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Wenn es nur nach der Zahl der Goldjungs geht, sind die „Gravity“-Macher völlig losgelöst vor Glück. Doch als der wichtigste Preis vergeben wurde, schlug die Entscheidung ein wie der Weltraumschrott in die ISS…

Beste Hauptdarsteller: Cate Blanchett für "Blue Jasmine" und Matthew McConaughey für "Dallas Buyers Club". Lupita Nyong'o ist beste Nebendarstellerin in "12 Years A Slave", dem besten Film. Die meisten Oscars gewinnt Alfonso Cuaróns "Gravity". Bild: ©A.M.P.A.S.

Die Academy hat eine ihrer ungeschriebenen Regeln gebrochen, die da lautet: Wenn ein Film die meisten Oscars gewinnt und auch noch den Preis für die Regie, dann gibt’s auch den Preis für den besten Film.

Demnach hätte „Gravity“ den wichtigsten Academy Award bekommen müssen. Denn das bahnbrechende Weltraum-Epos räumte von seinen zehn Nominierungen sieben Oscars ab und war damit eigentlich der Gewinner des Abends: Alfonso Cuarón durfte sich über den Regie-Preis freuen, dazu gab’s Auszeichnungen für Kamera, Schnitt, Musik, Ton, Tonschnitt und Spezialeffekte. Lediglich bei Kostümen und Ausstattung hatte passend zum Genre die opulente Romanverfilmung „Der große Gatsby“ die Nase vorn.

Doch zum Finale einer Oscar-Verleihung, die lange nach einem großen Siegeszug für „Gravity“ aussah, platzte dann die Bombe: Bester Film wurde das mitreißende Drama „12 Years a Slave„.

Entsprechend überwältigt zeigte sich Regisseur Steve McQueen, der seine mit zittriger Stimme vorgetragene Dankesrede mit den Worten schloss: „Das ist für die über 20 Millionen Menschen, die auch heute noch in Sklaverei leben.“

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Es war ohnehin ein Abend der großen Gesten. Matthew McConaughey gewann wie erwartet den Preis als bester Hauptdarsteller für seine Leistung in „Dallas Buyers Club“ als Aids-Patient, der zum Medikamentenschmuggler für Miterkrankte wird. Und für jene hatte der Preisträger ein Zitat aus seinem Debüt „Dazed and Confused“ gewählt: „Just keep living“ schloss er seine Danksagung für seinen ersten Oscar.

Neben McConaughey wurde auch Jared Leto als bester Nebendarsteller gefeiert für seinen Auftritt als ebenfalls erkrankte Dragqueen - und für seine Dankesrede, in der er den Menschen in der Ukraine und Venezuela seine Solidarität versicherte. Dazu gewann „Dallas Buyers Club“ auch den Preis fürs beste Makeup - eine besondere Ehrung, nachdem Maskenbildnerin Robin Matthews vor der Verleihung enthüllt hatte, dass sie für den gesamten Film nur 250 Dollar ausgeben durfte und sie die Schminke der Erkrankten daher zum Teil aus Müsli-Bestandteilen herstellte.

Ihr seid doch alles alte Säcke in der Academy!

Cate Blanchett

Blanchett, die nach ihrem Nebenrollenpreis für „Aviator“ schon ihren zweiten Goldjungen gewann, war zu Scherzen aufgelegt. Schon als sie mit Standing Ovations gefeiert wurde, mahnte sie die ehrwürdigen Damen und Herren der Academy: „Setzt Euch lieber wieder hin, ihr seid doch zu alt zum Stehen“!

Beste Nebendarstellerin wurde Lupita Nyong’o, die in „12 Years A Slave“ das Opfer der Gemeinheiten von Sklaventreiber Michael Fassbender wird. Sie dankte Regisseur Steve McQueen für „die größte Freude in meinem Leben“ und war von allen Preisträgern die offensichtlich Gerührteste.

Kein Wunder, denn sie hatte immerhin Hollywoods derzeitigen Darling Jennifer Lawrence ausgestochen, die für ihre zwielichtige Betrügergattin in „American Hustle“ nominiert war. Das Gaunerstück war insgesamt der Verlierer des Abends: Trotz zehn Nominierungen, also genauso viel wie beim Abräumer „Gravity“, ging man ohne einen einzigen Oscar nach Hause.

Im Schatten eines „Ghostbusters“

Alfonso Cuarón, der nur zu gerne auch den Preis für den besten Film gewonnen hätte, durfte sich für „Gravity“ persönlich immerhin mit Oscars für Regie und Schnitt trösten. Während er beim Schnitt noch seinem Kollegen Mark Sanger das Mikro überließ, hielt er beim Regiepreis eine mitreißende Rede und dankte seiner Hauptdarstellerin, die Cate Blanchett unterlag: „Sandra, Du bist für mich die Schwerkraft - einer der besten Menschen, denen ich je begegnet bin.“ Die zweite Hälfte seiner Ansprache hielt Cuarón auf mexikanisch und dankte seinen Landsleuten Alejandro González Iñárritu und Guillermo Del Toro - und brav auch seiner „Mama“!

Sein berühmtes Gespür für bittersüße Scherze stellte einmal mehr Bill Murray unter Beweis. Er durfte gemeinsam mit Amy Adams den Kamera-Oscar überreichen. Als die Nominierten genannt waren, sagte er: „Oh, Moment, wie haben noch jemanden vergessen: Harold Ramis für ‚Caddyshack‚, ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‚ und ‚Ghostbusters‚!“ Ramis war vergangene Woche an den Folgen einer Immunerkrankung gestorben.

Als sich die Academy traditionell mit bewegenden Bildern von den im laufenden Jahr Verstorbenen verabschiedete, wurde es beim Gedenken an Maximilian Schell sowie den viel zu früh verschiedenen Philip Seymour Hoffman und Paul Walker besonders still im Saal.

Überhaupt war es keine rauschende Gala, was auch am eher unterkühlt-ironischen Stil von Gastgeberin Ellen DeGeneres lag, die durch den Abend im Dolby Theatre zu Los Angeles führte. Ihr größter Kalauer des Abends: Sie sammelte mit dem legendären Hut von Song-Nominee Pharrell Williams Trinkgeld für die Pizza-Lieferung, die sie extra für die Oscar-Gäste organisiert hatte. Dafür gab’s unter anderem eine Spende von „House of Cards„-Star Kevin Spacey.

Den Preis für den besten Song gewann aber nicht Favorit Williams für „Happy“ aus „Ich - Einfach unverbesserlich 2„, sondern der Titel „Let it Go“ aus „Die Eiskönigin - Völlig unverfroren„. Die Märchen-Neuverfilmung wurde auch als bester Animationsfilm geehrt.

Und welches Urteil fällt die Filmgeschichte?

Am Ende zeigten sich dann wieder die Tücken der Oscar-Regeln: In den meisten Kategorien dürfen nur jene Mitglieder abstimmen, die selbst im fraglichen Bereich tätig sind. Kameraleute stimmen über den Kamera-Oscar ab, Cutter über den Schnitt-Oscar, Tonexperten über den Ton. Nur beim besten Film dürfen ausnahmslos alle Mitglieder der Academy mitstimmen.

Das ist einer der Gründe, warum die Königskategorie Bester Film im Ruf steht, nicht immer fachlich fundierte Urteile zu fällen. So erhielten in der Vergangenheit Nominierte keinen Oscar als bester Film, die sich im Nachhinein als filmgeschichtlich epochale Werke erwiesen: „Citizen Kane„, „Taxi Driver„, „Apocalypse Now“ oder „Pulp Fiction“ sind einige der prominenten Beispiele.

Hier könnte sich auch „Gravity“ einreihen. Denn wenn es 2013 einen Film gab, der in Sachen Seherlebnis und visueller Darstellungskunst neue Maßstäbe setzte, dann war das sicher das 3D-Weltraum-Epos mit seinen spektakulären Kamerafahrten und atemberaubenden Schwenks. Man darf also gespannt sein, ob in einigen Jahrzehnten der Oscar-Jahrgang 2013 ähnlich gesehen wird wie die Jahre 1941, 1976, 1979 oder 1994…

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