Gegen jeden Zweifel: Thriller mit Michael Douglas als skrupelloser Staatsanwalt, dem ein engagierter Reporter das systematische Fälschen von Indizien nachzuweisen versucht.
1983 in „Ein Richter sieht rot“ zögerte Michael Douglas noch, das Recht mit Mord zu beugen. Als Staatsanwalt auf Karrierekurs, wieder inszeniert von Peter Hyams, sind nun alle Skrupel aufgegeben.
Mit dem Einsatz von Action, Spannung, Tempo und Stars verstand sich Hyams („End of Days - Nacht ohne Morgen“) schon immer darauf, schwächelnde Plots zu kompensieren. Für diesen hier bediente er sich nach „Narrow Margin - Zwölf Stunden Angst“ ein weiteres Mal bei einem Stoff aus den Fünfzigerjahren, mit dem sich Altmeister Fritz Lang von Hollywood in Richtung Heimat verabschiedet hatte. „Jenseits allen Zweifels“, so der Titel von Langs Kriminaldrama, ist auch das Remake nicht, das aller Updates zum Trotz einige dramaturgische Probleme des Originals recycelt und vom Zuschauer Glaubwürdigkeitstoleranz erwartet.
Die ersten Szenen gehören Michael Douglas als souverän wirkender Staatsanwalt Hunter, der wieder einmal einen Mörder schlachtreif für die Jury gemacht hat. TV-Reporter Nicholas (Jesse Metcalfe) ist überzeugt, dass Hunter Beweise fälscht, damit seine cleveren Plädoyers fundiert und nicht im luftleeren Raum geführt werden müssen. Um das zu beweisen, stellt er Hunter eine Falle, studiert intensiv den Polizeibericht zum Mord an einer Prostituierten und manipuliert Indizien, die auf den flüchtigen Täter hinweisen können. Niemand ahnt, dass er die Beweise, vom Springmesser bis zur Gesichtsmaske, erst nach der Tat gekauft und bearbeitet hat, dass sein Kollege ein Video gedreht hat, das diesen Prozess dokumentiert und so seine Unschuld beweist. Wie geplant, wird er verhaftet und vor Gericht gestellt, doch bevor er seinen Trumpf ausspielen kann, wird das Material samt Kameramann aus dem Verkehr gezogen. Jetzt ist seine Freundin, zugleich Hunters ergebene Assistentin, gefordert, Liebe über Loyalität zu stellen und den Reporter zu retten.
Der Mörder ist immer der Gärtner, möchte man angesichts von Metcalfes Vergangenheit als Rasen und Frauen pflegender Beau im Serienhit „Desperate Housewives“ argumentieren - und läge so falsch damit nicht. Nach langsamer Einführung von Figuren und Story wirkt der stets eine Spur zu bemüht wirkende Metcalfe mitunter so deplaziert wie David Shires Musik, bis der visuell einer TV-Ästhetik verpflichtete Film Fahrt aufnimmt und es dem Zuschauer leichter macht, seine Skepsis über die nicht nur sprunghafte Dramaturgie aufzugeben. Im letzten Drittel wird die Spannungsschraube angezogen, gibt es eine Tiefgaragenattacke, die Hyams inszeniert, als hätte sein Thriller das Genre gewechselt, und einen finalen Twist, der - wie schon bei Lang - eine komplett andere Perspektive auf die Story ermöglicht, die Michael Douglas trotz reduzierter Szenen schauspielerisch klar dominiert. kob.
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