Remake des Kultfilms von 1984, in dem das legendäre Geisterjäger-Team um Bill Murray durch Frauenpower ersetzt wird.

Eins gleich vorab: „Ghostbusters“ ist nicht der im Vorfeld kolportierte Totalausfall, sondern eine durchaus unterhaltsame Action-Komödie über vier höchst divergente Frauen, die sich dem Kampf gegen paranormale Events verschreiben und im Zuge ihrer haarsträubenden Mission ein immer besseres Team bilden.

Die Gags im Film sind vielleicht eher nach dem Prinzip „Masse statt Klasse“ verteilt – aber einige davon finden ja durchaus ihr Ziel.

Klar wirkt das alles etwas arg konzipiert: Die Lustige, die Nerdige, die Powerfrau, die Verrückte – jede Stereotypistin vertreten? Solide Stars in den tragenden Rollen? Dann kann‘s ja losgehen - mit einer Story, die schon früher mal bestens funktioniert hat. Auch etliche solide CGI-Spektakel hinzugefügt? Check! Dazu noch ein paar Referenzen ans Original eingestreut – sprich: Zitate, Locations und Cameo-Auftritte der alten Stars. Na also! Was soll da schon schiefgehen?

Nicht viel. Es sei denn, man stellt das Resultat in direkte Tradition eines der größten Kultfilme der Kinogeschichte. Dann jedoch muss man auch dem Vergleich standhalten. Dem direkten, erbarmungslosen, Erwartungs-überfrachteten Vergleich von Millionen treuer Fans, die bereits „Ghostbusters 2“ eine Enttäuschung fanden – Originalregisseur und Originalbesetzung zum Trotz. Und plötzlich entwickeln sich die Dinge schnell in eine ungute Richtung.

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Denn bei all den Schippen, die in puncto Tricktechnik, Geisterwaffen und CGI-Bombast draufgelegt wurden: An einer Erkenntnis kommt man während der ganzen 116 Minuten nicht vorbei. Das hat man alles schon mal gesehen. Und damals war’s cooler. Viel cooler. Lustiger auch. Schon klar: „Soll ja auch gar keine Fortsetzung sein, sondern eine Neuverfilmung!“ Das hilft aber auch nicht wirklich weiter.

Eher im Gegenteil: Gerade bei Remakes wird im Vergleich zum Original gewogen und nicht gezählt. Schleim-Attacken, unkontrollierbare Protonenbeschleuniger, abgedrehter Tech-Talk und Riesen-Geister sind aber nur beim ersten Mal originell. Ab dann wird’s schnell peinlich. Vor allem, wenn dazwischen 30 Jahre dramaturgische Reifezeit liegen. Neue Twists und Perspektiven: gut. Nur bombastischer mit anderem Chromosomensatz: ungenügend. So einfach sehen das Fans. Und vermutlich mit Recht.

Auch nicht wirklich treffsicher: Anhänger des Originals waren damals – und sind sicher auch noch heute – zu geschätzten 95 Prozent männlich. Und denen jetzt eine Version zu servieren, in der Männern ausschließlich die Rolle des Vollpfostens zukommt, ist doch etwas gewagt. Wohl zu gewagt: Am dem Punkt hat man die schon mal verloren. Und wie alle Männer, die von einer alten Lieben enttäuscht sind, fangen sie ganz schnell an zu hassen. Was den Trailer zu „Ghostbusters“ prompt zum meistverachteten Vertreter seiner Art gemacht hat. Und zwar aller Zeiten.

Ist das fair? Einen Film danach zu beurteilen, welche Erwartungen er alle nicht erfüllt? Absolut nicht. Aber verständlich ist es. Doch wer sich dem polarisierenden Werk von Regisseur Paul Feig objektiv nähern kann – und das Quartett aus Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Leslie Jones und Kate McKinnon in paranormaler Action sehen will – nur keine Berührungsängste. Keine Chance den Hatern. Egal in welchem Kontext.

Denn wie gesagt: Die Performance des neuen Damen-Teams ist durchaus ansehnlich, ebenso wie die zahlreichen Geister. Somit eigentlich alles im grünen Bereich. Wer jetzt noch ein Faible für Heldinnen hat und über die Gnade der späten Geburt verfügt – sprich: das Original nicht mitsprechen kann – macht nichts verkehrt. Ihr anderen: Meditiert in Frieden über die unsterblichen Worte von Dr. Peter Venkman aka Bill Murray: „Du wirst nie wieder einen Mann vollschleimen, der einen Positronen-Kollidierer hat!“ Und sehnt euch zurück in 80er-Jahre, wo so vieles so viel besser war. Und sei es nur dadurch, dass es brandneu war.

Der Trailer zu „Ghostbusters“:

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