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Frankenstein wird reanimiert

Ehemalige BEM-Accounts  

Im Roman schafft der junge Wissenschaftler Leben aus toter Materie. Jetzt wird er selbst von den Toten zurückgeholt – und zwar gleich mehrmals.

Benedict Cumberbatch soll in Guillermo del Toros Verfilmung Victor Frankenstein spielen Bild: Degeto/BBC/Hartwood Films 2012

Cineastisch betrachtet ist das Drama um die folgenschwere Schöpfung des Frankenstein ja ein echter Dauerbrenner: Die erste Adaption des Romans von Mary Shelley „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ stammt schon aus dem Jahre 1910, in den 30er-Jahren kam dann Boris Karloff mit seiner Darstellung des künstlichen Menschen zu Weltruhm – und verankerte das von ihm verkörperte Bild des gutmütigen aber eben doch gefährlichen Monsters für immer in unserem kulturellem Bewusstsein.

Seit der Zeit gab es unzählige Filme, die das Thema mehr oder minder gelungen aufnahmen oder sich zumindest davon inspirieren ließen – zuletzt unter anderem Tim Burton mit seinem Stop-Motion-Abenteuer „Frankenweenie„. Jetzt scheint sich in Hollywood jedoch die Überzeugung durchzusetzen, dass die Zeit reif ist, sich dem Thema noch mal seriös zu nähern – jedenfalls soweit man dort überhaupt von Seriosität reden kann. Und wie üblich: Wenn in der Traumfabrik ein Thema an Drehzahl gewinnt, feuert die Filmindustrie aus allen Rohren und Richtungen.

So wird Regisseur Paul McGuigan („Lucky Number Slevin„) die traurige Geschichte aus der Perspektive von Frankensteins Gehilfen Igor erzählen lassen – der mit Daniel Radcliffe noch dazu ziemlich prominent besetzt sein soll. In „I, Frankenstein“ wiederum, spielt „Dark Knight„-Star Aaron Eckhart den humanoiden Bausatz. Und zwar nach der Graphic Novel des Zeichners Kevin Grevioux. Hier ringen verschiedenste Monster-Legenden um die Herrschaft in einer düsteren Stadt à la Arkham City – so auch Dracula, Dr Jekyll/Mr. Hyde und sogar Der Glöckner von Notre Dame. Klingt extrem krude – aber Bill Nighy soll auch mitspielen. Und dann wird’s schon nicht so schlimm werden…

Eine andere Annäherung an das Thema wählt Regisseur Matt Reeves („Cloverfield„): Er verfilmt den Jugendroman „This Dark Endeavor: The Apprenticeship of Victor Frankenstein“. Darin versucht Victor Frankenstein mit Hilfe der Alchimie seinen todkranken Zwillingsbruder Konrad zu retten und stößt bei seiner Forschung prompt auf ein Lebenselixier. Aber noch fehlen die nötigen Zutaten – doch die sind alles andere als einfach zu beschaffen.

Und last not least der Mann, dem man so eine im wahrsten Sinne des Wortes cineastische Reanimation noch am ehesten zutraut: Guillermo del Toro. Der träumt ja schon seit Jahren von einer Neuauflage des klassischen Stoffes – jenseits von Probeaufnahmen mit Doug Jones, dem Star aus „Pans Labyrinth„, kam bislang jedoch noch nichts zustande. Doch genau das will er jetzt offenbar ändern. Und weiß auch schon mit wem: Benedict Cumberbatch – der Mann, mit dem seit „Sherlock Holmes“ offenbar jeder arbeiten will – soll die Rolle des genialen Forschers übernehmen. Entsprechende Erfahrung hat er auch schon: In Danny Boyles Bühnenversion des Romans spielte der Bösewicht aus „Star Trek Into Darkness“ sowohl den Wissenschaftler als auch dessen mörderische Kreatur.

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Künstlerische Freiheiten

Doch für viele einer der spannendsten Aspekte bei all den kommenden Variationen des klassischen Themas: Welche krea- oder eher destruk-tiven Freiheiten wird sich Hollywood gegenüber dem berühmten Roman diesmal herausnehmen: Beispiele gefällig? Gerne: Jeder kennt Frankensteins buckligen Gehilfen Igor – der allerdings im Roman überhaupt nicht vorkommt. Auch die oft zitierten Würden „Doktor“ oder gar „Professor Frankensteins“ sind reine filmische Ausschmückung. Ein „Herr Frankenstein“ genügte Mary Shelley im Jahr 1818 noch völlig. Dieser erschuf seine Monster übrigens in einem normalen Stadthaus im bayerischen Ingolstadt – also nix mit schauriger Burg oder sinistren Gewölben, auch wenn die in den einschlägigen Filmen besonders spooky wirken.

Doch vor allem: Frankenstein ist der Wissenschaftler – und nicht das Monster. Hätten die Medienschaffenden der USA diesen Fakt nicht immer wieder hartnäckig ignoriert, wären uns Filmjuwelen wie „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“ oder „Frankenstein 2 – Das Monster erwacht“ glatt erspart geblieben.

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