Filmhandlung und Hintergrund

Wie jede Heldenreise ist auch diese Tragikomödie mit Ulrich Tukur in Wirklichkeit eine Reise nach innen. Vor 13 Jahren haben Karl-Heinz Käfer und Andreas Kleinert für ihr Alzheimer-Drama „Mein Vater“ den International Emmy Award bekommen. Nun erzählen sie erneut eine Vater-Sohn-Geschichte: Holger Lenz (Ulrich Tukur) führt das brave Leben eines Versicherungsangestellten mit Frau, Sohn, Hund und Reihenhaus. Aber der...

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Kritikerrezensionen

  • Wie jede Heldenreise ist auch diese Tragikomödie mit Ulrich Tukur in Wirklichkeit eine Reise nach innen.

    Vor 13 Jahren haben Karl-Heinz Käfer und Andreas Kleinert für ihr Alzheimer-Drama „Mein Vater“ den International Emmy Award bekommen. Nun erzählen sie erneut eine Vater-Sohn-Geschichte: Holger Lenz (Ulrich Tukur) führt das brave Leben eines Versicherungsangestellten mit Frau, Sohn, Hund und Reihenhaus. Aber der Schein trügt: Sein schwuler Sohn Linus (Simon Jensen) hält ihn für einen homophoben Spießer, seine Frau (Steffi Kühnert) hat ein Verhältnis mit ausgerechnet jenem Kollegen (Max Hopp), der ihm die Beförderung weggeschnappt hat. In dieses Dasein platzt eines Tages die Nachricht vom Tod seines Vaters, der vor vielen Jahren nach Südostasien ausgewandert ist; seither ist der Kontakt abgebrochen. Immerhin hat er ein Apartment in Pattaya hinterlassen, also fliegt Holger nach Thailand – und in das erste und daher größte Abenteuer seines Lebens.

    „Herr Lenz reist in den Frühling“ ist ein zwar sympathischer, aber gerade wegen des Wortspiels fast zu harmloser Titel für diese Tragikomödie. Natürlich zeichnen sich Geschichten dieser Art dadurch aus, dass das Drama stets nur einen Fehltritt entfernt ist, doch Kleinert und Käfer machen keinen Hehl aus der Tristesse ihres Antihelden. Obwohl Ulrich Tukur eigentlich alles spielen kann, ist er fast zu groß für die Rolle dieses Mannes, der sich in seinem Leben so klein macht. Andererseits, der treffende Arbeitstitel „Heldenreise“ deutet es an, wächst Holger Lenz im Verlauf seiner Erlebnisse über sich hinaus, insofern ist Tukur dann doch die perfekte Besetzung.

    Es sind vor allem Käfers wunderbare Einfälle, die dem Film immer wieder wechselnde Tonfälle geben. Einige sind leicht makaber, andere verblüffend. In Pattaya wird Holger von der Kakophonie des Nachtlebens ebenso überwältigt wie von den offensiven sexuellen Offerten, mit denen er auf Schritt und Trott konfrontiert wird. Außerdem stellt sich raus, dass sein Vater eine Einheimische geheiratet hat, auf deren Namen das Apartment überschrieben worden ist. Die Frau lebt irgendwo in der thailändischen Provinz, wo Holger endlich mit sich selbst ins Reine kommt. Wie jede Heldenreise, so ist also auch diese „Fish out of water“-Komödie in Wirklichkeit eine Reise nach innen. Für die Bebilderung dieses Innenlebens haben Käfer und Kleinert viele treffende Bilder gefunden. Epilog und Schlusseinstellung schließlich sind ein würdiges Ende für diesen schönen und von Holger Feindt zudem vortrefflich fotografierten Film. tpg.

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