Geliebte Lügen

  1. Ø 3
   2005
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Geliebte Lügen Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Geliebte Lügen: Beeindruckendes Regiedebüt von Oscarpreisträger Julian Fellowes ("Gosford Park) über Eheglück, das als Illusion enttarnt wird.

Von außen sieht die Ehe zwischen James und Anne Manning (Tom Wilkinson und Emily Watson) wie die ideale Beziehung aus. Zwei Kulturmenschen, die einander perfekt ergänzen, mit guten Jobs in der Stadt und Häuschen im Grünen. Doch hinter der Fassade gähnt das Grauen der Routine, und Anne sieht sich heimlich nach dem smarten, jungen William Bule (Rupert Everett) um. Als nach einem Umtrunk mit den Nachbarn ein Toter die Auffahrt der Mannings ziert, gibt es viele Verdächtige.

Beziehungs- bzw. Klassenkampfmelodram trifft Mörderratespiel in bester britischer Tradition im Regiedebüt des Oscar-gekrönten „Gosford Park„-Autoren Julian Fellowes.

Die Mannings führen eine glückliche Ehe im britischen Wohlstandsmilieu. Doch diese Fassade bricht ein, als Anne ihrem Mann ihre schlimmsten Geheimnisse beichtet. Sie hat eine Affäre mit einem Aristokratensohn und einen Radfahrer mit dem Auto tödlich verletzt. Für James bricht eine Welt zusammen. Während er Ehe und Ruf zu retten versucht, befreit sie sich von dieser Beziehung und ihrem quälenden Gewissen als Fluchtfahrerin.

Gemeinsam mit seiner Frau Anne führt der Londoner Anwalt James Manning eine glückliche Ehe und ein sorgenfreies Leben. Doch die britische Wohlstandsidylle zerbricht jäh, als Anne ihrem Mann beichtet, dass sie eine Affäre mit dem attraktiven Aristokratensohn Bill unterhält. Damit aber nicht genug. Sie hat auch noch mit dem Auto einen Radfahrer tödlich verletzt und Fahrerflucht begangen. Während James verzweifelt Ruf und Ehe zu retten versucht, stellt sich heraus, dass Bills Wagen an dem Unfall beteiligt war. Doch der saß nicht am Steuer.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Regisseur Julian Fellowes schlug sich viele Jahre als zweitklassiger Schauspieler im britischen Fernsehen und Kinofilm durch. Der Durchbruch gelang ihm, als er 2001 für sein Drehbuch zu ‚Gosford Park’ den Oscar gewann.
    ‚Geliebte Lügen’ (eine äußerst unzutreffende Übersetzung von ‚Separate Lies’) ist seine erste äußerst gelungene Regiearbeit.

    Die verwobene Geschichte schlägt den Zuschauer umgehend in Bann, die Charaktere wirken oft wie eine zeitgenössische Version von ‚Gosford Park’.
    Selbstverständlich behandelt Fellowes, der das Drehbuch nach einem Roman von Nigel Balchin schrieb, wieder die britische Oberschicht und durchleuchtet ihre Charakterschwächen.

    So besticht ‚Geliebte Lügen’ vor allem durch die Ehrlichkeit der Figuren, die sich nach und nach immer deutlicher entfaltet. Abgesehen von den vielen Twists, die der Geschichte immer wieder eine neue Richtung verleihen, sind es die Charaktere, die zu erstaunen vermögen.
    Wo wir vom zeitgenössischen Hollywoodkino Drama und große Gesten gewöhnt sind, steht hier oft nur ein einziges Wort oder Wortspiel.

    „Fuck Bill“, meint James bei seiner Unterhaltung mit Anne, als sie ihm gestanden hat, dass sie den Unfallwagen fuhr. „That’s the thing. I fucked Bill... Or rather he fucks me“, entgegnet Anne daraufhin als ultimatives Schuldeingeständnis.
    Das ist so simpel, so unspektakulär und trotzdem schockierend, dass man sich fragt, warum die andere Variante für Hollywood grundsätzlich so viel attraktiver scheint. Vermutlich weil nicht jeder Autor soviel Witz und Mut aufbringt einen solchen Dialog zu schreiben.

    So sind auch die Verwirrungen, die Annes Geständnis einläuten, von Echtheit, Humor und menschlichem Versagen geprägt, die aber grundsätzlich in einem solchen Understatement gehalten werden, dass Anne irgendwann ihren Mann fragt, warum er nicht extremer reagieren würde. Vermutlich weil ihm das zu sehr Jerry Springer wäre, entgegnet dieser.

    Das Wagnis, das Fellowes mit seinem Drehbuch und seiner Debütarbeit einging, hätte natürlich auch schief gehen können, hätten ihn nicht ausgezeichnete Schauspieler bei seiner Arbeit unterstützt. Natürlich sind Tom Wilkinson, Emily Watson und Ruperet Everett schon als ‚Crême de la Crême’ des britischen Kinos zu bezeichnen, doch in diesem Film überbieten sie sich gegenseitig in ihrer Schauspielkunst.

    Es ist sehr angenehm eine solche Ausnahmeerscheinung im Kino vorfinden zu dürfen. Hier schafft es das britische Kino, was Amerikas Hollywood oft nicht vermag – echte Emotionen zu erschaffen.

    Fazit: Brillantes Familiendrama, das von seinen Charakteren getragen wird.
  • In seinem Regiedebüt entlarvt Julian Fellowes, Drehbuch-Oscarpreisträger für „Gosford Park“, eine vermeintlich glückliche Ehe als parallelen Selbstbetrug. Ein erlesen geschriebenes und gespieltes Charakterstück mit großen zwischenmenschlichen Momenten.

    Eingleisig ist der Provinzbahnhof, an dem Anne Manning (Emily Watson) ihren Mann James (Tom Wilkinson) regelmäßig vom Zug aus London abholt. Symbolisch für die Beziehung des Ehepaars, in der sich Anne den Wünschen und Ansprüchen ihres moralisch untadeligen, überkorrekten Manns untergeordnet hat. Der erfolgreiche Anwalt ahnt nicht, dass seine Interpretation von Glück – das komfortable, spannungsbefreite Einrichten im Wohlstandsleben der oberen Mittelklasse – nicht von seiner Frau geteilt wird. Ein tragischer Unfall, bei dem der Ehemann der Putzfrau der Mannings getötet wird, löst eine Kette von Ereignissen aus, die dem Juristen die Augen öffnen. Denn der geflüchtete Unfallfahrer ist nicht der von ihm verdächtigte Amerikaheimkehrer Bill Bule (Rupert Everett), sondern seine eigene Frau, die mit dem Aristokratensohn eine Affäre hatte.

    Aus dieser Enthüllung heraus entwickelt Fellowes in seiner Adaption eines vor mehr als 50 Jahren veröffentlichten Romans eine Zweikomponentenkrise. Zum einen steht jetzt eine langjährige Ehe auf dem Prüfstand, in der der Mann trotz Vertrauensbruchs den Status quo beibehalten will, die Frau aber zu ihrem Liebhaber zieht. Zum anderen ringt Anne um die Befreiung ihres Gewissens, während die Polizei den Fall untersucht und James seine Frau und seine gesellschaftliche Stellung zu schützen versucht. Keiner der drei Hauptfiguren ist frei von Schuld, jede erarbeitet sich Sympathie, sogar Everetts sarkastischer Salonlöwe, dem aristokratische Arroganz aus jeder Pore tropft. Zentrum der Geschichte ist aber Wilkinson, der mit einer berührenden Darstellung die erstaunliche Verwandlung, den Einsichtsgewinn seiner Figur über das Wesen der Liebe deutlich macht. Die dabei geforderte Selbstlosigkeit zeigt sich auch in zwei tragischen, Verzicht leistenden weiblichen Nebenfiguren.

    Dezent und subtil arbeiten Schauspieler und Regie bei Charakterisierung und Dramatisierung in diesem kleinen britischen Film zusammen, der kein Urteil fällt, selbst aber eines verdient hat: große Reife. kob.

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