Hotel Very Welcome

Kinostart: 29.11.2007
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Filmhandlung und Hintergrund

Doku-Fiction über fünf Rucksacktouristen auf Asien-Reise - Sonja Heiss' Abschlussfilm an der HFF München.

Die beiden jungen britischen Rucksacktouristen Joshua (Ricky Champ) und Adam (Gareth Llewelyn) verlieren bei ekstatischen Fullmoonraves im thailändischen Dschungel ihre Freundschaft. Seit Svenja (Svenja Steinfelder) ihren Flug verpasst hat und in Bangkok festsitzt, beginnt sie eine naive Telefonbeziehung mit dem unfähigen Mitarbeiter eines Reisebüros. Der liebenswerte, aber problembeladene Chaot Liam (Chris O’Dowd) versucht in Indien durch neue Freunde sein persönliches Chaos in Irland zu vergessen.

Fiktion und Realität verschwimmen in Sonja Heiß‘ Abschlussfilm der HFF München über fünf Rucksacktouristen auf Asienreise. Sie suchen Freiheit und Abenteuer und spiegeln damit eine Generation westlicher Individualisten wider, die darauf hoffen, von sich selbst erlöst zu werden.

Zwei englische Jungs wollen sich bei Bier, Babes und Beach amüsieren und erleben, wie ihre Freundschaft in die Brüche geht. Eine Deutsche sitzt in ihrem Billig-Hotel in Bangkok fest und und flirtet mit einem Reisebüroangestellten. Eine andere Deutsche versucht sich im indischen Ashram in Spiritualität und hat doch nur ihren Freund im Kopf. Ein nach einem One-Night-Stand Vaterfreuden entgegen sehender Ire flüchtet vor der Verantwortung.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Der Spielfilm „Hotel Very Welcome“ ist der Abschlussfilm von Regisseurin und Drehbuchautorin Sonja Heiss an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Die ironische Reise in interkulturelle Missverständnisse gewann unter anderem den First Steps Award. Wenn Svenja am Telefon mit ihrem Englisch nicht weiterkommt oder Liam vergeblich nach dem richtigen Bus fragt, sieht der in Indien und Thailand gedrehte Film wie eine Dokumentation aus. Aber die Schauspieler agierten nach einem Drehbuch, das satirisch Naivität und Einsamkeit von Rucksacktouristen in der Fremde zeigt.

      Sonja Heiss und Co-Autor und Kameramann Nikolai von Graevenitz drehten in Asien nur in Begleitung eines Tonmanns und eines Assistenten. Die teils wackeligen, teils überbelichteten Aufnahmen in der brütenden Hitze, in Bussen oder im Gewimmel der Städte sehen aus wie Homevideos und geben dem Ganzen einen authentischen Touch. Auch die Dialoge vermitteln immer wieder den Eindruck, einer Dokumentation zuzusehen. Wenn Marion im Meditationszentrum in Poona einem deutschen Landsmann sagt, „da hat sich wieder mein Kopf eingeschaltet“, kommt einem diese Art zu reden irgendwie bekannt vor.

      Die grotesken Verständigungsprobleme mit den Einheimischen haben ihre Ursachen auch in der Mentalität. Zur Fun-Orientierung der europäischen Touristen hat zum Beispiel Liams Fremdenführer kaum Verbindungen. Es scheint, als flüchte er sich in ratloses Nachfragen oder Schweigen, um keine falsche Antwort zu geben. Wenn Liam von seiner Chillum-Pfeife und seinem Haschisch schwärmt, ist der Einheimische reserviert in seinem Urteil, und den Zuschauern bleibt das laute Auflachen über Liams Naivität überlassen.

      Reisen ist anstrengend, und nicht alle Plätze sind schön. Die jungen Engländer Josh und Adam haben es besser getroffen, liegen sie doch gemeinsam in Thailand unter Palmen am Pool und tanzen sich auf Rave-Partys die Seele aus dem Leib. Leider – das Klischee vom englischen Rüpeltouristen lässt grüßen – gibt ihnen der ausgiebige Alkohol- und Drogenkonsum den Rest. Weil sie erschöpft und gelangweilt sind, werden sie aggressiv.

      Der Film wirkt tragikomisch, leidet aber darunter, dass er keine Dokumentation ist. Die Figuren werden teilweise doch sehr gezielt durch den Kakao gezogen, mit ihren eingebildeten Lebensweisheiten wird manchmal etwas zu radikal Schlitten gefahren. Für einen Uni-Abschlussfilm, für einen Fernsehabend ist „Hotel Very Welcome“ eine nette Idee, im Kino wirkt er amateurhaft.

      Fazit: Fünf europäische Rucksacktouristen suchen in Indien und Thailand den Spaßfaktor – und machen sich ziemlich lächerlich.
    2. Hotel Very Welcome: Doku-Fiction über fünf Rucksacktouristen auf Asien-Reise - Sonja Heiss' Abschlussfilm an der HFF München.

      Auf der Suche nach Freiheit, Abenteuer und sich selbst schleppen fünf Backpacker nicht nur ihren Rucksack durch Asien, sondern auch ihre ganz persönlichen Kümmernisse.

      Sie empfinden sich als Alternativreisende und schwören auf ihre Bibel, den „Lonely Planet“, seit drei Jahrzehnten Kennzeichen all derer, die aufbrechen, eine andere Kultur kennen zu lernen und dabei meistens mit Gesinnungsgenossen in der Fremde die Frage diskutieren, „how much“ das Zimmer, das Essen, der Bus, der Flug kostet. Nach den Hippies der 7oer Jahre, die sich vom Massentourismus abwandten, ist es jetzt die „Generation Globalisierung“, die in Massen auf ausgetretenen Pfaden wandelt.

      Sonja Heiss verwebt in ihrem HFF-Abschlussfilm Fiktion mit dokumentarischen Elementen und konzentriert sich auf vier Episoden von Travellern in Asien, die mit vielen Illusionen auf dem Buckel losziehen und den Problemen in der Heimat verhaftet bleiben. Weggehen, um anzukommen - hier nur eine zum Scheitern verurteilte Utopie. Zwei englische Working-Class-Boys, wollen sich bei Bier, Babes und Beach amüsieren und erleben hilflos, wie ihre Freundschaft in die Brüche geht. Eine Deutsche sitzt in ihrem Billig-Hotel in Bangkok fest und versucht einen Weiterflug zu buchen, egal ob nach Shanghai oder Washington, beginnt in langen, absurden Telefonaten einen Flirt mit einem Reisebüroangestellten, Kommunikation gleich Null. Eine andere Deutsche versucht sich im indischen Ashram in Spiritualität und hat doch nur ihren Freund im Kopf. Ein nach einem One-Night-Stand Vaterfreuden entgegen sehender Ire hetzt vor der Verantwortung durch Indien. Das Quintett zieht einsam seine Kreise, jeder kreist um sich selbst. Kurzfristige Begegnungen erschöpfen sich in Oberflächlichkeit. Zusammen ist man ziemlich allein.

      Trotz Schauspieler wirken die Geschichten verwehter Träume authentisch. Einfach witzig und nachdenklich zugleich, wie die Regisseurin mit Gespür für Komik und Wirklichkeitsnähe Situationen auslotet, das Image vom Backpacker als Abenteurer und fröhlichen Kiffer im freiheitlichen Kosmos entmystifiziert. Nur selten sind sie zu spüren, die Momente des (Selbst)Zweifels. Der selbstironische, manchmal kritische Blick auf die Individualisierung ist hintersinnig, das Gleichgewicht zwischen Fiktion und Realität ausbalanciert. Am Ende sind alle Aussteiger auf Zeit Außenseiter, irgendwie und irgendwo. Im Gegensatz zu vielen Hotels, die Backpacker nicht willkommen heißen, fühlt man sich im „Hotel Very Welcome“ einfach wohl. mk.

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