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Interview mit der Regisseurin

Warum haben Sie sich für diese schwierige Thematik interessiert?

1995 hat sich eine Freundin nach einem jahrelangen und vergeblichen Kampf gegen ihre Krankheit das Leben genommen. Depression und die Bedrohung, die sie bedeutet, hat in meinem Leben in vieler Hinsicht stets eine große Rolle gespielt – und mir ist bis heute noch niemand begegnet, der nicht direkt oder indirekt von ihr betroffen ist. Doch die meisten Menschen wissen nach wie vor sehr wenig über die Krankheit, und oft gar nichts über die möglichen extremen Ausmaße, die sie annehmen kann. Die Zahlen sind erschreckend: Laut offiziellen Schätzungen wird Depression bis zum Jahr 2020 die Weltbevölkerung mehr gesunde Lebensjahre kosten als Krieg, AIDS und Krebs zusammen. Andrew Solomons Artikel im New Yorker 1998, der seine eigenen Erfahrungen mit der Krankheit schildert, hat mich dazu ermutigt, die Geschichte von HELEN zu entwickeln. Wie kann die Krankheit es schaffen, selbst die stärksten Bindungen in unserem Leben zu zerstören: die Liebe zu einem Mann oder einer Frau, zu Mutter und Vater, selbst zu deinem eigenen Kind? Ich will von Menschen erzählen, die alles richtig machen, die alles haben und sich über alles lieben, Menschen, die glücklich und in Sicherheit zu sein scheinen – um sie dann diesem Schicksal auszusetzen. Depression zerstört Kommunikation. Aber Liebe, Beziehungen, Geschichten, das alles gäbe es nicht ohne Kommunikation. Wie erzähle ich also die Geschichte über eine kleine Gruppe sich liebender Menschen, die die Fähigkeit verlieren, diese Liebe zu kommunizieren, zu teilen, entgegenzunehmen, ohne dass sie daran die geringste Schuld tragen.

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Es kann nicht einfach gewesen sein, diesen Film zu finanzieren?

Nein. Es hat insgesamt zehn Jahre gedauert. Viele Leute schrecken zurück vor diesen Themen, vor den vermeintlichen „downers“. HELEN behandelt ein sehr schwieriges und tragisches Thema – aber es ist auch eine Liebesgeschichte, und am Ende ein Film voller Hoffnung.

Helen ist keine einsame Frau, ihr Mann und ihre Tochter lieben sie, sie hat einen tollen Beruf, der Familie geht es materiell gut, es scheint keinen Grund für ihre Erkrankung zu geben. Warum unter - nimmt das Buch keinen Versuch, eine Ursache für Helens Depression zu finden?

Der Film stellt eindeutig fest: Es muss keine soziale oder emotionale Ursache geben für eine Depression. Helen ist nicht unglücklich, sie ist krank. HELEN ist kein Selbsthilfe-Film. Es ist eine intime und persönliche Geschichte, die sehr nah bei der Hauptfigur bleibt, sie nicht von außen und wie eine Patientin betrachtet. Der Film bewahrt weitgehend Helens Perspektive, erklärt nicht alles, liefert keine fertigen Antworten und mutet manchmal so unergründlich an, wie die Krankheit selbst.

Würden Sie sagen, HELEN ist eine Liebesgeschichte? Auf jeden Fall. Alle meine Filme sind das. Es ist immer die gleiche Frage, die mich interessiert und zu der ich immer wieder zurückkehre: Was kann Liebe für uns tun, was tun wir für die Liebe?

In BELLA MARTHA findet Martha die Liebe, oder besser gesagt, die Liebe findet sie. In HELEN wird Helen die Liebe genommen, ihre Liebe gerät in Gefahr. Sie liebt, bis die Krankheit ihr Leben zu zerstören droht und sie all das, was ihr Leben zusammengehalten hat, die Liebe zu ihrem Mann, zu ihrer Tochter, zu ihrer Arbeit, zu verlieren scheint. Aber sie findet auch Liebe in dieser Zeit, allerdings eine tragische, die nicht währen kann.

Die Liebe zu Mathilda?

Ja. Sie entdeckt diese Liebe, als alles andere verloren scheint. Eine tiefe Bindung zwischen zwei Menschen, die nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, mit anderen Menschen Verbindung aufzunehmen – oder, im Fall von Mathilda, dies nicht mehr wollen. Sie finden sich im Schatten ihrer Krankheit, und was sie zusammenbringt ist anders als alles, was Helen bisher kannte. Mathilda kennt sie auf eine Weise, wie niemand Helen kennt, und einen intimen, verschlossenen Teil von ihr, den sie sich nie eingestehen wollte. Und in ihrer Depression ist dies unglaublich attraktiv. Depression isoliert uns von allen, die um uns herum sind. Sie zieht Mauern hoch, zerstört Bindungen, tut Abgründe auf zwischen uns und dem Rest der Welt. Mathilda und Helen leisten einander Gesell - schaft an einem sehr einsamen Ort, und sie müssen sich gegenseitig nichts erklären. Sie wissen es. Aber natürlich ist dieser Ort genau der, den Helen so verzweifelt verlassen möchte, und von dem Mathilda sie retten möchte. Für David, der diese Bindung von Anfang an spürt, ist Mathilda eine Bedrohung, fast schlimmer als die Krankheit selbst. Er spürt, dass Mathilda etwas mit Helen verbindet, was er nicht hat und das beängstigt ihn enorm. Er will, dass Helen zu ihm zurückkommt, er will wissen, was Mathilda weiß, haben, was sie hat, damit er Helen retten kann. In gewisser Weise ist es eine klassische Dreiecksgeschichte.

Glauben Sie, dass Liebe immer die Antwort ist?

Nein. Aber ich glaube, dass sie oft unsere einzige Hoffnung ist.

Wie war es, mit Ashley Judd zu arbeiten?

Ashley hat sich dieser schwierigen Rolle auf eine Weise hingegeben, wie man es als Regisseur nicht oft erlebt. Und ich glaube, dies ist das größte Geschenk an einen Regisseur: wenn es dem Darsteller so viel bedeutet und so wichtig ist, eine Rolle zu verkörpern, Teil einer Geschichte zu werden, wie es für Ashley in diesem Fall war. Natürlich liegt darin auch eine gewisse Gefahr. Wie sehr strapazierst du jemanden bei dieser Arbeit, wie viel verlangst du ihr ab, wie schützt du sie. Ich habe mich auf Ashley verlassen, ihre eigenen Grenzen zu kennen.

Neben Ashley Judd liefert auch Lauren Lee Smith eine sehr intensive Darstellung.

Ich hatte nie den geringsten Zweifel, dass Lauren die Mathilda war, auf die ich gewartet hatte. Ich habe ihr Band gesehen und wusste, dass sie die Richtige für die Rolle war. Das sind mit die besten Momente bei dieser Arbeit, die absolute Gewissheit, die man spürt, wenn man einen Schauspieler oder eine Schau spielerin zum ersten Mal sieht, wenn es klickt, und die Idee, die bisher nur in der Vorstellung existierte, plötzlich zu Fleisch und Blut wird. Lauren hat eine so selbstverständliche Nähe zu dieser Figur, dass sie einen Drahtseilakt vollbringt, als hätte sie festen Boden unter den Füßen. Es war eine Zu sammenarbeit, die schlicht sinnvoll war, und deshalb so einfach schien. Es ist toll, wenn das passiert.

Was hoffen Sie, was das Publikum am Ende aus dem Film mitnimmt?

Vielleicht ein neu gewonnenes Verständnis dafür, was einem selbst oder jemandem, den man kennt und liebt, widerfährt. Mut, sich Hilfe zu suchen, den Kampf aufzunehmen und nicht aufzugeben.

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