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Gonzo: The Life and Work of Dr. Hunter S. Thompson

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Kritikerrezensionen

    1. Hunter S. Thompson: Das ist der exzessive Drogenfuzzi, der „Fear and Loathing in Las Vegas“ geschrieben hat. Erfinder des Gonzo-Journalismus: nicht nur unbedingte Subjektivität, sondern eigene Beteiligung, ja Anstoßung der Ereignisse prägen seine Berichte. Also warum nicht mit einem Kofferraum voll Drogen nach Las Vegas, um den hohl gewordenen Amerikanischen Traum zu suchen, die Agonie der 60er zu begleiten? Vollkommen wirr, weil die Zeiten wirr sind, wahnsinnig, weil die Gesellschaft wahnsinnig ist.

      Dieses Stück Journalismus, das mit allem bricht, was von faktualer Berichterstattung, Nüchternheit und Objektivität je übrig geblieben ist, hat Hunter S. Thompson bekannt gemacht; in Deutschland nicht zuletzt durch Terry Gilliams kongeniale Verfilmung. Die selbst grotesk ist, die das Absurde noch weiter treibt, die das Bizarre nicht nur abbildet, sondern selbst bizarr ist.

      Anders geht Alex Gibley in seiner Dokumentation über Thompson vor. Folgt mit zahlreichen Interviews mit allerlei Wegbegleitern der Biographie und der Karriere von Thompson, stets schön ordentlich in chronologischer Reihenfolge. Das ist informativ, aber auch konventionell und daher formal nicht sonderlich interessant – die Form entspricht dem Inhalt der wechselvollen Karriere eines wilden, hemmungslosen, bizarren amerikanischen Originals nicht. Wertvoll für den Kenner des Werkes von Hunter S. Thompson wird die Dokumentation vor allem durch die historischen Film- und Audiomitschnitte, die Thompson selbst zeigen, diesen großen Wirrkopf.

      Der nicht nur den Exzess in Las Vegas gelebt und beschrieben hat. Sondern auch ganz hervorragend richtigen Journalismus betrieben hat. Der in den 60ern als embedded journalist über die Hell’s Angels berichtet hat und nicht nur ihr Treiben, sondern auch ihre (Selbst)Inszenierung durch die Medien beschrieb. Der die demokratische Wahlkampagne 1972 gegen Nixon begleitete und heftig für den für den Kandidaten George McGovern trommelte – weil kein Besserer in Sicht war. Der nie seine persönliche Sichtweise verhehlte, aber doch die Atmosphäre akkurat einfing. Der sich stets an seiner Nemesis Richard Nixon abarbeitete, denn der stand für all das, was Thompson an Amerika verhasst war.

      Das alles beschreibt der Film, lässt auch Johnny Depp, seit dem „Fear and Loathing“-Film ein enger Freund Thompsons, aus seinen Artikeln vorlesen, interviewt Sonny Barger, den ehemaligen Hell’s Angel-Chef ebenso wie Ralph Steadman, der Thompsons Werke mit grotesken Zeichnungen illustrierte, bis hin zu Jimmy Carter, den Nixon-Nach-Nachfolger. Wirklich spürbar aber wird die Person Thompson nicht so recht in dieser allzu geordneten Biographie-Datenbank. Die sich redlich bemüht, alle Facetten unter einen Hut zu bringen, den brillanten Schreiber, den Sensor des Zeitgeistes, den berühmten Popautor, den engagierten Antikriegs- und Bürgerrechtskämpfer, den Freak, der in Aspen für den Sheriffsposten kandidierte mit einem Pro-Drogen-Programm, den Druggie, den Waffennarr, die unkontrollierbare Bestie in ihm. Dennoch kann der Film stets nur Begleiter sein für die Lektüre von Thompsons Werk – das derzeit im Heyne-Verlag erscheint –, das gerade in den Zeiten heutiger US-Politik aktuell ist wie eh. Nur, dass die Wiederwahl George W. Bushs (ist er nicht auch ein bisschen nixon) nicht Thompsons (Schreib)Wut, seinen Kampfgeist angestachelt, sondern seine Resignation und Depression gefördert hat. Weshalb er seinem Leben am 20. Februar 2005 ein Ende setzte. Mit seiner 44er Magnum natürlich.

      Fazit: Dokumentation über einen der brillantesten Journalisten der 70er. Chronologisch geordnet, mit Zeitzeugeninterviews und Rezitationen aus seinen zuweilen bizarren Gonzowerken aber eben doch recht konventionell, wenn auch informativ.

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