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Hirtenreise ins dritte Jahrtausend

Kinostart: 16.01.2005

Filmhandlung und Hintergrund

Die Kulisse: die atemberaubend schöne Landschaft des Tessin. In der Hauptrolle: 400 Schafe plus Hirte. Mit dem auf mehreren Dokumentarfilmfestivals ausgezeichneten „Hirtenreise ins dritte Jahrtausend“ folgte Regisseur, Produzent und Autor Erich Langjahr mit Geduld und ruhiger Hand einem Mann, der „kein Sitzfleisch besitzt“ und seine Lebensaufgabe im (un)steten Umherziehen mit seiner Schafherde sieht - und dabei viele...

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Kritikerrezensionen

  • Die Kulisse: die atemberaubend schöne Landschaft des Tessin. In der Hauptrolle: 400 Schafe plus Hirte. Mit dem auf mehreren Dokumentarfilmfestivals ausgezeichneten „Hirtenreise ins dritte Jahrtausend“ folgte Regisseur, Produzent und Autor Erich Langjahr mit Geduld und ruhiger Hand einem Mann, der „kein Sitzfleisch besitzt“ und seine Lebensaufgabe im (un)steten Umherziehen mit seiner Schafherde sieht - und dabei viele Entbehrungen auf sich nimmt. Der Film ist eine behutsame, auch amüsante Annäherung an eine selten gewordene Lebensform, die geprägt ist von großer Nähe zwischen Menschen und Tieren. Ein Kontrapunkt zur modernen Welt.

    Das blökt. Man sieht Thomas Landis-Giacometti mit Filzhut, Filzstiefeln und Lammfelljacke auf einer verschneiten Wiese im Bündner Land stehen. Um ihn herum nichts als Schafe, Berge und Nebel. Es ist kalt. Zum zehnten Mal zieht er mit den Schafen auf die Winterweide. „Ich bin billiger als Heu“, sagt er. Blieben die 400 Tiere über den Winter im Stall des Besitzers, würde das horrend hohe Kosten verursachen.

    Es gibt nicht mehr viele Wanderhirten in der Schweiz. Für den gelernten Radioelektriker war es ein ganz bewusster Schritt weg vom durch Zwänge und Regeln bestimmten Berufsalltag hin zu einem Leben, das mehr Freiheit, Freiraum aber auch Einsamkeit bietet und bedeutet. Was er in den langen Wintermonaten, in denen er nachts nur unter einer wasserdichten Plane auf Stroh gebettet bei seinen Schafen schläft, vermisst, ist seine Familie: Seine Frau Susanna, die außer den drei Kindern auch eine Horde Ziegen hütet. Vom 15. November bis 15. März zieht Landis durch das Schweizer Mittelland, wird ab und an von einer wissbegierigen Schulklasse oder absurde Fragen stellenden Radiomoderatorin besucht. Aber in der Regel ist da niemand. Die Arbeit ist anstrengend und zehrend, und mit einsetzendem Frühjahr ist eine Erleichterung in Thomas Landis‘ Gesicht zu sehen: Er kehrt nach Hause zurück, wenn auch nur für kurze Zeit. Denn in den Sommermonaten zieht er mit seiner Familie auf die Ziegenalp hoch oben in den Bergen. Die pure Idylle? „Lange wird das hier auch nicht mehr möglich sein. Die Straßen und der Lärm machen alles kaputt.“

    Erich Langjahr beschließt mit „Hirtenreise ins dritte Jahrtausend“ nach „Sennenballade“ (1996) und „Bauernkrieg“ (1998) seine Trilogie über den Bauernstand. In visuell eindrucksvollen Aufnahmen, langsamen und ruhigen Einstellungen, die mit folkloristischen Klängen unterlegt sind, zeichnet er ein absolut unsentimentales Bild von einer der ältesten Kulturformen menschlicher Existenz. Eine gelungene Reflexion über Identität, Überleben und Zukunft - nicht nur für degenerierte Stadtmenschen.

    Ausgezeichnet mit dem Schweizer Filmpreis 2003; der Goldenen Traube des Internationalen Leipziger Dokumentarfilm Festivals 2002; Grand prix der ökumenischen Jury; Don Quijote Preis der FICC Jury u.a. bas.

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