Filmhandlung und Hintergrund

Vielfach preisgekrönter Erstlingsfilm über einen drogensüchtigen Lehrer und seine Beziehung zu seiner Schülerin.

Dan Dunne (Ryan Gosling) arbeitet als Sport- und Geschichtslehrer an einer innerstädtischen Highschool und hat einen guten Draht zu seinen Schülern. Was niemand ahnt: Er ist kokainabhängig und fühlt sich einsam. Eines Tages erwischt ihn seine Schülerin Drey (Shareeka Epps) beim Trip. Zwischen der früh erwachsen gewordenen 13-jährigen und dem Lehrer entwickelt sich eine Freundschaft, die Drogendealer Frank (Anthony Mackie) rücksichtslos bedroht.

Nüchtern, zurückhaltend und unsentimental nähert sich Ryan Fleck in seinem Erstling einer ungewöhnlichen Freundschaft, die von Widersprüchlichkeiten des Lebens gezeichnet ist und der starken Leistung beider Akteure – Gosling wie Epps – ungemein profitiert.

Tagsüber unterrichtet Dan Dunne an einer innerstädtischen Highschool, abends kokst er und lebt ein Leben in Einsamkeit. Als ihn seine Schülerin Drey high erwischt, entwickelt sich eine Freundschaft zwischen der erwachsen wirkenden 13-Jährigen und dem manchmal kindlich erscheinenden Lehrer. Dreys Kontakte zu einem Drogendealer kann Dunne nicht unterbinden, aber sie führen zu einem Vorfall, der vielleicht beiden die Augen öffnet.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Was sich zunächst wie eine weitere Schüler-Lehrer Studie wie Freedom Writers liest, überrascht bald mit seiner innovativen Sicht auf die Charaktere. Die unstete Handkamera agiert zwar ohne Sinn und Plan, gerade zu Beginn kommt die Vermutung von Alkoholmissbrauch hinter der Kamera auf.

      Das ist nicht besonders schlau, denn seit Children of Men sollte man wissen, wie man Handkamera als Stilmittel einsetzt um den Inhalt zu unterstützen und nicht den Zuschauer mit Brechreiz auf die Kinotoilette zu schicken. Ab der Mitte des Filmes hat man sich an diese Eigenart gewöhnt und sie fällt nicht mehr allzu sehr ins Auge.

      Einhergehend mit dem Kamerastil, verfolgt die Exposition des Filmes ebenfalls ungewöhnliche Pfade. Man bekommt ein wenig den Eindruck, als würde der Film nicht für uns, die Zuschauer, spielen, sondern eine zugedröhnte Kamera stolpert durch eine High School und ist dabei auf „record“ gestellt. Das macht es schwer, den Charakteren näher zu kommen. Ehe man sich versieht, sitzt Dan schon mit der Crack Pfeife in der Toilette und Drey klopft an die Tür.

      Doch ab diesem Moment wird es tatsächlich interessant. Sowohl Ryan Gosling, zu Recht für den Oscar nominiert, als auch Shareeka Epps liefern eine beeindruckende Performance ab. Und da sich der Film beständig gegen sämtliche Klischees stemmt, ist es ein Ding der Unmöglichkeit den nächsten Schritt der Charaktere vorherzusehen.

      Denn dieser Film ist weder eine Abhandlung über den Kampf gegen Drogen, noch gliedert er sich in die brutalen Realitätsstudien der letzten Jahre ein. Vielmehr wird hier eine ungewöhnliche Freundschaft erzählt, die sowohl an Léon – Der Profi als auch in ihrer Ambivalenz an Hard Candy erinnert.

      Ein intelligenter Film, der letztendlich mehr Tiefe und Charakter zeigt, als man es zunächst erwartet hätte. Von Jung-Regisseur Ryan Fleck und seiner Schreibpartnerin Anna Boden wird man sicherlich noch hören.

      Fazit: Nach dem holprigen Anfang gerät man unverhofft in eine intelligente Geschichte über Freundschaft, Drogen und Schicksal.
    2. Half Nelson: Vielfach preisgekrönter Erstlingsfilm über einen drogensüchtigen Lehrer und seine Beziehung zu seiner Schülerin.

      Unsentimentaler Erstlingsfilm über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem drogenabhängigen Lehrer und seiner Schülerin.

      Aufmerksamkeitsmagnet dieser Entdeckung vom Sundance Filmfestival 2006 ist die zurückgenommene, subtile Darstellung von Ryan Gosling, mit der sich der langjährige Geheimtipp sogar die erste Oscarnominierung erspielte. In Goslings Performance verdichtet sich der gesamte Ansatz des Films, der unaufgeregt beobachtet, nichts übererklärt, keine Melodramatik oder Wertungen zulässt und auch ohne stereotype Auflösung ein harmonisches Ende findet. Das Drehbuch von Autor-Regisseur Ryan Fleck und Anna Boden erweitert Flecks Kurzfilm „Gowanus, Brooklyn“. Goslings Figur Dan Dunne wird dabei als eigentlich geborenen Lehrer gezeichnet, der ohne märchenhaften Idealismus mit den Realitäten arbeitet und mühelos Zugang zu den oft perspektivelosen Kids bekommt. Dunne ist der Sportcoach der Kids, vor allem aber ihr Geschichtslehrer und damit eine prägende Persönlichkeit. Er versucht den Schülern das Chaos der erlebten Welt und die Möglichkeiten außerhalb davon besser verstehen zu lernen. Geschichte ist Veränderung, sagt Dunne, aber auch Wiederholung und Stagnation, wie er selbst beweist. Seine Ex-Freundin konnte ihr Drogenproblem überwinden, für ihn aber ist das abendliche Koks immer noch der einzig probate Umgang mit den Widersprüchlichkeiten des Lebens und der Enttäuschung, die er für sich selbst darstellt. Obwohl er kraftlos in die Schule schlurft, leicht fahrig wirkt, bleibt die Sucht sein Geheimnis, bis ihn eine Schülerin auf dem Crack-Trip entdeckt. Drey (ähnlich bravourös wie Gosling: Shareeka Epps) ist erst 13, doch ihr Gesicht hat nichts Kindliches mehr, ist Spiegel ihrer Erfahrungen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, die vor allem die Kreise eines Drogendealers stört. Frank ist Dreys Bruder, der im Knast sitzt, etwas schuldig, bemüht sich um das Mädchen, um sie als Kurier einzusetzen. Dunne versucht, ihn auf Distanz zu halten, bis ihm Frank vorhält, dass auch er ihn als schlechte Gesellschaft empfindet. Beide Figuren behalten Geheimnisse, zeigen Widersprüchlichkeiten. Am dramatischen Höhepunkt des Films wird Drey ihr Mittler – ein Moment, der auch dem taffen Mädchen am nächsten Morgen eine Träne entlockt. Wie in dieser Szene ist der Close-up das Stilprinzip von „Half Nelson“. Das ist, wie die Handkamera, zum Teil Budget-bedingt, aber nicht beliebig. Flecks Film erarbeitet sich Intimität und ist auch zwischenmenschlich eine filigrane Nahaufnahme. kob.

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