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Am Anfang war ein Roman, am Ende steht ein Meisterwerk. Dazwischen lag ein kreativer Kampf, mit dem Martin Scorseses Mammutprojekt trotz unzähliger Hindernisse doch noch prachtvoll Gestalt annahm.

Martin Scorsese gibt Leonardo DiCaprio Anweisungen

„Für junge Leute ist es wichtig zu verstehen, dass Amerika nicht plötzlich aus dem Nichts entstand, mit einem Starbucks-Shop an jeder Ecke.“ So fasst Regisseur Martin Scorsese die Bedeutung seines größten Projekts zusammen, das 30 Jahre in ihm reifte, bis es endlich verwirklicht werden konnte.

Der Virus, eine Geschichte über das alte New York zu erzählen, das ihn seit seiner Kindheit faszinierte, befiel ihn 1970. Bei Freunden entdeckte Scorsese Herbert Asburys „Gangs of New York„. Der 1927 erstmals veröffentlichte Roman lies ihn nicht mehr los – so wie Sergio Leone vor Jahren von Harry Greys „The Hoods“ (1952) gepackt wurde, aus dem dann „Es war einmal in Amerika“ geboren wurde.

Jay Cocks

Anno 1863: Der Bürgerkrieg kommt nach New York

Mit Risiko nach Rom

Die Wiederauferstehung kam überraschend und über 15 Jahre später. Ende der Neunziger fand Scorsese risikofreudige Geldgeber für das geplante Budget von 85 Millionen Dollar und einen Drehort, an dem das New York von 1863 wieder lebendig werden konnte.

Five Points, der von fünf Straßen begrenzte, von Halsabschneidern beherrschte Einwandererbezirk, wurde von Produktionsdesigner Dante Ferretti in Roms legendärem Studiokomplex Cinecitta wiederaufgebaut.

Martin Scorsese und Cameron Diaz beim Dreh

Aus Asche wird New York

Aus Holz, Beton, Gips und Plastik baute eine Armee von Handwerkern ganze Straßenzüge, ja sogar ein Hafenareal auf. Das Designerteam orientierte sich an Fotografien, vor allem aber an den jüngst in New York ausgegrabenen 850.000 Fundstücken von Five Points, die später mit Ausnahme von 18 Exponaten vom Schutt des 11. September wieder begraben wurden.

Es war ein gewaltiger Kraftakt, den Scorsese und sein Mammut-Team hier in insgesamt 137 Drehtagen leisteten.

Action im Cinecitta in Italien

Endlich…

Am Ende waren 100 Millionen Dollar und die Nerven mancher Beteiligter aufgebraucht. Anekdoten vom Set gingen um den Globus, vor allem von Daniel Day-Lewis, der sich so intensiv auf seine Rolle als Messerwerfer Bill the Butcher vorbereitet haben soll, das keiner ihm unnötig zu nahe kommen wollte.

Wie schon bei „Zeit der Unschuld„, arbeitete Scorsese ein Jahr am Schnitt seines Films. Die Mühe hat sich gelohnt: „Gangs of New York“ wurde für 10 Oscars nominiert, darunter auch für den Besten Film, den Besten Hauptdarsteller (Day-Lewis), eben den Besten Schnitt – und natürlich für die Beste Regie.

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