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Fakten und Hintergründe zum Film "Gucha"

Fakten und Hintergründe zum Film "Gucha"
Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Verbotene Liebe und Bollywood

Wenn man einen Film machen möchte, in dem es um die verbotene Liebe zwischen einem Roma und einem serbischen Mädchen geht und die Handlung inmitten des größten Trompeten-Festivals der Welt spielen soll, dann braucht man eine zündende Idee, damit das funktioniert. Mein erster Gedanke war Bollywood. Liebe, Musik, Farben. Das sind meine Waffen. Ich wollte eine farbenfrohe Liebesgeschichte schaffen, durchzogen von Musik und kombiniert mit all den speziellen Eigenarten und Qualitäten des Bollywood-Kinos. Die Stilmittel der indischen Traumfabrik tausende von Kilometern entfernt, wollte ich in das Herz Europas übertragen, allerdings in einen noch unentdeckten und exotischen Teils Europas, den Balkan.

Ich wollte Bilder benutzen, die vor Farben und Gegensätzen nur so strotzen, mit einer fast expressionistischen Intensität, um diese leidenschaftliche Liebesgeschichte des jungen Paares herauszuarbeiten. Ihre unterschiedlichen ethnischen Hintergründe hindern sie daran, zusammen glücklich werden zu dürfen. Das Thema des Films sollte exakt in diese Bilder hinein transportiert werden.

Trotzdem ist mein oberstes Ziel eine realistische Darstellung gewesen. Eine frei bewegliche Hand-

Kamera sollte ein Gefühl des Dokumentarischen erzeugen, so als würde sich der Zuschauer in unmittelbarer Nähe der Filmfiguren aufhalten, ihre Entscheidungen und Taten aus nächster Nähe verfolgen und sie nicht aus den Augen verlieren.

Das heutige Publikum kennt die Möglichkeiten des Films. Etwas andeuten, es zu stilisieren, reicht da nicht mehr aus. Um wirklich eine Illusion erzeugen zu können, muss man mit einem Film sehr nah an das echte Leben herankommen. Lange Einstellungen, kontrastiert mit der Nervosität schneller Schnitte im MTV-Stil, öffnen einen beeindruckenden Raum für tausende von „Festivalbesuchern“ - ein Sinnbild, wie dauerhaft zeitlos diese Musik ist.

Musik – das ist das zweite Element, zu dem ich bei diesem Film gegriffen habe. Sie ist ein integraler Bestandteil der ganzen Erzählstruktur. Durch die Musik erlebt der Protagonist, ein junger Trompeter, sein persönliches coming-of-age. Er wird zum Mann, indem er seine eigenen Ideen in Form von neuen Musikelementen in die traditionelle Musik seines Orchesters einbringt. Neue Töne und ein innovativer künstlerischer Ansatz, die Fähigkeit, mit einer Solo-Trompete Gefühle zu wecken – das war eine Idee, die ich in GUCHA einfließen lassen wollte.

Dazu inspiriert hat mich auch einer der einflussreichsten und wichtigsten aktuellen Jazztrompeter, Dusko Gojković, dem ich an dieser Stelle für seine Musik und seine Unterstützung für das Projekt danken möchte. Schließlich habe ich für die Rollen der Musiker keine Schauspieler gecastet, sondern echte Musiker, Tompeter, die selber jedes Jahr am Wettbewerb in Guča teilnehmen und so echt wirken, weil sie sich selber spielen.

Mit diesem letzten As im Ärmel wollte ich die Geschichte in ihrem ziemlich poetischen Manierismus so überzeugend wie möglich gestalten. Ich glaube, mit den ausdrucksstarken Gesichtern der Musiker, ihrer Verwegenheit und Authentizität, auch vor der Kamera, ist es mir gelungen, das notwendige Gleichgewicht in den Film zu bringen, welches mir vorschwebte. Und so ist GUCHA ein serbisches neorealistisches Bollywood.

- Dušan Milić -

Über die Produktion

Dušan Milić ist nicht nur Filmemacher, sondern auch Kinofan. Für ihn ist mit Film immer auch

das Erlebnis im Kino verbunden. „Kino bedeutet auch: Leute zusammenzubringen, die gemeinsam einen Film auf der großen Leinwand sehen wollen. Ein Publikum, das Gefühle, Lachen und Weinen miteinander teilt.“ Und so hat Milić ganz bewusst einen Film geschaffen, der gefühlsbetontes, unterhaltsames Kino bietet, das man sich lieber im Kinosaal als alleine zuhause anschaut. Farbenfroh und ein bisschen schräg, ganz im Stil von Bollywood. Allerdings war von Anfang an klar, dass kaum eine serbische Produktionsfirma die finanziellen Mittel für die gesamte Produktion aufbringen würde. Für das internationale Interesse an GUCHA war es sicherlich entscheidend, dass mit der Musik von Boban und Marko Marković ein echter

Markenname dazu kam und für Qualität bürgt. Der junge Marković ist im Ausland wesentlich bekannter als ein Großteil der serbischen Schauspieler und dürfte auch außerhalb Serbiens ein größeres Publikum anlocken.

An GUCHA haben sich zahlreiche Länder beteiligt: Deutschland, Serbien, Österreich und Bulgarien.

Ohne Koproduktionsgelder ist es in Serbien fast unmöglich, einen Film wie GUCHA zu finanzieren. Somit war es für den Entstehungsprozess des Films ein großer Glücksfall, dass sich Karl Baumgartner von Anfang an für das Projekt interessierte. Als Produzent unterstützte er Regisseur und Drehbuchautor Dušan Milić bei der Entwicklung des Stoffes, bevor auch andere Koproduzenten einstiegen. Letztendlich waren es drei Jahre vom ersten Entwurf bis zum fertigen Film. Eine „perfekte Zeitspanne“, um an einem Spielfilm zu arbeiten, meint Dušan Milić.

GUCHA ist damit einer von rund 15 Spielfilmen, die im vergangenen Jahr in Serbien produziert wurden.

Auch wenn die meisten davon, mit weitaus weniger Aufwand, oft digital und mit sehr viel weniger Geld hergestellt werden mussten.

Nach den Dreharbeiten in Guča folgte eine aufwendige Postproduktion. Die Musik musste eingespielt, die Szenen entsprechend nachbearbeitet werden.

In Serbien kam der Film 2006 in die Kinos.

In Deutschland hatte GUCHA seine Premiere im Panorama Programm der Berlinale 2007.

Die Dreharbeiten

Die Dreharbeiten zu GUCHA dauerten insgesamt zweieinhalb Monate. Gedreht wurde in Serbien und Bulgarien. Einige der Locations – wie die Party-Boote mit Blick auf Belgrad – sind sehr bekannt, andere echte Entdeckungen. Der Bauernhof, der im Film als Zuhause von Julianas Familie dient, befindet sich tatsächlich nur ein paar Kilometer von Guča entfernt. Das Wohnhaus der Roma-Familie, in dem auch tatsächlich eine 14-köpfige Familie wohnt, ist die perfekte Filmkulisse: das oberste Stockwerk ein sympathisches Provisorium: Balkongitter gibt es nicht in dieser Villa Kunterbunt, die lebendig, bunt und gleichzeitig im Zustand des halbfertigen Übergangs den schwer überschaubaren – überwiegend männlichen Clan – beherbergt.

Mit der spannendste Teil der Dreharbeiten war für das Team die Zeit in Guča. Gedreht wurde während des Musikfestivals. Denn GUCHA ist auch ein Film über das Brass-Festival. 10 Tage filmte Milic und sein fast 130-köpfiges Team am Originalschauplatz. Dafür wurde das Festival in Guča im Jahr 2005 eigens um drei Tage verlängert und dauerte ganze sieben Tage! Ohne diese Unterstützung der Festivalleitung wäre es wohl kaum möglich gewesen, alle relevanten Szenen vor Ort mit echtem Publikum und der Atmosphäre des Festivals einzufangen. Wenn auch nur eine Szene oder Einstellung gefehlt hätte, hätte die Produktion ein ganzes Jahr bis zum nächsten Festival warten müssen.

Ebenso authentisch wie der Original-Schausplatz ist die Besetzung. Der Hauptdarsteller Marko Marković ist im wahren Leben einer der größten jungen Trompetenspieler Serbiens – und das trotz seines jugendlichen Alters. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war Marković erst 16 und doch schon

auf dem Weg nach ganz oben. Inzwischen hat er die künstlerische Leitung des Boban und Marko Marković Orkestars übernommen.

Und noch eine Besonderheit gab es bei der Produktion der Filmmusik. Sie wird zwar vom

Marković Orkestar gespielt, komponiert wurde sie aber vom Filmkomponisten Dejan Pejović. Der gab den Musikern statt Partituren CDs, die er am Computer vorbereitet hatte. Denn die Roma spielen nicht nach Noten, sondern nach Gehör. Mit diesem Material probten die 15 Musiker, die das Gypsy-Orchester spielen, einen Monat lang, danach wurde der Soundtrack in einem großen Studio aufgenommen. Die Musik für das „weiße“ Orchester, das im Film zur Hälfte aus Schauspielern besteht, spielte das Dragan Ignjić Orchester ein. Ignjić gilt als der schnellste Trompeter in ganz Serbien.

Emir Kusturica – Vorbild und Vorreiter

Einer der großen Namen in der Filmindustrie Serbiens ist Emir Kusturica. Er ist einer der

Produzenten von GUCHA. Kusturica und Milić verbindet bereits eine jahrelange gemeinsame

Arbeit. Dušan Milić schrieb die Drehbücher zu den Kusturica-Filmen How I Did Not Shoot Crime And Punishment, Rock And Roll (1998), Sperm Bank (1998) und Horror Hotel (1997).

Bei GUCHA stand Emir Kusturica beratend zur Seite. Dušan Milić folgte einigen Prinzipien, die auch

Kusturica benutzt: Ein Fest, das so bunt und aufregend ist wie Guča, inszeniert man besser nicht selbst, sondern hält es mit einer dokumentarischen Kamera fest. Und auch der hohe Musik-Anteil ist sicherlich ein Erfolgsrezept, mit dem schon Emir Kusturica und Goran Bregović, der die Filmmusik für Time of the Gypsies (1988) und Underground (1995) schrieb, eine neue, weltweite

Fangemeinde für die Musik aus dem Balkan erschlossen.

Nicht zuletzt die überschäumende Lebensfreude, welche die frühen Kusturica Filme auch in den dunklen Momenten ausstrahlt, hat auch die Regiearbeit von Milić beeinflusst. Schwarze Katze, Weißer Kater (1998) bezeichnet Dušan Milić als einen seiner Lieblingsfilme. Somit ist GUCHA auch eine Hommage an Emir Kusturica, der den Weg für andere Filmemacher bereitete, die eine ähnliche Art des Geschichtenerzählens verfolgten.

„Gucha – wer hier spielt, der wird zum Mann“

GUCHA ist auch ein coming-of-age-Film rund um den Protagonisten Romeo. Marko Marković, der Sohn des legendären Musikers Boban Marković, verkörpert den jungen Musiker Romeo in einzigartiger Weise. Denn viele der Erfahrungen des Protagonisten hat er selbst in seiner Jugend durchlebt.

Die inoffizielle Weltmeisterschaft des Gypsy-Brass in Guča ist für einen jungen Musiker wie den Romeo im Film eine Art Initiation in die Welt der Erwachsenen. Wer hier antritt, muss gegen die

anderen Musiker bestehen und sich vor einer Jury beweisen. „Wer hier spielt, so sagt man, wird zum Mann.“ (Filmzitat Romeo)

Zwar ist Guča kein reines Trompetenfestival, sondern ein Treffen der Blaskapellen, doch die Goldene Trompete ist die wichtigste Auszeichnung für einen einzelnen Künstler. Sie zu gewinnen steht für Romeo auch stellvertretend für die künstlerischen Ideale seines verstorbenen Vaters, also der Verbindung der eigenen Wurzeln mit Innovationen. Doch es winkt nicht nur Erfolg und Anerkennung. Für Romeo wäre der Titelgewinn auch ein Sieg der Liebe.

Über die Musik in Gucha

Balkan-Brass – Die Festival-Legende bekommt einen eigenen Film: GUCHA Jazz-Liebhaber pilgern einmal im Jahr nach Montreux zum Jazz Festival, Wagner-Fans nach Bayreuth, aber wer ursprüngliche und wilde Blasmusik schätzt und keine Berührungsängste zu der Volksfestatmosphäre hat, der kommt im August nach Guča. 3000 Einwohner leben in diesem kleinen Ort in der serbischen Provinz, wo sich seit Jahrzehnten die traditionellen Brass-Bands der Region zum Wettstreit treffen.

Inzwischen hat der Ort weltweit einen Ruf als Mekka für Blaskapellen und ist ein Schaufenster für die Brass-Musik des Balkans. Rund eine halbe Million Besucher sind es mittlerweile, die jeden August nach Guča kommen, wo sie tagelang berauscht

von dem einmaligen Sound der Blaskapellen tanzen, feiern und trinken.

Das Festival existiert seit 1961. Von Anfang an ging es um Musik, Folklore und gute Laune, auch wenn zu Titos Zeiten manche Blaskapellen patriotische Lieder und Märsche im Repertoire hatten.

Guča wurde im Lauf der Jahre zum Inbegriff für eine lebendige Blasmusik-Szene. Die ethnische und musikalische Identität der Kapellen spielt auch beim Wettbewerb eine entscheidende Rolle. Serben treten gegen Roma an und es kommt zum Wettstreit zwischen musikalischen Stilen und der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe, wie es auch im Film GUCHA dargestellt wird.

In vielen Ländern Osteuropas werden die Roma und ihre Musik noch immer diskriminiert. Trotz eines Siegeszugs, den diese Musik international antrat. Der Wettbewerb in Guča, der Höhepunkt für Musiker und Publikum, war deshalb schon immer eine Gelegenheit für die Roma, mit ihrer „schwarzen“ Musik aus dem Süden und Osten Serbiens im unabhängigen Wettstreit gegen die „weißen“ Orchester aus West-Serbien anzutreten. Und wer könnte den Spirit einer Roma-Band auch im Film besser verkörpern als das Boban und Marko Marković Orkestar.

Boban und Marko Marković – Idealbesetzung als Musiker und Schauspieler

Das Boban Marković Orkestar, das beim Musikfestival in Guča fünfmal in Folge gewann und

seither nur noch außer Konkurrenz beim Festival antritt, ist im Westen einer der bekanntesten

Vertreter des Balkan Brass. Aber auch andere Blaskapellen aus Südosteuropa verkaufen

mittlerweile ihre CDs in aller Welt. Shantel brachte mit dem Bukovina Club den Brass-Sound aus

der Ukraine nach Deutschland, Fanfare Ciocarlia aus Rumänien haben es von einer Hochzeitsband zu einer Band mit internationalem Renommee gebracht. Goran Bregović begeisterte zuerst in den Filmen von Emir Kusturica und füllt jetzt auch in Deutschland große Konzerthallen.

Boban Markovićs eigene Musik und seine Arrangements basieren auf den jahrhundertealten

musikalischen Traditionen der Roma-Musiker. Eine Tradition, die zurückgeht bis in die Zeiten der

osmanischen Herrschaft, als die türkischen Militärblaskapellen in Europa mit ihren Fanfaren

einmarschierten. Zugleich mixt Boban Marković ebenso draufgängerisch musikalische Elemente aus anderen Teilen der Welt in seine Musik. Vor allem live ist die Blasmusik aus dem Balkan ein Erlebnis und inzwischen fester Bestandtteil der Weltmusik-Szene. Wie der gesamte Film vom überbordenden Gypsy-Brass-Soundtrack lebt, so ist auch die Verbindung zwischen Film und Realität ein zusätzliches Spannungselement.

Fünf Mal hintereinander hießt der Gewinner in Guča

Boban Marković – ausgezeichnet für Virtuosität und Innovationskraft gleichermaßen. Und im Film spielt sein Sohn Marko den jungen Musiker, der unbedingt diese Auszeichnung gewinnen möchte.

Marko Marković, der zu seinem 18. Geburtstag das Marković Orkestar von seinem Vater Boban „geschenkt“ bekam und vorher bereits mehrere Jahre als Trompeter mitspielte, übernahm die Hauptrolle des Romeo. Marković überzeugt als junger talentierter Trompeter und eher schüchterner, zurückhaltender Romeo voll und ganz. Es ist wohl die jahrelange Bühnenerfahrung als Musiker, die ihn so natürlich vor der Kamera agieren lässt. Marko Marković über seine eigene musikalische Reifung: „Ich bekam mit vier Jahren meine erste Trompete und habe sie immer bei mir getragen. Aber mein Vater hat mich zunächst fast ignoriert, wenn ich gespielt habe.

Irgendwann hat ihn dann meine Mutter darauf aufmerksam gemacht, dass ich schon ganz gut spielen kann. Da war ich zehn. Daraufhin hat mein Vater mir versprochen, dass ich mit 12 Jahren meinen ersten Gastauftritt auf einer CD des Boban Marković Orkestars bekomme. Mit 16 wurde ich offiziell Teil des Marković Orkestars. Zu meinem 18. Geburtstag hat mir mein Vater die Brass-Band geschenkt.“ Und obwohl Marko Marković schon jetzt auf eine richtige Musikerkarriere zurückblicken kann, gibt es doch einen Unterschied zwischen ihm und dem Romeo im Film: Um die „Goldene Trompete“ ist Marko noch nie angetreten. Wie gesagt: Seine Brass-Band startet aufgrund ihrer großen Überlegenheit in Guča nur noch außer Konkurrenz.

Die Filmmusik

Musik ist das tragende Element in GUCHA. Der Score umfasst nahezu die gesamte Länge des Spielfilms. Die Musik dazu wurde mit Ausnahme eines einzigen serbischen Volkslieds von Dejan Pejović geschrieben, der damit vor mehreren Herausforderungen stand. Einerseits die verschiedenen Stilrichtungen der beiden rivalisierenden Kapellen herauszuarbeiten, die dann auch von verschiedenen Orchestern gespielt werden. Gleichzeitig sollte Romeos Trompete einen

eigenen am Jazz orientierten innovativen Stil erhalten, der sich vom Rest der Band unterscheidet.

Und um stilistisch die Eigenarten des Marković Orkestars zu bewahren, kam es zu einer intensiven Kooperation im Aufnahmestudio. Pejovic bereitete die verschiedenen Musikstücke am Keyboard so auf, dass die Musiker sie als CD anhören und ihren Part

einstudieren konnten – denn Noten lesen ist auch bei den besten der Gypsy-Bands nicht Teil der

Ausbildung. Und auch für die serbische Band von Satchmo musste eine musikalisch eigenständige Sprache gefunden werden, die dann von Dragan Ignjić und seinen Bläsern umgesetzt wurde.

Außerdem gibt es neben der Instrumentalmusik auch noch einige Stücke mit Gastsängern: Tanja Savić mit dem Song „Suknjica“ (Text: Marina Tucaković) und Nikola Pejaković mit „Pored mene nema moje žene“.

Die Dreharbeiten während des Festivals in Guc

Gedreht wurde GUCHA unter anderem am Originalschauplatz und während des größten Festivals für Brass-Musik. Eine Riesen-Herausforderung für das ganze Produktionsteam. Dušan Milić drehte 10 Tage lang mit seiner fast 130-köpfigen Crew im serbischen Guča. Dabei entstanden überwältigende Szenen wie die Eingangssequenz des Films mit dem Feuerwerk über der Menschenmenge, Bilder des Festivals zwischen Bühne und Kettenkarussel, Spanferkel am Grill, den Tanzenden und Betrunkenen und dazwischen die Brass-Kapellen.

GUCHA fängt die Atmosphäre des Festivals authentisch ein – auch wenn Regisseur und Film-Blaskapellen dabei starke Nerven beweisen mussten. In einer Szene mischen sich die Schauspieler, die im Film GUCHA die „weiße“ Band verkörpern, mit ihren Instrumenten in die Menschenmenge. Nur: Das Musikfestival-Publikum wußte gar nicht, dass ein Spielfilm gedreht wird und die Männer mit den Trompeten, Flügelhörnern und Tubas zum Teil gar keine Musiker, sondern Schauspieler sind, die eine Band spielen und buhte sie gnadenlos aus.

Im Film sind diese Szenen natürlich entsprechend nachsynchronisiert. Der Part der „weißen Kapelle“ wird beim GUCHA-Soundtrack von Dragan Ignjićs Trompeten-Orchester übernommen. Er gilt als der schnellste und virtuoseste Trompeter der serbischen Volksmusik und ist dort ebenso wie Marković ein Star.

Der Regisseur und Drehbuchautor Dušan Milić, der schon häufiger mit Emir Kusturica zusammen arbeitete, folgte einigen Prinzipien, die auch Kusturica benutzt: Ein Fest, das so bunt und aufregend ist wie Guča, inszeniert man besser nicht selbst, sondern hält es mit einer dokumentarischen Kamera fest. Und auch der hohe Musik-Anteil ist sicherlich ein Erfolgsrezept, mit dem schon Emir Kusturica und Goran Bregović, der die Filmmusik für Time of the Gypsies und Underground schrieb, eine neue, weltweite Fangemeinde für die Musik aus dem Balkan erschlossen. Übrigens: Das Boban Marković-Orkestar spielte auch auf dem Underground-Soundtrack.

Interview

Gedreht wurde an Originalschauplätzen und während des Festivals. Inwieweit ist dieser Teil des Films dokumentarisch?

Wir haben tatsächlich während des Festivals 2005 gedreht. Allerdings ist es nicht ganz authentisch, weil der Hauptwettbewerb eigentlich tagsüber stattfindet. Ich wollte dieses große Finale aus filmischen Gründen aber nachts drehen. Das ist auch wirklich der einzige Unterschied zwischen der Realität und meinem Film. Das Festival in Guča hat eine lange Tradition, es gibt das Festival schon seit fast 50 Jahren und es wird jedes Jahr größer und wichtiger. Im letzten Jahr waren dort 600.000 Leute. Man kann sich in dieser Menschenmasse kaum noch bewegen. Inzwischen gibt es sogar schon organisierte Reisegruppen aus Japan, die zum Festival nach Guča kommen.

Auch in Deutschland haben viele Musikfans schon von Guča gehört, aber was bedeutet Guča für die Serben?

Das Festival in Gucha ist sehr wichtig für die serbische Kultur. Denn es gibt eine musikalische

Stilrichtig, die nur in Serbien existiert und die in Guča gepflegt wird. Meine Idee war aber auch, die zwei verschiedenen Stilrichtungen der „schwarzen“ und der „weißen“ Trompeter zu zeigen. Es war mein Hauptanliegen, zu verdeutlichen, dass sich diese zwei Stile nicht wie Erbfeinde bekämpfen müssen, sondern auch zusammen gehören, wenn es um die serbische Kultur geht.

Und die Atmosphäre in die Guča – hat sie sich im Laufe der Jahre sehr verändert?

Ich habe für diesen Film recht genau recherchiert und war seit 2003 regelmäßig in Guča, davor habe ich das Festival immer nur kurz besucht, weil es auch wirklich anstrengend und laut ist. Es ist nicht irgendwann mal Schluss, sondern das Festival dauert 24 Stunden am Tag - nonstop. Und es verändert sich auch. In früheren Jahren gab es nur Bands aus der Region, seit 2003 werden auch ausländische Bands, aus den USA, Deutschland und Schweden eingeladen, Brass-Bands die serbische Musik spielen. Stellen Sie sich eine Band aus New York vor. Und die spielt traditionelle serbische Blasmusik. Es ist einfach eine sehr powervolle Musik. Eine Idee ist auch, in den nächsten Jahren das Festival auszuweiten und auch internationale Brass-Bands einzuladen – von schwarzen Jazz-Kapellen aus New Orleans bis zu Mariachi-Bands aus Mexiko. Wir nennen Guča das „serbische Woodstock“, und die Fans kommen jedes Jahr wieder.

Die Musik ist ja essentiell auch für den Film GUCHA. Sollte es auch ein Film über das Festival

werden?

Der Film lebt nicht in erster Linie von seinem Plot. Die Story ist eine klassische Liebesgeschichte. Mir ging es auch nicht um überraschende Wendungen, sondern ich wollte vor

allem die Gefühle der jungen Liebe zeigen – und die Musik sollte diese Emotionen unterstützen.