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Murray und Mortensen geben Gas

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Ghostbusters - Die Geisterjäger Poster
© Boris Sunjic

Es wird spannend an der Côte d’Azur: Gleich drei Spitzenfilme buhlten dieser Tage um die Gunst von Publikum, Kritik und Jury.

Bringen großes Kino nach Cannes: Bill Murray und Viggo Mortensen Bild: Boris Sunjic

Auf Platz eins der Cannes-Hitliste liegt dabei „Broken Flowers“ von Jim Jarmusch. Hauptdarsteller Bill Murray ist einfach zum Knuddeln, wie er als alternder Schürzenjäger Donnie, der gerade von Julie Delpy verlassen wurde, die großen Lieben seines Lebens aufsucht. Grund dafür ist ein anonymer Brief: Donnie habe angeblich einen Sohn, der möglicherweise nach ihm sucht. Vier zauberhafte Frauen kommen als Mutter in Frage, gespielt von Sharon Stone, Frances Conroy, Jessica Lange und Tilda Swinton.

Ein bisschen Roadmovie, ein bisschen Komödie, ein bisschen Tragödie ist Donnies Reise in die Vergangenheit. Vier Begegnungen verändern den verschlossenen Single, er ist „tief berührt von dem Schmerz, den er verursacht und von der Liebe, die er verloren hat“, wie Murray seine Figur selbst beschreibt - die sicher nicht zufällig an Bob Harris aus dem Hit „Lost in Translation“ erinnert.

"Broken Flowers": Bill Murray auf der Suche nach der Mutter seines Sohnes Bild: Tobis

Sinnliche Seelenreise

Jim Jarmusch, der seit 1980 mit jedem seiner Werke in Cannes war, hat einmal mehr einen minimalistischen, fein beobachteten und stillen Film mitgebracht, der tief berührt. Murray ist eine Sensation und spielt sich nur mit kleinen Bewegungen der Augen und wenigen, aber wohl gesetzten Worten durch die Seelenreise seiner Figur. So viel Lacher und Szenenapplaus erntete kein anderer Film.

Im Gespräch bestach Murray nicht nur durch Komik und Schlagfertigkeit, er sprühte außerdem vor Intelligenz und Feinsinn. Auf die Frage, ob es nicht toll gewesen sei, mit derart schönen Frauen zu drehen, meinte er: „Sich schauspielerisch auf diese Konfrontation mit gescheiterter Liebe einzulassen, war eher wie ein Schnellkurs im Drahtseil-Laufen: extrem verunsichernd und verstörend - aber auch unglaublich bereichernd.“

Regisseur Jim Jarmusch zwischen Tilda Swinton und Julie Delpy Bild: Boris Sunjic

Heute noch ein Ghostbuster

Als ein chilenischer Journalist seine Frage damit einleitete, dass er als Kind in „Ghostbusters“ Angst gehabt habe, unterbrach ihn Murray: „Wir haben die Geister inzwischen verjagt, Du bist jetzt sicher! Aber hey, genau darum geht es auch in diesem Film: Wenn Du Dich Deinem Leben und den Menschen darin stellst, statt ein passiver Egozentriker zu sein, dann wirst Du wahrhaft lebendig - und Deine Sorgen zu einem Marshmallow Man.“

Tilda Swinton meldete sich nur einmal zu Wort: „Ich war nur zwei Tage am Set. Aber zwei Tage mit Bill Murray und Jim Jarmusch sind wie ein ganzes Leben mit jedem von Euch.“ Kein Festivalgast war geneigt, ihr zu widersprechen.

Notwehr mit Folgen: Viggo Mortensen in "A History of Violence" Bild: Warner

Vom König zum Killer

Viel Applaus gab’s aber auch für „A History of Violence„, David Cronenbergs ersten großen Studiofilm. „Ring-KönigViggo Mortensen spielt an der Seite von sexy Co-Star Maria Bello den Familienvater Tom, der in Notwehr zwei Räuber tötet. Kurz darauf tritt ein dämonischer Gangster (großartig: Ed Harris) auf den Plan und behauptet, Tom sei in Wahrheit ein Profi-Killer, mit dem er noch eine Rechnung offen habe.

Viggo Mortensen schafft einen Drahtseilakt: Dem bedrängten Kleinstadthelden gilt die Sympathie des Zuschauers, seine Prügeleien sind ästhetisch inszeniert und dank Tarantino-ähnlicher Dialoge teils auch witzig. Doch das Lachen bleibt im Halse stecken, wenn Mortensen mit den Reaktionen seiner völlig geschockten Familie konfrontiert wird, die den Vater kaum wiedererkennt.

Machte sich mit seiner eigens mitgebrachten Kamera über die Fotografenschar lustig: David Cronenberg Bild: Boris Sunjic

Brutalität und andere Katastrophen

Cronenberg war dennoch vom Beifall für die Gewaltszenen überrascht: „Zumindest haben die Leute, die da geklatscht haben, wahrscheinlich noch nie selbst jemanden getötet. Wenn die Menschen immer das nachmachen würden, was sie auf der Leinwand sehen, wäre die Erde schließlich längst entvölkert.“

Lars von Triers

Bryce Dallas Howard, Lars von Trier und Danny Glover stehen für "Manderlay" Rede und Antwort Bild: Boris Sunjic

Offene Kritik

Auch wenn Hauptdarstellerin Bryce Dallas Howard („The Village„) ein bisschen zu eindimensional und naiv wirkte, ist von Trier erneut ein hintersinniges, ja fast gemeines Lehrstück gelungen, diesmal über die Sinnlosigkeit gewaltsamer Demokratisierung.

Passend zum Film gab’s auch die erwarteten verbalen Angriffe von Triers gegen die US-Regierung: „Ich bin Amerikaner. Obwohl ich nie dort war, wird mein Denken zu 60 Prozent von diesem Land beherrscht. Ob Film, Fastfood oder Fernsehen - die USA exportieren ihre Kultur in unsere Hirne. Deswegen fühle ich mich als Amerikaner, darf aber nicht wählen, kann nichts beeinflussen. Und George W. Bush ist nun mal ein Arschloch. Ist das eine Beleidigung? Nein, bei ihm nicht!“

Die Stars aus dem Kriegsdrama "Merry Christmas" an der Croisette Bild: Kurt Krieger

Frohes Film-Fest

Ganz gute Kritiken gab’s auch für Benno Fürmann, Diane Krüger und Daniel Brühl mit „Merry Christmas„, der außer Konkurrenz lief. Die wahre Geschichte um eine spontane gemeinsame Weihnachtsfeier von deutschen, englischen und französischen Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg drückte gewaltig auf die Tränendrüse - hätte aber etwas mehr Tiefgang vertragen.

Für kollektives Gähnen im Wettbewerb sorgten dagegen das zähe italienische Einwanderer-Drama „Once you were born“ und der mexikanische „Battle in Heaven„, der nur wegen freizügiger, dabei aber völlig unerotischer Sexszenen Tagesgespräch war. Etwas spannender war der minimalistische „L’enfant“ aus Frankreich um einen 20-jährigen Straßendieb, der an seiner Rolle als Jungvater scheitert.

George Lucas, der Mann, der mit "Star Wars" eine neue Welt erschaffen hat Bild: Kurt Krieger

Die Jury macht Stimmung

Doch dank vieler guter Filme ist Cannes derzeit in Party-Laune - allen voran Emir Kusturica: Der Jury-Chef rockte am Sonntag mit seiner Folk-Punkband „The No Smoking Orchestra“ ab - mit den Jury-Kollegen Javier Bardem als Gast-Schlagzeuger und Salma Hayek als Gogo-Tänzerin à la „From Dusk Till Dawn„.

George Lucas

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