Hundert Jahre Brecht

Kinostart: 17.08.2006

Filmhandlung und Hintergrund

Spielfilm-Collage, in der Brechts Werke zu einer Handlung verwoben, das Leben in der Nazizeit schildern. Hommage.

Im August jährt sich der Geburtstag von Bertold Brecht zum 100. Mal. Aus Anlass dieses Jubiläums gestaltet der Filmemacher Ottokar Runze eine Collage aus Film- und Theaterszenen, biographischen Aufzeichnungen und literarischem Werk. Schauspieler wie Udo Samel, Christian Redl und Meret Becker tragen Bekanntes und weniger Bekanntes aus dem Werk des Dramatikers vor, Brecht-Tochter Hanne Hiob zitiert Privates aus den Briefen und Tagebüchern ihres Vaters.

Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen dabei der Kampf gegen und die Vertreibung durch die Faschisten sowie Meditationen zum Alltag in der Diktatur.

Gespielte Szenen aus Bertolt Brechts „Furcht und Elend des dritten Reiches“, der „Dreigroschenoper“ und „Baal“, sowie Dialoge aus den „Flüchtlingsgesprächen“, Lieder und Gedichte werden zu einer Handlung verwoben, in der der Alltag der kleinen Leute vor und während der Nazizeit geschildert wird. Der ist bestimmt von gegenseitiger Bespitzelung, drückende Armut und Rechtlosigkeit.

Spielfilm-Collage, in der Brechts Werke zu einer Handlung verwoben, das Leben in der Nazizeit schildern. Hommage.

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Kritikerrezensionen

  • Hundert Jahre Brecht: Spielfilm-Collage, in der Brechts Werke zu einer Handlung verwoben, das Leben in der Nazizeit schildern. Hommage.

    B.B. hätte das große Tamtam um seinen hundertsten Geburtstag sicher genossen und höchst süffisant kommentiert. An Eitelkeit hat es dem Zigarre paffenden Dramatiker ja nie gemangelt, auch wenn er ehrlich genug war, den eigenen Widersprüchen ins Augen zu schauen. Diese streift auch Ottokar Runzes ambitionierte Hommage, wenn Hanne Hiob mit kraftvoller Stimme Privates aus Briefen und Tagebüchern ihres Vaters vorträgt. Im Zentrum der sorgfältig inszenierten Kino-Collage aber steht der politische Brecht, dessen hellsichtige Beobachtungen und Notizen über den Jubiläums-Trubel hinaus als aufklärerisches Erbe präsent bleiben sollen.

    Daß der Dichter den Waschzuber scheute oder mit schreienden Bälgern nichts anzufangen wußte, ist nicht viel mehr als anekdotischer Kitt zwischen einer dichten Folge von Spielszenen aus „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ und den „Flüchtlingsgesprächen“. Udo Samel und Jürgen Hentsch loten als Ziffel und Kalle im schwedischen Exil die Fallhöhe des Emigrantenschicksals aus, wundern sich mit den raffiniert-paradoxen Wortspielereien von der Bedeutung des Passes bis zur Hegelschen Dialektik über den traurigen Zustand der Welt oder lauschen auf dem zugigen Oberdeck Meret Beckers Ballade von der „Seeräuber-Jenny“. Im Wechselspiel zwischen Hanne Hiobs resoluter Rezitation und dramaturgisch pointierten Alltagssituationen aus dem Nazi-Deutschland erhebt sich Brechts klare Stimme, der den kleinen Verrat, die biedere Feigheit oder das ängstliche Mitläufertum ihrer harmlosen Banalität beraubte. Das Verhängnis, an dem später keiner Schuld haben wollte, speist sich aus vielen „unschuldigen“ Quellen: Gleichgültigkeit, Borniertheit und Ignoranz. Baals Hymne auf Lust und Genuß, vom kahlköpfigen Christian Redl eingangs mit verhaltener Inbrunst gesungen, findet in finsteren Zeiten jedenfalls keine Zuhörer mehr.

    In kargen, konzentrierten Bildern (Kamera: Michael Epp) kreist der Film um Brechts Texte, denen die Herkunft von der Bühne nicht ausgetrieben werden soll. Gemeinsam mit seinen ausgezeichneten (Theater-)Darstellern stellt sich Runze ganz in den Dienst des Dichters, dessen Vermächtnis er bewahren will. Eine Spur Brechtscher „Verfremdung“ hätte dem Ernst der Nachlaßverwalter dabei sicher gut getan und die schlüssige, aber etwas zu lang geratene Kompilation aufgelockert, vielleicht auch die überflüssige Hauruck-Aktualisierung am Schluß obsolet gemacht. Doch der Versuch, zentrale Themen des epischen Theaters für die Leinwand zu erschließen, wird dadurch nur geringfügig geschmälert. Runzes solides Geburtstagspräsent ist zwar gewiß kein Publikumsmagnet. Doch „Hundert Jahre Brecht“ wird sich auch dann noch behaupten, wenn die Initialen „B.B.“ nicht mehr automatisch mit dem wortmächtigen Weiberhelden assoziiert werden. led.

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