1. Kino.de
  2. Filme
  3. Ghosts of Cité Soleil
  4. Fakten und Hintergründe zum Film "Ghosts of Cit? Soleil"

Fakten und Hintergründe zum Film "Ghosts of Cit? Soleil"

Kino.de Redaktion |

Ghosts of Cité Soleil Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über den Film

Haiti liegt zwei Flugstunden von Miama entfernt. Die UN nennt Haiti ”silent emergency”, dessen Bevölkerungsstatistik mit der der afrikanischen Sahara konkurriert. Denn Haiti ist an dritter Stelle, wenn es um Hunger in der Welt geht, hinter Somalia und Afghanistan. Die Bevölkerung von Haiti hat im Vergleich zu Äthopien und Sierra Leone einen noch geringeren freien Zugang zu klarem Wasser und einem geregelten Abwassersystem. Die Unterernährungsrate des Landes ist höher als die von Angola, und die druchschnittliche Lebenserwartung in Haiti ist niedriger als im Sudan. Ein größerer Prozentsatz der Bevölkerung Haitis lebt in Armut, als dies im vom Krieg verwüsteten Kongo der Fall ist.

In jeder Beziehung leben die 8 Millionen Einwohner Haitis in einem Zustand anhaltenden und abgrundtiefen Horrors. Eine lange Reihe von Diktatoren, Besetzungen durch das Militär und Handelsembargos haben dem Land zu schaffen gemacht und dort jede Perspektive erstickt. Doch mit der Vereidigung des ersten demokratisch gewählten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide im Jahr 1991 begann Hoffnung selbst im ärmsten Teil von Haiti aufzukeimen.

Bilderstrecke starten(7 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Ghosts of Cité Soleil

Eine Hoffnung, die nicht lange gerechtfertigt war. 1991 bis 1994 von einem Militärregime unterbrochen, hielt sich Aristide und seine Lavalas-Partei 13 Jahre an der Macht, aber sie brachten nicht den sozialen und ökonomischen Wandel, den sich viele erhofft hatten. Der versprochene Aufschwung vom ”Elend zu würdiger Armut” blieb aus, und die letzte Amtszeit von Aristide sah sich einer steigenden Opposition gegenüber, deren Stimmen man nicht zum Schweigen bringen konnte. Im letzten Winter geriet Haiti wieder in die Schlagzeilen der internationalen Presse, mit Berichten über brennende Barrikaden, politische Gewalt, bewaffnete Gruppen, die das Land übernahmen und schließlich mit Berichten über die Absetzung und das Verschwinden des Präsidenten.

Im Slum von Cité Soleil regierten Präsident Aristides loyalste Anhänger wie Könige. Die Anführer der fünf größten Gangs kontrollierten die Gruppen der hochbewaffneten jungen Männer des Gebietes, die Chimères. Die Geheimarmee von Präsident Jean-Bertrand Aristide. GHOSTS OF CITÉ SOLEIL ist ein Film über Bily und Haitis 2pac, zwei Brüder und Anführer der Chimères.

Der Film wurde 2004 während der turbulentesten Zeit in der neueren Geschichte Haitis gedreht und wäre niemals ohne das immense Talent, Herz und den großen Mut des jungen serbischen Koregisseurs und Kameramanns Miloš Loncarevic realisiert wurden. Er riskierte immer wieder sein Leben, an einem der gefährlichsten und zugleich faszinierendsten Orte überhaupt. Wir haben Freunde während des Drehs in Cité Soleil gefunden, und wir haben Freunde verloren. Einige starben, andere verschwanden einfach. In Haiti stehen die Zeichen schlecht für die Chimères. Manchmal ist es eben schwierig sich daran zu erinnern, dass die jungen Männer, die ihre Waffen aus Verzweifelung tragen, nicht das Übel selbst, sondern nur ein Symptom des Übels sind, das noch nicht an der Wurzel beseitigt wurde …

Asger Leth, Juli 2005, Kopenhagen

Wyclef Jean über den Film

Ich erinnere mich, wie ich immer nach draußen rannte, wenn es regnete, um die Regentropfen mit meiner Zunge aufzufangen. So kam ich an Trinkwasser. Ich erinnere mich, wie ich nackt durch die Straßen lief, lachend und tanzend, während das Wasser über mein Gesicht lief. Ich erinnere mich, wie ich Schlamm aß, um den Hunger in meinem Magen zu besänftigen. Ich erinnere mich, dass wir kein Geld für die grundsätzlichen Dinge hatten, wir hatten nicht mal irgendwelche Kleidung.

Dennoch erinnere ich mich, dass ich glücklich war. Ich erinnere mich an die Freude inmitten der Armut, eine Freude, die sich auf dem Geist Haitis begründete. Ich erinnere mich, dass es mir gut ging.

Das sind meine Erinnerungen an einen Ort namens Croix-des-Bouquets, Haiti. Von dort bis nach New York City ist es ein langer Weg, doch einige Dinge werden immer ein Teil von mir bleiben. Jedes Mal, wenn ich nach Haiti zurückkehre, erlebe ich eine fast physische Reaktion auf mein Heimatland. Da gibt es eine unbeschreibliche Energie, die dich schon erfasst, bevor das Flugzeug überhaupt gelandet ist.

Ich schaue auf die majestätischen Berge, während das Flugzeug zur Landung ansetzt. Ich fühle die Hitze, der man nicht entkommen kann, sobald man seinen Fuß auf den Boden gesetzt hat. Es wirft mich fast um, ich bin zu Hause. Die Menschen von Haiti, besonders ihre Kinder, sind meine Familie. Egal, wie lange ich weggewesen bin, meine Leute empfangen mich immer wieder mit offenen Armen. Wenn ich in ihre Augen sehe, sehe ich mich selbst, und ich kann die Verbindung zu einer Vergangenheit bewahren, die ich nie wirklich aufgegeben habe.

In einer stürmischen Juninacht im Sommer des Jahres 2004 spürte ich diese Verbindung plötzlich wieder. Auf den Rat eines Freundes hin sah ich mir mit meinen Geschäftspartnern den Rohschnitt einer Dokumentation des dänischen Filmemachers Asger Leth und seines serbischen Kameramanns und Koregisseurs Miloš Loncarevic an. Angesiedelt in einem überfüllten und gewalttätigen Slumvorort von Port-au-Prince, GHOSTS OF CITÉ SOLEIL erzählt die Geschichte von Haitis 2pac, dem Anfüher einer Gang. Ich denke, es passte irgendwie, dass es in dieser Sommernacht regnete, denn uns war, als ob die Biltze des Storms, der draußen vor dem Fenster wütete, uns alle in unserem Inneren getroffen hatten.

Als ich in meinem Studio saß, noch ganz von den Bildern gefesselt, war meine ganz instinktive Reaktion, dass ich das nächste Flugzeug nach Haiti nehmen wollte. Warum fühlte ich so?

Ich musste es verstehen. Ich musste diese Jungs mit meinen eigenen Augen sehen und nicht durch eine Kameralinse. Ich musste von ihnen hören, was aus dem Spirit Haitis meiner Kindheit geworden war. Ich musste verstehen, warum ihr Leben so voll von Potential, ihre Augen aber dagegen so voll von Wut und Schmerz sind. Und ich musste herausfinden, was ich tun konnte, um das zu ändern.

2pac und so viele andere in Haiti wie er, wurden komplett von der Welt da draußen abgeschrieben. Es ist leicht, sich von jemandem, der von uns verschieden ist, abzuwenden. Sie sind nur Teil einer Statistik aus einem weit entfernten Land und scheinen der Welt nichts zu bieten zu haben. Aber dieser Film verhindert, dass wir uns abwenden. Wir sind gezwungen uns mit der Art auseinanderzusetzen, wie wir mit Elend in der Welt umgehen. Die Gesichter der Menschen erzählen uns, dass etwas schrecklich falsch in Haiti gelaufen ist. Aber dann realisiert man, dass es mehr zu erzählen gibt.

Nachdem ich GHOSTS OF CITÉ SOLEIL gesehen hatte, konnte ich lange nicht das Bild von 2pac loswerden, oder eines der anderen Jungs, die verzweifelt versuchen, ein Weg aus ihrem katastrophalen Leben zu finden. Natürlich ist die Musik ein wesentlicher Grund, warum ich mich so schnell mit ihnen identifizieren konnte. 2pac wollte Rapper werden. Während ich im Brooklyn-Projekt wohnte, gab mir meine Mutter einer Gitarre in die Hand. Sich an eine neue, fremde Kultur anzupassen, das Erlernen einer neuen Sprache, mit der typischen Angst eines Teenagers zu leben – bei all dem war die Musik meine Zuflucht. Sie hat mein Leben gerettet. 2pac hat auch nach dieser Rettung gesucht.

Aber in diesem Film geht es um weit mehr, als ein Junge, der rappen will. Ob man nun der Anführer einer Gang in einem der ärmsten Länder der westlichen Hemisphäre ist oder ein erfolgreicher Manager im reichsten Land, jeder von uns hat Träume, jeder von uns fühlt Schmerz. GHOSTS OF CITÉ SOLEIL handelt von den Träumen, die wir alle haben und die wir verstecken, um sie nur in unseren privatesten Momenten hervorzuholen.

Der Film enthüllt akribisch all die Elemente unseres Lebens: Liebe, Hoffnung, Schmerz, Verzweiflung. Das macht 2pak so menschlich wie Sie und ich. In einigen Songs aus dem Soundtrack von GHOSTS OF CITÉ SOLEIL vermische ich 2pacs Musik mit meiner eigenen. Ich möchte sein einzigarztiges Talent, seine Träume, seine unverwechselbare Vision der Welt zeigen. In anderen Stücken versuche ich die Kraft des Films selbst einzufangen, in dem ich Tracks komponiert habe, die das Chaos und zugleich die Klarheit des Films widerspiegeln – das Paradoxon, das Haiti ist.

Ich mag die Bühnen der Welt mit Königen und Präsidenten geteilt haben. Es war ein langer, langer Weg von Croix-des-Bouquets, aber ich werde nie vergessen, wo ich hergekommen bin. Ich mag Preise und hochrangige Auszeichnungen erhalten haben, aber ich werde immer fähig sein, den Menschen in die Augen zu sehen und mit ihnen auf dieser fundamentalen menschlichen Ebene in Verbindung zu treten. Ich mag einige der Annehmlichkeiten des amerikanischen ”fame and fortune” genießen, aber meine Arbeit wird immer das reflektieren und dem Tribut zollen, was originär aus Haiti kommt und doch unverwechselbar universell ist.

In dem ich immer die unterstütze, die in meine Fußstapfen treten wollen, habe ich mich entschieden, mein Leben so zu leben, dass ich all die Vorteile, die ich erhalten habe, auch wirklich verdiene.

Wie werden Sie Ihr Leben leben?

Wyclef Jean, Juli 2005, New York City

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Ghosts of Cit? Soleil"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

    Kino.de Redaktion  

Kommentare