zu sehen, damit der eigene Sohn, Vector, das Wettrennen um die Entführung des Mondes gewinnt.

„Er sollte sehr scheinheilig und hochnäsig klingen, ganz snobistisch und schwer reich“, erklärt Arnett. „Er sollte sprechen, als arbeitete er sich durch die Sätze hindurch. Seine Worte sind wie Speisen, er kaut sie wieder und wieder durch und verschlingt alles, was ihn umgibt. Er ist ein Monster in einem menschlichen Körper. Die Autoren haben eine so tolle, stimmungsvolle Welt erschaffen, und es war eine großartige Gelegenheit, sich in diesen wirklich schweren, bösartigen, knurrigen, animalischen und bestialischen Charakter hineinzuversetzen.“

Doch nicht alle Schurken in „ICH – Einfach Unverbesserlich“ sind männlich. Die vielleicht bösartigste Figur in Grus Welt könnte Miss Hattie sein, die Eigentümerin des Waisenhauses, in dem wir auf Margo, Edith und Agnes treffen. Wenn Miss Hattie nicht gerade die Mädchen wegen irgendeiner Kleinigkeit in die „ich-schäme-mich-Kiste“ steckt, sendet sie sicherlich die Heerschar der Waisenkinder auch bei schlechtestem Wetter hinaus, um Minze-Plätzchen, Schokowirbel und Kokosnusskekse an den Mann zu bringen.

Als die Filmemacher nach der perfekten Besetzung für Miss Hattie fahndeten, engagierten sie die Frau, die selbst tausende von Gesichtern und Stimmen hat: Kristen Wiig, eine Veteranin aus der amerikanischen TV-Show „Saturday Night Live“. „Ich bin mit Zeichentrickfilmen aufgewachsen, sie haben in meiner Kindheit eine so große Rolle gespielt“, berichtet die Schauspielerin. „Ständig versuche ich, auch mit meiner Stimme die unterschiedlichsten Dinge anzustellen, besonders durch SNL. Es ist richtig aufregend, so zu arbeiten, dass die Figur schließlich um die Stimme herum entsteht.“

Wiig traf sich mit den Filmemachern, um die Inspirationsquellen zu Miss Hattie zu besprechen. „Wir verbrachten einen Nachmittag damit, ihre Stimme zu erarbeiten“, berichtet Wiig. „Wir überlegten uns, sie sehr liebevoll klingen, dabei aber böse Dinge sagen zu lassen. So fanden wir diese zuckersüß lügende Südstaatendame, der man nicht wirklich über den Weg trauen kann… aber am Telefon klingt sie wirklich nett.“

Jack McBrayer (aus der US-Kult-Serie „30 Rock“) war einer der einzigen Darsteller, die für „ICH – Einfach Unverbesserlich“ mehrere Rollen sprach: „Als ich das Filmteam kennen lernte, zeigten sie mir Bilder von meiner ersten Rolle, dieser etwas ausladende Gentleman aus den Südstaaten… ein Tourist. Außerdem sollte ich den Budenbesitzer sprechen, und beide sehen tatsächlich genauso aus wie ich selbst.“

Produktion: Der Stil des Films

Als die Filmemacher festlegten, wie die Welt, die sie sich ausgedacht hatten, im Film aussehen sollte, wussten sie instinktiv, dass Gru seine Schurkenstreiche auf keinen Fall in einer langweiligen Durchschnitts-Nachbarschaft aushecken sollte. Cohen erklärt: „Der Look von „ICH – Einfach Unverbesserlich“ und das Filmuniversum sind sehr stark inspiriert an Charles Addams und Edward Gorey. Der Art Director des Films, Eric Guillon, und Produktionsdesigner Yarrow Cheney, haben eine sehr strahlende und vibrierende visuelle Ästhetik entworfen, die keinem der bisherigen Animationsfilme ähnelt.“

Meledandri erläutert die herausragenden Elemente im Filmdesign: „Die Figuren sind überwiegend Karikaturen von menschlichen Figuren. Sie wurden von Carter Goodrich entworfen, einer der besten Computeranimations-Profis überhaupt, der u.a. auch Figuren für „Ratatouille“ entwarf. In der Design-Sprache dieses Films findet sich so viel Ausgefeiltes, dass es auf den ersten Blick vielleicht sogar altmodisch anmuten mag. Die Kulissen wurden von dem großartigen Talent Eric Guillon entworfen.“

Healy, der zuvor bereits mit Designer Goodrich zusammengearbeitet hatte, gibt zu: „Ich finde es großartig, wie viel Komplexität, Humor und Interessantes in Carters Figurendesign steckt. In jede seiner Zeichnungen fließt so viel Menschlichkeit; er ist überaus produktiv. Besonders mag ich an seinen Figuren die Tatsache, dass er eine so breite Palette an Charakteren erschaffen hat, wobei alle aber die gleiche Welt bevölkern. Carters Arbeiten zeigen die Vielfalt unserer Welt, und er verleiht ihnen allen einen ganz besonderen Dreh, wenn es um ihre Persönlichkeiten geht. Seine Figuren haben Anziehungskraft, und ich möchte dann mehr über sie erfahren. Das ist immer ein guter Anfang für die Performance einer Figur.“

Über die Art-Direction meint sie außerdem: „Eric hat ein tolles Gespür für den Spaß und Humor in allen seinen Entwürfen. Seine Farbenpalette ist nuancenreich und nicht zu knallig, wodurch die Formen und der sonderbare Humor im Vordergrund stehen dürfen. Er kann auf viele unterschiedliche Weisen zeichnen, die allesamt sehr frisch und einzigartig sind. Eric setzt in seinen Kompositionen auf starke Formenkontraste, und die Vielfalt der Linienführungen bringt auf Anhieb viel dynamische Bewegung mit sich. Er zeichnet sich aber besonders durch seinen fantasievollen Blick auf die Welt aus. Für „ICH – Einfach Unverbesserlich“ hat er eine vollkommen kohärente Welt erschaffen, und ich kann mich an all diesen Details gar nicht satt sehen – alles ist witzig, lustig, kreativ und eine ganz eigene Kreation.“

Um Inspirationsquellen für diesen Film zu finden, orientierten sich die Filmemacher an einer der ersten Zeichnungen. Renaud meint: „Eines der ersten Dinge, die Eric entwarf, war Grus Auto, das genauso geblieben ist, wie er es ursprünglich zeichnete. Wir haben uns das Auto angesehen und gesagt: Toll, so ein Auto habe ich noch nie zuvor gesehen! Auf verrückte Weise entstand dann die ganze Welt um dieses Bild herum. Von diesem Bild aus nahm alles seinen Anfang. Wir sagten: Das ist unsere Welt. Das ist Grus Auto.“

Als man sich vorstellen wollte, wie sich Gru bewegte, inspirierten sich die Regisseure Renaud und Coffin am körperlichen Einsatz von Komödianten von Peter Sellers bis Rowan Atkinson. Der ultimative Bösewicht ist groß gewachsen, lässt aber die Schultern nach vorne hängen und hat eine Hakennase. Wenn es aber nötig ist, bewegt sich Gru so elegant und geschmeidig wie eine Katze. Was den Grundton angeht, erschufen die Filmemacher eine Welt wie aus dem MAD-Comic-Klassiker „Spy vs. Spy“, in der Gru allen erdenklichen Explosionen und Angriffen ausgesetzt ist – angefangen von Raketenwerfern bis hin zu domestizierten Haien -, die er übersteht, nur um dann weiterzukämpfen.

Allen Beteiligten war klar, dass sie für Gru und seine Zeitgenossen nicht unbedingt eine fotorealistische Umgebung schaffen wollten. Der Film sollte eine einmalige Farbenpalette bieten und eindeutig stilisiert gestaltet werden. Doch die Details innerhalb dieser Welt mussten durch Hyperrealismus überzeugen – es sollte ein unglaubwürdiges Fantasieland für einen Superbösewichten werden, das mit sehr glaubwürdigen, lebensechten Details bevölkert wird.

Gru ist herrlich fies, und seine Umgebung spiegelt genau das wider. Der scharfsichtige Zuschauer kann überall in „ICH- Einfach Unverbesserlich“ Elemente finden, die eine Hommage an den schwarzen Humor sind. Als direkte Ehrung des Vaters der „Addams Family“ findet sich ein Gemälde an der Wand in Grus Unterschlupf, auf dem ein Fels von einer Klippe fällt und gleich einen friedlich dahinfahrenden Reisebus unter sich begraben wird. Ausgestopfte Jagdtrophäen hängen an den Wänden und zeigen – was sonst? – Raubtiere, die Beutetiere verschlingen, die wiederum schwächere Beutetiere verspeisen. Auch als Gru durch den Flur der Bank of Evil geht, kann man entlang der allmählich sichtbar werdenden Säulen die unschuldigen Opfer sehen, die von den Pilastern zerquetscht wurden. Und das sind nur einige der selbstironisch eingefügten Zitate.

Für das Design der Umgebung und Kulissen engagierte Coffin den Art Director Guillon, ein Künstler, mit dem er schon über Jahre hinweg zusammengearbeitet hat. „Eric sprach kaum drei oder vier Worte Englisch“, meint Meledandri. „Pierre hat großes Vertrauen in Eric. Schon in den allerersten Bildern, die Eric zeichnete, war die Andeutung sowohl der Farben als auch des gesamten Stils dieser Welt absolut präsent. Sein Werk ist so außergewöhnlich, dass, wenn er ein Stück erschafft, das wir „visual development“ oder „visual design“ nennen, er dies auf eine solche Weise tut, dass man es ansieht und einfach nur staunen kann. Die Persönlichkeit, die er seinem Design verleiht, ist überwältigend. Alles ist von einem ganz eigenen Sinn für Humor durchströmt; es vermittelt Wärme und einen gänzlich eigenen Stil.“

Bei der Gestaltung der Locations für „ICH – Einfach Unverbesserlich“ wussten die Regisseure und Produzenten, dass es eine deutliche Unterscheidung zwischen den düsteren Linien von Grus schwarzem Haus (einem Erstentwurf von Produktionsdesigner Cheney) und dem postmodernen Stil der über die Maßen gut ausgestatteten Festung von Vector geben musste. Meledandri erklärt: „Die verschiedenen Stile wurden von Pierre und Chris und Eric entworfen, um zu zeigen, wie diese Figuren sich in die Welt einfügen. Gru lebt in einem schwarzen Haus in dieser Bilderbuch-Vorstadt, in der sein Zuhause, das an einen Schauerroman erinnert, den einzigen Schandfleck bildet. Sein Auto ist wahrscheinlich das sich am wenigsten um die Umwelt scherende Fahrzeug, das die Welt jemals gesehen hat. Aber alles ist etwas heruntergekommen, denn auch Gru selbst ist nicht mehr das, was er einmal war.“

Auf der anderen Seite sehen wir die Unterkunft von Grus Rivalem, erklärt Meledandri: „Sein Gegenspieler Vector ist ein verzogenes Kind, dem nie im Leben etwas verweigert worden ist. Er lebt in einer sehr modernen, technisch hochgerüsteten, massiven Videospielkonsole, die von seinem Vater, dem reichen Banker, bezahlt wurde. Die duellierenden Stile spiegeln die Konflikte zwischen diesen beiden Figuren wider.“

Produktion: Die Minions

Während des Animationsverlaufs wurden die Figuren geboren, die praktisch jeden an die Wand spielen und Grus „Minions“ genannt wurden. Obwohl sie in der Originalstory nicht vorkamen, wurden die liebenswerten und dennoch unglaublich umtriebigen Minions sehr schnell zu Lieblingen der Animations-Profis. Renaud lacht: „Minions neigen dazu, am besten zu funktionieren, wenn mindestens 20 von ihnen zusammen sind. Also muss man 20 weitere Figuren animieren. Fast jede Szene mit ihnen wurde zu einer Massenszene, und das war technisch gesehen immer eine Herausforderung.“

Laut Aussage von Produzentin Healy verkörpern die Minions „eine Fusion der wundervollen Talente der beiden Regisseure“. Sie meint: „Sie sind das Ergebnis der besonderen Zusammenarbeit zweier der nettesten und talentiertesten Regisseure, mit denen man hofft, zusammenarbeiten zu können. Chris entwarf ihr Anfangsdesign und ihre Mission als Grus Maulwürfe im Untergrund, und Pierre fügte den albernen Animationsstil und die meisten Stimmen hinzu. Doch die Regisseure brachten diese Figuren gemeinsam auf die Leinwand und hatten großen Spaß bei ihrer Ausgestaltung. Als Ergebnis bekamen wir wundervolle Comedy-Momente, die den Film noch interessanter und witziger machen, alles entstanden in den zutiefst witzigen Gehirnen von Chris und Pierre. Als sie den Minions dann Namen gaben und sie mit besonders witzigen Frisuren ausstatteten – und beschlossen, wer ein Monoc und wer ein Binoc sein sollte -, begannen sich die Persönlichkeiten dieser Figuren herauszukristallisieren. Mir fiel es schwer, Jerry und Dave und Tim auseinander zu halten, aber die Regisseure konnten das immer. Die Szenen entwickelten sich immer weiter, und genau die Tatsache, dass sich alle Minions sehr ähneln, macht sie so witzig.“

Die Stimmen der Arbeiter waren überwiegend Coffins Kreation. Während das Team über die unterschiedlichen Stimmen für die Kreaturen grübelte, kam Coffin eines Tages mit einem Stimm-Test zur Arbeit, der das gesamte Team begeisterte. Der Sound wurde komprimiert, und die Minions waren geboren. Später entwarfen beide Männer eine Sprache für Grus Armee, die ein unbeschreiblicher Vokal-Ausdruck sein sollte, und die Regisseure selbst sowie der neuseeländische Schauspieler Jermaine Clement teilten sich die Rollen.

Coffin arbeitete mit seinem Regie-Kollegen an der Ausarbeitung der komplexen Sprache der Minions. Damit man sie besser verstehen kann, schleicht sich ab und zu ein deutliches Wort in die Szene ein. Renaud und Coffin entdeckten, wie man den Sound ihrer Stimmen komprimieren kann, damit jede der Originalstimmen bei jeder Figur etwas anders klingt.

„Bei dieser Sprache geht es mehr um den Klang als um irgendeine Wortbedeutung“, meint Meledandri. „Pierre arbeitet sehr schnell, um seine Ideen visuell zu vermitteln, und das nicht nur in unbewegten Bildern. Er fühlt sich weitaus wohler dabei, eine Idee dadurch zu vermitteln, dass er sie zum Leben erweckt, zum Beispiel mit eingeschränkter Animation. Schon vom ersten Augenblick an, als uns die Idee zu diesen Figuren vorgestellt wurde, gefiel sie uns. Sofort war uns klar, dass die Minions den Film allmählich an sich reißen würden; sie sind einfach unwiderstehlich durch ihre Mischung aus Unschuld und Gemeinheit.“

Cohen fügt hinzu: „Sie haben für die Minions diese einzigartige Sprache erschaffen, die oft wie wirres Zeug klingen mag… Aber man erkennt alle möglichen Sprachen, die darin enthalten sind. Manchmal versteht man dann auch das eine oder andere Wort, und das gibt einem das Gefühl, wirklich zu verstehen, was die Minions da reden.“

Während die Comedy-Schauspieler für die Texte improvisierten, war es tatsächlich Steve Carell, der dabei half, die Minions zu taufen. Im Verlauf seiner Studioarbeit als Gru redete er die Minions mit Namen an, und rief einfach nach Dave oder Tim. Und obwohl es so viele davon gab, und sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen, wusste Carell, dass Gru seine fröhlichen Arbeiter sehr wohl beim Vornamen kennen würde. Und als die Regisseure hörten, wie er sie beim Namen rief, waren sie von der Idee begeistert, auch etlichen anderen der Minions einen Namen zu geben, der zu ihren einzigartigen Persönlichkeiten passen würde.

Produktion: Die Dreharbeiten in 3D

„ICH – Einfach Unverbesserlich“ ist nicht nur Illuminations erster Film, sondern auch das erste Projekt, das Meledandri und sein Team in 3-D produziert haben. Bevor mit dem Layout begonnen wurde, wussten die Produzenten und Regisseure bereits, dass Grus Welt von den Zuschauern mit noch offeneren Armen empfangen werden würde, wenn eine Extra-Dimension hinzukäme. Sie forderten Paul und Dario dazu auf, während der Arbeit am Drehbuch nach Möglichkeiten zu suchen, um 3-D einzubeziehen – doch nur in den Szenen, in denen es sinnvoll ist. Die Autoren bauten also dementsprechend 3-D-Action dort ein, wo Gru und Vector ihr Arsenal an Raketen abfeuern, wenn Luftschiffe vorbeifliegen oder wenn Rauchschwaden von einem Fahrzeug auf die Zuschauer zuströmen.

Auch im Verlauf des todesmutigen Schrumpfstrahlenkampfes, der mitten in der Luft explodierenden, fehlgeleiteten Raketen oder auf der Achterbahnfahrt, die Gru mit den drei Mädchen unternimmt – das Ziel der Animations-Spezialisten war stets, die Zuschauer gemeinsam mit den Filmfiguren in das Geschehen einzubeziehen. Außerdem entdeckten die Filmemacher, dass sie den Raum als Chance für komödiantische Effekte nutzen konnten. Da dies für sie noch unbekanntes Terrain war, bekamen sie Gelegenheit, zu sehr unerwarteten Momenten Gelächter zu erzeugen.

Meledandri bestand darauf, dass das Team den Raum angemessen nutzen und nicht einfach einen 2-D-Look auf eine 3-D-Technik übertragen sollte. Er meint: „Die Nutzung des dreidimensionalen Raums trägt dazu bei, den visuellen Look des Films zu definieren. Es gibt viele Sequenzen, in denen wir auf sehr subtile Weise einen Vorteil aus dem dreidimensionalen Raum ziehen. Unser Ziel ist immer, die Zuschauer in den Film mit einzubeziehen und ihnen das Gefühl zu geben, dass die Umgebung aus dem Film um sie herum expandiert. Außerdem nutzen wir die Action, um die Zuschauer mitten hinein in das Geschehen zu katapultieren. Chris Renaud und Pierre Coffin hatten viel Spaß dabei, diese Sequenzen auszuarbeiten.“

„Von Beginn an visualisierten wir hier einen 3-D-Film“, fügt Cohen hinzu. „Wir mussten jemanden finden, der das Handwerk dazu beherrscht und wusste, mit man eine Geschichte von Einstellung zu Einstellung und Szene zu Szene auf diese Weise erzählt. In John Benson, der schon bei „Coraline“ als 3-D-Spezialist mitwirkte, haben wir einen fantastischen Stereographen gefunden. Er zog nach Paris und arbeitete von Beginn an mit.“

Ebenfalls von Anfang an wussten die Filmemacher, dass „ICH – Einfach Unverbesserlich“ ein 3-D-Film werden sollte. Sie loteten unterschiedliche Szenarien aus, in denen man dreidimensional arbeiten konnte, und reicherten dann die Story mit mehreren 3-D-geeigneten Szenen an. Sie erbauten sogar ein Modell der gesamten Achterbahn im Super Silly Fun Land-Vergnügungspark. Renaud meint: „Wir haben immer mehr 3-D-Elemente eingebaut, je weiter sich der Film entwickelte. Wir alle erkennen die Bedeutung von 3-D und wie sehr die Zuschauer das genießen. Ein Element einzufügen, das wirklich vollständig erbaut wurde, ist eine coole Erfahrung. Beim Design für dieses Medium ist es nämlich so, dass man die Kamera nicht austricksen kann – alles muss also passen, damit es sich echt anfühlt.“

Produktion: Internationale Filmemacher

Während sein Team mit der Vorproduktion zu „ICH – Einfach Unverbesserlich“ begann, fahndete Meledandri weltweit nach Produktionshäusern, die als ideale Partner für die Filmanimation in Frage kamen. Im Aufbau von Illumination war es wichtig, genau die richtigen Ansprechpartner für jede der Produktionen in der Pipeline zu haben. Nachdem er etliche Studios besucht hatte, reiste der Produzent nach Frankreich, um auch unter der dortigen, überaus langen Animationstradition nach möglichen Partnern Ausschau zu halten.

Der perfekte Partner fand sich im in Paris ansässigen Mac Guff Studio für Visuelle Effekte. Meledandri erklärt: „In Frankreich befindet sich eine der besten Animationsschulen der Welt, nämlich Gobelins. In Frankreich hat man sehr viel Sinn für Komödie, und der steht in enger Verbindung zu unseren Vorstellungen hier. Ich habe verschiedene Studios besucht, und schon nach einer Stunde bei Mac Guff wusste ich, dass ich die Richtigen gefunden hatte. Ich hatte größtes Vertrauen in die Menschen, die ich dort kennen gelernt habe sowie in die Arbeiten, die ich dort sah.“

Bei der Ausarbeitung des Produktionsablaufs wählte Illumination einen sehr effizienten und perfekt strukturierten Weg zur Realisierung des ersten eigenen Films. Unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Technologie und Künstler startete die Vorproduktion in Los Angeles. Dort wurde ein Großteil der Storyboards vorangetrieben sowie mit den Schnitten und Designs begonnen. Als dann das Illumination-Team in Frankreich feststand, wurden die Figurenanimation und die Computergraphik allmählich an Mac Guff übertragen.

Rund 15 Mitarbeiter von Illumination zogen nach Frankreich, um das Projekt zu realisieren. Dort arbeiteten sie unter der Leitung von Produzentin Janet Healy und wurden zu einer eingespielten Truppe. Meledandri meint dazu: „Die Technologie, die wir zur Zusammenarbeit nutzten, ist relativ simpel. Wir arbeiteten über Skype und iChat, denn wir bevorzugten die einfachen Wege. Diese beiden Systeme sind sehr unkompliziert und eigentlich ganz alltägliche Kommunikationskanäle… besser als die technologisch so hochgerüsteten Videokonferenzen. Wir hatten zusammenhängende Schnitträume, und wegen des Zeitunterschiedes arbeitete die Produktion 24 Stunden. Es war ein sehr dichter Prozess.“

Renaud beschreibt Mac Guff als „Weltklassestudio“. Er sagt: „Ihr Engagement für das Handwerk sucht seinesgleichen. Interessant an Frankreich ist die Tatsache, dass sie über ein Bildungssystem verfügen, das Animation und die visuellen Künste unterstützt – und das findet man bestimmt nicht überall auf der Welt.“

Healy stimmt zu: „Zu Beginn haben wir weltweit nach Studios gesucht, dann aber erkannt, dass Mac Guff eine einzigartig talentierte Mannschaft und ein sehr stabiles und umfassend einsetzbares Computeranimations-System bietet. Sie hatten gerade einen französischen Film fertig gestellt, dessen Produktion sehr hochwertig war. Unsere Instinkte lagen richtig: Tag für Tag war die Zusammenarbeit mit den führenden Köpfen des Studios wunderbar, die Künstler sind hoch talentiert und verstehen unglaublich viel von ihrem Handwerk. Wir sind noch immer davon beeindruckt, wie gerade heraus, freundlich und produktiv das Team ist, und wie gut alle zusammenarbeiten.“

Die Produzentin erläutert den Prozess der Zusammenführung der internationalen Crew: „Sieben Amerikaner sind als leitende Mitarbeiter nach Frankreich gegangen. Zu dieser Gruppe gehörte einer der Regisseure, ich als Produzentin, der Associate Producer, der Cutter und der Regieassistent, der Stereograph sowie der Produktionsdesigner. Alle anderen Kräfte standen uns innerhalb des Teams von Mac Guff zur Verfügung. Wir brachten Jahrzehnte der Erfahrung im Animationsfilmbereich aus amerikanischen Studios mit, und diese Erfahrung half dem Team bei Mac Guff dabei, ihre Bilder noch komplexer zu gestalten. Wir haben das Paradigma verstanden, eine Produktion durch konstante Verbesserungen voranzutreiben, indem man ständig umschreibt, neu zeichnet, verschiedene Versionen ausprobiert und Veränderungen vornimmt – ganz gleich, wie weit der Prozess auch schon fortgeschritten sein mag. Diese dynamische Fähigkeit, zu jedem Zeitpunkt danach zu streben, das Gesamtwerk noch zu verbessern, war das Schlüsselelement im Unterschied zwischen unserer Arbeitsweise und der bisherigen Arbeitsweise der europäischen Studios.“

Wenn es um die Ablaufbesprechungen ging – z.B. die Umsetzung der Kunstwerke in computeranimierte Modelle, die Wirkung der groben Layouts in Stereoaufnahmen, oder das grüne Licht für Animationen -, hatte das Team ähnliche Erwartungen und ein gegenseitiges Verständnis für die Abläufe. Es gab rund 14 Abteilungen im Bereich Computeranimation, und jeder Künstler verfügte über ganz eigene Spezialkenntnisse. Auch die vielen Abhängigkeiten der Abteilungen untereinander machte die Verwaltung der Aufgaben komplexer. Anfangs brauchte man bei den Ablaufbesprechungen etwas mehr Zeit, doch die Mitglieder der Teams hatten eine ähnliche Herangehensweise und entdeckten viele Gemeinsamkeiten in der Problemlösung sowie im Erfahrungsaustausch.

Das amerikanische Team nahm Französischunterricht und die französischen Kollegen Englischstunden; für beide Gruppen war es ein wahrer Austausch über beide Seiten des Atlantiks hinweg. Wann immer Meladandri mit dem gesamten Team sprach, wurde ein Dolmetscher eingesetzt. Zu dieser internationalen Firma meint der Produzent: „Wir haben einen amerikanischen Regisseur und einen französischen Regisseur. Unsere Teams arbeiteten in Kanada, New Jersey, Los Angeles und im Mittleren Westen der USA. Unter unseren Mitarbeitern finden sich viele verschiedene Nationalitäten, und in Paris sind auch Mitarbeiter aus England dabei. Unsere Firmenphilosophie basiert auf der Grundlage, dass wir einen Film für ein weltweites Publikum realisieren, also sollte unser Mitarbeiterstab ebenso international sein.“

Dieser transatlantische Prozess setzte sich auch in der Aufzeichnung der Stimmtalente fort, da manche Sessions in Paris durchgeführt wurden, während die Schauspieler in Los Angeles weilten. Regisseur Renaud erklärt: „Die ersten paar Sessions haben wir mit jedem Schauspieler persönlich gemacht, um herauszuarbeiten, wer die jeweilige Figur ist.“ Nachdem Renaud und Coffin in Paris waren, tauschen sich Filmemacher und Schauspieler über Skype oder iChat aus, um sich während der Besprechungen zu sehen und unterschiedliche Dialogversionen ausprobieren zu können. „Es war sehr wichtig für uns, auch die Köpersprache der Schauspieler lesen zu können“, fügt Renaud hinzu.

Das Produktionsteam stellte Renaud und Coffin einen hochkarätigen ISDN-Audio-Anschluss zur Verfügung, damit sie die Performances der jeweiligen Schauspieler verfolgen konnten. Die Schauspieler sprachen ihre Texte in Los Angeles ein und wurde dann im Studio in Paris umgesetzt. Durch die neunstündige Zeitverschiebung arbeiteten die Teams praktisch rund um die Uhr auf beiden Seiten des Ozeans.

Die Arbeit mit einem Regisseur via Skype war für einige der Talente eine neue Erfahrung. „Es war schon ziemlich verrückt, den Regisseur dort drüben in Paris zu wissen… Echt eigenartig, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der sich körperlich gar nicht im selben Raum befindet“, erinnert sich McBrayer. Er lacht: „Ich glaube, sie waren uns neun Stunden voraus, also konnten sie die Zukunft vorhersagen!“

Produktion: Die Filmmusik

Der Grammy-preisgekrönte Künstler Pharell Williams (The Neptunes, N.E.R.D.) hat über die vergangenen Jahre bereits als Autor und Produzent für so erfolgreiche Musiker wie Gwen Stefani, Justin Timberlake, Usher, Madonna, Kanye West und Shakira gearbeitet. 2009 verlieh das Billboard-Magazin den The Neptunes den Titel „Produzenten des Jahrzehnts“; Williams und seine Mitarbeiter spielten eine sehr wichtige Rolle bei der Ausgestaltung der Kultur der musikalischen Landschaft. Der nächste logische Schritt für den Künstler war also, die Welt der Musik und der Filme zu verbinden.

Schon seit einiger Zeit interessierte sich Williams dafür, auch Musik für Spielfilme zu schreiben; verstärkt wurde sein Interesse noch, nachdem Jack Johnson sich am Bestseller-Soundtrack zum Animationsfilm „Coco, der neugierige Affe“ beteiligt hatte. Williams brachte seinen Wunsch bei seiner Freundin und Music Supervisor Kathy Nelson vor; er erinnert sich: „Ich sagte zu Kathy: ‚Das nächste Mal, wenn dir ein Projekt über den Weg läuft, rufst du mich gleich an und erzählst mir davon.’ Sie meinte: ‚Pharrell, ich mag dich wirklich, aber ich werde dir nicht einfach irgendetwas geben. Ich werde dich anrufen, wenn es das richtige Projekt ist.’ Also bekam ich den Anruf für „ICH – Einfach Unverbesserlich“.“

Als langjähriger Animationsfan freute sich Williams sehr auf die Herausforderung, die Originalsongs und Themen für seinen ersten Spielfilm zu schreiben. „An der Philosophie von „ICH – Einfach Unverbesserlich“ gefällt mir, dass die Filmemacher eigentlich keinen Film für Kinder machen, sondern einen Film für Menschen, in dem sie einige der Tricks der Jugendunterhaltung benutzen, um gleichzeitig eine tolle Geschichte zu erzählen.“

Da das Komponieren seiner ersten Filmmusik eine große Herausforderung zu sein schien, war Williams dankbar für die Unterstützung durch den Oscar-preisgekrönten Komponisten Hans Zimmer als Musikproduzent sowie durch den erfahrenen Gitarristen Heitor Pereira als Ko-Komponisten. Produzent Meledandri meint: „Von dem Moment an, als wir Pharrell die ersten Bilder zeigten, brauchte er gerade einmal 30 Minuten, um zu sagen: ‚Ich arbeite in jedem Fall an diesem Film.’ Er war sofort begeistert vom Design der Figuren, dem Kern der Story, und seine Begeisterung hat in keinem Augenblick nachgelassen.“

„Pharrell hat sich, genau wie unsere Regisseure, der Herausforderung gestellt, etwas zu tun, das er noch nie zuvor getan hatte. Dies ist seine erste Filmmusik“, fährt Meledandri fort. „Wir wussten, dass es in diesem Film Gelegenheit geben würde für mehrere Songs, die als Score eingesetzt werden konnten. Aus seinen Songs ist nun eine Gruppe von musikalischen Themen entstanden, bei denen er mit dem talentierten Heitor Pereira und dem legendären Hans Zimmer zusammengearbeitet hat.“

Williams Zusammenarbeit mit Pereira begann, indem er einige Vorabszenen des Films sah, auf deren Basis er dann musikalische Ideen erschuf, die seiner Meinung nach auf die jeweiligen Sequenzen passen würde. Pereira hat dann einige der Ideen von Williams ausgearbeitet und zusätzlichen kreativen Input geliefert. Über die Zusammenarbeit mit Pereira berichtet Williams: „Heitor hat sich die Stücke und Songs vorgenommen und sie miteinander verbunden. Er ist der Leim in diesem Kartenhaus. Er hat die Musik für einige unglaubliche Szenen geschrieben und einige, die ich komponiert habe, sehr verschönert und auf die nächste Ebene gehoben.“

Williams komponierte etliche Originalsongs für diesen Film, darunter den Titelsong „Despicable Me“. Der Künstler bezog seine Inspiration aus den humoristischen Texten von „Annie“, und er wollte ebenso kinderfreundliche Texte schreiben, wie sie dieses Musical bietet – die aber gleichzeitig ebenso düster und launisch sind wie Gru selbst. Williams meint: „Ich hatte noch nie einen Song über einen richtig schlechten Tag geschrieben oder darüber, richtig schlechte Laune zu haben. Also nahm ich mir vor, das richtig lustig werden zu lassen, gleichzeitig aber einen Song zu schreiben, der – wenn man ihn ohne den Text hört – klingt wie die Musik, die sofort die Laster eines anderen erkennen lässt.“

Die langjährige Karriere von Musikproduzent Hans Zimmer umfasst die unvergessliche Musik zu Kinoerfolgen wie z.B. „Rain Man“, „Twister“ und „Thelma und Louise“, außerdem „Sherlock Holmes“ und die „Piraten der Karibik“- Reihe. Doch es war seine auf Anhieb als Klassiker eingestufte Filmmusik zu „Der König der Löwen“, die Zimmer 1994 einen Oscar für die Beste Originalmusik einbrachte und seine Leidenschaft für die Animations-Filmmusik entfachte, zu hören u.a. in „Große Haie – Kleine Fische“, „Madagascar“ und „Kung Fu Panda“. Häufig arbeitete Zimmer auch schon mit Heitor Pereira zusammen; „ICH – Einfach Unverbesserlich“ ist ihr jüngstes Projekt.

News und Stories

Kommentare