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Fakten und Hintergründe zum Film "Hunting Party"

Kino.de Redaktion |

Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Von der Idee zum Film

Manchmal ist die Wirklichkeit seltsamer als alle Fiktion. Mark Johnson, einer der Produzenten von Intermedia, stellte dies fest, als er Ende 2000 seinen Freund Scott Anderson traf. Anderson, ein bekannter Journalist, war gerade aus Bosnien zurückgekehrt und schrieb seine Erfahrungen für die Zeitschrift Esquire auf. „What I Did on My Summer Vacation“ wurde zu einer klassischen, wenn auch etwas bizarren Kriegsreportage: eine abenteuerliche Reiseerzählung, die schwarze Komödie, Warnung und politischer Kommentar in einem ist.

Anderson erzählt darin von sich und vier anderen Journalisten, die im Sommer 2000 nach Bosnien fahren. Alle fünf hatten bereits während des Krieges als Berichterstatter gearbeitet. Fünf Jahre nach Eintreten des Waffenstillstandes kehren sie nach Sarajevo zurück. In einer feucht-fröhlichen Nacht, in der alte Geschichten wieder ans Tageslicht gezerrt werden, kommt ihnen eine außergewöhnliche und etwas absurde Idee. Warum sollten sie sich nicht auf die Suche nach dem Kriegsverbrecher Radovan Karadzic machen? Mit der Hilfe eines serbischen Polizisten, der die Journalisten für CIA-Agenten hält, heften die fünf sich an die Fersen des meistgesuchten Mannes Europas. Dann taucht die echte CIA auf.

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Nachdem er den Esquire-Artikel gelesen und dessen filmisches Potenzial erkannt hatte, traf Johnson sich in Los Angeles mit Anderson und zwei der anderen Journalisten, John Falk und Sebastian Junger (außerdem waren noch Philippe Deprez und Harald Doornbos in Sarajevo dabei). „Sie gaben mir ein Exposé, das auf ihren Erlebnissen in Bosnien basierte“, sagt Johnson. „Scott hatte den Artikel geschrieben und sie wollten daraus ein Drehbuch machen. Mir gefiel die Geschichte sofort. Sie hatte viel Humor und Elemente von THE THIRD MAN („Der dritte Mann“, 1949). Nachdem wir also das Nötige bei Intermedia geklärt hatten, machten die Drei sich an ein Script.“

Das Projekt lag noch eine Weile auf Eis. Dann beschäftigte sich Scott Kroopf damit, der gerade erst zu Intermedia gestoßen war. „Mein Ziel war es, für die Firma interessantere, am unabhängigen Kino orientierte Stoffe zu produzieren“, sagt Kroopf. „Ich fand den Artikel großartig, jetzt ging es darum, mit dem richtigen Filmemacher den richtigen Ton für die Umsetzung zu treffen.“

Alex Litvak, ein Mitarbeiter von Intermedia, schlug Richard Shepard vor. Der New Yorker hatte gerade den Dreh von THE MATADOR („Mord und Margaritas“, 2005) beendet, einer schwarzen Komödie mit Pierce Brosnan, der einen in die Jahre gekommenen Auftragskiller spielt. „Das war ein sehr erfolgreicher Film, eine clevere Kombination aus Drama, Komödie und Charakterstudie“, sagt Kroopf. „Richard ist nicht nur ein großartiger Autor, er legte auch eine hervorragende Regieleistung an den Tag und holte eine unglaubliche Performance aus Pierce Brosnan heraus.“

Nach dem Erfolg von THE MATADOR befasste sich Richard Shepard bereits mit neuen Ideen. „Mich interessierte außerordentlich, einen Film zu machen, der in einer Stadt angesiedelt ist, die einen Krieg überstehen musste“, sagt er. „Ich suchte nach etwas im Stile von THE THIRD MAN, einem meiner Lieblingsfilme. Er spielt in Wien, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Über dieses Konzept habe ich mehrere Gespräche geführt.“

Dennoch zögerte er zunächst, als Johnson und Kroopf auf ihn zukamen. „Anfangs war ich regelrecht verängstigt, weil ich über das Thema im Besonderen oder über Bosnien im Allgemeinen nichts wusste, aber sie drängten mich, den Artikel zu lesen“, sagt Shepard. „Er war so fesselnd und intelligent, dass ich doch Interesse bekam. Dann sagte ich den Leuten von Intermedia: ‚Warum schickt ihr mich nicht einfach nach Sarajevo, damit ich mir selbst ein Bild machen kann?’“

Die Reise nach Bosnien

Ende 2005 trat Shepard in die Fußstapfen von Anderson und seinen Kollegen. Er flog nach Sarajevo, bezog ein Zimmer im Holiday Inn (während des Krieges der Aufenthaltsort der Journalisten) und reiste nach Norden in das Dorf Celebici nahe der Grenze zu Montenegro.

Dort sympathisierte man mit Radovan Karadzic, und angeblich fand der Kriegsverbrecher dort 2000 Unterschlupf. „Eigentlich ging ich auch auf die Jagd nach Karadzic“, erzählt Shepard. „Als ich vor Ort war und ähnliche Erfahrungen wie die Journalisten machte, sah ich den Film plötzlich vor mir.“

Shepard arbeitete sich schnell in die Materie ein. Er sprach mit Blauhelmen, Kriegsreportern und Überlebenden des Balkankonfliktes. Dann begann er damit, auf der Grundlage von Scott Andersons Artikel sein Drehbuch zu verfassen. Es sollte keine Geschichtsstunde werden oder eine politische Abhandlung, sondern sich um drei Menschen auf der Suche nach sich selbst drehen – ein Road Movie vor der Kulisse eines Landes, das sich immer noch von den Nachwirkungen eines blutigen Krieges erholt.

„Was in Bosnien geschah, war furchtbar und man kann über diese Tragödie nicht einfach hinweggehen. Aber ich nahm mir dennoch einige Freiheiten beim Schreiben des Films“, sagt er. „Ich habe komplett neue Figuren entworfen und ein paar Details erfunden, um die Geschichte so zu erzählen, wie ich wollte, aber die Erlebnisse dieser Jungs stecken alle im Film drin. Die Figuren habe ich in erster Linie deshalb verändert, weil die fünf echten Journalisten alle aus der gleichen Altersgruppe und sehr ähnliche Persönlichkeiten sind. Ich wollte drei verschiedene Altersgruppen – eine ältere, eine mittlere und eine junge Person, die im Film alle auf ihre eigene, persönliche Reise gehen.“

In THE HUNTING PARTY besorgt die Nachkriegssituation den Hintergrund und den dramatischen Kontext einer charakterorientierten Geschichte, vergleichbar mit dem im Irak angesiedelten Buddy Movie THREE KINGS („Three Kings“, 1999). „Ein gutes Skript dreht sich für mich immer um die Figuren“, sagt Mark Johnson. „Es gibt drei außergewöhnlich starke Charaktere im Film, jeder einzelne auf seiner ganz besonderen Suche. Vor Jahren habe ich an GOOD MORNING, VIETNAM („Good Morning, Vietnam“, 1987) mit Robin Williams gearbeitet, dem ersten Film, der sich auf eine lustige Art und Weise mit Vietnam befasste. Das war ein sehr komischer Film, den nicht einmal die Kriegsveteranen für respektlos hielten. Hier haben wir etwas Ähnliches vollbracht. THE HUNTING PARTY ist eine hinterlistige Komödie, die aber auch sehr berührende, herzzerreißende Momente hat.“

Über die Wahl der Drehorte

Zu diesem Zeitpunkt war auch schon Adam Merims, ausführender Produzent von THE MATADOR, mit an Bord. Er hatte mit Scott Kroopf zuvor schon an BREACH („Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene“, 2007) gearbeitet. Merims stieß im May 2006 zum Team und trug die wichtige Entscheidung mit, wo HUNTING PARTY gefilmt werden sollte. Die Filmemacher dachten logischerweise an osteuropäische Schauplätze, in der Tschechischen Republik, Ungarn, Bulgarien oder Rumänien. Doch schon bald wurde beschlossen, dass der Film in Bosnien und Kroatien gedreht werden sollte.

Der entscheidende Punkt für Shepard und die Produzenten war, die Authentizität des Drehbuches zu bewahren. Sarajevo rahmt den Film als Schauplatz ein, während in der Zwischenzeit die Reise bis in die Nähe der kroatischen Hauptstadt Zagreb führt. „Da der Film im früheren Jugoslawien angesiedelt ist, wollten wir auch dort drehen“, sagt Merims. „Zu Beginn und am Ende mussten wir natürlich in Sarajevo sein, ein unnachahmlicher Ort, der sich nicht rekonstruieren lässt. Aber der Rest spielt im ländlichen Bosnien, wo es keinerlei filmische Infrastruktur gibt. Also ließen wir uns in Zagreb nieder, wo wir von der örtlichen Filmszene unterstützt wurden, und suchten uns die Drehorte innerhalb eines Radius’ von anderthalb Stunden Fahrtzeit aus.“

Nach seinem Besuch auf dem Balkan gab es für Richard Shepard keinen Zweifel mehr daran, dass der Film vor Ort gedreht werden musste. Er war, wie Kroopf es ausdrückt, „ziemlich angeheizt“. Kroopf und Johnson dachten gemeinsam über ihre Möglichkeiten nach.

Michael Winterbottom hatte schon kurz nach dem Krieg WELCOME TO SARAJEVO („Welcome to Sarajevo“, 1997) in der Stadt gedreht, also müsste man 2006 dort relativ sicher sein. Dennoch gab es einige nervöse Momente. „Wir waren unsicher, was den Dreh in Bosnien betraf“, sagt Scott Kroopf. „Der Krieg war noch nicht wirklich lange vorbei und uns war bewusst, dass die Menschen noch sehr empfindlich sein konnten oder viel Wut im Bauch hätten. Zu unserer Überraschung gab es aber keinerlei Probleme. Die Leute waren unglaublich freundlich. Womöglich bedeutete ihnen die Geschichte etwas, weil der Film wieder auf diesen Konflikt aufmerksam macht. Wir hatten jegliche Unterstützung von der dortigen Bevölkerung, und das Gleiche gilt für Kroatien. Sicher ist die filmische Infrastruktur nicht mit der unsrigen zu vergleichen, aber das hat uns überhaupt keine Zeit gekostet.“

Mit Shepard als Autor und Regisseur und Richard Gere und Terrence Howard in den Hauptrollen einigte sich Intermedia recht schnell mit QED International, die den Film international vertreiben wollten. Die Firma wurde vor kurzem von Bill Block gegründet, einem alten Freund Scott Kroopfs. „Das Drehbuch nahm mich sofort gefangen“, sagt Block. „THE HUNTING PARTY mit seinem Mix aus menschlichem Drama, Komödie und Abenteuer entpuppte sich als genau das Projekt, nach dem QED International gesucht hatte. Mit Stars vom Kaliber Richard Geres und Terrence Howards war der Film für den internationalen Markt äußerst erfolgversprechend.“ So konnte Bill Block durch die Sicherstellung des weltweiten Vertriebs den Löwenanteil zu den Produktionskosten beisteuern.

Dann wandte Intermedia sich an die Weinstein Company als amerikanischen Verleih. „Zu deren Filmen hatte schon THE MATADOR gehört und sie waren riesige Fans von Richard Shepard“, sagt Scott Kroopf. „Das Projekt hatten sie bereits eine Weile im Auge und hofften, an Bord geholt zu werden. Mit ihrer Zusage war die Umsetzung des Films gesichert.“

Alles war also bereit. Ein neunwöchiger Dreh in Sarajevo und Zagreb, eine Besetzung, für die man sterben möchte und ein originelles Drehbuch. „Ich schreibe Filme über Menschen, und letztendlich geht es in THE HUNTING PARTY um Erlösung“, sagt Shepard. „Richard Gere spielt einen Charakter, dessen Karriere im Krieg in die Brüche ging und der seitdem beruflich und emotional am Ende ist.

Er bekommt einen Tipp, wo dieser Kriegsverbrecher versteckt ist und sein Weg dorthin ist für ihn eigentlich der Weg zur Erlösung. Terrences Figur hingegen hat sich verkauft und eine gegensätzliche Entwicklung durchgemacht. Für ihn geht es darum, wieder zu sich selbst zu finden. Und Jesse ist ein großes Kind, das sich für allwissend hält, aber natürlich weiß er am Anfang gar nichts und wird zu einem echten Mann.

Der Hintergrund ist das Nachkriegs-Bosnien, aber im Wesentlichen geht es im Film um diese drei Menschen, ihren Weg und ihre Erfahrungen.“

Figuren & Besetzung

„Für mich als Filmemacher ist es ein Traum, mit so unglaublich talentierten Schauspielern wie Richard Gere, Terrence Howard und Jesse Eisenberg zu arbeiten“, sagt Richard Shepard. „THE HUNTING PARTY ist ein Film über drei Kerle und wenn die drei

Schauspieler, die dies verkörpern, der Herausforderung nicht gewachsen wären, würde der ganze Film in sich zusammenfallen.“ Für Shepard und die Produzenten waren die drei Figuren – Simon, Duck und Benjamin – der Schlüssel zum gesamten Casting.

Von diesem Trio Infernale wiederum war Hunt der wichtigste Charakter. „Richard Gere war unsere erste Wahl“, sagt Scott Kroopf. „Wir schickten ihm das Drehbuch zu, und er las es. Dann sagte er ‚Okay, ich möchte Richard Shepard treffen.' Also traf er ihn und meinte schließlich ‚Okay, ich bin dabei'. Normalerweise läuft das nicht so einfach, umso mehr wussten wir seine spontane Bereitschaft zu schätzen.“

Simon - Richard Gere

Richard Gere, einer der größten Hollywood-Stars, hatte mit dem epischen, fesselnden DAYS OF HEAVEN („In der Glut des Südens“, 1978) von Terrence Malick seinen Durchbruch. In den folgenden dreißig Jahren war er in einigen der faszinierendsten Hollywood-Filmen zu sehen, darunter AMERICAN GIGOLO („Ein Mann für gewisse Stunden“, 1980), AN OFFICER AND A GENTLEMAN („Ein Offizier und Gentleman“, 1982), PRETTY WOMAN („Pretty Woman“, 1990) und das Oscar-gekrönte Musical CHICAGO („Chicago“, 2002). Er spielte auch düstere und gefährliche Rollen, etwa in INTERNAL AFFAIRS („Internal Affairs – Trau’ ihm, er ist ein Cop“, 1990) oder UNFAITHFUL („Untreu“, 2002) und trat in ambitionierten Filmen wie RED CORNER („Red Corner“, 1997) auf.

Seine Schlagkraft an der Kinokasse wird höchstens noch von seiner Leidenschaft für außergewöhnliche Projekte übertroffen, und durch THE HUNTING PARTY war sein Interesse wieder einmal geweckt.

Der Schauspieler und Menschenfreund hatte in den Jahren zuvor schon Zeit im Kosovo und anderen Brennpunkten der Erde wie Nicaragua, El Salvador, Kaschmir und Tibet verbracht. „Beim Lesen des Drehbuchs zu THE HUNTING PARTY war ich regelrecht begeistert“, sagt er. „Es war wunderbar beobachtet und geschrieben und spielt in einer Welt, die ich recht gut kenne, obwohl ich zuvor noch nie in Bosnien gewesen war. Während der Krise in den späten 90er Jahren war ich im Kosovo. Außerdem war ich in Albanien und Mazedonien, also kannte ich das Drama, das sich in Jugoslawien abgespielt hatte, aus erster Hand, und ich wollte diese Gegend näher erkunden, speziell das Schicksal der Bosnier. Richards Drehbuch ist auch noch sehr spannend und manchmal sehr lustig – und ich denke, dass man auf diese Weise eine noch größere emotionale Tiefe transportieren kann, weil es die Sache manchmal noch menschlicher macht.“

Für Richard Shepard konnte Gere die ideale Kombination aus tollkühner Abenteuerlust und Ausgebranntheit in seine Rolle des Simon Hunt einbringen. Der ist süchtig nach dem Adrenalinkick, den ihm sein Beruf verschaffen kann. „Es hat etwas Packendes, Richard Gere beim Spielen eines Charakters zuzusehen, wie er ihn bisher noch nicht gespielt hat“, sagt Shepard. „Simon Hunt ist ein wenig kantig und düster – eine Person mit Humor und Wärme zwar, aber nicht unkompliziert.“

Simon Hunt ist aber auch ein Mann am Rande des Abgrunds, was seinem Darsteller sehr gefiel. „Simon ist ausgebrannt“, sagt Gere. „Er ist ein sehr sensibler Mensch, der in den 80ern und 90ern auf der Höhe seiner Karriere war und aus dem Irak, El Salvador, Honduras und Nicaragua berichtet hat. Wo auch immer auf der Welt gerade etwas passierte, er war da. Er war einer der Menschen, die von überall her live im Fernsehen berichtet haben. Er war von Beginn an dabei und stand sehr lange völlig unter Strom. So war er, und so lebte er. Sein Job passte zu seiner Energie und ohne den Beruf war der Burnout nur eine Frage der Zeit. Jetzt bekommt er sein Leben nicht mehr auf die Reihe. Im Film sieht man, wie er zu einer Zeit zurückzukehren versucht, in der alles noch in Ordnung war und die Dinge ihren gewohnten Gang nahmen. In mancher Hinsicht ist das seine letzte Chance.“

Um für die Figur des Simon zu recherchieren, traf Gere sich mit Scott Anderson und einigen anderen Journalisten. Er befragte sie nach ihren Erfahrungen, um so einen Zugang zu seiner Rolle zu bekommen. Das Drehbuch blieb zu dieser Zeit aber stets seine Bibel und Regisseur Richard Shepard sein engster Mitarbeiter. „Das Skript war hervorragend, aber auch so außergewöhnlich, dass der Regisseur eine eigene Idee hinzufügen muss“, sagt Gere. „In diesem Fall waren Regisseur und Autor ja identisch, Richard wusste also genau, was er wollte. Offensichtlich brauchte er eine ernsthafte Grundlage für seinen Film, war aber auch auf Humor aus und auf die Imaginationskraft des Kinos. Das Projekt hatte etwas von der Stimmung von THE THIRD MAN, würde also künstlerisch wertvoll und unterhaltsam zugleich werden. Ich sagte zu, und als auch noch Terrence an Bord kam, war ich endgültig sicher, dass es klappen würde. Denn ohne die Chemie zwischen Terrence und mir würde nichts im Film funktionieren.“

Die Kriegsberichterstattung kann einen Mann verändern, und wenn Gere Hunt verstehen wollte, musste er zumindest versuchen, seine Einstellung nachzuvollziehen: den Galgenhumor, den Kriegsreporter oder Menschen in vergleichbar extremen Berufen, in denen es um Leben und Tod geht, oft an den Tag legen. „Cops haben diese Philosophie, und Simon Hunt auch“, sagt er. „Ich habe Zeit in El Salvador, Nicaragua, Tibet, im Kosovo und in Kaschmir verbracht und war in einigen Situationen, die der Geschichte von THE HUNTING PARTY nahe kommen. Man kann dann nur überleben, wenn man die Ironie und den Humor darin erkennt. Ansonsten fällt man in ein unglaublich tiefes, auswegloses Loch und verliert seine Menschlichkeit.“

Trotz solcher Schutzmechanismen bricht Simon Hunt schließlich zusammen. Ein letztes Horrorbild, ein letzter Stoß und einer der angesehensten Kriegsreporter verliert vor der ganzen Nation die Fassung. Danach wird er zu einem labilen Individuum, einem emotionalen Pulverfass. „Er ist interessant zu spielen, weil eigentlich alles an der Oberfläche liegt“, sagt Gere. „Er ist respektlos und außer Kontrolle, und für ihn gelten nur noch wenige Regeln. Tiefer als er kann man nicht mehr fallen, aber es muss noch einen Funken der Hoffnung in ihm geben, eine Chance, obwohl er sich völlig abgedreht verhält. Diese Balance zu halten, ist für einen Schauspieler sehr spannend.“

Bei diesem Drahtseilakt vertraute Gere von Zeit zu Zeit auf die ruhige Hand von Richard Shepard. „Er weiß sehr präzise, was er will, ist aber auch immer offen für neue Möglichkeiten und Einfälle“, sagt Richard Gere. „Wir arbeiteten unter einem ziemlichen Zeitdruck, also musste er klare Vorstellungen haben. Richard hat den Film mit einem bestimmten Rhythmus entworfen. Manche Szenen sind etwas langsamer angelegt, damit man wieder beschleunigen kann. Und wenn wir das getan haben, braucht man Zeit zum Atem holen und zur Vorbereitung auf den nächsten Temposchub. THE HUNTING PARTY ist ebenso wie THE MATADOR musikalisch konzipiert, es sind Filme, die zeigen, wie jemand sein Material mit großem Selbstbewusstsein formt.“

Gere verstand sich auch auf Anhieb mit seinen Co-Stars Terrence Howard und Jesse Eisenberg. „Wir begannen mit den Szenen, in denen die Figuren nicht gut miteinander ich fand ih sehr angenehm. Aus seinem Spiel heraus entwickelten wir eine Art männliches Vertrauen. Wir müssen uns nicht die ganze Zeit ansehen. Das geschieht, wenn sich Menschen sehr gut kennen, sie lassen die Dinge auf diese Weise los. Familien tun das, man sieht einander nicht sehr häufig an und das Leben läuft weiter. Was Jesse betrifft: Ich kann mir niemand anderen in der Rolle des Benjamin vorstellen. Er ist sehr professionell, sehr engagiert und konzentriert. Er hat seine Hausaufgaben gemacht und sich die Figur vollständig angeeignet.“

Was den Film ausmacht? „Das ist schwierig“, sagt er. „Ein ähnlicher Film ist THREE KINGS. Darin wird ein ernsthaftes Thema verhandelt, in einer Geschichte um drei ungehobelte, jähzornige Kerle, die sehr egoistisch in ihren Zielen erscheinen. Sie geraten an stärkere Mächte als sie selbst und ändern sich dadurch. Das ist auch hier der Fall. Wir finden heraus, wie diese drei Männer wirklich sind und erfahren im Laufe des Films etwas über die Tiefe ihrer Situation. Man wird als Zuschauer ständig daran erinnert, wie ernsthaft die Geschichte ist. Menschen wurden ermordet, es war der pure Irrsinn – und es ist noch nicht allzu lange her.“

Duck - Terrence Howard

2006 war ein sehr gutes Jahr für den gebürtigen Chicagoer Terrence Howard. Nach einer langen Zeit im Wartestand mit großartigen Leistungen in Filmen wie MR HOLLAND'S OPUS („Mr. Hollands Opus“, 1995) oder RAY („Ray“, 2004) wurde er für seine Darstellung eines Rappers im Megastress in HUSTLE & FLOW („Hustle & Flow“, 2005) für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. Sein anderes großes Projekt, CRASH („L.A. Crash“, 2004), in dem er einen gut betuchten Filmemacher spielte, wurde als bester Film ausgezeichnet.

„Ich sah Terrence beim Sundance Festival“, sagt Richard Shepard. „Mein Film THE MATADOR lief dort im gleichen Jahr wie HUSTLE & FLOW, also trafen wir uns und ich konnte es kaum glauben, als sein Name im Zusammenhang mit dem neuen Film genannt wurde. Ich dachte mir ‚Wenn wir ihn kriegen, dann lass uns die Sache angehen'.“ „Die Besetzung von Terrence Howard war eine interessante Geschichte“, sagt Mark Johnson. „Wir waren anfangs nicht sicher, wer für die Rolle geeignet wäre und kamen auf eine Reihe von Namen. Dann rief uns dessen Agent an und sagte, dass Terrence liebend gern den Duck spielen würde. An ihn hatten wir gar nicht gedacht. Natürlich hatte ihn jeder in HUSTLE & FLOW und CRASH gesehen. Richard Shepard sprach mit ihm und war sicher, dass er der passende Mann sei.

Es existiert etwas Wunderbares zwischen Richard, Jesse und Terrence, das weit über die simple Rechnung ‚eins und eins und eins gibt drei' hinausgeht.“

Vor der Entdeckung dieser besonderen Chemie las Howard sich Shepards Drehbuch durch. „Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, dachte ich mir ‚Das könnte Spaß machen'“, sagt er. „Ich fand es auch gefährlich, weil wir uns an ein sehr empfindliches politisches Thema wagten. Es geht um einen Mann, dem so viele Kriegsverbrechen vorgeworfen werden und der gleichzeitig von unglaublich vielen seiner Leute geliebt und von ganzen Nationen gehasst wird. Auf wessen Seite stellt man sich? Auf die Seite derer, die ihn lieben oder die ihn hassen? Wir sollten uns für die Wahrheit entscheiden, und diese Einstellung sah ich auch im Drehbuch. Es ging auf diese Implikationen ein und versprach eine mutige Herangehensweise, also dachte ich mir, ich müsse es versuchen.“

Howard spielt Duck: einen abenteuerlustigen Kameramann, der an der Seite von Simon Hunt alle Brennpunkte der Welt erlebt hat, aber nach Hunts Zusammenbruch die Karriereleiter im sicheren New York hinaufgeklettert ist. „Duck hat wohl eine leichte Form der posttraumatischen Belastungsstörung“, sagt Howard. „Neun Jahre lang ist er an genau die Orte gegangen, aus denen jeder andere geflohen ist und hatte nie eine Waffe dabei. Seine einzige Waffe ist die Wahrheit, die er mit seiner Kamera aufzeichnet. Oft war er der ganzen Gewalt schutzlos ausgeliefert, sein Beruf erforderte eine Menge Mut. Es muss sehr seltsam sein, das alles fünf Jahre lang aufgegeben zu haben und dann mit einem Mal aus einem sicheren Zufluchtsort wieder dort hineingeschleudert zu werden. Ich habe eine Weile gebraucht, um aus Duck schlau zu werden. Er ist ein wenig rätselhaft.“

Howard arbeitete hart, um sich in seine Figur und deren Beruf hineinzuversetzen. Richard Shepard versorgte ihn dabei ebenso mit wertvollen Informationen wie die echten Journalisten und Howards kroatischer Bodyguard. „Mein Leibwächter kämpfte in diesem Krieg und wurde dort verwundet“, sagt der Schauspieler. „Die Gespräche mit ihm und anderen Einheimischen waren sehr nützlich. Diese Menschen suchen mit Herzblut nach der Wahrheit, genau wie wir. Wir hoffen, dass unsere Fragen beantwortet werden können, aber die Sache ist wirklich sehr komplex.“

Die Eingangsszenen von THE HUNTING PARTY betonen die Hässlichkeit des Krieges, zeigen aber auch den Sog, den ein solcher Konflikt auf Journalisten wie Simon und Duck ausübt. In Wirklichkeit würde Terrence Howard so etwas niemals passieren. „Ich laufe vor dem Krieg davon, eigentlich vor allem, was mein kleines bisschen Glück stören könnte“, sagt er. „Aber ich bewundere den Mut dieser Journalisten und die Risiken, die sie eingehen. Das macht den Spaß am Schauspielen aus: Jemand zu sein, der man im echten Leben nie sein könnte. Die Explosionen, das Rattern der Maschinenpistolen und die Bomben um uns herum ließen alles so wirklich erscheinen. Jedenfalls wirklich genug für mich.“

Für jeden der Darsteller waren die Originalschauplätze Mysterium und Inspiration zugleich. „In Sarajevo bekommt man eine Ahnung, was damals geschah“, sagt Howard. „Man sieht die Reaktion der Leute und verbliebende Kriegsschäden an den Gebäuden. Das machte es uns Schauspielern leichter, an unsere Rollen zu glauben. Wir hatten Glück, bei diesem Projekt dabei sein zu können, weil wir keine große Illusion erzeugen mussten.“ Howard kannte die Grundzüge des Balkankonfliktes, bevor er mit der Arbeit an dem Film begann. „Meine Familie ist muslimisch, daher wussten wir alle davon“, sagt er. „Ich hatte gehört, dass 8.000 muslimische Jungs und Männer aufgestellt und abgeknallt wurden, ohne dass ihnen jemand zur Hilfe gekommen wäre (das Massaker von Srebrenica im Juli 1995). Ich habe mir Aufnahmen von der BBC angesehen, und mein Vater kennt sich im Weltgeschehen immer bestens aus und schickte mir einiges an Information. Was dort geschah, war widerwärtig – die Weltgemeinschaft stand da und sah zu, wie hilflose Menschen systematisch angegriffen, verletzt und getötet wurden. Ich wusste jedenfalls genug, um diese Geschichte miterzählen zu wollen.“

Dabei half ihm Richard Shepard. „Richard hat ein ganz besonderes Erzähltalent“, sagt er. „Er kann eine Geschichte mit ganz besonderen Sichtweisen erzählen. Man kann nie vorhersagen, welche Wendung das Drehbuch nehmen wird, das ist für die Schauspieler sehr herausfordernd. Er erschüttert dich bis ins Mark und zwingt dich, etwas Neues zu erschaffen.

Ähnlich war auch die Arbeit mit Richard Gere. Ein echtes Idol, das sich über Jahre nach oben gekämpft hat und uns mit seiner Zeit und seinem Talent durch dieses Projekt führte. All das macht diesen Film so einzigartig.“

Benjamin - Jess Eisenberg

Mit den Zusagen von Gere und Howard in der Tasche machte Shepard sich auf die Suche nach dem dritten und letzten Mann seiner Crew: dem unerfahrenen Neuling Benjamin.

Hunderte sprachen in den USA und Europa für diese Rolle vor. „Jesse Eisenberg war einer der letzten, die wir sahen“, sagt Shepard. „Aber er hat sofort in den Charakter hineingefunden. Jesse ist ein unglaublich schlauer Bursche, viel schlauer, als ich in seinem Alter war. Er fügte Benjamin etwas hinzu, das ich noch nie gesehen hatte und das diese Figur wirklich erdete. Obwohl wir mit Simon und Duck unterwegs sind, erleben wir die Geschehnisse doch durch Jesses Augen. Er ist wie wir, stellt die Fragen, die wir selbst stellen wollen: Was passierte dort eigentlich? Was geschieht im Moment gerade? So wird die Geschichte noch ein gutes Stück spannender.“

„Jesse Eisenberg war unser absoluter Favorit“, sagt Scott Kroopf. „Wir hatten ihn alle in THE SQUID AND THE WHALE („Der Tintenfisch und der Wal“, 2005) und ROGER DODGER („Rodger Dodger“, 2002) gesehen und hielten ihn für ein außergewöhnliches Talent.

Richard Shepard war es wichtig, jemanden zu haben, der wirklich erst 21 Jahre alt ist – ein halbes Kind, das von zwei altgedienten Journalisten direkt aus dem College ins Herz der Finsternis geführt wird. Dafür war Jesse die ideale Besetzung.“

Der gebürtige New Yorker Eisenberg war kürzlich in dem hoch gelobten und Oscarnominierten Drama THE SQUID AND THE WHALE zu sehen. Als er von THE HUNTING PARTY hörte, war er sofort interessiert. Zufällig erfuhr er genau an dem Tag, an dem er das Drehbuch las, durch das Radio von einem Kriegsverbrecher, der vom Balkan nach Den Haag überführt wurde. Freilich fürchtete er, seine Chancen auf die Rolle schon früh vertan zu haben. „Ich nahm ein Video auf und schickte es der Verantwortlichen für das Casting“, sagt er. „Eine Woche später rief sie mich an und sagte mir, sie werde es auf keinen Fall dem Regisseur vorführen, es sei nicht angemessen. Zum Glück kamen die Filmemacher in der entscheidenden Woche nach New York. Ich war auf einem Dreh etwa drei Stunden von der Stadt entfernt, aber ich habe mich in den Zug gesetzt, vorgesprochen und noch am selben Tag erfahren, dass ich die Rolle bekomme.“

Eisenberg hat schon viele Reisen unternommen, auch in gefährliche Gegenden der Welt. Als er erfuhr, dass THE HUNTING PARTY an Originalschauplätzen gedreht werden sollte, äußerten seine Freunde Bedenken. War der Krieg wirklich vorbei? Gab es nicht überall noch Landminen? „Es ist dort überhaupt nicht mehr gefährlich. Ich war sehr aufgeregt, einen so außergewöhnlichen Ort erleben zu können, den Amerikaner selten besuchen. Meine Freundin hat sich genauso gefreut, ihr eröffnete sich ja dadurch die Möglichkeit, mich dort zu besuchen.“

Er las sich in die Materie ein, sprach mit einem befreundeten Journalisten in New York, der schon aus Krisengebieten berichtet hatte, studierte die Biographie von John Falk und verbrachte einige Zeit mit Philippe Deprez. „Ich hatte einige Gespräche mit ihm. Er würde alles wieder tun, nicht für Geld oder Ruhm, sondern um an eine Story zu kommen. Dafür setzt er oft seine Gesundheit und seine Finanzen aufs Spiel.“ Bereits zehn Tage vor Drehbeginn reiste Eisenberg nach Sarajevo, um mit einem dortigen Freund zu sprechen. All diese Recherche fand Eingang in seine Interpretation des Charakters Benjamin, des Anfängers unter den Kriegsreportern.

„Es ist sein erster Job als Fernsehreporter in Übersee“, sagt Eisenberg. „Er ist naiv, sowohl was die Historie des Balkans als auch sein Handwerk betrifft. Als Reporter ist er nicht wie Simon und Duck, die aggressiv jede Fährte verfolgen und dabei ihr Leben aufs Spiel setzen. Ganz im Gegenteil: Seinem Vater gehört der Sender, also ist Benjamin bequem in diesen Job hineingeflutscht. Aber seine Erfahrungen mit Duck und Simon verändern ihn, obwohl er wahrscheinlich dennoch in irgendeinem gemütlichen Büro landen wird.“

Während des Drehs tat Eisenberg sich mit Richard Shepard zusammen, um seinen Charakter Benjamin zu erkunden. „Schon beim ersten Lesen war mir klar, dass der Autor sehr genau wusste, wie er die Geschichte umsetzen wollte“, sagt er. „Am Set wurde diese Hoffnung nicht nur bestätigt, sondern übertroffen. Ich bin noch nie einem Regisseur begegnet, der mit einem so klaren Stil und auf so einzigartige Weise filmt und dabei stets seiner Story treu bleibt. Er fügt einem Thema, das gegen Humor immun zu sein scheint, dennoch eine gehörige Prise hinzu. Und er begegnet jedem Mitglied des Teams mit Respekt. Ich bin sicher, dass ich mit dieser Rollenwahl eine richtige Entscheidung getroffen habe.“

Nun hatte Shepard drei begabte Darsteller versammelt. Doch die Chemie zwischen ihnen ist es, was THE HUNTING PARTY einzigartig macht. „Wenn drei Menschen interessante Rollen

spielen, und das so gut wie diese es tun, dan entsteht eine wunderbare Dynamik“, sagt er. „Man könnte der beste Autor der Welt sein – und das bin ich ganz sicher nicht –, aber ohne Schauspieler, die deine Worte kraftvoll zum Leben erwecken, wird der ganze Film schal. Wenn sich gute Darsteller des Materials annehmen, dann ist das wirklich beeindruckend und sorgt für einen sehr unterhaltsamen Film.“

Franklin Harris - James Brolin

Ein weiteres männliches Alphatierchen ist Franklin Harris: protziger Anchorman des Senders und natürlicher Feind von Simon und Duck. Er wird von dem erfahrenen Charakterdarsteller James Brolin (TRAFFIC , CATCH ME IF YOU CAN ) gespielt. Mitte 2006 hatte Brolin einen Termin bei Richard Shepard. „Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, wollte ich schnell zu ihm, um darüber zu sprechen“, bemerkt er. „Auch wenn ich nicht sonderlich lange zu sehen bin, halte ich den Film für wirklich wichtig. Er wird erfolgreich sein, er ist spannend – ein Buddy Movie, und die laufen immer ordentlich, wenn sie gut gemacht sind. Der Film ist so gut geschrieben, dass ich mich einfach nur freue, dabei sein zu können hier in Sarajevo, einer Stadt, die langsam nach ihrer traurigen Vergangenheit wieder zu neuem Leben erblüht.“

Die Suche nach Inspiration und Einblick in seine Rolle gestaltete sich nicht weiter schwer. James Brolin musste nur den Fernseher einschalten. „Man sieht jede Nacht im Fernsehen diese zu Ikonen gewordenen Nachrichtensprecher“, sagt er. „Sie sind alle unterschiedlich, aber unterschwellig haben sie doch eine sehr ähnliche Ausstrahlung. Es hat Spaß gemacht, sie zu beobachten und daraus Schlüsse für Franklin zu ziehen. In den wenigen Szenen, die ich mit Richard Gere und Terrence Howard habe, stelle ich für beide eine Bedrohung dar. Sie arbeiten zwar nicht für mich, aber ich kann trotzdem ihre Zukunft mitbestimmen.“ THE HUNTING PARTY gefällt Brolin vor allem deshalb, weil der Film sich einer Vielzahl von Aspekten annimmt. „Ein großartiges Buddy Movie“, sagt er. „Er ist so lustig wie wirklichkeitsnah, kommt zu einem wunderbaren Ende und macht Appetit auf mehr. Manchmal geht man nach einem Film nach Hause, legt sich ins Bett und vergisst ihn sofort. Aber dieser lädt ein zum Weiterdenken und zur Diskussion. Das gefällt mir außerordentlich.“

Magda - Kristina Krepela

In die Rolle der Magda, einer jungen bosnischen Muslima, in die Simon Hunt sich während des Krieges verliebt, schlüpfte die kroatische Schauspielerin Kristina Krepela. „THE MATADOR hatte mir sehr gut gefallen, und ich habe mich im Internet über den Regisseur informiert“, sagt Krepela. „Ich habe allen Freunden erzählt, dass ich eines Tages gerne mit Richard Shepard arbeiten würde. Sechs Monate später kam er nach Kroatien, um THE HUNTING PARTY zu drehen.“

Mit der Figur der Magda konnte Krepela, die ebenfalls den Krieg erlebt hatte, sich gut identifizieren. „Sie ist ein ganz normales Mädchen, das im Krieg so weiterleben möchte wie zuvor“, sagt sie. „Ich habe diesen Krieg auch durchstehen müssen und war damals noch jünger als Magda, aber ich erinnere mich gut, dass wir versuchten so zu leben, als sei nichts Besonderes passiert. In einer Szene des Films gibt es eine Hawaii-Party im Hotel in Sarajevo, und so ähnlich ging es damals in Bosnien tatsächlich zu. Wir gingen weiterhin in Discos und Cafes, hörten laut Musik und feierten, während draußen Bomben fielen und die Sirenen heulten. Während der Arbeit an dem Film hatte ich einige Flashbacks. Magda möchte auch einfach normal weitermachen, als sie auf Simon Hunt trifft. Sie hat nicht die Absicht, sich zu verlieben, aber so kommt es dann eben.“

Marjana - Diane Kruger

Die gebürtige Deutsche Diane Kruger (TROY , COPYING BEETHOVEN ) spielt Marjana, eine abgebrühte Serbin, die sich mit kleinen Gaunereien über Wasser hält und Simon und Duck mit Insider-Informationen versorgt. „Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, war ich sofort gefesselt – zumal es auf einer wahren Geschichte basiert“, sagt Diane Kruger. „Ich lebe in Frankreich und kann mich daher gut an diesen Krieg erinnern, der ziemlich in der Nähe stattfand. Ich wollte wegen des interessanten Drehbuchs an dem Projekt teilnehmen, weil ich wollte, dass diese Geschichte erzählt wird. Marjana hatte es sehr schwer“, sagt Kruger. „Sie ist gerade mal Anfang Zwanzig und musste einen fürchterlichen Krieg überstehen, in dem sie viel verloren hat und sogar von einer Gruppe Männer vergewaltigt wurde. Diesen Charakter zu spielen, war eine Herausforderung, weil sie so verhärtet ist und kaum noch etwas Weibliches an sich hat. Sie überlebt nur durch ihre kriminellen Handlungen.“

Die weiteren Nebenrollen

Shepard war es wichtig, möglichst viele der übrigen Rollen, darunter auch die des sadistischen Bodyguard, des „Fuchses“, mit einheimischen Talenten zu besetzen. „Ich wollte Schauspieler von dort, Leute, deren Gesichter in Amerika noch nicht mit irgendeinem Image besetzt sind und von denen man international noch nicht Notiz genommen hat“, erklärt er. „Das ist das Großartige an der Arbeit vor Ort: Man kann hervorragende Darsteller casten, die zu Hause zwar sehr bekannt sind, aber im Rest der Welt so gut wie gar nicht. Darauf habe ich Wert gelegt bei der Besetzung des Fuchses, des neunfingrigen Mannes und aller anderer kleiner Rollen. Die Schauspieler sollten einerseits ihr Handwerk hervorragend beherrschen und ihrer Figur andererseits so viel Authentizität wie möglich verleihen. Dies rückt den Film noch näher an die Wirklichkeit heran.“

Ein weiterer Bezug zur Realität war, vier der fünf ursprünglichen Journalisten im Film auftreten zu lassen. In der frühen Wiedersehensszene im Holiday Inn in Sarajevo spielen diese vier (es fehlt Sebastian Junger) Kriegsberichterstatter. „Ich mochte ihre Persönlichkeiten“, sagt Shepard, „und ich legte die Szene so an, dass die echten Journalisten sie spielen konnten. Sie sagten zu und es hat ihnen augenscheinlich Spaß gemacht. Der Film ist also wirklich authentisch. John Falk, der in dieser Szene die meisten Sätze hat, machte seine Sache wirklich gut, es war eine Freude, mit ihm zu drehen. Wahrscheinlich wird er einmal reich mit einer eigenen Fernsehserie.“

Nach dem Ende des Castings machte Shepard sich an die Dreharbeiten. Ein Buddy Road Movie, angesiedelt in einer Zeit nur wenige Jahre nach einem brutalen Krieg, aber dennoch voller abenteuerlicher und komischer Momente. „Die Leute fragten ‚Wie kannst du nach dem Krieg einen Film in Bosnien über Kriegsverbrecher machen und Humor darin haben?’“, sagt Shepard. „Ich frage mich eher, wie so ein Film ohne Humor zu machen sein soll, vor allem wenn es um echte Menschen geht. Menschen, die lachen, weinen, eben die ganze Palette an Gefühlen. Es entwickelt sich eine humorvolle Dynamik zwischen den drei Jungs, aber sie entsteht aus der Wirklichkeit – ein Galgenhumor, den man bei vielen Kriegsreportern findet.“

Die Dreharbeiten

Für seine Arbeit am Skript war Richard Shepard nach Bosnien gereist. Vor den Dreharbeiten stellte er sicher, dass Produktionsdesigner Jan Roelfs (GATTACA , WORLD TRADE CENTER ) die gleiche Reise unternahm. Was die Anzahl der Drehorte betraf, würde THE HUNTING PARTY ein großer Film sein.

Außerdem sollte er authentisch wirken. Also musste Roelfs sich ebenfalls auf eine Pilgerfahrt nach Sarajevo und in die wilde, bergige Landschaft Kroatiens machen. „Die Reise hat mir die Augen geöffnet“, sagt Shepard. „Es war wie ein Trip mit der Zeitmaschine in die Vergangenheit – manche Orte dort haben immer noch kein Telefon, kein fließendes Wasser und keine andere Art der Grundversorgung. Diese Erfahrung sollte auch Jan machen – die Gesichter, die Atmosphäre, die Oberflächen.

THE HUNTING PARTY ist ein Film, in dem drei Charaktere mit einem Auto durch die Lande fahren, also musste jeder ihrer Zielorte sich von den vorherigen unterscheiden. Wie würden wir das erreichen? Wie konnten wir sicherstellen, dass die Zuschauer von der Ausstattung nicht gelangweilt würden? Auf einer echten Autotour macht man jeden Tag eine neue Erfahrung, sieht bestimmte Dinge zum ersten Mal. Diese besondere Kraft wollten wir auch im Film spürbar machen.“

Der gebürtige Niederländer Jan Roelfs kannte sich mit dem Balkankonflikt gut aus. „Da ich in Europa aufgewachsen bin, fühlte ich mich beim Lesen des Drehbuchs sofort zu der Geschichte hingezogen“, sagt er. „Als Teenager war ich im früheren Jugoslawien in Urlaub, ich kenne also Land und Leute und konnte nicht glauben, dass keine tausend Kilometer von Amsterdam dieser blutige Krieg stattfand. Daher weckte das Drehbuch sofort mein Interesse.“ Roelfs reiste nach Sarajevo, bezog ein Zimmer im Holiday Inn und machte sich dann auf in die Gegend nahe der Grenze zu Montenegro. „Dort bekam ich meinen ersten Eindruck in Bezug auf das Setting unserer Geschichte“, sagt er. „Diese Reise gab mir einen guten Ansatzpunkt.“

Shepard informierte Roelfs über seine Prioritäten. Ganz oben stand größtmöglicher Realismus. Die Geschichte spielt fünf Jahre nach dem Krieg, doch es gibt Flashbacks, in denen es um diesen und andere Konflikte geht. Da die Handlung aus der Perspektive der Journalisten erzählt wird, musste eine Atmosphäre von Gefahr und Hektik entstehen. Menschen werden erschossen, Häuser zerstört, unglaubliche Gräueltaten finden statt. An diesen Stellen gab es keinen Platz für Phantasie: Es war ein heftiger, brutaler Krieg, der den Hintergrund für die Interaktion der drei Hauptfiguren bildet – mal harsch, dann wieder komisch.

Originalschauplätze

„Die Stadt Sarajevo ist eine Hauptdarstellerin des Films, also mussten wir auch dort drehen, und uns war genauso wichtig, den Rest des Films in Kroatien aufzunehmen“, sagt Shepard. „Es ist ein Riesenunterschied, ob man an Originalschauplätzen arbeiten kann oder nicht. Die Distanz zur Heimat verändert alles: die Art, wie man dreht, die Art, wie die Darsteller spielen. Sie können sich ganz auf das konzentrieren, weswegen sie hier sind und die Reiseerfahrung des Films selbst machen, weil sie tatsächlich auf einer Reise sind.“

„Wenn man ein Road Movie macht, und darum geht es in gewisser Weise, dann machen die verschiedenen Stationen den ganzen Film aus“, sagt Shepard. „Wenn diese Orte nicht einzigartig, seltsam und furchteinflößend wirken, als wäre man unterwegs in einer Welt, die man nie zuvor betreten hat, dann funktioniert gar nichts. Wir gehen mit diesen Jungs auf eine Reise, die wir durch deren Augen sehen. Unser Ziel der Arbeit mit Jan und Kameramann David Tattersall war, dem Zuschauer so gut wie möglich zu vermitteln, er sei tatsächlich dort. Es geht zu düsteren, mysteriösen und interessanten Orten: Aber die gibt es wirklich.“

„Wir haben ein sehr internationales Team bei dieser Produktion“, sagt Mark Johnson. „Mit unserem Produktionsdesigner Jan Roelfs, der Niederländer ist, habe ich bereits gearbeitet. Er versteht die Welt von THE HUNTING PARTY und kann sie hervorragend wiedererschaffen. Wir haben in diesem Fall keine Welt entworfen und aufgebaut, sondern haben recherchiert, haben herausgefunden, wie es damals ausgesehen hat und uns davon leiten lassen. Jan tat dies in einem sehr ernsthaften, schlichten Stil, so dass der Film ein sehr funktionales, fast utilitaristisches Design hat.

Unser Kameramann David Tattersall ist Brite und unsere Kostümdesignerin Beatrix Pasztor stammt aus Ungarn. Wir sind also die UN der Filmproduktion.“

Der renommierte Kameramann David Tattersall (STAR WARS: EPISODES I, II und II , DIE ANOTHER DAY ) zeichnete bereits in Shepards letzten Film THE MATADOR für die Kamera verantwortlich. „Er ist wunderbar als Mitarbeiter, mit ihm kann man Pferde stehlen“, sagt Shepard. „Er hat deutlich mehr Erfahrung als ich und ist ein außergewöhnlicher Künstler und Gentleman. Wir hatten eine Menge Spaß zusammen. Bei THE HUNTING PARTY wollten wir die Dinge anders angehen, als wir es jemals zuvor getan hatten. Wir haben viel mit der Handkamera gedreht, mit schnellen Bewegungen und anderen Mitteln, um einen dokumentarischen Stil zu finden. Es sollte weniger geleckt aussehen, damit der Film realer wirkt. Darum waren wir auch an den Originalschauplätzen, damit sich dieses Gefühl auf die Zuschauer überträgt. Dieser spezielle Look und die besondere Atmosphäre, wie man sie an einem Ort verspürt, an dem man nie zuvor gewesen ist, verdanken dem Auge von David sehr viel.“

Abgesehen von den Aufnahmen in Sarajevo wurde der Film aus logistischen Gründen in Kroatien gedreht, das für Bosnien einstehen sollte. Das war kein Problem. „Die Landschaft, die Umgebung, alle Details sind sehr ähnlich, es war ja vor dem Krieg auch alles ein Land“, sagt Roelfs. „Das Schwierige war, dass das Drehbuch an manche Locations sehr spezifische Anforderungen stellt und wir nur wenig Zeit und ein knappes Budget hatten. Also musste alles in der Nähe von Zagreb stattfinden, wo wir unsere Zelte aufgeschlagen hatten. Wir haben keine größeren Sets nachbauen müssen, aber doch einige kleinere.“

Dazu gehörten New York City, Washington, D.C., Gaza, Sierra Leone und Somalia. „Wir haben Innenaufnahmen, Außenaufnahmen, Explosionen, Kämpfe, es gibt Panzer und brennende Gebäude“, sagt Roelfs. Wir mussten sogar eine muslimische Stadt mitten in Kroatien errichten, weil es dort keine gibt. In den Flashbacks sieht man Städte, die wir erst gebaut und dann zerstört haben.“

Glücklicherweise gab es viel Zuspruch und Unterstützung von den Einheimischen, die an den Film glaubten und ihn fertiggestellt sehen wollten. „Wir haben ganze Dörfer dichtgemacht, Autobahnen geschlossen und Kleinstädte übernommen“, sagt Roelfs. „Dann haben wir alles mit Einschlagslöchern zugekleistert und das Straßenpflaster aufgerissen. Die Armee war uns eine große Hilfe, sie gab uns Panzer, Jeeps und andere Fahrzeuge – auch in dieser Hinsicht also eine wundervolle Erfahrung.“

Stunts und Spezialeffekte

Zu den kompliziertesten Szenen gehört die Montage verschiedener Kriegsschauplätze, die die Hektik und Gefahr der Berufe von Duck und Simon auf den Punkt bringt. Man sieht die beiden, wie sie an solch blutig umkämpften Orten wie Somalia, Sierra Leone, Bagdad und Gaza Kugeln ausweichen und Berichte auf die Reise schicken. Jede einzelne Szene erzählte Shepard aus der Perspektive der Reporter – also aus dem Blickwinkel von Simon und Duck. Die Action tritt zurück hinter die Reaktion der Reporter, genau wie die Kriegsgeschichte den Hintergrund für die Entwicklung der Charaktere bildet.

Die Wiedererschaffung dieser Orte bedeutete für Roelfs, dass er die ganze Magie und Suggestivkraft seiner Zunft auspacken musste. „Man muss Ideen haben, was Sierra Leone, den Gazastreifen oder den Irak am besten repräsentiert“, sagt er. „Also dachten wir uns jeweils etwas aus, das diese Schauplätze sehr schnell definierte – das ist gar nicht so schwer. Ein Güterbahnhof in Kroatien war beispielsweise unser Somalia.“

In den technisch anspruchsvollsten Szenen des Films stand ihm ein Team von Spezialeffekt- Experten zur Seite, vor allem für einen bestimmten Kampf in einem bosnischen Dorf, der zwei Tage für Proben und Vorbereitungen in Anspruch nahm. „Da gibt es Explosionen, Kugeln schlagen ein, Gewehrfeuer und zahllose andere Dinge mussten genau getimed und koordiniert werden“, sagt Effekt-Koordinator Garth Inns. „In einer Szene steht Duck aus seinem Versteck hinter einer Wand auf und rennt die Straße hinab, während eine Rakete durch die Luft sirrt und einen Wagen zur Explosion bringt. Dies musste alles genau synchronisiert werden hin zu Ducks letzter Einstellung, einem Standbild. Ich hatte eine Unterhaltung mit Richard Gere über diese Szene. Er fragte mich, ob er das Ganze überleben würde, da er direkt in der Schusslinie stehen sollte. Das habe ich ihm versprochen, und er überlebte tatsächlich. Im Ernst: Wir hatten in dieser Szene keine Stuntdoubles. Die Schauspieler alles selbst gemacht.“

Richard Gere und Terrence Howard machten unter der Anleitung von Richard Shepard und dem erfahrenen Stunt-Koordinator Tom Delmar all ihre Stunts selbst. „Wir mussten Sicherheitsvorkehrungen für unsere Hauptdarsteller treffen, weil sie im ganzen Film nicht gedoubelt werden“, sagt Delmar. „Das war eine Herausforderung, aber uns ist alles gut gelungen. Richard Shepard konzentrierte sich sehr genau auf das, was er wollte. Er zeigte mir einige Storyboards und forderte mich auf, nach diesen meine Action zu entwerfen. Diese Arbeitsweise war mir neu, entpuppte sich aber als sehr interessant und angenehm.“

Realismus und Subtilität sorgten dafür, dass diese Action bei aller Effektivität nicht überdreht wirkt. „Dies sollte kein dämlicher Hollywood-Streifen mit abgedrehten Schlachtenszenen und computergenerierten Gimmicks sein“, sagt Shepard. „Wir wollten, dass es sogar für die Leute realistisch scheint, die selbst am Krieg teilgenommen haben. Am ersten Drehtag waren wir in der ‚sniper alley’ von Sarajevo, wo Menschen seinerzeit buchstäblich beim Wasserholen über den Haufen geschossen wurden. Eine der Assistentinnen musste das Set verlassen, weil es ihr so echt vorkam, wie ein Flashback, den sie nicht ertragen konnte. Dass es so realistisch schien, hielt ich für ein Kompliment an Jans und unserer aller Arbeit.“

Obwohl der Großteil des Drehs in Zagreb stattfand, wurde das örtliche Filmstudio praktisch gar nicht benutzt. Für eine Szene verwandelte man ein Hotel in der Stadtmitte in ein Apartment in Manhattan. „Das Publikum soll sich fühlen, als wäre es da, ob ‚da’ nun ein Apartment in New York oder Gaza, Somalia, Sierra Leone oder Bosnien ist“, sagt Roelfs. „Der Film hat eine große Bandbreite an Designs und alle wirken authentisch. Damit bin ich sehr zufrieden.“ Der Dreh mag, was die Zahl der Sets und all die logistischen Details angeht, epische Ausmaße angenommen haben – aber das passte gut zu Shepards epischen Ambitionen.

THE HUNTING PARTY vermengt die Genres: Er ist Drama, schwarze Komödie und Thriller zugleich, hat Action und traurige Momente, Licht und Schatten. „Ich glaube, die Leute lechzen nach einer anderen Sorte von Filmen, die nicht so vorhersehbar ablaufen“, sagt Shepard. „Hoffentlich kann niemand unser Ende erraten, man soll schon ein wenig in der Schwebe gehalten werden. Als Regisseur arbeitet man an unterschiedlichen Schauplätzen, die man manchmal erst nach Stunden erreicht und muss sich oft genug mit unfreundlichem Wetter herumschlagen. Gleichzeitig sollte man aber auch darauf achten, dass die Darstellungen konzentriert bleiben und der Humor nicht den ganzen Film erschlägt. Es ist ein ernsthaftes Thema, aber hoffentlich ein spaßiges Erlebnis.“

Kostümdesign

„Der dunkle, zynische Humor des Drehbuchs nahm mich gefangen. Als Designerin hatte ich besonderes Interesse, eine spezielle Montur für die drei Journalisten Simon, Duck und Benjamin zu entwerfen“, sagt Kostümdesignerin Beatrix Pasztor.

Gemeinsam mit ihrer Assistentin Blanka Budak besuchte sie die Central Library in New York. „Wir informierten uns über den Balkankonflikt und sahen uns auch verschiedene Bilder an, die Kriegsberichterstatter zeigen“, sagt sie. „Für die Montagesequenz recherchierte ich dann noch Kriege in anderen Ländern wie Sierra Leone oder Somalia.“

Um die Garderobe der Journalisten genauer eingrenzen zu können, sprachen sie mit Philippe Deprez und den anderen Reportern. „Mit den echten Kriegsreportern zu sprechen, war sehr nützlich, da wir so einen semi-dokumentarischen Stil erreichen konnten“, sagt sie. „Aber durch den schwarzen Humor der Geschichte gibt es eine Spannung in den Bildern – einen Kontrast zwischen dem dokumentarischen Realismus und den Figuren selbst, die ein wenig ihre eigene Hyperwirklichkeit geschaffen haben. Das zeigt sich im Film und vor allem in den drei wichtigsten Charakteren. Sie tragen ein Farbschema, das ihre Charakterzüge und ihre Individualität zur Geltung bringt.“

Die Ausstattung der drei Hauptdarsteller erfolgte an einem einzigen, stressigen, vorschlagsreichen und innovativen Tag in New York, an dem Richard Shepard heftig mitmischte. „Wir sind jeden einzelnen Entwurf mehrfach durchgegangen“, sagt Pasztor. „Richard kümmerte sich um die historische Genauigkeit, aber auch um künstlerische Elemente. Er schlug Schemata vor, die sowohl die Atmosphäre des Films als auch den Typus der Hauptfiguren reflektieren sollten.“

SIMON

„Simons Ausstattung hielten wir bewusst schlicht. Anfangs hat er ein Lieblingshemd und eine Lieblingsjacke. Die Jacke hat eine ungewöhnliche Farbe, eine Art Türkisblau, die Richard Shepard vorschlug. Er trägt während des ganzen Films im Prinzip die gleiche Hose. Für Simon muss Kleidung funktional sein: ein Khakihemd, graue Hosen, aber eine außergewöhnliche Jacke. Er kleidet sich sehr schlicht, was wohl dem Dasein als Kriegsreporter sehr nahe kommt. Man ist ständig unterwegs von einem Ort zum anderen und zieht sich nicht oft um. Außerdem wollen sie möglichst mit ihrem Hintergrund verschmelzen – ihre Outfit ist für sie auch ein Tarnanzug.“

DUCK

„Für Richard Shepard war Duck eher ein Rock’n’Roller, aber Terrence kam zur Anprobe und suchte sich sehr interessante Stücke aus. Er entwarf eigentlich seinen eigenen Stil, hatte großartige Ideen und wollte unbedingt ein Bandana tragen. Am Anfang des Films sieht er sehr eigen und abenteuerlich aus, aber später wird Duck immer mehr zum Geschäftsmann. Wenn er nach fünf Jahren wieder in Sarajevo ankommt, geht er mit einem lächerlichen weißen Outfit auf die Reise. Shepard gefiel das, es war ein weiteres humoristisches Element.“

BENJAMIN

„Richard Shepard wollte nicht, dass Benjamin allzu sehr wie ein Nerd aussieht. Am Anfang trägt er eine dünne Krawatte und ein gestreiftes Hemd, wie ein College-Student. Später gibt er dieses Image auf, schlüpft in ein grünes Polohemd und blaue Cordhosen, so dass er nicht mehr so schnöselig daherkommt.“ Die Gangster tragen klassische Kostüme, die Pasztor als „Trainingsanzug-Look“ bezeichnet. Aber die Chefbösewichte, darunter auch der Fuchs, heben sich davon ab. „Der Fuchs war für mich eine Zusammensetzung all dieser Bösen, teils Radovan Karadzic, aber auch inspiriert von anderen Kriegsverbrechern“, sagt sie. „Zuerst dachten wir, er solle etwas von Robin Hood haben, sich also ärmlich kleiden, obwohl er viel Geld besitzt, aber dann entschieden wir, dass er sich gehoben kleiden würde, weil er ein Pfau ist, gerne angibt. Diese Version schaffte es in den Film.“

„Für seinen Leutnant, den neunfingrigen Mann, schlug Shepard einen rothaarigen Schauspieler vor. Dieses Paar im Wald – der Fuchs und der Rothaarige – war visuell sehr interessant. Der Liliputaner war natürlich auch außergewöhnlich, es dauerte, für ihn die richtige Kleidung auszuwählen. Wir haben einiges ausprobiert und ihm schließlich ein lachsfarbenes Outfit verpasst. Richard Shepard hatte zum Glück eine Vorliebe für solche Besonderheiten.“

Die Kreation eines jeweils eigenen Designs für die verschiedenen Szenen in der Kriegsmontage hing eng mit den Entwürfen für die verfeindeten Parteien zusammen, waren es nun Somalis, Iraker oder Palästinenser. „Diese Szenen spielen in verschiedenen Ländern, also wollte Richard Shepard jede einzelne mit einem spezifischen Look ausgestattet haben“, sagt Pasztor. „Auch wenn wir nicht alle echten Uniformen genau getroffen haben, sieht jeder Stil doch so aus, als sei er aus einem anderen Land als in der Szene zuvor. Für die somalischen Soldaten beispielsweise zeigten wir ihm verschiedene Fotos, und er entschied, dass Rot und Orange die dominierenden Farben sein sollten.

In einem anderen Land trugen die Rebellen Regenmäntel und waren also alle in blau gekleidet. Die unterschiedlichen Kriegsparteien kann man anhand der Farben auseinander halten.“ Für Pasztor waren die Dreharbeiten in Kroatien und Sarajevo von großer Bedeutung für ihr Verständnis des Konflikts und damit auch für ihre Arbeit. „Die kleine Schwester unserer Assistentin wurde im Krieg verletzt, ihr Vater sogar getötet“, sagt sie. „Sie musste die ganze Erfahrung noch einmal durchleben, wusste aber auch, dass es wichtig war, diesen Film zu machen. Die Dreharbeiten in Sarajevo halfen uns zu verstehen, wie dieser Krieg wirklich war.“

Kostümdesign

„Der dunkle, zynische Humor des Drehbuchs nahm mich gefangen. Als Designerin hatte ich besonderes Interesse, eine spezielle Montur für die drei Journalisten Simon, Duck und Benjamin zu entwerfen“, sagt Kostümdesignerin Beatrix Pasztor.

Gemeinsam mit ihrer Assistentin Blanka Budak besuchte sie die Central Library in New York. „Wir informierten uns über den Balkankonflikt und sahen uns auch verschiedene Bilder an, die Kriegsberichterstatter zeigen“, sagt sie. „Für die Montagesequenz recherchierte ich dann noch Kriege in anderen Ländern wie Sierra Leone oder Somalia.“

Um die Garderobe der Journalisten genauer eingrenzen zu können, sprachen sie mit Philippe Deprez und den anderen Reportern. „Mit den echten Kriegsreportern zu sprechen, war sehr nützlich, da wir so einen semi-dokumentarischen Stil erreichen konnten“, sagt sie. „Aber durch den schwarzen Humor der Geschichte gibt es eine Spannung in den Bildern – einen Kontrast zwischen dem dokumentarischen Realismus und den Figuren selbst, die ein wenig ihre eigene Hyperwirklichkeit geschaffen haben. Das zeigt sich im Film und vor allem in den drei wichtigsten Charakteren. Sie tragen ein Farbschema, das ihre Charakterzüge und ihre Individualität zur Geltung bringt.“

Die Ausstattung der drei Hauptdarsteller erfolgte an einem einzigen, stressigen, vorschlagsreichen und innovativen Tag in New York, an dem Richard Shepard heftig mitmischte. „Wir sind jeden einzelnen Entwurf mehrfach durchgegangen“, sagt Pasztor. „Richard kümmerte sich um die historische Genauigkeit, aber auch um künstlerische Elemente. Er schlug Schemata vor, die sowohl die Atmosphäre des Films als auch den Typus der Hauptfiguren reflektieren sollten.“

SIMON

„Simons Ausstattung hielten wir bewusst schlicht. Anfangs hat er ein Lieblingshemd und eine Lieblingsjacke. Die Jacke hat eine ungewöhnliche Farbe, eine Art Türkisblau, die Richard Shepard vorschlug. Er trägt während des ganzen Films im Prinzip die gleiche Hose. Für Simon muss Kleidung funktional sein: ein Khakihemd, graue Hosen, aber eine außergewöhnliche Jacke. Er kleidet sich sehr schlicht, was wohl dem Dasein als Kriegsreporter sehr nahe kommt. Man ist ständig unterwegs von einem Ort zum anderen und zieht sich nicht oft um. Außerdem wollen sie möglichst mit ihrem Hintergrund verschmelzen – ihre Outfit ist für sie auch ein Tarnanzug.“

DUCK

„Für Richard Shepard war Duck eher ein Rock’n’Roller, aber Terrence kam zur Anprobe und suchte sich sehr interessante Stücke aus. Er entwarf eigentlich seinen eigenen Stil, hatte großartige Ideen und wollte unbedingt ein Bandana tragen. Am Anfang des Films sieht er sehr eigen und abenteuerlich aus, aber später wird Duck immer mehr zum Geschäftsmann. Wenn er nach fünf Jahren wieder in Sarajevo ankommt, geht er mit einem lächerlichen weißen Outfit auf die Reise. Shepard gefiel das, es war ein weiteres humoristisches Element.“

BENJAMIN

„Richard Shepard wollte nicht, dass Benjamin allzu sehr wie ein Nerd aussieht. Am Anfang trägt er eine dünne Krawatte und ein gestreiftes Hemd, wie ein College-Student. Später gibt er dieses Image auf, schlüpft in ein grünes Polohemd und blaue Cordhosen, so dass er nicht mehr so schnöselig daherkommt.“ Die Gangster tragen klassische Kostüme, die Pasztor als „Trainingsanzug-Look“ bezeichnet. Aber die Chefbösewichte, darunter auch der Fuchs, heben sich davon ab. „Der Fuchs war für mich eine Zusammensetzung all dieser Bösen, teils Radovan Karadzic, aber auch inspiriert von anderen Kriegsverbrechern“, sagt sie. „Zuerst dachten wir, er solle etwas von Robin Hood haben, sich also ärmlich kleiden, obwohl er viel Geld besitzt, aber dann entschieden wir, dass er sich gehoben kleiden würde, weil er ein Pfau ist, gerne angibt. Diese Version schaffte es in den Film.“

„Für seinen Leutnant, den neunfingrigen Mann, schlug Shepard einen rothaarigen Schauspieler vor. Dieses Paar im Wald – der Fuchs und der Rothaarige – war visuell sehr interessant. Der Liliputaner war natürlich auch außergewöhnlich, es dauerte, für ihn die richtige Kleidung auszuwählen. Wir haben einiges ausprobiert und ihm schließlich ein lachsfarbenes Outfit verpasst. Richard Shepard hatte zum Glück eine Vorliebe für solche Besonderheiten.“

Die Kreation eines jeweils eigenen Designs für die verschiedenen Szenen in der Kriegsmontage hing eng mit den Entwürfen für die verfeindeten Parteien zusammen, waren es nun Somalis, Iraker oder Palästinenser. „Diese Szenen spielen in verschiedenen Ländern, also wollte Richard Shepard jede einzelne mit einem spezifischen Look ausgestattet haben“, sagt Pasztor. „Auch wenn wir nicht alle echten Uniformen genau getroffen haben, sieht jeder Stil doch so aus, als sei er aus einem anderen Land als in der Szene zuvor. Für die somalischen Soldaten beispielsweise zeigten wir ihm verschiedene Fotos, und er entschied, dass Rot und Orange die dominierenden Farben sein sollten.

In einem anderen Land trugen die Rebellen Regenmäntel und waren also alle in blau gekleidet. Die unterschiedlichen Kriegsparteien kann man anhand der Farben auseinander halten.“ Für Pasztor waren die Dreharbeiten in Kroatien und Sarajevo von großer Bedeutung für ihr Verständnis des Konflikts und damit auch für ihre Arbeit. „Die kleine Schwester unserer Assistentin wurde im Krieg verletzt, ihr Vater sogar getötet“, sagt sie. „Sie musste die ganze Erfahrung noch einmal durchleben, wusste aber auch, dass es wichtig war, diesen Film zu machen. Die Dreharbeiten in Sarajevo halfen uns zu verstehen, wie dieser Krieg wirklich war.“

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