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Fakten und Hintergründe zum Film "G?nter Wallraff: Schwarz auf Wei?"

Kino.de Redaktion |

Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß Poster

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Über Günter Wallraff

Günter Wallraff wurde am 1. Oktober 1942 in Burscheid geboren. Er gilt als der profilierteste und einflussreichste deutsche Undercover-Journalist.

Seine zahlreichen Veröffentlichungen und Filme haben immer wieder für großes Aufsehen gesorgt und waren nicht selten heftig umstritten. Wallraffs unkonventioneller Recherchestil - er erforscht buchstäblich am eigenen Leib die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen, über die er berichtet - ist in Schweden und Norwegen sogar nach ihm benannt worden. Das Wort „wallraffa“ wurde in die Wortliste der Schwedischen Akademie, die mit dem deutschen Duden vergleichbar ist, aufgenommen.

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Nach einer Buchhändlerlehre wurde 1963 Günter Wallraff zur Bundeswehr eingezogen. Sein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung wurde abgelehnt. Da er sich zehn Monate lang trotzdem beharrlich weigerte, eine Waffe in die Hand zu nehmen, wurde er in die psychiatrische Abteilung des Bundeswehrlazaretts Koblenz eingewiesen. Um in einer Umgebung, die ihn für verrückt erklärte, bestehen zu können, schrieb er Tagebuch, auch in der Hoffnung, seine Erfahrungen der Öffentlich zugänglich zu machen. Seine erste, allerdings noch unfreiwillige Rolle, nämlich die des Kriegsdienstverweigerers und Psychiatrie- Patienten, war für ihn ein Schlüsselerlebnis und bildete den Ausgangspunkt seiner späteren Arbeiten. Als „abnorme Persönlichkeit“ eingestuft, wurde er „für Frieden und Krieg untauglich“ entlassen. Dieses militärärztliche Urteil ist später von politischen Gegnern immer wieder aufgegriffen worden, um Günter Wallraff abzuqualifizieren.

Der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, mit dem Wallraff bis zu dessen Tod befreundet war, ermutigte ihn, auch weiterhin seine Erfahrungen aufzuschreiben.

So berichtete Wallraff für die Gewerkschaftszeitung „Metall“ über seine Erlebnisse als Arbeiter in deutschen Großbetrieben. Obwohl „Wallraff Steckbriefe“ in deutschen Unternehmen kursierten, um die Personalbüros vor dem getarnten Journalisten zu waren, konnte er seine Recherchen fortsetzen, ohne erkannt zu werden. Die gesammelten „Industriereportagen“ erschienen unter dem Titel „Wir brauchen dich“ 1966 in Buchform und machten den Journalisten Günter Wallraff bundesweit bekannt. Heinrich Böll schrieb anlässlich des Wallraff-Buchs „13 unerwünschte Reportagen“, das 1969 erschien: „Wallraff dringt in die Situation, über die er schreiben möchte, ein, unterwirft sich ihr und teilt seine Erfahrungen und Ermittlungen in einer Sprache mit, die jede 'Überhöhung' vermeidet.“

Wallraffs journalistisches und politisches Engagement beschränkte sich schon bald nicht mehr auf Deutschland. Um gegen die damals in Griechenland herrschende Militärjunta zu protestieren, kettete er sich am 10. Mai 1974 auf dem Syntagmaplatz in Athen an einen Laternenmast. Er wurde von Geheimpolizisten öffentlich misshandelt. Im Hauptquartier der Sicherheitspolizei wurde er gefoltert, bis er seine Identität preisgab. Die Militärjustiz verurteilte Wallraff zu 14 Monaten Einzelhaft. Nur dank des Zusammenbruchs des Regimes im August 1974 kam Wallraff aus der Gefangenschaft vorzeitig frei. Nicht weniger spektakulär waren Wallraffs Enthüllungen über Putschpläne des früheren portugiesischen Staatspräsidenten Spinola.

1977 arbeitete Wallraff dreieinhalb Monate lang unter dem Pseudonym Hans Esser in der Lokalredaktion von „Bild“ in Hannover. Seine Erfahrungen mit den Arbeitsmethoden von Deutschlands meistgelesener Zeitung schilderte er in dem Buch „Der Aufmacher“ und im Dokumentarfilm „Der Mann, der Hans Esser war“. Produzent dieses Films war Gerhard Schmidt, der auch bei SCHWARZ AUF WEISS als Produzent verantwortlich zeichnet. Eine erbitterte juristische Kampagne des Springer- Verlags gegen Wallraffs Enthüllungen endete 1981 mit einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs zu Gunsten Günter Wallraffs.

Von 1983 an begab sich Wallraff in die Rolle eines türkischen Gastarbeiters namens Ali Levent Sinirlioglu. Seine Erlebnisse als Leiharbeiter bei Großunternehmen wie McDonald's und Thyssen und als menschliches Versuchskaninchen in der Pharmaforschung beschrieb er 1985 in „Ganz unten“, das die Deutschen schockartig auf die elende Situation türkischer Gastarbeiter aufmerksam machte. Das Buch war mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in 35 Sprachen einer der größten Erfolge in der deutschen Buchhandelsgeschichte. 1986 wurden Wallraffs „Ganz unten“-Recherchen auch im Kino gezeigt.

Große Teile seiner Erlöse aus „Ganz unten“ widmete Günter Wallraff humanitären Zwecken, u. a. seiner Stiftung „Zusammen-leben“. Wallraffs Engagement gegen Menschenfeindlichkeit und Intoleranz führte ihn auch mit dem britischen Autor Salman Rushdie zusammen. Nach der mörderischen Fatwa, die der iranische Staatschef Ayatollah Khomeini 1989 gegen Rushdie verhängt hatte, hielt sich der Dichter eine Zeit lang bei Wallraff versteckt.

Trotz seiner großen Erfolge und Prominenz gelingt es Günter Wallraff, weiterhin undercover zu recherchieren. Große Aufmerksamkeit bei Kritik und Lesern erregten zuletzt seine Ermittlungen in Call-Centern und Großbäckereien, bei der Deutschen Bahn und unter Obdachlosen, die von der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlicht worden sind.

Sein neuestes Buch „Aus der schönen neuen Welt – Expeditionen ins Landesinnere“ beinhaltet neben seinen Erfahrungen als Kwami in SCHWARZ AUF WEISS sieben weitere Reportagen.

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