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Filmhandlung und Hintergrund

Gegenüber: In der Quinzaine ausgezeichnetes hartes Drama über verbale und physische Gewalt in der Ehe.

Georg (Matthias Brandt) und Anne (Victoria von Trautmannsdorff) sind ein scheinbar normales, nettes Paar. Doch die Vorweihnachtszeit steht unter keinem guten Stern. Grundschullehrerin Anne rastet immer öfter aus, beschimpft ihren Mann. Der Polizist erduldet die Ausbrüche und versucht zu beschwichtigen. Ihre beiden Kinder haben aus diesem Grund die Eltern längst verlassen. Selbst als Anne zuschlägt und ihn obendrein vor seinen Augen betrügt, lässt sich Georg nicht aus der Reserve locken. Weder ihr Sohn Lukas noch Annes Eltern können helfen.

Hartes Drama, mit dem Jan Bonny sehr düstere Szenen einer Ehe ausmalt. Die Folgen von körperlicher und seelischer Gewalt sind subtil inszeniert und grandios gespielt. Ein verhängnisvolles Schmerzlabyrinth tut sich auf, in dem Sprachlosigkeit und Abhängigkeit herrschen.

Ein normals Paar: Er ist Polizist, sie Grundschullehrerin, ihre Kinder sind erwachsen. Hinter der freundlich gutbürgerlichen Fassade brodelt es. Sie rastet aus, wirft ihm nicht nur Schimpfwörter an den Kopf, sondern schlägt auch nach ihm und betrügt ihn schließlich vor seinen Augen. Doch sie kann ihn nicht aus der Reserve locken.

Auf den ersten Blick sind sie ein nettes Paar, der Polizist und die Grundschullehrerin, sie sind stolz auf ihre Kinder, haben sich in der Unauffälligkeit eines Lebens eingerichtet, das für beide zur Hölle wird. Was niemand weiß – immer wieder rastet die Frau komplett aus, demütigt ihren Mann mit Worten, traktiert ihn brutal mit Händen und Füßen. Und er wehrt sich nicht, flüchtet sich in stoische Ruhe und versucht die Aufgeregte zu beruhigen. Vergebens. Als dann für den besonnenen Polizisten eine Beförderung ansteht, eskaliert die Situation.

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Kritikerrezensionen

  • Manchmal braucht es keine Worte, um ein tiefgreifendes Problem zum Ausdruck zu bringen. In "Gegenüber" sind es zum Beispiel die kleinen Gesten und die unausgesprochenen Lücken inmitten hilflos geführter Dialoge in denen sich die Gefühle verbergen. Die wahre Tiefe dieses Alltagsdramas erschließt sich dem Zuschauer dabei erst nach und nach.

    In "Gegenüber" wird ein Thema angesprochen das sowohl in der Filmgeschichte als auch im Medienalltag nur selten Widerhall findet. Gemeint ist die körperliche Gewalt einer Frau ihrem Ehemann gegenüber. Dabei lässt sich die Beziehung zwischen Anne und Georg keinesfalls in Täter und Opfer aufteilen, damit würde man es sich zu einfach machen. Das Verhältnis des Ehepaars ist vielschichtig und kompliziert. Beide sind mit ihren Gefühlen in Sackgassen geraten aus denen sie keine Ausbruchsmöglichkeiten mehr erkennen können.

    Georg ist geprägt von seiner Hilflosigkeit aber auch seinem tiefen Wunsch nach Normalität. Zurückschlagen kann und will er nicht. Dass er sich nicht zur Wehr setzt – weder in Worten noch in Taten – hat jedoch nur Annes zunehmende Verachtung und Wut zur Folge. Das daraus resultierende immer stärkere Ungleichgewicht sorgt für zunehmende Spannung, wobei Anne zu immer tiefgreifenderen Provokationen und Verletzungen greift, um Georg zu einer Reaktion zu zwingen.

    Annes innerer Aufruhr hat eine ganz eigene langjährige Geschichte, was sich in ihrem Verhältnis zu ihren Eltern widerspiegelt. Sie erntet betretenes Schweigen, wenn sie vergeblich versucht, Aufmerksamkeit zu erringen, überhaupt wahrgenommen zu werden bzw. ein "Gegenüber" zu haben. Und der Überdruck, der durch die ständigen Beschwichtigungen und Besänftigungen ihrer Familie entsteht, führt zwangsläufig früher oder später zur Explosion.

    Dabei möchte sie niemandem Schaden zufügen. Auch sie sehnt sich nach Vertrautheit und einem funktionierenden Leben und ihre Angst, Georg zu verlieren, ist sehr real. Anne versucht verzweifelt, die Fäden zusammen zu halten, während ihre Welt längst im Begriff ist, auseinanderzufallen. Ihre innere Zerrissenheit wird dabei nicht nur für ihren Mann und ihre Kinder immer unerträglicher, auch der Zuschauer muss sich zwangsläufig darauf einlassen.

    Dass er das kann, ist nicht zuletzt dem visuellen Charakter des Films zu verdanken. Die Bilder wirken weder künstlerisch überhöht noch dokumentarisch sachlich. Vermittelt wird über die Bildebene eher ein Charakter des Privaten. Die Kamera bewegt sich mit den Figuren durch den Raum und zeigt nur das, was die Figuren auch sehen. Dadurch wird der Zuschauer nicht abgelenkt, sondern muss den Konflikt gemeinsam mit den Figuren durchleben. Und nicht zuletzt dadurch wird "Gegenüber" zu einem Film an den man noch lange zurückdenkt.

    Fazit: Ein intensives und tiefgreifendes Alltagsdrama, das den Zuschauer nicht so schnell wieder loslässt.
  • Das harte Drama über verbale und physische Gewalt in der Ehe, die hier von einer Frau ausgeht, erhielt in der Quinzaine eine Lobenden Erwähnung.

    Zwei im Kino nicht sehr bekannte Schauspieler legen eine außergewöhnliche Performance hin, Victoria Trauttmansdorff und Matthias Brandt. Auf den ersten Blick sind sie ein nettes Paar, der ordentliche Polizist und die hübsche Grundschullehrerin, sie sind stolz auf ihre erwachsenen Kinder, haben sich in der Unauffälligkeit eines Lebens eingerichtet, das für beide zur Hölle wird. Was niemand weiß – immer wieder rastet die Frau komplett aus, demütigt ihren Mann mit Worten, traktiert ihn brutal mit Händen und Füßen. Und er wehrt sich nicht, flüchtet sich in stoische Ruhe und versucht die Aufgeregte zu beruhigen. Vergebens. Als dann für den besonnenen Cop eine Beförderung ansteht, eskaliert die Situation, bis der Gepeinigte irgendwann psychisch nicht mehr kann und zurückschlägt.

    Der erst 28-jährige Jan Bonny zeichnet subtil das Halbdunkel zwiespältiger Gefühle, das Gefangensein zweier Menschen in einer abgründigen Verflechtung aus Liebe und Gewalt, die krampfhaft die Fassade der Normalität nach außen aufrecht erhalten, hinter der es heftig kracht. Er folgt akribisch der inneren Logik der Konfliktbeziehung, für ihn eine Fortschreibung normaler Verhältnisse unter unglücklichen Vorzeichen. Täter- und Opferverhalten bedingen sich, und gerade bei der weiblichen Protagonistin sind die Ausfälle als Hilfeschrei zu deuten, der ohne Resonanz verhallt. Sie will einen adäquaten Gegenpart, keinen, der sich ihr unterwirft. In ihrer Wut über das ständige Aus- und Zurückweichen des Partners, betrügt sie ihn mit einem Kollegen vor seinen Augen, macht ihn vor anderen fertig, immer in der Erwartung einer Reaktion.

    “Szenen einer Ehe”, in denen es keine Aussprache über verlorene Sehnsüchte gibt, sondern nur Sprachlosigkeit, Abhängigkeit, Erschöpfung. In diesem Labyrinth des Schmerzes bleibt kaum Hoffnung, auch wenn das letzte Bild eines in sich verschlungenen Paares Versöhnung signalisiert. Aber vielleicht auch nur eine Atempause vor der finalen Emotions-Schlacht. mk.

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