Filmhandlung und Hintergrund

Bewegender Antikriegsfilm ohne Schlachtgetümmel und Familiendrama über einen Mann, der den Tod seiner Frau im Irak nicht verkraften kann.

Stan Philipps (John Cusack) betreibt in Minnesota einen kleinen Laden und hütet die beiden jungen Töchter Heidi (Shélan O’Keefe) und Dawn (Gracie Bednarczyk). Seine Frau Grace dient als Sergeant im Irak. Als ihn die Nachricht von ihrem Tod ereilt, bringt es Stan nicht fertig, seinen Kindern die Wahrheit zu sagen. Spontan fährt er mit ihnen quer durch die USA zu Grace’s Lieblingsort in Florida. So lernt sich die Familie zum ersten Mal richtig kennen.

Abermals klagt ein bewegendes Drama von Trauer und Verlust amerikanischer Bürger, die sie durch den Irak-Krieg erlitten haben - wie unlängst „Im Tal von Elah„. James C. Strouse konnte für sein Debüt zahlreiche renommierte Preise einstreichen. Clint Eastwood steuerte den Soundtrack bei.

Stanley Phillips ist ein amerikanischer Jedermann aus Minnesota. Er arbeitet im Baumarkt und kümmert sich liebevoll um seine beiden Töchter, zwölf und acht Jahre alt. Da bekommt er eine schreckliche Nachricht: Seine Frau, Soldatin im Irakkrieg, ist gefallen. Er bringt es nicht über sich, es seinen Kindern zu sagen und unternimmt stattdessen mit ihnen einen Ausflug in einen weit entfernten Freizeitpark in Florida. Im Lauf des Trips werden seine Trauer und Verzweiflung immer größer.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Die ernsthaften Filme, die derzeit aus den USA zu uns in die Kinos kommen, hinterlassen den Eindruck, die Themen Tod und Trauer würden in ihnen immer häufiger in den Mittelpunkt gestellt. Ob sich darin nun im weiteren Sinne enttäuschte Hoffnungen einer fehlgeschlagenen Politik oder vielleicht das Realisieren der Tatsache, dass auch US-Soldaten sterblich sind widerspiegeln, sei jetzt mal dahingestellt. Fest steht, dass immer wieder der Versuch unternommen wird, den abstrakten Begriff "Trauer" auf die Leinwand zu bannen. In "Grace is gone" wird das in erster Linie durch entleerte Bilder erreicht. Entleert in dem Sinne, dass sie auf fast merkwürdige Weise menschenleer sind oder sich die einzelnen Figuren nur am äußersten Bildrand aufhalten und so den Großteil der Fläche frei halten.

      Sogar an Orten, an denen man viele Menschen erwarten würde, etwa in einer Mall, kauert die übrig gebliebene Familie Phillips ganz isoliert und vereinsamt in einem Spielhäuschen – den Interpretationen dieses Sinnbilds sind kaum Grenzen gesetzt. Schon dieses Beispiel zeigt, der Film nimmt seine eigene Bildsprache sehr ernst, gleichzeitig jedoch ist sie so gleichbleibend, dass man nicht gerade den Eindruck gewinnt, die Hauptfigur Stanley Phillips würde einen tatsächlichen Wandlungsprozess durchmachen.

      Zu Beginn des Films wird Stanleys Handeln noch stark geprägt vom Ab- und Ausreagieren der eigenen Gefühle. Die anschließende Reise quer durch die USA, die den Hauptteil des Films bildet, ist dagegen geprägt von Ausflüchten und plötzlichen Aufbrüchen. Es zieht Stanley von Ort zu Ort, immer in dem Wissen, dass er nichts preisgeben muss, solange das Ziel nicht erreicht wurde. Den Töchtern wird dabei die Realität vorenthalten, dem Zuschauer jede Weiterentwicklung der Handlung. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Stanleys Trauer den Zuschauern nie wirklich nahe kommt. Man fühlt sich kaum persönlich in dieses Familiendrama involviert, auch wenn es authentisch und nachvollziehbar ist.

      Der politische Aspekt der Geschichte wird nur ganz am Rande thematisiert. So erklärt der Kriegsbefürworter Stanley seinen Kindern, würde man nicht mehr daran glauben können, dass der Irakkrieg sinnvoll und notwendig sei, sei man verloren. Das Festhalten am eigenen Patriotismus wird auf diese Weise zur Überlebensstrategie, dem auch Stanleys Bruder – passenderweise ein am gesellschaftlichen Abgrund stehender Kriegsgegner – nichts mehr entgegenzusetzen hat. Das deutlichste Statement findet man wohl im Filmtitel selbst, bedenkt man dessen Mehrdeutigkeit.

      Neben der sinnvoll eingesetzten Bildsprache überzeugt der Film auch durch seine Besetzung. Besonders John Cusack und seine Filmtochter Shélan O'Keefe (Heidi) sind dabei hervorzuheben. Letztere liefert angesichts ihres Alters ein recht beeindruckendes Debüt ab. Außerdem gelingt es dem Film sehr gut, den Verlust der Mutter deutlich zu machen. In jedem Moment hat man den Eindruck, ein durch ihr Fehlen unvollständiges Bild, eine unvollständige Handlung zu betrachten. Doch insgesamt erreicht der Film den Zuschauer nur sehr schwer und hinterlässt kaum einen bleibenden Eindruck.

      Fazit: Der Film glänzt mit einer schönen Bildsprache und bietet eine solide Schauspielleistung, schwächelt aber ein wenig beim Handlungsverlauf.
    2. Grace Is Gone: Bewegender Antikriegsfilm ohne Schlachtgetümmel und Familiendrama über einen Mann, der den Tod seiner Frau im Irak nicht verkraften kann.

      Bewegender Antikriegsfilm ohne Schlachtgetümmel und Familiendrama über Verlust und Trauer mit John Cusack, der den Tod seiner Frau im Irak nicht verkraften kann.

      Eine ganz normale amerikanische Familie im Mittleren Westen, nur dass statt des Mannes die Frau im Irak als Soldatin kämpft. Stanley Phillips, früher selbst in der Army und wegen schlechter Augen ausgemustert, arbeitet im Baumarkt und kümmert sich liebevoll um seine beiden Töchter, zwölf und acht Jahre alt. Und dann stehen sie vor seiner Tür, zwei Uniformierte und überbringen ihm routiniert die Nachricht vom Tod seiner Frau, Beileid inklusive. Die Tragik des Krieges hat ihn eingeholt. Statt den Mädchen die Wahrheit zu sagen, schiebt er diesen Moment immer weiter vor sich her, begibt sich mit ihnen von Minnesota aus quer durch das Land auf eine Fahrt in den Freizeitpark „Enchanted Gardens“ im fernen Florida. Je länger der Vater mit ihnen unterwegs ist, um so mehr empfinden sie sich als Familie, aber um so schwieriger wird es auch, den Kindern das Schreckliche zu erklären - die Verdrängung nimmt überhand. Die Ältere ahnt, dass da etwas nicht stimmt, die jüngere genießt naiv den Trip.

      John Cusack spielt den Trauernden, der nach außen fröhlich scheinen muss und dabei innerlich verzweifelt und selbst Trost sucht, überzeugend in seiner Zerrissenheit und Verlorenheit. Er verweigert sich der schmerzhaften Konfrontation, obgleich sein Leid mit jedem Tag zunimmt, bis zur emotionalen Katharsis. James C. Strouse zeigt das Leben im Mittleren Westen aus der Perspektive derer, die dort leben, lässt nicht eine Sekunde Überheblichkeit spüren. So ist Stanley der Durchschnittsmensch aus der gepflegten Vorstadt, dessen Grundfesten zusammenbrechen. Ein Befürworter des Irakkrieges im Gegensatz zu seinem Bruder, einem erklärten Gegner (wobei der politische Streit zwischen den Brüdern etwas gekünstelt wirkt). „Grace is Gone“ bewegt durch seine einfache Erzählweise, die Reduzierung auf das Notwendige. Wenn das Trio auf der Highway an sich immer wiederholenden Fast-Food-Restaurants und Shopping-Malls vorbeifährt, in den üblichen Motels übernachtet, so unterstreicht der Blick auf diese Alltäglichkeiten, die alltägliche Entfremdung. Die männliche Hauptfigur repräsentiert aber auch die Mehrheit seiner Landsleute, die nichts vom Irakkrieg wissen wollen, die das Grauen wegschieben und nur aus dem nationalen Koma erwachen, wenn es sie persönlich betrifft. Da passt es, dass das in geringer Kopienzahl gestartete Drama in USA - wie auch andere Irak-Filme von der Heimatfront wie „Im Tal von Elah“ oder „Badland“- auf wenig und ambivalente Resonanz stieß. Was seine Qualität nicht schmälert. mk.

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