Fakten und Hintergründe zum Film "Hilde"

Kino.de Redaktion |

Hilde Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Regisseur Kai Wessel über HILDE

Umjubelt, beneidet, geschmäht …. steht in der Werbung zur Veröffentlichung ihres Buches „Der geschenkte Gaul“. Und das ist es, was wir erzählen wollen. HILDEGARD KNEF ist vielleicht der größte deutsche Nachkriegsstar. Sicher aber der umstrittenste. HILDE polarisiert. Wie selten eine deutsche Künstlerin hat sie die deutsche Seele euphorisiert, emotionalisiert und gereizt. Das macht HILDEGARD KNEF zu einem hoch spannenden und überfälligen Filmthema. Unvergessen und verehrt ist sie bei den „alten Fans“ und ihre immer wiederkehrenden Lieder machen es leicht, sie für ein junges Publikum interessant zu machen. Und wenn Heike Makatsch HILDEGARD KNEF spielt, dann sind das für mich gute Gründe, diesen Film zu machen. Unser Film muss für ein großes Publikum gemacht sein. Seine Geschichte muss sowohl den HILDE-Kenner begeistern als auch bei denen funktionieren, die über sie nichts wissen. Er soll eine Reise in eine Vergangenheit sein, deren Konflikte, Ängste und Sehnsüchte auch heute noch ihre Bedeutung haben. Ein Film über Glamour und Wahrhaftigkeit.

Interview mit Produzentin Judy Tossell

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Die Produzentin Judy Tossell im Gespräch über HILDE, Heike Makatsch und deutsche Geschichten.

Sie sind in England aufgewachsen. Wie und wann haben Sie das erste Mal von Hildegard Knef gehört?

Erst als ich in Deutschland lebte – das muss die Extrabreit Single gewesen sein, Anfang der 90er Jahre.

Ist HILDE nicht ein typisch deutscher Stoff, der eigentlich nur von einem deutschen Publikum verstanden werden kann?

Hilde war - wie sie selber sagte - mit dem Krieg verheiratet und ihre Geschichte, so wie sie sich abspielte, konnte nur in Deutschland passieren. Das stimmt. Gerade das macht den Stoff so faszinierend - auch für ein internationales Publikum. Es sind die deutschen Geschichten des deutschen Kinos, die im Ausland erfolgreich sind. Wie zum Beispiel DAS LEBEN DER ANDEREN oder DIE FÄLSCHER. Das, gepaart mit einer universell nachvollziehbaren Figur und einem universellem Thema - eine Frau will trotz aller Hindernisse nach oben - macht diesen Stoff für jedes Publikum interessant.

Was interessiert Sie an Hildegard Knef?

Alles! Sie ist völlig cool, voller Widersprüche, ein Gesamtkunstwerk!

Sie kennen Heike Makatsch schon aus anderen Projekten. Haben Sie bei diesem Drehbuch und dieser Hauptrolle gleich an sie gedacht?

Natürlich…es war überhaupt Heikes großer Wunsch, Hildegard Knef zu spielen, der uns den Anstoß für das Projekt gegeben hat.

David Cameron wird von Dan Stevens gespielt, einem jungen Schauspieler, den hier niemand kennt. Wie sind sie auf ihn gestoßen?

Noch kennt ihn hier niemand. Das wird sich ändern. Dan hat uns der Himmel geschickt! Beziehungsweise Leo Davis, eine sehr renommierte britische Casting-Agentin. Wir hatten sie beauftragt, die Rolle zu besetzen. Wir haben die berühmte „needle in a haystack“ gesucht, und gar nicht geglaubt, wir würden einen passenden Schauspieler finden, der zufälligerweise auch noch sehr gut deutsch kann. Als wir das Casting-Band gesehen haben, sind wir vom Stuhl gefallen! Er ist very british, Cambridge und so, hat aber – freiwillig - deutsch in der Schule gelernt.

Mit Maria von Heland arbeiten Sie seit Jahren zusammen. Warum war es Ihnen wichtig, dass sie das Drehbuch zu HILDE schreibt?

Maria ist Schwedin und konnte Hildegard Knef entdecken. Sie hatte keine Vorurteile oder festgesetzte Bilder, die erst verdrängt oder verarbeitet werden mussten. Und Maria interessiert sich in erste Linie für Menschen – mit all ihren Schönheitsfehlern. Das war mir sehr wichtig.

Mit Kai Wessel haben Sie einen Regisseur gefunden, der Erfahrung mit historischen Stoffen hat. War diese Qualität ausschlaggebend für Sie?

Es spielte natürlich eine Rolle, dass Kai mit der FLUCHT und KLEMPERER große historische Dramen sehr erfolgreich inszeniert hat. Noch wichtiger war aber seine sehr sensible, sichere Führung von komplizierten weiblichen Rollen, wie zum Beispiel Dagmar Manzel in LEBEN WÄRE SCHÖN oder Maria Furtwängler in DIE FLUCHT. Diese Qualität haben wir für HILDE gesucht.

HILDE spielt zwischen 1943 und 1966. Es gibt viele Rollen und aufwändige Motive. Hat Sie das als Produzentin nicht zurückschrecken lassen?

Zu spät! Immerhin könnte die Geschichte Hildegard Knefs noch weitere 40 Jahre umfassen.

Wird Heike Makatsch die Knef-Chansons eigentlich selbst singen und wird der Soundtrack zum Filmstart veröffentlicht?

Ja! Wir haben neue Arrangements der Songs mit der WDR BIG BAND aufgenommen und Heike singt alles selbst. Die meisten Songs sind bereits produziert. Das wird eine echte Überraschung!

Produktionsnotizen

Eine Geschichte, die in einer Zeitspanne von 23 Jahren spielt, Schauplätze in Berlin, London, Hollywood, am Atlantik und am Pazifik, zahllose Komparsen in zeitgenössischen Kostümen und ein entsprechend gestaltetes Szenenbild – das sind die Eckpunkte eines Projekts, dessen Komplexität Produzenten den Schweiß auf die Stirn treibt. Judy Tossell wagte sich trotzdem an das Vorhaben, so entstand HILDE, ein Film über den Berliner Weltstar Hildegard Knef.

Ein erfahrenes Team, das Projekte dieser Größenordnung stemmen kann, und ein überlegter Einsatz der Mittel waren notwendig um die Vision der Epoche darzustellen, die Hildegard Knef mit ihrer Kunst ganz wesentlich geprägt hat. Mit Kai Wessel stieß ein Regisseur zum Projekt, der nicht nur in spektakulären Fernsehproduktionen wie „Die Flucht“ (2007) sein Können unter Beweis gestellt hat, große Projekte zu komplexen historischen Themen mit Erfolg zu realisieren. Wessel hat, angefangen bei seinem Regiedebüt MARTHA JELLNECK (1988), für das er den UFA-Star Heidemarie Hatheyer gewinnen konnte, bis zu seiner preisgekrönten Nazi-Farce „Goebbels und Geduldig“ (2000), mit Ulrich Mühe in der Titelrolle, immer wieder Filme mit außergewöhnlicher Besetzung gedreht.

Für HILDE wurden neben Heike Makatsch mit Monica Bleibtreu, Johanna Gastdorf, Hanns Zischler und Michael Gwisdek gleich eine Reihe der renommiertesten deutschen Schauspieler verpflichtet, die neben Entdeckungen wie Anian Zollner, Trystan Pütter oder dem Briten Dan Stevens, der in der männlichen Hauptrolle begeistert, ein hochkarätiges Ensemble ergeben. Selbst die Statisterie wurde aufwendig gecastet, weil, wie Judy Tossell betont, „ein Gesicht von 2008 nicht zwangsläufig in ein Bild von 1943 passt“.

Für das Szenenbild konnte Thomas Freudenthal verpflichtet werden, der zu den erfahrensten deutschen Bühnenbildnern gehört, der sowohl mit Großprojekten wie Hermine Huntgeburths Fontane-Verfilmung EFFI BRIEST (2008) Erfahrungen hat, wie auch mit kleineren TV-Arbeiten. Der Kameramann Hagen Bogdanski schließlich, der schon Filmen wie DAS LEBEN DER ANDEREN von Florian Henckel von Donnersmarck ihren besonderen Look gegeben hat, gehört zu der Handvoll auch international renommierter deutscher Kameramänner.

Wurden Filme über deutsche Städte im Krieg und das Leben in Nachkriegsruinen in den letzten Jahren oft an Drehorten in Breslau realisiert, wurde für HILDE in Magdeburg eine geeignete Location gefunden, die mit Studioaufnahmen in Babelsberg kombiniert werden konnte. Für die Schauplätze London, englische Steilküste, die Pazifikküste und Hollywood reiste das Team nach Südafrika. Judy Tossell: „Was wir nicht bedacht hatten war das schlechte Wetter, das es im August in Südafrika geben kann. Es hat geregnet und geregnet, aber am Ende hatten wir bei unseren Drehtagen richtig Glück. Als es London sein sollte, hat es geregnet und als es Hollywood war, schien die Sonne.“

Unerwartete Probleme bereiteten ausgerechnet die unverzichtbaren Berliner Drehorte. Während es bei den Aufnahmen in Tempelhof keine größeren Probleme gab, war kurz vor Drehbeginn bei Bauarbeiten an der Philharmonie ein Feuer ausgebrochen, das zum Glück schnell wieder gelöscht werden konnte. Die Rahmenhandlung, die wesentlich von der Ästhetik des Scharoun-Baus lebt, wäre ernsthaft in Gefahr gewesen, wenn die Philharmonie als Drehort ausgefallen wäre. Die unterschiedlichen Locations zu einem stimmigen Szenenbild zu verdichten, wurde zur Herausforderung für Thomas Freudenthal. Galt es in Berlin, für den verblassenden UFA-Glamour, über die Kriegs- und Trümmerzeit bis in die Blüte des Wirtschaftswunders prägende Bilder zu finden, waren beispielsweise für die Hollywood-Szenen wiedererkennbare Icons gefragt, die trotzdem individuell zur Geschichte passten. Beim Entwurf der Garderobe orientierte sich Lucie Bates an historischen Fotos. Der Look von Hildegard Knef musste für Heike Makatsch transponiert werden.

Was bei den Szenen der 60er Jahre zu einer lustvollen Auseinandersetzung mit der Stilikone Hildegard Knef wurde, entwickelte sich für die Szenen der unmittelbaren Nachkriegszeit zu einer vielschichtigen Aufgabe, bei der nicht selten Einfallsreichtum gefragt war, wenn es galt, zeitgenössische Entwürfe mit damals kriegsbedingt eingeschränktem Materialaufwand nachzuarbeiten. Auch die Maske (Wolfgang Böge und für Heike Makatsch Heiko Schmidt) entwickelte sich zu einer umfangreichen Recherche in Fragen der Stil- und Kosmetikgeschichte.

Vom sparsamen Make-Up der Nachkriegszeit mit dem zeittypischen vorherrschenden, wie unausgesprochenen Dogma „eine deutsche Frau schminkt sich nicht!“ bis zum entfesselten Umgang mit falschen Wimpern, Haarteilen, Perücken und kräftigem Augen-Make-Up reichte das Spektrum. Um die Zeitreise schließlich hautnah erlebbar zu machen, wagten Kai Wessel und Cutterin Tina Freitag eine unkonventionelle Lösung. Sie arbeiteten in eine Anfangssequenz historisches Bildmaterial vom Berlin der 60er Jahre passgenau in die Bildwelt von HILDE ein. So folgt auf eine Archivaufnahme ein inszeniertes Bild, dem sich wiederum Archivmaterial anschließt. Last but not least: Bei einem Film über Hildegard Knef spielt die Musik eine Hauptrolle. Für HILDE wurden viele ihrer bekanntesten Songs neu arrangiert, eingespielt und produziert.

Für Heike Makatsch und die Produktion war es immer selbstverständlich, dass sie Hildegard Knefs Songs selber singen würde; die Lieder machen letztendlich einen essentiellen Teil ihres Wesens aus; inhaltlich bilden sie einen wichtigen dramaturgischen Bogen durch den Film. Und es ist nicht das erste Mal, dass Heike Makatsch im Film singt. Nach fast einem Jahr Gesangstraining ist Heike Makatsch eine perfekte Interpretation der Lieder gelungen. Für die Produzenten hinter der neuen Produktion – die auch die letzte Platte von Hildegard Knef verantworteten und im selbem Berliner Studio aufgenommen haben – gab es Augenblicke im Tonstudio, die ihnen einen Schauer haben über den Rücken laufen lassen.

Biografie Hildegard Knef

Hildegard Knef wurde am 28. Dezember 1925 in Ulm geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters zog sie mit ihrer Mutter Frieda nach Berlin.

1942 begann sie eine Ausbildung als Trickzeichnerin bei der UFA in Babelsberg. Sie wechselte an die Staatliche Filmschule Babelsberg und trat ab 1944 in UFA-Filmen auf.

In dieser Zeit verliebte sie sich in den Produktionschef der Tobis, Ewald von Demandowsky. Er war als Reichsfilmdramaturg einer der wichtigsten Filmmanager im Nazideutschland. Ihre erste Hauptrolle spielte sie 1946 in DIE MÖRDER SIND UNTER UNS von Wolfgang Staudte.

1947 heiratete sie den im heutigen Tschechien geborenen US-Filmoffizier Kurt Hirsch, der mit seiner Familie vor dem Holocaust in die USA geflohen war, und folgte einem Angebot von David O. Selznick nach Hollywood. Der Produzent von VOM WINDE VERWEHT nahm sie zwar unter Vertrag, größere Rollen blieben jedoch aus. Dafür konnte sie in Deutschland wieder arbeiten.

Doch eine kurze Nacktszene in DIE SÜNDERIN, 1950, löste so einen Skandal im prüden Adenauer-Deutschland aus, dass Hildegard Knef wieder in die USA zurückkehrte. Anatole Litwaks DECISION BEFORE DAWN, 1951, Henry Hathaways DIPLOMATIC COURIER, 1952, Henry Kings THE SNOWS OF KILI MANJARO, 1952, und NIGHT WITHOUT SLEEP, 1952, bei dem der englische Horrorfilmspezialist Roy Ward Baker Regie führte, sind Filmtitel dieser Jahre.

In der Folgezeit trat sie in Broadway-Produktionen auf und feierte ihren größten Triumph in Cole Porters Musical „Silk Stockings“. Als Filmschauspielerin wirkte sie weiterhin vor allem in internationalen Produktionen mit.

1959 verliebte sie sich in den englischen Schauspieler David Cameron, den sie 1962 heiratete. Im selben Jahr veröffentlichte sie ihre erste Platte in Deutschland und begann ab 1965 auch eigene Chansons zu schreiben.

1966 ging sie mit einem Programm aus vorwiegend eigenen Titeln auf eine gefeierte Tournee.

1968 wurde ihre Tochter Christina Antonia geboren. 1970 veröffentlichte Hildegard Knef ihren hochgerühmten Roman „Der geschenkte Gaul“, in dem sie ihre Lebensgeschichte verarbeitete. In dieser Zeit spielte sie einige ihrer erfolgreichsten Schallplatten ein.

1973 erkrankte sie erstmals schwer an Krebs. 1976 trennte sie sich von ihrem Mann David Cameron. In dem 1976 erschienenen, ebenfalls hochgelobten Buch „Das Urteil“, verarbeitete sie ihre Krebserkrankung. Das nachlassende Interesse an ihrer Musik und ausbleibende Rollenangebote überschatteten die folgenden Jahre.

Hildegard Knef heiratete 1977 Paul von Schell und zog mit ihm 1980 wieder in die USA, wo sie immer noch als Weltstar verehrt wurde. 1987 kehrte sie für ein Kabarett- Stück im Theater des Westens vorübergehend nach Berlin zurück. Im Herbst 1989 zog sie zurück nach Deutschland. Mit der Band „Extrabreit“ und dem Jazz-Trompeter Till Brönner spielte sie noch einmal ihre Hits ein.

Hildegard Knef starb am 1. Februar 2002 in Berlin, wo sie auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof beerdigt wurde.

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