Filmhandlung und Hintergrund

Porträt eines jungen Politikers, der im Bezirk Uckermark/Oberbarnim Wahlkampf auf der Straße betreibt.

Henryk Wichman, 24-jähriger CDU-Bundestagskandidat aus einem Landkreis im Osten, reist unverdrossen durch die Lande, um seine Botschaft an den Mann zu bringen: Hier sieht man ihn ein Altersheim besuchen, dort mit betrunkenen Fußgängerzonenbesuchern die Nationalhymne anstimmen. Ein großer Tag ist der gemeinsame Auftritt mit Angela Merkel, grauer Alltag dagegen der Stau auf der Autobahn oder die vom Wind hinfort getragenen Flugblätter.

Andreas Dresen

„Frischer Wind bringt Bewegung in die Politik“ lautet der Wahlkampfslogan des jungen CDU-Politikers Henryk Wichmann, der im Sommer 2002 für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis Uckermark/Oberbarnim im Nordosten von Brandenburg, traditionell eine SPD-Hochburg, kandidiert – mit geringen Chancen und großem Enthusiasmus.

Der 25-jährige CDU-Bundestagskandidat Henryk Wichmann sagt im Sommer 2002 in seinem brandenburgischen Wahlkreis Uckermark der SPD, die dort traditionell über eine klare Mehrheit verfügt, den Kampf an. Mit markigen Sprüchen, heißbegehrten Kugelschreibern und weniger begehrten Parteiprogrammen versucht er, die Gunst der Wähler zu gewinnen. Dass er aus rhetorischen Gefechten mit politischen Gegnern und desillusionierten Wählern nicht stets als Sieger hervorgeht, stört den eigensinnigen Nachwuchspolitiker dabei nicht wirklich.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Herr Wichmann von der CDU: Porträt eines jungen Politikers, der im Bezirk Uckermark/Oberbarnim Wahlkampf auf der Straße betreibt.

    Die beste Satire ist die Realsatire. Das beweist mal wieder Andreas Dresens Dokumentarfilm über den Wahlkampf in der „roten“ Uckermark, wo ein 25-jähriger „schwarzer“ Bundestagskandidat auf Stimmenjagd geht. Die Bestandsaufnahme einer desillusionierten Gesellschaft wird zur gelungenen Mischung aus Absurdität und Analyse politischen Alltags.

    Im letzten Monat vor der Wahl begleiten Andreas Dresen und Kameramann Andreas Höfer den Jurastudenten Henryk Wichmann 15 Tage auf seiner Wahlkampftour. Der 25Jährige will „frischen Wind und Bewegung in die Politik bringen“. Meistens kämpft er jedoch mit dem Wind, der seine Flyer davonwehen lässt und Werbeschirme umknickt, ein ironischer Kontrapunkt zum großspurigen Wahlmotto.

    Der dünn besiedelte Flächenwahlkreis leidet unter Arbeitslosigkeit und der Abwanderung junger Leistungsträger. Für den Dynamiker Grund genug, gegen Umweltschutz zu wettern, der jeden Frosch heilige, aber die Ansiedlung von Firmen verhindere und die Region zum Armenhaus verkommen lasse. Er ähnelt in der Aussichtslosigkeit der Auftritte einem Don Quichotte, denn sein SPD-Kontrahent Markus Merkel gewann vier Jahre zuvor den Wahlkreis mit satten 54 Prozent. Die angepeilten 30 plus X des Herausforderers schmilzen am Wahlabend auf 21 herunter, nur schlappe ein Prozent mehr als bei der letzten Bundestagswahl.

    Bis zu diesem deprimierenden Ergebnis scheut der Kandidat keine Mühe – Infostände, Diskussionen, Pressetermine und sogar eine Wahlveranstaltung mit Zugpferd Angela Merkel absolviert er mit unermüdlichen Engagement, steckt eigenes Geld in die Kampagne. Deprimiert zeigt er sich, wenn die Leute nur nach Kugelschreibern fragen, nicht nach der Botschaft.

    Dresen beobachtet und urteilt nicht, haut seinen Protagonisten nicht in die Pfanne. Wichmann wirkt in seiner Naivität und Überzeugung sogar sympathisch, trotz mangelnder Rezepte und wilder Attacken gegen den SPD-Gegner. Manchmal erweckt er Mitleid, wenn er hilflos im Altersheim mit den Sorgen der Einsamen konfrontiert wird oder süßsauer lächelt, wenn offene Ausländerfeindlichkeit zu spüren ist. Jede Wählerstimme zählt, da heißt es höflich und anbiedernd sein, den Verstand auszuschalten und ein Ohr für sämtliche Sorgen zu haben, fröhlich landauf landab die Nationalhymne singen. Und auch lächerliche Sätze zu sagen wie „Wem kann man heute noch vertrauen? Angela Merkel“.

    Die amüsante Studie über Politiker und deutsche Befindlichkeiten in der Provinz war als Fernsehdokumentation geplant und sollte trotz der Kürze von nur 71 Minuten ihre Stärke auch auf der Leinwand beweisen. mk.

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