Filmhandlung und Hintergrund

Kammerspiel: Eine Biologin flüchtet mit einem ausgebrochenen Häftling, der durch Zufall ihren Weg gekreuzt hat.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

So werten die User ø 5,0
(2)
5
 
2 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (2 Stimmen)
5
 
1 Stimme
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

    1. Ihr Leben ist einfach scheiße, zumindest fühlt es sich so an. Sie ist wissenschaftliche Assistentin, forscht über Lebewesen, die unter Luftabschluss leben können; ihre Liebe zum Professor ist am Zerbrechen. Wenn sie aus ihrem Küchenfenster blickt, hat sie beste Sicht aufs Gefängnis. Splitter eines traurigen, verzweifelten Lebens setzt Regisseur Ian Dilthey zu Anfang vor, oftmals mitten im Satz geschnitten, die Beschreibung eines verschlossenen einsamen Frau, die auch mit ihrer Freundin, scheinbar dem einzigen sozialen Kontakt, nicht viel redet. Die zu kleinen Aussetzern neigt, Reagenzgläser vom Labortisch schmeißt, die Jacke einer sexy Studentin zerreißt, die in die Sprechstunde des Profs geht. Sie sucht einen Ausweg aus ihrem Leben, den sie alleine nicht finden kann.

      Dann tritt er in ihr Leben, unvermutet, brutal, ein Ausbrecher aus dem Gefängnis, den sie immer durchs Fenster beobachtet hat. Er nistet sich bei ihr ein, hält sie gefangen zur eigenen Sicherheit vor Verfolgung. Keine Worte fallen über weite Strecken des Films, nur ein Ausloten auf verschiedenen Ebenen findet statt: auf der des Films, der die komplexe Beziehung zwischen dem Ausbrecher und seiner Gefangenen untersucht, auf der der Figuren, die sich gegenseitig belauern.

      Eine schweigende Bedrohlichkeit geht von dem Ausbrecher aus, der sie auch beim Pinkeln nicht aus den Augen lässt. Das metaphorische Gefangensein im eigenen Leben, das der Film zu Anfang zeigt, wird konkret, ein bedrohliches Eingesperrtsein – um dann, nach reichlich Schnaps- und Franzbranntweingenuss, zum sexuellen Spiel zu werden, zur erotischen Befreiung. Eine ganz unerhörte Entwicklung der Hauptfigur ist das, die Hinwendung zum Peiniger – doch Dilthey kann sie durch die Überzeugungskraft seiner Darsteller, aber auch durch die stilisierte Rücknahme formaler Mittel – keine Musik, überlauter Ton – glaubhaft machen. Der Gewaltmensch erscheint in ihrem verkorksten Dasein als Impuls des Lebens.

      Sein Film ist ein Thriller, ohne sich in Suspenseklischees zu verfangen, ein Sozialdrama, ohne in Weinerlichkeit zu waten, ein Einsamkeitsporträt, ohne seine Metaphorik überzubewerten. Er ist nicht einfach die Bebilderung des Stockholmsyndroms, der besessenen Liebe zum Peiniger, vielmehr geht es um das Aufzeigen der Verwurzelung in einer tiefen Lebensverzweiflung, die sich in der Freiheit der Flucht, in der anarchischen Wildheit des Verbrecherlebens, in der Befreiung durch Ausgrenzung aus dem vorgenormten Leben ausdrückt – bis zum bitteren Ende.

      Fazit: Ein spannendes, kammerspielartiges Thrillerdrama um metaphorische wie konkrete Gefangenschaft – gerade durch seinen Minimalismus wirkungsvoll.

    News und Stories

    Kommentare