Hearts in Atlantis

  1. Ø 3
   2001
Hearts in Atlantis Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Hearts in Atlantis: Schwer- und wehmütige Stephen-King-Verfilmung, in der ein Junge sich folgenschwer mit einem geheimnisvollen älteren Mann anfreundet.

Bobby Garfield wächst in einem Dorf in Connecticut im Sommer 1960 vaterlos und unter der Fittiche seiner überforderten Mutter auf. Jede freie Minute verbringt er mit seinem Freund Sully und dem Nachbarmädchen Carol, in das er sich heimlich verliebt hat. Dann zieht der geheimnisvolle Ted Brautigan als Untermieter bei den Garfields ein und schließt eine folgenschwere Freundschaft mit Bobby.

Im konservativen Amerika von 1960 erlebt der elfjährige Bobby in einer Kleinstadt den letzten Sommer seiner Kindheit. Der Vater ist lange tot, die verbitterte, karrieregeile Mutter Liz unterhält eine Affäre mit ihrem Chef und vernachlässigt darüber den Sohn. Dafür freundet sich Ted, der neue, allerdings etwas verschrobene Untermieter, mit Bobby an. Während der Junge ihm aus der Zeitung vorliest, weiht der alte Ted diesen in die Geheimnisse des Lebens ein, lehrt ihn Mut zu beweisen und rät ihm, sich eine eigene Meinung von der Welt zu bilden…

Ebenso schwer- wie wehmütige Verfilmung von Stephen Kings gleichnamigen Roman, in der Scott Hicks mit bestechend schönen Bildern eindringlich die Geschichte vom Ende einer allamerikanischen Kindheit erzählt. Nachhaltig überzeugt Anthony Hopkins als gütiger und undurchsichtiger Mentor.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Ein tiefes Gefühl der Melancholie und Traurigkeit zieht sich durch Scott Hicks‘ dritten Spielfilm, eine von Kieslowski-Weggefährte Piotr Sobocinski – fast zu – bestechend schön fotografierte Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stephen King, in der der Autor einmal mehr vom Ende einer allamerikanischen Kindheit und dem Verlust von Unschuld und dem unumstößlichen Glauben an Amerika und die Welt der Erwachsenen erzählt. In der Geschichte eines vaterlosen Jungen im Jahr 1960, der von einem geheimnisvollen Untermieter im Haus seiner überforderten Mutter unter die Fittiche genommen wird, begeistern der unverbrauchte Newcomer Anton Yelchin und Anthony Hopkins, der aus einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Effekt herausholt.

    „Das Geheimnis eines Sommers“ war der deutsche Untertitel von Rob Reiners unerreichter King-Verfilmung „Stand By Me“ aus dem Jahr 1986, der auch „Hearts in Atlantis“ als Beschreibung perfekt zu Gesicht stehen würde. Es ist nicht die einzige Parallele zu der Novelle über vier Jungs, die ausziehen, eine Leiche zu finden. Beide Kindheitserinnerungen sind im Rückblick erzählt, Fenster in vermeintlich bessere Zeiten, als das Leben in Amerika noch besser, einfacher, geordneter und vermeintlich sorgenfreier waren. Doch in beiden amerikanischen Graffiti lauert der Schrecken hinter der gepflegten spießigen Fassade, allerdings nicht in Form übernatürlichen Horrors: In Scott Hicks‘ bedächtig erzählter Ballade aus den Tagen vor dem kalten Krieg schleichen sich unmerklich Gewalt, Vergewaltigung, Homophobie und Xenophobie ein – und ein Tod in der Gegenwart, der den erfolgreichen Fotografen Bobby Garfield einen Trip down Memory Lane unternehmen und nach Jahren sein Heimatdorf im Nordosten der USA aufsuchen lässt.

    Dort wuchs er auf wie Millionen anderer Kinder der Zeit auch, ohne Vater und wenig beachtet von seiner Mutter, die sich von ihrer geheimen Affäre mit ihrem Chef eine abgesicherte Zukunft und ein Zipfelchen vom Glück erhofft. Bobby verbringt seine Zeit mit seinem Freund Sully und dem Nachbarmädchen Carol, für das er mehr als nur kindliche Kameradschaftsgefühle zu hegen beginnt. Dann zieht der enigmatische Fremde Ted Brautigan in die Dachstube der Garfields, der Freundschaft mit Bobby schließt, ihm ein paar Dollars für das Vorlesen der Tageszeitung bezahlt und mit seinem umfangreichen Wissen über Literatur, Kultur und das Leben erstmals eine Tür öffnet, welche Möglichkeiten es im Leben gibt. Hicks lässt seinem Film alle Zeit der Welt, ganz langsam nur spitzen sich die Ereignisse zu: Brautigan glaubt sich von Männern in grauen Anzügen verfolgt, Bobby und Freunde werden von einer Gruppe Rowdys terrorisiert, Bobbys Mutter wird bei einer Geschäftsreise geschlagen und vergewaltigt. So überlagert der Schrecken mehr und mehr Bobbys erste Liebe – sehr schön gezeigt bei einer berührenden Jahrmarktsszene – und Gehversuche im Erwachsenenleben.

    Als problematisch erweist sich Hicks‘ Ansatz, wie schon in seinem überfrachteten Vorgänger „Schnee der auf Zedern fällt“, jede Einstellung zu perfekt zu inszenieren, als präsentierte er eine Kollektion von Edward-Hopper-Gemälden. Ein ums andere mal lastet das Gewicht der Sorgfalt so sehr auf dem Film, das sich die Emotionen in den antiseptischen Bildern kaum entfalten können. In diesem Zusammenhang will auch – wie schon in der Romanvorlage – das Science-Fiction-Element von den grauen Männern nicht funktionieren. Zumindest ist es fehl am Platze in einer Geschichte, deren Wirkung noch größer wäre, wenn sie einfach nur klein und intim bliebe. Gleichzeitig holt Hicks, stets besessen von den Implikationen des Wechselspiels zwischen Vergangenheit und Gegenwart, große Leistungen aus den Schauspielern heraus: Vor allem Anthony Hopkins reißt den Film mit seinem unauffälligen Spiel immer wieder aus der Lethargie: Wie er aus der Unbekümmertheit von Newcomer Yelchin alle Energie für seine eigene Darstellung bezieht (ganz groß die Szene, in der er den Anführer der Rowdys konfrontiert, ohne nur einmal die Stimme zu heben), ist immer wieder aufregend in diesem Film, der ähnlich funktioniert wie unsere Erinnerung an vergangene Ereignisse: Rückblickend nimmt er an Größe und Wirkung immer mehr zu. ts.

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