Filmhandlung und Hintergrund

Geschichtsparodie, in der sich zwei Helden in den Irrungen einer Stadt um 1330 mit Humor durchschlagen.

Die jedem Kind in der Türkei bekannten Schattenspiel-Helden und Möchtegern-Comedians Karagöz und Hacivat treffen im Jahr 1330 in der ostbyzantinischen Stadt Bursa aufeinander, seit kurzem Hauptstadt des jungen Osmanischen Reiches. Der wortgewandte Hacivat ist am Seldschukenhof als „Diplomat“ gescheitert, während der muffelige Analphabet Karagöz am Rockzipfel seiner Schamanen-Mama klebt. In Bursa geraten sie in erotische Abenteuer und in die Mühlen der Realpolitik, müssen sich gegen Mongolen, Turkmenen und Würdenträger muslimischer und christlicher Provenienz zur Wehr setzen. Ihre einzige Waffe bleibt der Humor, der von der Bevölkerung zwar geschätzt wird, aber den Stadtoberen ein Dorn im Auge ist.

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Kritikerrezensionen

  • Hinrichtung der Schatten: Geschichtsparodie, in der sich zwei Helden in den Irrungen einer Stadt um 1330 mit Humor durchschlagen.

    Ezel „Ezop“ Akays herrlich politisch inkorrekte Geschichtsparodie „Hinrichtung der Schatten“ ist in künstlerischer wie auch in philosophischer Hinsicht die cineastische Antithese zum türkischen Skandalmovie „Tal der Wölfe“: weltoffen, liebevoll inszeniert und wahrhaft europäisch.

    Hauptfiguren in dieser mit drei Mio. Dollar für türkische Verhältnisse hoch budgetierten Independent-Produktion sind die jedem Kind in der Türkei bekannten Schattenspiel-Helden Karagöz und Hacivat, vergleichbar in ihrer Volkstümlichkeit mit Kasperl und Seppel oder Pat und Patachon. Die zwei Möchtegern-Comedians treffen im Jahr 1330 in der ostbyzantinischen Stadt Bursa aufeinander, seit kurzem Hauptstadt des jungen Osmanischen Reiches. Der wortgewandte Hacivat ist am Seldschukenhof als „Diplomat“ kläglich gescheitert, während der muffelige Analphabet Karagöz am Rockzipfel seiner Schamanen-Mama klebt. In Bursa geraten sie in erotische Abenteuer und in die Mühlen der Realpolitik, müssen sich gegen Mongolen, Turkmenen und Würdenträger muslimischer und christlicher Provenienz zur Wehr setzen. Ihre einzige Waffe bleibt der Humor, der von der Bevölkerung zwar geschätzt wird, aber den Stadtoberen ein Dorn im Auge ist. Der Originaltitel „Hacivat Karagöz Neden Öldürüldü – Warum Hacivat und Karagöz getötet wurden“ weist auf ihr Ende hin: Die Mächtigen zerren die beliebten Narren aufs Schafott.

    Dem türkischen Filmemacher Ezel „Ezop“ Akay (Produzent von „Firuze, wo bist Du?“) ist mit „Hinrichtung der Schatten“ ein kleines Meisterwerk gelungen, das lediglich in der Optik bei den Special-Effects enttäuscht. Die Idee aber, ein spätantikes Paradies mit geschlechtlicher Gleichberechtigung und religiöser Freiheit filmisch zu propagieren, erinnert in seiner aussichtslosen Utopie an Vorgänger wie „Good Bye, Lenin!“ oder sogar „Das Leben ist schön“, mit Anleihen bei Monty Python. Leichtfüßig und sehr gewollt politisch inkorrekt lässt Akay seine Protagonisten über Gott und die Welt lästern, die von den türkischen Schauspielgrößen Beyazyt Öztürk und Haluk Bilginer verkörpert werden. Dieser im wahrsten Sinn europäische Stoff, dessen Look von bekannten Orient-Darstellungen des 19. Jahrhunderts inspiriert ist, beweist einmal mehr, dass trotz des nationalistischen Tamtams am Bosporus dort eine weltoffene und liberale Filmszene zu Werke geht. Wenn deren hochwertige Produkte auch genauso hochwertig in Westeuropa vermarktet würden (mit korrekter Untertitelung und solider Synchronisation), dann hätte das türkische Mainstream-Filmschaffen endlich eine dauerhafte Chance, sich im Ausland als europäisches Kulturgut zu etablieren und nicht bloß als kassenklingelndes Migrantenkino aw.

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