Filmhandlung und Hintergrund

Verfilmung des Erfolgsbuchs von Roberto Saviano, die mit sechs ineinander verwobenen Geschichten vom organisierten Verbrechen in Neapel erzählt.

Nur eine privilegierte Minderheit kann in den italienischen Provinzen Neapel und Caserta ein normales Leben führen. Denn die Camorra hat den ganzen Landstrich in ihrem eisernen Griff. Schon 13-Jährige wie Toto (Salvatore Abruzzese) kommen mit der organisierten Kriminalität in Kontakt, Jugendliche wie Marco (Marco Macor) und Ciro (Ciro Petrone) sind dem Mythos des großspurigen Gangstertums erlegen. Alle arbeiten direkt oder indirekt für den Clan.

In Süditalien, wo sich Müllberge und Leichen stapeln, hat die Camorra der Mafia längst den Rang abgelaufen. Nach dem Sachbuch-Bestseller von Roberto Saviano entstand ein Porträt dieses Krebsgeschwürs, dessen untrennbare Verbindung mit Bevölkerung und Alltag fünf Episoden nahelegen.

Die süditalienische Camorra hat die Mafia als treibende Unterweltmacht in Italien längst abgelöst. Drogenhandel, Verschieben von Giftmüll sowie zunächst als legal erscheinende Geschäfte mit Textilien und Zement gehören zum Tagesgeschäft, die Kriege der einzelnen Klans untereinander werden mit bedingungsloser Konsequenz ausgefochten.

Die süditalienische Camorra hat die Mafia als treibende Unterweltmacht in Italien längst abgelöst. Drogenhandel, Verschieben von Giftmüll, sowie zunächst als legal erscheinende Geschäfte mit Textilien und Zement gehören zum Tagesgeschäft, die Kriege der einzelnen Klans untereinander werden mit bedingungsloser Konsequenz ausgefochten. Ein ganzer Landstrich lebt unter dem Einfluss des organisierten Verbrechens, das sich wie ein Krake auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens ausgebreitet hat.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Die Provinzen Neapel und Caserta sind zwei der Gebiete, die unter dem Einfluss und der Macht der Mafiaorganisation Camorra stehen. In den vergangenen 30 Jahren gingen mehr Morde auf ihre Rechnung als auf die jeder anderen kriminellen Organisation, Terroristengruppierungen eingeschlossen. Die Camorra hat dabei nicht nur im internationalen Drogen- und Waffenhandel ihre Hand im Spiel, sondern verdient ihr Geld unter anderem auch mit der illegalen Entsorgung von Giftmüll, durch gefälschte Designermode oder Schutzgelderpressung. Doch mittlerweile hat sich das Netz der Camorra auch in Bereiche wie Bau, Tourismus, Einzelhandel oder Banken ausgeweitet und diese Geschäftsbeziehungen haben längst internationalen Charakter. Unter den „Mitgliedern“ finden sich Menschen aus allen sozialen und beruflichen Schichten. Fünf dieser Menschen werden zu Hauptfiguren in Matteo Garrones Film „Gomorrha“, der auf dem gleichnamigen internationalen Bestseller von Roberto Saviano beruht.

      Seit Saviano dieses Buch, eine Mischung aus Roman und journalistischer Reportage, veröffentlicht hat, lebt er unter Polizeischutz und versteckt an wechselnden Orten. Bereits dieser Umstand verdeutlicht die Brisanz des Buch- und ebenso des Filminhalts. Und der wird dem Zuschauer in einem äußerst nüchternen Sozialrealismus präsentiert. Konflikte werden nicht geglättet, sondern gezeigt wie sie sind: Brutal und emotionslos. Das Gangsterleben wird dabei weder stilisiert noch verherrlicht, wie man es zum Beispiel aus den „Godfather“-Filmen oder „Scarface“ kennt.

      Dass auch der Mafia-„Nachwuchs“ diese Filme im Kopf hat wird vor allem durch die Episode um Marco und Ciro deutlich gemacht. Indem sie übermütig ihren persönlichen Gangsterfilm nachspielen, werden die sonst so beliebten Klischees des Mafialebens ins Licht der Realität gezerrt. Der verklärende Glanz und die Faszination, die einst ein „Don Corleone“ verströmte, weichen in „Gomorrha“ einer kalten Wahrheit, die man so noch nie gesehen hat.

      Selbstverständlich liefen auch die Dreharbeiten in Scampia nicht ohne Kenntnis der Camorra ab. Doch deren stillschweigendes Einverständnis und der Enthusiasmus der Bewohner für das Projekt, sorgten für den Schutz von Garrones Cast und Crew. Für den Dreh waren neben professionellen Schauspielern auch zahlreiche Bewohner Scampias als Komparsen engagiert worden, also Männer und Frauen, für die das Leben mit den Camorristi Bestandteil ihrer Realität ist. Auch aus diesem Grund verströmt der Film eine geradezu dokumentarische Authentizität, die einen tiefen Eindruck hinterlässt.

      Auch wenn Garrone die Geschichten von fünf unterschiedlichen Menschen erzählt, die alle auf ihre eigene Weise mit der Camorra verbunden sind, blickt er doch in erster Linie auf deren Basis. Zu sehen sind Befehlsempfänger, die wirklichen Befehlshaber bleiben im Dunkeln und entziehen sich somit jeglicher Stereotypisierung. Gleichzeitig wirft der Film auch einen Blick auf einen vernachlässigten Winkel Europas; eine Betonwüste, in der Kinder heranwachsen, deren Zukunftsperspektiven trostlos sind. Eine Welt, in der eigene Gesetze herrschen und die vor allem von Angebot und Nachfrage geprägt ist. Denn – und das macht „Gomorrha“ ebenfalls deutlich – auch die Camorra kann ihr Geld nur verdienen, weil ihre Dienstleistungen in Anspruch genommen werden. Und das weltweit.

      Fazit: Kühl, realitätsnah und beeindruckend. So hat man das organisierte Verbrechen noch nie gesehen.
    2. Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra: Verfilmung des Erfolgsbuchs von Roberto Saviano, die mit sechs ineinander verwobenen Geschichten vom organisierten Verbrechen in Neapel erzählt.

      Nach Roberto Savianos Bestseller geißelt Matteo Garrone in einem furiosen Meisterstück die Macht der Mafia als menschliche Bindungen und gesellschaftliche Regeln zerstörende Krake.

      Authentisch, hart und unsentimental zeigt dieses Drama die kriminelle Energie und Skrupellosigkeit der neapolitanischen Camorra. Da halten keine legendären Paten den Clan zusammen, sondern heißt es ganz brutal, jeder gegen jeden, wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Heruntergekommen und von Angst dominiert ist die Satellitensiedlung Scampia, ein gefürchtetes Stadtviertel Neapels, in dem Menschen auf engstem Raum leben, Hort der organisierten Kriminalität. Mit unbarmherziger Präzision beschreibt Matteo Garrone einen Teufelskreis, dem kaum jemand entkommen kann. Schon die erste Szene endet in einem Blutbad, Mafiosi im Solarium und bei der Maniküre werden niedergestreckt, das Pendant zum früheren Barber Shop, wo die Kugeln flogen. Das Massaker ist Auftakt zum Bandenkrieg, der auch vor Kindern nicht halt macht. Schon Teenager dienen als Drogenkuriere und werden zum „Mann“, wenn ihnen der „Boss“ zum Test eine Kugel in die Schutzweste jagt. Die Handlung dreht sich um fünf Schicksale: einen 13-Jährigen, der für allein stehende Frauen Einkäufe erledigt und irgendwann der Camorra einen mörderischen Gefallen tun muss, ein „Bote“, der an Familien inhaftierter oder ermordeter Camorra-Mitglieder Geld austeilt, zwei Jungs, die sich für „Scarface“ halten und von der großen Gangsterkarriere träumen, ein begnadeter Schneider, der heimlich für die chinesischen Konkurrenten arbeitet und ein Immobilienhai, der mit Giftmüllländereien Reichtum scheffelt und dessen akademisch gebildeter Gehilfe die Menschenverachtung nicht mehr aushält. Weit weg von den klassischen Mafia-Filmen zeichnet Garrone ein Imperium, in dem sich Gut und Böse überlappen, ganz normale Menschen in der Maschinerie arbeiten, weil es sonst keine Überlebenschance für sie gibt und die Macht der Clans bis ins Private reicht. Garrones Blick ins Innere der Organisation fasziniert durch raue Bilder, angesiedelt in einem futuristisch anmutendem Gebäudekomplex menschenverachtender Vorstadtarchitektur, das den Einzelnen verschlingt wie ein Labyrinth. Die Camorra selbst bleibt als schwer fassbares Phänomen im Hintergrund, ein dunkler Schatten, der sich auf das Leben aller senkt. „Gomorra“ mag durch viele Handlungsfäden, die nicht so schnell auf einen Nenner zu bringen sind und durch explizite Gewalt irritieren, fasziniert aber durch Rigorosität, Gnadenlosigkeit und einen schmerzhaften Wirklichkeitsbezug. Kino von einer Härte wie ein Schlag in die Magengrube. mk.

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