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Fakten und Hintergründe zum Film "Gefahr und Begierde"

Kino.de Redaktion |

Gefahr und Begierde Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Vorbemerkung des Regisseurs Ang Lee

Meiner Meinung nach ist keine andere Geschichte der Autorin Eileen Chang so schön und gleichzeitig so grausam wie „Gefahr und Begierde” (orig. „Lust, Caution“). Sie hat sich den Text über die Jahre – aber was sage ich, jahrzehntelang! – immer wieder vorgenommen, ihn überarbeitet und perfektioniert, ganz so wie ein Krimineller, der immer wieder an den Ort des Verbrechens zurückkehren, oder, im Gegenteil, wie ein Opfer, das wieder und wieder sein Trauma neu durchleben muss. Dementsprechend haben wir Changs Geschichte auch nicht einfach filmisch adaptiert, wir haben sie vielmehr filmisch neu durchlebt.

Eileen Chang schildert unter anderem sehr treffend den Zustand, in den die junge Wang Jiazhi verfällt, nachdem sie auf der Theaterbühne agiert hat, diese besondere Form der Erregtheit und Spannung, die auch nach einem verspäteten Mahl mit den Theaterkollegen und einer nächtlichen Straßenbahnfahrt heimwärts noch nicht ganz verschwunden ist.

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Als ich dies las, fühlte ich mich an meine eigenen Bühnenerfahrungen erinnert, die ich 1973 als Student der Kunstakademie in Taipeh sammeln durfte: Derselbe Energieschub im Anschluss an den Bühnenauftritt, dieselbe nächtliche Kameraderie, dieselbe Rastlosigkeit. Mir war sofort die Wichtigkeit dieser eigentümlichen Atmosphäre bewusst, und mir war auch sehr schnell klar, mit welchen Mitteln ich sie später in unserem Film heraufbeschwören würde.

Eileen Chang beschreibt die schauspielerische Kunst der Verstellung vor allem als etwas Brutales: Ihre Charaktere gebrauchen oder missbrauchen die Camouflage dazu, ihre Feinde zu täuschen und ihre Beute in eine Falle zu locken. Aber die Mimikry hat daneben auch eine positive Seite. Sie bietet eine Möglichkeit, sich zu öffnen - in Richtung auf neue Erfahrungen, auf andere Menschen, auf einen höheren Sinn, die Kunst und die Wahrheit.

Interview mit der Crew über die Produktion

Joan Chen: Schauspielerin (Mrs. Yi)

Wong Sai Kit: Requisiteur

Bill Kong: Produzent

Ah Lee: Make-up; Ang Lee: Regiesseur

Wang Leehom: Schauspieler (Kuang Yu Min)

Tony Leung: Schauspieler (Mr. Yi)

Wang Hui Ling: Drehbuchautor

Rodrigo Prieto: Kameramann

James Schamus: Drehbuchautor/Produzent

Lui Fung Shan: Kostüme

Lin Tai: Haarstylist

Bill Kong: Dieser Film ist eine große Liebesgeschichte, mit vielen verschiedenen Aspekten, die das Publikum begeistern werden. Er hat alles, was ich mir bei einem meiner Filme wünsche. Als Produzent bin ich immer auf der Suche nach Projekten, die die Grenzen Asiens überschreiten können.

Rodrigo Prieto: Visuell gesehen wusste ich, dass es ein interessantes Projekt sein wird, und ganz anders als BROKEBACK MOUNTAIN, bei dem ich zuvor mit Ang zusammengearbeitet hatte. Die Geschichte faszinierte mich, sie ist sehr anrührend, allerdings nicht auf eine romantisch unbeschwerte Art.

Bill Kong: Eileen Chang ist eine Ikone unter den modernen chinesischen Schriftstellern. Sie schrieb über die Zeit des Umbruchs in ihrem Land. Hoffentlich wird unser Film das Interesse an ihren Werken wieder aufleben lassen.

Wang Hui Ling: Eileen Chang wurde als Star geboren. In ihrer Jugend konnte sie durch ihre Kleiderwahl einen Tumult auslösen; in späteren Jahren war sie durch ihren trockenen Humor und als selbsternannte Einsiedlerin auch immer noch eine beeindruckende Persönlichkeit.

Der bedeutsame Wandel Chinas von einer Feudalgesellschaft zu einer Republik über den Zeitraum zweier Weltkriege hinweg durchdrang ihre Werke, nicht in der Form von epischen Ausbrüchen, sondern eher durch coole Kommentare einer aufmerksamen Zeitzeugin. Obwohl sie einmal sagte, dass sie hauptsächlich für die Menschen in Shanghai schrieb, musste sie diese Stadt am Ende verlassen und zog in ein fernes Land. Ihre letzten Jahre verbrachte sie in Kalifornien.

Ang Lee: Ich kenne keinen anderen Schriftsteller der Moderne, der mehr verehrt und geliebt wird und über den mehr diskutiert wird. Diese Kurzgeschichte ist anders als ihre anderen Werke. Ich glaube, dass es in vielerlei Hinsicht ihre eigene Geschichte ist. Filme inspirierten sie, und sie strukturierte diese Geschichte wie einen Film; wir mussten nur noch hier und da etwas einfügen.

Wang Hui Ling: Sie liebte Filme und ich denke, dass sie sich sehr über TIGER & DRAGON gefreut hätte. Ang Lee und Eileen Chang teilen die Faszination, ihre eigene Kunst aus einem vertraulichen Mix aus östlicher und westlicher Kultur heraus zu kreieren.

James Schamus: Ang hat sich lange mit ihren Arbeiten beschäftigt und hatte diese Story schon seit Jahren im Kopf. Wir redeten immer davon, dass er nach BROKEBACK MOUNTAIN einen chinesischsprachigen Film drehen wollte, und dieses Material ermöglichte es ihm, die Themen Liebe und Tod auf intensiverem Level zu behandeln, als in seinen früheren Filmen. Wang Jiazhis eigene Identität unterliegt nicht nur der Liebe und dem Verrat, sondern auch der Politik und der Geschichte.

Wenn man auf SINN UND SINNLICHKEIT zurück blickt, ist Eileen Chang ein wenig wie Jane Austen. Sie schrieben beide über die Sitten in einem sich verändernden Land. Sie erkundete die chinesische Kultur, Sprache und Geschichte – und auch die Momente, in denen die Frauen ihre Stimme fanden.

Bill Kong: Ich denke, dass GEFAHR UND BEGIERDE ihr wichtigstes Werk ist; es ist hypnotisch. Aber wir mussten die richtige Person finden, um Wang Jiazhi darzustellen.

James Schamus: Sie musste jemand sein, der emotional mutig genug war, diese Rolle anzunehmen, etwa wie Maria Schneider in DER LETZTE TANGO IN PARIS. Die Figur findet die Wahrheit in ihrem Leben, indem sie an Orte vordringt, derer Existenz sie sich nie bewusst war, bevor sie dort ankam.

Ang Lee: Wir sahen uns Hunderte von Schauspielerinnen an. Als ich Tang Wei sah, dachte ich „sie hat das Gesicht einer südchinesischen Lady“, genau das, was wir brauchten. Als ich sie kennenlernte, merkte ich, dass sie auch das richtige Temperament besaß, um den Charakter zu treffen, den Eileen Chang für die Figur der Wang Jiazhi kreiert hatte. Am Ende des Vorsprechens war mir klar, dass sie großes Potential hatte, die vielen Facetten der Rolle darzustellen. Ich sah sie an und glaubte an sie.

James Schamus: Sie hat außergewöhnliches Talent. Als ich Tang das erste Mal traf, machte sie einen sehr lebhaften und smarten Eindruck. Während der Haar- und Make-up-Tests sahen wir Wang Jiazhi, und nicht mehr Tang Wei. Sie hatte sich dort bereits in die Figur verwandelt, die Eileen Chang damals wohl vorschwebte. Je weiter wir mit den Dreharbeiten waren, desto mehr nahm sie die Rolle in sich auf, und das nachhaltig.

Bill Kong: Ang wollte ein frisches Gesicht, und gleichzeitig eine gute Schauspielerin für die Rolle. Es war ein Segen, dass wir Tang entdeckten, denn sie ist bereits Mitte 20.

Ang Lee: Die jungen Schauspieler lernten viel über das China ihrer Großeltern, was mich sehr berührte. China hat schon eine Menge durchgemacht und vieles ging verloren; wenn diese Generation sich nicht mit der Vergangenheit beschäftigt, wer wird es dann tun? Wir wollten unseren Beitrag dazu leisten. Das war Teil unserer Mission.

Wenn ich eine Gruppe von Menschen leite, müssen sie den Mut haben, sich zu offenbaren, damit das Publikum etwas Echtes zu sehen bekommt, das ist das Schöne an Kunst.

Wang Leehom: Wenn Ang sich einer Sache verschreibt, an die er glaubt, dann tut er dies zu hundert Prozent. Man muss ihm dann einfach folgen und sich leiten lassen.

Ang Lee: Wir hatten ein wenig Bedenken bei der Besetzung von Tony. Obwohl er einer der besten – wenn nicht sogar DER beste – Schauspieler der chinesischen Filmindustrie ist, hat er bisher immer nur den guten, charmanten Typen gespielt. Allerdings wollte ich schon immer einmal mit ihm zusammenarbeiten.

Tony Leung: Das Drehbuch inspirierte mich, da alles mit einer Kurzgeschichte anfing und etwas so Großes daraus gemacht wurde.

Als Ang – ein Regisseur, mit ich immer schon arbeiten wollte – erstmals auf mich zukam, sagte er mir, dass er einen Tony Leung schaffen wollte, den so nie jemand zuvor auf der Leinwand gesehen hatte. Das entsprach auch meinen Vorstellungen, nur brauchte ich jemanden, der mir dabei half.

James Schamus: Tonys riesige Fangemeinschaft hat ihn noch nie in einer Rolle gesehen, in der er so dicht am Abgrund steht wie Mr. Yi.

Bill Kong: Niemand außer Tony hätte diese Rolle spielen können. Er stellte andere Projekte zurück, um GEFAHR UND BEGIERDE drehen zu können. Die Chemie zwischen Regisseur und Hauptdarsteller stimmte einfach.

Wang Leehom: Manchmal kam ich an den Set, obwohl ich drehfrei hatte, nur um Tony beim arbeiten zusehen zu können. Ich sah seine Sanftmütigkeit und gleichzeitig auch seine riesige innere Kraft. Ich lernte unheimlich viel, als ich ihn Szene für Szene beobachtete.

Tony Leung: Ang hat diese Gabe, die Schauspieler zu lenken und sie dazu zu bringen, Sachen zu machen, von denen sie nicht gedacht hätten, dass sie dazu in der Lage sind und sie weiter zu führen, als sie je für möglich gehalten hätten. Er verlangt von seinen Schauspielern wirklich viel, und anfangs dachte ich, ich könnte das nicht. Aber auch seine Anforderungen an sich selbst sind sehr hoch. Und er ist immer sehr gut vorbereitet.

Als ich mir früher seine Filme ansah, hab ich mich immer gefragt, wieso die Schauspieler so gut spielen. Nun, da ich mit ihm gearbeitet habe, weiß ich, dass er es einem beibringt und einem soviel Informationen gibt, dass die Rolle vielschichtiger wird.

Als wir mit einer Szene anfingen, in der Yi weint, drehte ich mich nach dem ersten Take um und sah, dass er auch weinte.

Er erwartet eine sehr genaue Darbietung, gleichzeitig gibt er einem aber auch viele Freiheiten. So geben die Schauspieler immer ihr Bestes. Die Arbeitsatmosphäre ist sehr gut.

Rodrigo Prieto: Wir kamen an einen Punkt, an dem die Schauspieler sich voll und ganz dem Projekt verschrieben. Wir spürten diese Zuversicht und ich denke, dass die Vertrautheit zwischen den Schauspielern untereinander und der Crew auch eindrucksvoll auf der Leinwand zu sehen sein wird.

Tony Leung: Es war angenehm, mit Tang zu drehen. Sie arbeitet sehr hart und ist sehr sensibel. Ich liebe es, mit Schauspielern zu arbeiten, die noch nicht so recht in bestimmte Muster verfallen. Sie fühlte sich sehr stark in ihre Rolle ein und somit wusste ich nie genau, was sie als nächstes tun würde.

Rodrigo Prieto: Die Hongkong-Szenen drehten wir als erstes. Ich sah, wie Tang Stück für Stück in ihrer Rolle verschwand. Sie verwandelte sich und ich war sehr verblüfft.

Ang Lee: Sie musste einen ganzen Film tragen – ihren ersten Film überhaupt. Sie stand unter hohem Druck, und ich finde sie hat das großartig gemeistert.

Tony Leung: Yi ist eine sehr anspruchsvolle Figur. Ich habe viel über diese Ära und die Menschen damals gelesen und so wurde Yi zu einem Mix aus verschiedenen realen Top-Geheimagenten aus früheren Zeiten. Ich stellte mir vor, dass er zunächst viele Ideale hatte und große Ambitionen, etwas für sein Land zu tun, dann aber wird seine Arbeit für ihn die reine Hölle. Um zu überleben, tut er was nötig ist.

Er hat auch viele verschiedene Facetten. Yi trägt Liebe in sich, aber auch eine Menge Selbstverleugnung; er sagt sich selber, er hätte keine Gefühle, da er ohne Probleme jeden umbringen lässt – Freunde, Vorgesetzte, alte Schulkameraden.

Yi Wang handelt wie er eben handelt, um sich seiner Existenz zu vergewissern; wie Ang so schön sagte „Liebe und Qual bestehen stets nebeneinander.“ Aber durch sie findet er etwas Unschuldiges und sehr Menschliches, was er ja eigentlich vermeiden wollte.

Rodrigo Prieto: Während der Vorbereitungen erklärte mir Ang – der immer sehr genau arbeitet – dass er ein „Killer Licht“ bei Mr. Yi in bestimmten Situationen verwenden wollte. Da Yis Arbeit auch Folter beinhaltet dachte ich sofort an ein flackerndes, gelbes Leuchten in seinen Augen. Wir steckten ein paar Weihnachtsbirnen zusammen und reflektierten das Licht auf Tony Leung in einer frühen Szene, die mit seiner Arbeit zu tun hatte und dann später in einer sehr intensiven Szene mit Tang Wei. Das gab Tonys Blick einen leicht wahnsinnigen Touch.

Ah Lee: Bisher ging es bei Tonys Make-up immer darum, ihn gut aussehen zu lassen. Bei GEFAHR UND BEGIERDE ging es erstmals nicht darum. Einmal sagte Rodrigo, dass Tonys Make-up geändert werden müsse, da er bei dem Licht zu furchteinflößend wirkte.

Tony Leung: Ich hatte noch nie so ein Make-up, das mich älter aussehen lässt; das hat mir sehr geholfen. Ich gehöre zu der Art Schauspieler, die von außen nach innen arbeitet. Die Filme, die ich mit Wong Kar Wai gemacht habe, waren meist Kostümfilme, also fiel ich automatisch in das Tempo dieser Art Filme zurück, als ich Yis Kleidung anhatte, das Problem war nur, dass das absolut nicht zu GEFAHR UND BEGIERDE passte.

Einmal, als Tang und ich eine Szene hatten, in der wir zusammen die Straße entlang liefen, hatte ich plötzlich den In The Mood For Love Song im Kopf und ich musste automatisch an Maggie Cheung denken! Ich bat Ang darum, andere Musik zu spielen, damit ich wieder in die richtige Spur komme, und das tat er auch.

Ang gab mir nicht nur Anweisungen was meine Körpersprache, meine Gestik betraf, sondern ich musste auch meine Stimme trainieren, um einen anderen Klang zu bekommen. Mandarin ist nicht meine Muttersprache, also musste ich auch daran arbeiten.

Wong Sai Kit: Ang ist wahnsinnig aufmerksam, besonders wenn es um die kleinen Details geht.

Joan Chen: Es war wunderbar, Ang bei der Arbeit zu beobachten. Am Set ist er sehr konzentriert, ehrlich, präzise und bedacht. Sein Auftreten ist souverän und nie angeberisch. Er ist in der Tat erstaunlich bescheiden.

Wang Leehom: Am Set hab ich Ang nie etwas aufschreiben sehen, keine Einstellungslisten oder Storyboards. Er hat alles im Kopf.

Ah Lee: Er bemerkt die kleinsten Unterschiede; „Ist alles genau so wie gestern?” Er gibt Anweisungen für alles, was wir für die Szene brauchen, bis hin zu der Form und Fülle der Augenbrauen der Schauspieler.

Lin Tai: Ang gab uns genaue Instruktionen bezüglich der verschiedenen Stadien, in denen sich die Charaktere befinden, z. B. welche Frisur sie tragen sollten. Tang hat in ihrer Studienzeit eher glatte Haare, als sie dann reifer wird, ist ihre Frisur viel lockiger und femininer.

Lui Fung Shan: Die Kostümgestaltung für Tang war eine echte Herausforderung, da ihre Rolle sich im Laufe der Geschichte stark verändert. Aber auch die Wahl der Kleidung für die Nebendarsteller war wichtig, wir behandelten sie alle, als seien sie ebenfalls Hauptdarsteller. Ang fragte sogar, ob die Stoffe und Knöpfe, die wir verwendeten auch tatsächlich zu der damaligen Zeit gebräuchlich waren.

Ah Lee: Das Make-up von Tang während Wangs Studienzeit ist sehr leicht und natürlich gehalten. Während des Krieges trägt sie überhaupt kein Make-up. Als sie dann heiratet wirkt sie durch das Make-up viel reifer.

Rodrigo Prieto: Farblich gesehen wollten wir, dass Hongkong etwas lebhafter erscheint als Shanghai. Als die jüngeren Charaktere in Hongkong sind, haben sie noch diesen Charme der Unschuld. Gegen Ende ihrer Zeit in Hongkong haben sie genau diesen Charme verloren.

Für Shanghai schwebte uns eher ein Film Noir Look vor, der dennoch realistisch ist. Der Stil musste zu Wangs Rollenspiel passen.

Bill Kong: Wang Leehom ist ein großer Pop-Star in Asien. Ang sah etwas in seinen Augen, das ihn sicher sein ließ, dass Wang Kuang Yu Min spielen konnte.

James Schamus: Er ist zwar ein Neuling auf dem Gebiet der Schauspielkunst, aber er ist gleichzeitig auch ein Künstler mit viel Erfahrung. Er war vorbereitet und erfüllte Angs Erwartungen.

Wang Leehom: Eine Ikone wie Ang Lee zu treffen, der sprachliche und generationsbedingte Grenzen überschreitet, war bemerkenswert. Ich stellte fest, dass Ang nie müde wird, die Schauspieler zu unterrichten. Mein Training begann sechs Monate vor Drehstart. Ich machte mich mit Kalligraphie vertraut und Ang wusste, dass mir die damalige Musik sehr helfen würde, da ich ja selber Musiker bin. Ich tauchte ein in die Musik und Literatur, mit der sich ein Student von damals beschäftigt hätte.

Ang Lee: Mir gefiel seine Aura von Anfang an. Es hat Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten, da er sehr aufmerksam beobachtete und im Laufe der Dreharbeiten immer selbstsicherer wurde in Bezug auf seine darstellerischen Leistungen.

Wang Leehom: Durch die Arbeit an GEFAHR UND BEGIERDE lernte ich sehr viel über den Zweiten Weltkrieg und die chinesische Kultur, und ich denke, dass das Publikum das auch tun wird. Kuang ist ein passionierter Idealist, dem ich mich sehr verbunden fühle. Studenten waren zu dieser Zeit sehr leidenschaftlich, wollten was bewegen. Meine Großeltern halfen mir zu verstehen, wie es damals war. Meine Großmutter muss immer noch weinen, wenn sie erzählt, wie ihre ganze Familie von japanischen Soldaten getötet wurde.

Die Art, wie mein Großvater redet und sein Auftreten an sich waren mir eine gute Orientierung und als ich meine Filmgarderobe anhatte sah ich ihm auch sehr ähnlich.

Kuang macht in der Geschichte eine Menge durch, alles zum Wohle der Nation. Aber er kommt an einen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Seine Passion wird zu Patriotismus. Ang und ich haben uns lange darüber unterhalten, wie seine Zurückhaltung sich in Verleugnung umwandelt.

Tang und ich waren beide neu in der Filmbranche und das hat uns zusammengeschweißt, ähnlich wie Wang und Kuang. Zum Glück hatten wir Ang, der uns unter die Arme greifen konnte.

Joan Chen: Ich wollte mit Ang zusammenarbeiten, egal wie groß oder klein die Rolle war. Für mich hat es viel bedeutet, einen Teil zu seiner Vision beizutragen und ihm bei der Umsetzung seiner Kunst zuzusehen.

Vor 15 Jahren hätte ich fast die Hauptrolle in DAS HOCHZEITSBANKETT übernommen, aber aus verschiedenen Gründen hatte es damals nicht geklappt. Als Ang mir letztes Jahr dann zufällig über den Weg lief, nachdem wir uns über 10 Jahre nicht gesehen hatten, erzählte er mir, dass er in seinem nächsten Film, einer Adaption einer Kurzgeschichte von Eileen Chang, eine Rolle für mich hätte.

Obwohl ich die meisten ihrer Romane kannte, sagte mir ‚Gefahr und Begierde’ nichts. Ich unterhielt mich darüber mit meiner Mutter, die jedes einzelne Werk von Eileen Chang gelesen hatte. Sie sagte: „Oh, das ist ein ganz kleiner Part, ziemlich unbedeutsam.“ Sie war der Meinung, ich sollte die Rolle nicht annehmen, aber ich sagte ihr, dass ich es tun musste, es ist ja schließlich ein Ang Lee Film.

Als ich die Kurzgeschichte gelesen hatte, wurde auch mir klar, dass es nur eine kleine Rolle war. Meine Mutter hatte also Recht behalten, selbst im Drehbuch war die Figur mit relativ wenig Zeit vor der Kamera bedacht. Aber mein Schauspielinstinkt sagte mir, dass die Rolle interessant und komplex zu spielen sein würde, da Mrs. Yi über ihren Mann Bescheid weiß.

James Schamus: Joan ist eine sehr intelligente Schauspielerin und Regisseurin, und das war sehr hilfreich bei der subtilen Darstellung von Mrs. Yis Qualitäten. Sicherlich, in ihrer Rolle tratscht sie viel beim ständigen Mahjong spielen, aber es liegt noch sehr viel mehr unter dieser Oberfläche verborgen, insbesondere auch wie es um ihrer Beziehung mit Mr. Yi steht.

Joan Chen: Meine Erfahrung lehrte mich eine spezielle Art, Nebenrollen zu spielen. Die Vorstellung, dass meine Rolle die zentrale Hauptfigur sei, half mir dabei, sie vor der Kamera lebendiger und vielschichtiger zu gestalten.

GEFAHR UND BEGIERDE wurde in verschiedenen Teilen Asiens gedreht. Der erste Teil der 118 Tage andauernden Dreharbeiten fand in den Städten Ipoh und Penang in Malaysia statt. Danach wurde einen Monat lang in Hongkong gedreht.

Die Dreharbeiten in Shanghai machten eine kurzzeitige Demontage der Klimaanlagen von über 3000 Anwohnern erforderlich. Ein Großteil der Dreharbeiten fand in einem neuen Gebäude in den Shanghai Film Studios statt. Einige der Straßensets, die dort extra für GEFAHR UND BEGIERDE gebaut wurden, blieben für spätere Produktionen erhalten.

Bill Kong: Wenn es darum geht, einen Film in einer höchstmodernen Stadt zu drehen, kommt man nach Shanghai. Bereits während der japanischen Besatzung war Shanghai eine Weltstadt, mehr noch als New York City. Dort lebten Menschen verschiedenster Herkunft, von Mitgliedern der Mafia bis hin zu Russen. In Bezug auf Spionage während des Zweiten Weltkriegs gab es keinen Ort wie diesen. In GEFAHR UND BEGIERDE kann man das alles sehr gut beobachten.

James Schamus: Es gab dort sehr viele sich verändernde Allianzen. Der Alltag der Charaktere in der Geschichte wird bestimmt durch die Fragen wo man steht, für oder gegen wen man kämpft und was real ist und was nicht.

Das nachgestellte Shanghai in den Shanghai Film Studios war wahrscheinlich das größte Set, an dem ich jemals war. Man konnte ganze Straßenzüge entlang sehen. Es wurden ganze 182 verschiedene Ladenfronten gebaut, und dann künstlich gealtert, damit sie nicht brandneu aussahen.

Nanjing Road, wo die Sequenzen im Juwelierladen gedreht wurden, lag im reichsten und bestgeschützten Teil Shanghais um 1941/1942, der Zeit während des Zweiten Weltkriegs, die wir hier darstellen. Man sieht dort englische Beschilderung, da die englischsprachigen Ausländer dort einkauften und ihre Freizeit verbrachten. Am anderen Ende der Straße gibt es wieder chinesische Beschilderung, in der Nanjing Road trafen die beiden Welten aufeinander.

Das Café, aus dem Wang diesen Anruf tätigt und in dem sie dann wartet, existierte im Shanghai der 1940er Jahre tatsächlich an dieser Straßenecke. Das Team hat hier außergewöhnliche Arbeit geleistet. Daher konnte Ang auch genau die Realität kreieren, die ihm für diese Sequenzen vorschwebte.

Ang Lee: Die Nachstellung der Jane Austen-Ära (zu SINN UND SINNLICHKEIT) war einfacher…

Bill Kong: Dadurch, dass China offener geworden ist, und mit den Sets, die unser Team gebaut hatte, waren wir in der Lage, die Stadt so nachzustellen, wie sie damals war. Wir hatten die Arbeitskräfte und die Ressourcen, und die Regierung Shanghais unterstütze uns, nicht nur finanziell sondern auch durch ihr Engagement. China hat sich in den letzten Jahren gewandelt und steht Filmarbeiten und auch dem Rest der Welt offener gegenüber.

Rodrigo Prieto: Ich habe schon früher gut mit ausländischen Filmteams zusammengearbeitet, aber das Team bei GEFAHR UND BEGIERDE war wirklich erste Klasse. Man ist immer geneigt zu sagen „Naja, wenn es keine Hollywood-Crew ist…“, aber es gibt eine große Filmindustrie in China und sehr viele talentierte Kollegen.

Joan Chen: Das Filmteam war eine großartige Mischung aus Leuten aus dem Westen und aus Hongkong. Alle passten sich aneinander an und brachten so jeweils das Beste zum Vorschein. Es war aufregend zu sehen, wie sie in verschiedenen Sprachen und Dialekten zusammenarbeiteten, um diesen Film zustande zu bringen.

Wong Sai Kit: Wir wollten, dass das, was auf der Leinwand zu sehen sein würde, sich wie das echte Shanghai und wie das echte Hongkong von damals anfühlt. Es gibt nur weniges, was in Shanghai aus dieser Zeit noch intakt ist. Wir arbeiteten mit dem, was wir hatten und mussten einiges nachbauen.

Von allem, was wir nachgebaut hatten, lag mir der Doppeldeckerbus für die Szenen im Jahr 1938 am meisten am Herzen. Es gab unheimlich viele technische Einzelheiten im Innenbereich. Wir mussten sicher gehen, dass er fahrtüchtig war und dass er nicht umfiel.

Bill Kong: Ich würde sagen, dass die Mahjong Sequenzen am schwierigsten zu drehen waren!

Joan Chen: Als ich das Drehbuch las, hätte ich mir nie träumen lassen, dass die Mahjong Szenen so gefilmt werden könnten, wie Ang und Rodrigo es taten. Es fühlte sich fast so an, als ob wir Schwerter und Degen, oder Kekse und Kuchen bewegten, anstelle von den Mahjong Steinen.

Bill Kong: Bisher wurde so etwas selten so ernst und genau gefilmt. Es war wichtig, da dieses Spiel Bestandteil unserer chinesischen Kultur ist.

Joan Chen: Nachdem ich seit 26 Jahren in den USA lebe, bin ich erst jetzt eine richtiggehende Chinesin, da ich endlich gelernt habe, wie man in Shanghai Mahjong spielt.

Ich hatte noch nie soviel Spaß während ich auf die Ausleuchtung eines Sets gewartet habe, wie mit Tang Wei und den anderen Schauspielerinnen in diesen Szenen; wir spielten einfach zwischen den Einstellungen weiter.

Bill Kong: Für eine der Mahjong Szenen brauchten wir zwei Wochen. Ang wollte viele Einstellungen abdecken, und ich wusste, dass er und Tim Squyres (Schnitt) eine Menge zu tun haben würden.

James Schamus: Die Continuity Leute hatten es nicht leicht. Und später im Studio mussten Ang und Tim immer wieder schneiden, damit die Schnittsequenzen stimmten. Sie brauchten einige Anläufe…

Tony Leung: Vom ersten Tag an hatte ich das Gefühl, dass alle in Angs Team ihr Bestes gaben und ihre Talente für den Dreh dieses Films voll ausschöpften. Bei anderen Filmen, an denen ich mitgewirkt hatte, legten vielleicht 2 - 4 von 10 Leuten diese Einstellung an den Tag. Bei GEFAHR UND BEGIERDE war es bei jedem einzelnen Mitarbeiter so, und so sollte sich das Filmemachen eigentlich immer anfühlen. Ich wollte gar nicht, dass die Dreharbeiten irgendwann aufhören.

Wang Leehom: Man konnte die Kraft des ganzen Teams spüren. Da merkte ich, dass ich weiterhin Filme drehen wollte und es inspirierte mich auch für meine nächsten Studio-Aufnahmen.

Bill Kong: Für uns alle war jeder Tag ein bisschen wie Schule mit Herrn Professor Ang Lee. Jeder hat jeden Tag etwas neues dazu gelernt und dann einen Master-Abschluss in seinem jeweiligen Gebiet gemacht.

James Schamus: Ang dramatisiert eine transzendente Idee von Eileen Chang in GEFAHR UND BEGIERDE; eine Person findet sich in einer Situation wieder, über die sie keine Kontrolle hat, und der sie dennoch Herr wird.

Ang Lee: Der Titel LUST, CAUTION bezieht sich nicht nur auf Liebe und Sex, sondern auch auf Leben und Kunst. „Lust for life“ - „Lebenslust“; „caution in society” - „Vorsicht in der Gesellschaft”. Und alles aus der Sicht einer Frau.

Interview mit Tang Wei - Tang Wei… wer ist eigentlich Tang Wei?

Frage: Hatten Sie vor Drehbeginn Werke von Eileen Chang, oder zumindest die Kurzgeschichte, auf der GEFAHR UND BEGIERDE basiert, gelesen?

Tang Wei: Ja, hatte ich. Schon vor diesem Film las ich Eileen Changs Werke sehr gerne, sie sind immer etwas Besonderes. Gefahr und Begierde las, dachte ich‚ wow, die ist ganz anders als ihre anderen Geschichten.

F: Kannten Sie Filme von Ang Lee?

TW: Nein, als ich noch zur Uni ging, sah ich mir meistens westliche, amerikanische und vor allem europäische Film an. Ingmar Bergman ist mein Lieblingsregisseur.

F: Wie verlief das erste Treffen mit Ang Lee?

TW: Ang Lee sagte mir, dass er vom ersten Moment an, als er mich sah, gedacht hatte „Das ist Wang Jiazhi.” Beim Vorsprechen war ich sehr nervös und hatte ein wenig Fieber, aber er und Wang Hui Ling waren sehr nett; Ang schenkte mir sogar Tee ein. Sein Auftreten war ganz bescheiden; überhaupt nicht egozentrisch. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass ich jemanden gefunden hatte, mit dem ich mich von Grund auf verstehe.

Ang ist ein sehr guter Regisseur. Er versorgt die Schauspieler mit sehr vielen Hintergrundinformationen und beschreibt die einzelnen Charaktere ganz detailliert. Wir haben viel geprobt und trainiert. Nicht nur Sprachtraining in Englisch, Shanghai Dialekt und kantonesisch, sondern auch Unterricht in Etikette, Mahjong und Stimmtraining. Man kommt seiner Figur so sehr viel näher. Ich bevorzuge genaue Anweisungen.

Er gab mir Romane, die Wang damals gelesen hätte, und ich sollte mir alte Greta-Garbo-Filme ansehen, für die sich Wang ebenfalls interessiert hätte. Mir gefielen alle ihre Filme, aber auch MY FAIR LADY und ALL ABOUT EVE. Filme hatten einen großen Einfluss auf Wang, und vielleicht wollte sie tief in ihrem Innern wie eine dieser Schauspielerinnen im Film sein. Ang sagte mir, ich solle mich nicht nur auf Wang und wie sie in den jeweiligen Situationen reagiert hätte, konzentrieren, sondern auf junge Frauen von damals im Allgemeinen und mir vorstellen, wie sie gehandelt hätten.

Zusammen mit den anderen Schauspielern, die die Studenten spielten, machte ich Sport und wir lasen auch zusammen, also alles Dinge, die sie auch im realen Leben zusammen unternommen hätten. Wegen der Hausaufgaben, die uns Ang stets aufgab, nannten wir ihn unseren ‚Direktor’.

Ang und ich fanden einige Gemeinsamkeiten zwischen mir und Wang, was ihn sehr überraschte. Wie sie liebe ich es, Theater zu spielen. Ich habe zwar nur wenig Bühnenerfahrung, aber ich bin sehr stolz darauf. Man kann alle Gefühle auf der Bühne ausdrücken und fühlt sich wohl dabei – und es gibt keinen Regisseur! Bevor diese Filmarbeiten hier anfingen, sagte ich mir immer, dass ich wenigstens ein Theaterstück im Jahr spielen müsse, aber dieses Jahr hat es leider nicht geklappt.

Bei der Zusammenarbeit mit Ang gab es keine Berührungsängste. Ich merkte, dass er Potenzial in einem entdecken kann, von dem man selber gar nichts wusste.

F: Sie spielen eine Figur, die fast den ganzen Film über selbst vorgibt, jemand anderes zu sein. Wie sind Sie vorgegangen?

TW: Es war sehr kompliziert. Damit ich nicht über Wang Jiazhi sondern über Mak Tai Tai (Mrs. Mak, die Wang vorgibt zu sein) nachdachte, musste ich mir immer wieder sagen „ich bin Mak Tai Tai“, und nicht „ich bin Wang Jiazhi als Mak Tai Tai“. Am Ende des Tages wurde ich immer wieder zu Wang Jiazhi, und nicht mehr zu Tang Wei. So kam es zu dem Ausspruch „Tang Wei… wer ist eigentlich Tang Wei?“

F: Hat Ang Lee die Schauspieler ermutigt, andere Herangehensweisen auszuprobieren?

TW: Ang beobachtet das Zusammenspiel der Schauspieler sehr genau. Wenn er den Eindruck hat, dass es so nicht funktioniert, sucht er nach neuen Wegen. Wenn man nicht unheimlich aufmerksam war, konnte man den Unterschied kaum merken. Aber die Schauspieler wussten es, da er immer wieder sagte „Ich denke, wir müssen das noch mal anders machen…“ Die Arbeit vom Vortag war dann hinfällig, es wurde noch einmal überdacht und die Einstellung neu gedreht.

Anfangs lag der Focus auf Tony Leung und mir, aber Ang änderte das noch einmal im Studio, sodass Wang Leehom noch ein wenig mehr in den Mittelpunkt rückte. So wurde die Geschichte viel dynamischer und der Film ist für uns alle tiefgründiger geworden.

F: Inwiefern halfen Ihnen die Kostüme und das Make-up, sich in die Zeit des Zweiten Weltkrieges einzufühlen?

TW: Die Kleider im Cheongsam-Stil waren wunderschön. Bei der ersten Anprobe dachte ich nur „Oh mein Gott, und jetzt? Wie bewegt man sich in solchen Kleidern?“ Ich besitze nämlich keine Kleider, ich trage meist Jeans, T-Shirt und Turnschuhe. Aber jetzt ist das anders, ich möchte auf einmal Kleider und High Heels tragen.

Immer, wenn ich in der Maske saß, wollte ich mein Spiegelbild nicht ohne Make-up sehen, weil ich meine Rolle sehen wollte. Sobald ich Wangs Augen, Augenbrauen, Gesicht, Mund und Haare hatte, dachte ich „okay, jetzt kann ich rausgehen.“ Gegen Ende der Dreharbeiten sah ich mich im Spiegel und konnte mich damit nicht so recht identifizieren. Ich hatte die Rolle verinnerlicht.

F: Waren die Dreharbeiten für Sie physisch anstrengend?

TW: Es war sehr kalt als wir drehten, und ich erkälte mich schnell. Aber während der Dreharbeiten wurde ich nicht krank. Das überraschte mich. Die Crew sagte immer „Bitte, Tang Wei, werde krank, dann haben wir ein paar Tage frei“. Das war ein Witz, sie arbeiteten sehr hart. Ich vermisse sie alle sehr.

Ang hingegen wurde krank während der Dreharbeiten, aber er ruhte sich nicht aus. Nach Drehschluss gingen wir alle in den Feierabend, aber er machte immer noch weiter. Ich konnte immer fühlen, was er dachte und ihm ging es mit mir genauso.

Haare, Make-up und Kostüm haben täglich 3-4 Stunden in Anspruch genommen. Unsere Dreharbeiten dauerten 118 Tage, von Malaysia bis Shanghai, und ich stand 114 Tage davon vor der Kamera. Im Schnitt hab ich ca. 3 Stunden pro Nacht geschlafen, manchmal waren es auch 5-6 Stunden. Wir hatten einen Tag pro Woche frei. Aber ich fühlte mich nie müde. Es war aufregend, vor der Kamera zu stehen und ich war bereit dafür.

Es ist schon komisch, wie mein Körper manchmal funktioniert. Als die Dreharbeiten beendet waren, flog ich nach Peking. Als der Flieger landete dachte ich „oh mein Gott, ich glaube ich werde krank.“ Und ich hatte den Eindruck, dass mein Körper genau weiß, dass ich jetzt ruhig krank werden kann. Ich hatte hohes Fieber und war einen Monat lang total erschöpft. Ang ging es übrigens genau so.

Da ich in fast jeder Szene mitspiele, dachte ich, ich wüsste, wie der Film am Ende aussehen würde. Aber als ich den Film das erste mal sah, war alles anders. Leehom war bei der Vorführung auch dabei und als der Film vorbei war, sagte ich zu ihm „bleib bitte noch ein Weilchen hier bei mir sitzen.“

Wenn Sie sich den Film anschauen, werden Sie eine junge Frau erleben, die ihrem Herzen folgt, dabei sehr schwierige Entscheidungen trifft und sich verwandelt. Sie fängt unschuldig an und geht durch fast alle Stationen im Leben einer Frau, und findet sich am Ende selbst. Ich beneide Wang Jiazhi. Sie ist tapfer und bereut nichts. Ich hoffe, ich werde auch mal so leben können.

F: Wenn Sie in einem Wort beschreiben müssten, wie Sie die Arbeit an diesem Film empfunden haben, was würden Sie sagen?

TW: Es war magisch.

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    Die Veranstalter des diesjährigen Film Festival Viennale (19.-31. Oktober 2007) ziehen positive Bilanz: Mit rekordhaltigen 91.700 Zuschauern - 2006 waren es 88.900 Zuschauer - konnte die Viennale 2007 erfolgreich in diesen Tagen das Festival beenden. Von den insgesamt 321 Kinovorführungen waren 126 ausverkauft, wobei in diesem Jahr die Spielfilme mit 84,3 Prozent knapp vor den Dokumentarfilmen mit 76,7 Prozent lagen...

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  • Zweite Oscar-Chance für Stewart

    Zweite Oscar-Chance für Stewart

    Kult-Komiker Jon Stewart darf erneut die größte Gala der Filmwelt moderieren. Zudem gibt's erste Tipps, welche Filme Chancen auf Goldjungs haben.

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