Für Links auf dieser Seite erhält kino.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder blauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
  1. Kino.de
  2. Filme
  3. Gefährten
  4. News
  5. Fakten und Hintergründe zum Film "Gef?hrten"

Fakten und Hintergründe zum Film "Gef?hrten"

Kino.de Redaktion |

Gefährten Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Regisseur Steven Spielberg

1. Es ist interessant zu erfahren, wie Sie GEFÄHRTEN entdeckten. Schließlich gibt es sowohl ein Buch als auch ein Theaterstück. Können Sie ein wenig erklären, wie Sie sich das Material aneigneten?

Kathy Kennedy entdeckte es für mich. Sie hatte das Stück im Londoner West End gesehen und erzählte mir davon und wie sehr sie das Stück bewegt hatte. Darauf flog Stacey Snider, die Chefin meiner Firma DreamWorks, hin und sah es sich ohne mich an. Sie war mit Kathy völlig einer Meinung, was das für eine kraftvolle Geschichte sei. Die Puppen auf der Bühne waren bezaubernd und auf eine bestimmte Weise die Stars der Aufführung. Aber wir wussten, wenn wir diese Geschichte erzählen wollten, müssten es echte Pferde sein, keine Nachbildungen oder Marionetten. Anschließend haben wir ein Kaufangebot im Voraus gemacht, noch bevor ich es gesehen hatte, allein aufgrund der Geschichte, die mir wirklich gefiel.

Bilderstrecke starten(34 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Gefährten

Direkt nachdem Kathy und Stacey die Aufführung im West End gesehen hatten, las ich auch das Buch von Michael Morpurgo. Ich liebe es. Aber das Buch erzählt alles aus Joeys Sicht. Man hört sogar Joeys Gedanken. Ich wusste, dass sich das schlecht in einen Film übertragen ließ, aber es ließ mich die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln sehen. Anschließend flogen meine Frau und ich nach London und wir hatten endlich die Gelegenheit, GEFÄHRTEN zu sehen. Das besiegelte den Deal, soweit es mich betraf.

2. Wie gingen Sie bei der Adaption für die Leinwand vor?

Als erstes nahm ich mir aus dem Buch – und war natürlich durch das Theaterstück dazu inspiriert – die Idee, dass eine Familie, die unter einem sehr strengen und unerbittlichen Landlord leidet, sich Zeit erkaufen muss, um ihren Bauernhof auf Vordermann zu bringen. Der Vater kauft betrunken ein Pferd, das in Zukunft den Pflug ziehen soll. Doch das Warmblut Joey, das er kauft, ist dazu nicht in der Lage. Es ist nicht das passende Pferd für diese Art von Arbeit.

Doch durch seinen hartnäckigen Glauben an Joey gelingt es dem Sohn Albert, eine enge Beziehung zu Joey aufzubauen. Gemeinsam gelingt es ihnen schließlich in letzter Minute die Farm durch das Pflügen davor zu retten, ein steiniger, unfruchtbarer Acker zu werden. Daraus entstehen eine besondere Kraft und eine sehr nachdrückliche Zusammenarbeit zwischen dem Pferd und dem Jungen. Als der Erste Weltkrieg die beiden trennt und das Pferd als Lastenträger an die Front geschickt wird, versteht das Publikum sofort, dass dies ein Himmelfahrtskommando ist. Aber wenn das Schicksal den Jungen und das Pferd wieder zusammen führt, ist das ein wenig der Clou des Films.

3. Können Sie etwas über die Familienaspekte der Geschichte erzählen, über die Narracotts und ihre zerbrochene Beziehung?

Es ist eine durch den Krieg zerstörte Familie. Peter Mullans Figur kämpfte im Burenkrieg, und dieser Krieg hat ihn kaputt gemacht. Er leidet immer noch an den Verletzungen aus dieser Zeit. Es ist also eine Familie, deren Zusammenhalt immer wieder aufs Neue gebrochen wurde. Wenn das Pferd in diese Familie hinein kommt, erinnert das ein bisschen an das Märchen von Jack, der eine Kuh verkaufen sollte, für das Geld Bohnen kauft und mit diesen Bohnen statt dem Geld nach Hause kommt. Seine Mutter wirft die Bohnen weg und natürlich wachsen die Bohnenpflanzen. Auf eine bestimmte Weise ist Joey wie diese Bohnen, die wachsen und blühen und größer werden als alles, was man sich jemals vorstellen konnte. Das Märchen von „Jack und die Bohnen“ und die Geschichte von GEFÄHRTEN sind also vergleichbar in den Aspekten, dass beide Familien anfangs pleite sind und am Boden zerstört und dringend ein Wunder brauchen. Und das Wunder kommt ganz zufällig vorbei.

4. Wie verliefen die Dreharbeiten in Dartmoor?

Ich war auf die Moore in Dartmoor, Devon, nicht vorbereitet. Ich war nicht vorbereitet auf die wunderbare Verwüstung, die diese Moore bieten. Es war früher einmal eine Waldfläche mit großen, stolzen Bäumen, aber die fällte man hunderte Jahre zuvor und es wuchsen niemals wieder neue. Und deshalb klingt der Name, als würden dort stolze Bäume stehen, tatsächlich sieht es dort aber wüst und leer aus, und es gibt nur steinige Hügel, soweit das Auge reicht. Aber der Himmel über dieser Landschaft ist so dramatisch wie unsere Geschichte. Wir haben jede Art von Himmelsschattierung gesehen, die man sich nur vorstellen kann.

Ich habe am Horizont eine Veränderung des Wetters gesehen und sagte: „Schnell. Jetzt drehen wir Szene 7A. Vergesst, dass wir 4B machen wollten. Wir werden jetzt 7A drehen, denn hier kommt gerade die passende Wolke dazu…“ Und zack, die Crew war so mobil und schnell, dass wir in kürzester Zeit alles aufnehmen konnten, was die Natur uns bot, um diese Geschichte erzählen zu können. Dieser Film handelt ebenso von der Landschaft wie von den Menschen.

In der Geschichte, bedeutet das Land alles für die Menschen. Diese Familie könnte ohne ihr Land nicht überleben. Sie sind dem Land ergeben, auch wenn sich das Land ihnen nicht immer ergibt.

5. Der kleine Ort Castle Combe wurde als malerische Szenerie für einige Szenen eingesetzt. Wie verliefen die Dreharbeiten in diesem kleinen Dorf?

Das Dorf bot sich uns an, als ob es nur darauf gewartet hätte, gefilmt zu werden. Es war einfach unglaublich. Als ich das erste Mal nach Castle Combe kam und mich dort umsah, sagte ich „Ist das für Touristen gebaut worden? Wofür sonst hat man es gebaut?“ Es war wie für einen Film gemacht. Aber nein, es ist ein wunderschönes, malerisches und abgelegenes kleines Dörfchen. Man kann es gar nicht begreifen. So etwas hat man einfach noch nie zuvor gesehen.

Es war der perfekte Ort für den Kauf von Joey, wenn Peter Mullan betrunken ein Pferd kauft, das er nicht kaufen sollte, aber ich denke, dass das Schicksal seine Hand im Spiel hatte. Es ist auch der Ort, von dem aus die Jungen munter in den Krieg ziehen. Immer der Ansicht, zu Weihnachen wären sie wieder zuhause, was jeder glaubte, der unterschrieb, um gegen Frankreich zu kämpfen. Es entpuppte sich schließlich als ein vier Jahre langer, zermürbender Krieg.

6. Erzählten Ihnen britische Crew-Mitglieder und Schauspieler ihre Familiengeschichten über den Ersten Weltkrieg?

Ja, sie alle besaßen Angehörige, die gekämpft hatten. Die britische Crew erzählte mir ständig Geschichten über ihre Großeltern und Urgroßeltern, die im Ersten Weltkrieg an der Front standen. Sie kannten all ihre Geschichten, die man sich von einer Generation zur nächsten weitererzählte. Es war ein Krieg, der in besten europäischen Traditionen am Leben erhalten und dadurch wirklich Teil der eigenen Geschichte wurde. Wir pflegen hier in den USA nicht dieselbe Sorgfalt mit unseren Kindern. Aber in England wird es einfach überliefert. Eltern und Großeltern erzählen immer davon. Also war ich der Nutznießer dieser großartigen Erinnerungen an private Heldentaten und musste nicht vier Jahre in einem Grabenkrieg verbringen.

7. Nachdem Joey an die britische Armee verkauft wird, begegnen wir den Charakteren, die Tom Hiddleston und Benedict Cumberbatch spielen. Können Sie etwas über diese Rollen erzählen?

Tom Hiddleston, der den Captain Nicholls spielt, und Benedict Cumberbatch, der Major Stewart ist, waren beide Darsteller, mit denen ich zusammen arbeiten wollte. Ich hatte Benedict im englischen Fernsehen gesehen, habe ihn wirklich gesucht und bin ihm hinterhergelaufen. Tom Hiddleston kannte ich nicht so gut, hatte ihn aber ein einer Reihe kleinerer Rollen schon gesehen und fand, er ist die Reinkarnation von Errol Flynn. Ich dachte, „Wäre es nicht toll, wenn der erste Mensch, der Joey von Alberts Vater abkauft, dieser bestimmte Typ des schneidigen, noblen, klassischen britischen Helden wäre?“

Und deshalb vergaßen wir unsere Vorsicht und ich verließ mich auf meinen Instinkt. Wir casteten nicht mehr gegen den Strich, und so fand ich diesen sehr glatten, anspruchsvollen und aufmerksamen jungen Soldaten.

Man spürt, dass sich Stewart und Nicholls kennen. Vielleicht weil sie zusammen zur Schule gingen und ihre Familien sich kannten oder sie gemeinsam aufwuchsen. Major Stewart, Benedicts Charakter, nahm die Militärschule vermutlich etwas ernster, deswegen bekleidet er schon einen höheren Rang als Nicholls, Tom Hiddlestons Charakter. Aber man spürt ihre Verbundenheit, auch wenn sie sich dem Rang gemäß verhalten. Sie spielen sich gegenseitig bezüglich ihres Ranges immer wieder aus, als ein ständiger kleiner Wettbewerb.

Nicholls ist ein Künstler. Er zeichnet gerne und wenn man ihn sieht, wie er Joey zeichnet, begreift man an der Art, wie er ihn abbildet, dass Joey in guten Händen ist. Er verbringt Zeit mit seinem Pferd, nicht mit seiner Ausrüstung, die er bis zum nächsten Morgen für den Abmarsch zum Ärmelkanal um fünf Uhr morgens vorzubereiten hatte. Er verbringt lieber die ganze Zeit mit seinem Pferd, in das er ganz vernarrt ist. Und das Pferd befindet sich zu diesem Zeitpunkt in Sicherheit.

8. Sie haben zwei atemberaubende Angriffe inszeniert: Einen zu Übungszwecken für die Filmarmee, und dann einen richtigen vor der Kamera. Warum war diese Übung notwendig?

Man muss wissen, dass die Armee ihre Pferde auch trainieren musste. Dieses Training dauert wesentlich länger als wir im Film zeigen. Man muss einfach annehmen, dass sie noch länger geübt haben als nur vor den Augen des Zuschauers. Aber eine dieser Haupt-Trainingssequenzen, die ich zeigen wollte, war ein Übungs-Kavallerieangriff. Wichtig war das auch, weil ich zeigen wollte, wie Joey (Nicholls Pferd) und Topthorn (Stewarts Pferd) sich anfangs als Rivalen begegnen, genauso wie Nicholls und Stewart darum konkurrieren, welches Pferd schneller ist und welches am Ende des Wettkampfes den blauen Ring erringen wird.

Daher war es eine ziemlich wichtige Szene, denn noch mehr als die Konkurrenz zwischen Stewart und Nicholls wollte ich die Konkurrenz zwischen Joey und Topthorn zeigen.

Das Üben eines Kavallerieangriffs ist etwas sehr Britisches. Konnten die damals wirklich munter in einen Angriff ziehen und sich niemals vorstellen, dass ihnen dort eine neue Technik begegnen würde, die den Krieg für immer verändern und alle Pferde im Kriegseinsatz überflüssig machen würde? Es ist daher sehr wichtig, beide Seiten zu sehen, diese beiden Arten des Kämpfens zu zeigen – die eine, die eher eine Art von reinem Gesellschaftssport ist, auch wenn man für ihn die Pferde trainieren muss, und die andere, tödlich ernste Art.

9. Haben Sie für diese Szenen ein Storyboard verwendet?

Ja. Das war sehr wichtig, damit jeder erkennen konnte, was er tun sollte. Und ich wollte, dass die „Humane Society“, die Stuntleute und die Pferdetrainer die Möglichkeit hatten, sich die gesamten Szenen im Voraus anzusehen und sagen konnten: „Nein, unmöglich. Das ist nicht sicher.“ Oder „Ja, das können wir umsetzen.“ „Ja, das können wir so ähnlich machen.“ Oder „Das wird nicht funktionieren.“ Deshalb habe ich so viel Vorarbeit für diesen Film geleistet. Der Kavallerieangriff und auch noch viele andere Dinge, die sich im No man’s Land ereignen, wenn Joey in Panik durch die Schützengräben rennt, konnte man vorher sehr genau am Computer ansehen.

Es war mehr eine Übung, damit sich alle vorbereitet und damit sich die Pferde und Reiter und Stuntleute sicher fühlen konnten.

10. Die Produktion erhielt eine besondere Erlaubnis, um auf Stratfield Saye, dem Landsitz der Grafen von Wellington, filmen zu dürfen. Was haben Sie dort gedreht?

Dank der Großzügigkeit der Familie Wellington war es Rick Carter, unserem Produktionsdesigner, gestattet, einige Sets auf dem riesigen Besitz der Wellingtons aufzubauen. Und wir konnten dort sehr viele Szenen drehen, beispielsweise den Kavallerieangriff, die Szenen rund um den Bauernhof in Frankreich mit der Windmühle und das deutsche Lager.

11. An einem Punkt gibt es einen Sprung von der Front zurück nach Devon. Warum haben Sie das getan?

Im Drehbuch kam es so nicht vor. In der Mitte der Produktion, nachdem das Skript schon beendet war, dachte ich, ich möchte gerne noch einmal zurückgehen nach Dartmoor, zurück zur Farm. Ich will zurück und sehen, was Albert gerade tut. Was sein Vater und seine Mutter machen. Haben sie die Ernte eingebracht nach diesem schrecklichen Regen, der alles zerstörte und sie fast vernichtete? Für mich war es außerdem ein verstörender Wechsel von der Szenerie in No Man’s Land zurück nach Devon.

Ich wollte dem Publikum zeigen, dass während dieser Krieg wütet, an anderer Stelle Menschen um ihre Existenz kämpfen. Wie ich schon sagte, sie kämpfen mit dem Land wie sie es schon immer getan haben und vermutlich immer tun werden. Es war mir wichtig zu zeigen, dass Albert sein Pferd vermisst und gar nicht weiß, was passiert, bis er die Briefe von Nicholls erhält.

12. Wie wichtig waren die Szenen mit Emilie und ihrem Großvater auf dem französischen Bauernhof?

Das Theaterstück spielt lange auf dem Bauernhof. Ich wollte nicht so viel Zeit dort vergehen lassen. Andererseits dachte ich, es wäre nötig, dass die Pferde Joey und Topthorn ein anderes Leben kennen lernen dürfen. Genau das passiert dort.

Ich finde, die französische Farm ist eine Pause vom Krieg. Es war eine kleine Auszeit zum Luftholen für die Pferde und die Zuschauer, während der Krieg zwar nah ist, aber eben nicht nah genug. Die Beziehung, die das kleine Mädchen zu Joey knüpft, erinnert sehr an die Bindung von Joey zu Albert. Und für Joey sieht es so aus, als könnte er sich mit Hilfe dieses kleinen Mädchens, das sich so gut um ihn kümmert, wieder an Albert erinnern.

13. Wie verliefen die Dreharbeiten in No Man’s Land?

Produktionsdesigner Rick Carter fand ein altes Flugfeld, einen verlassenen Flughafen nördlich von London. Die Towers und Hangars waren längst abgerissen, aber man konnte immer noch die Startbahn erkennen. Rick erhielt die Erlaubnis, dort zu drehen. Die Umweltgruppe sagte: „Macht schon. Verwandelt diesen Platz in alles, was ihr möchtet.“ Und so hat Rick für GEFÄHRTEN wirklich außergewöhnliche Arbeit geleistet. Er hat aus dem flachen Fluggelände das No Man’s Land von 1917 entstehen lassen.

In dieser Gegend zu drehen war eine regelrechte Schlammschlacht. Die haben wir nicht herstellen müssen, es regnete ständig. Wir rutschten und schlidderten und inmitten dieser Sauerei mussten wir drehen. Und es war kalt. Es war wirklich kalt, während wir dort drehten. An einem Tag lief ich nach einem schrecklichen Unwetter die Schützengräben entlang. Das Wasser stand einen halben Meter hoch in den Gräben und ich rutschte mit meinen Stiefeln aus. Plötzlich landete ich in einem tiefen Loch und war komplett unter Wasser. Meine Crew musste mich wieder herausholen.

Das Loch war allerdings schon am Tag zuvor da. Es war ein Loch, aus dem heraus bei einer Filmexplosion die Erde in die Luft fliegen sollte. Aber weil es so stark regnete, füllte sich das gesamte Loch mit Schlamm. Der füllte den ganzen Graben bis zum Rand auf, bis niemand mehr das Loch erkennen konnte und ich reinfiel.

14. Bitte erzählen Sie ein wenig von Ihrem Team und wie wichtig es für Sie war, dass sie bei diesem Projekt dabei waren.

Alle meine unerschütterlichen Familienmitglieder, mit denen ich schon so viele Jahre so viele Filme gedreht habe, haben auch diesen Film mit mir gedreht. Joanna Johnston hat schon oft die Kostüme für mich angefertigt und Rick Carter hat schon für viele meiner Filme das Produktionsdesign entworfen. Und natürlich waren auch Kameramann Janusz Kaminski und seine ganze Truppe wieder dabei. Es war einfach toll, dass alle wieder mit von der Partie waren. Aber dieses Mal, denke ich, war es für Joanna Johnston ein bisschen anders, denn wir drehten sozusagen in ihrem Hinterhof.

15. Können Sie Joanna Johnstons Arbeit beschreiben?

Joanna hat wirklich Unglaubliches geleistet mit ihrer akribischen Recherche, was die Deutschen trugen, was die Briten trugen, wie die Uniformen aussahen und welche Helme die Deutschen aufsetzen. Zu Beginn des Krieges, 1914, hatten die deutschen Soldaten noch Spitzen auf ihren Helmen, und in der zweiten Hälfte des Ersten Weltkrieges gingen sie über zu den traditionellen Helmen, die man dann auch aus dem Zweiten Weltkrieg kennt.

Joanna ging zum Imperial War Museum und verbrachte eine Menge Zeit mit den Nachforschungen, um diese Kostüme bis auf den Faden genau so aussehen zu lassen wie sie auch viele Jahrzehnte zuvor genäht wurden.

16. Sie und John Williams arbeiten seit beinahe 40 Jahren zusammen. Seine Kompositionen sind nach wie vor außergewöhnlich. Was halten Sie von seiner Arbeit für GEFÄHRTEN?

Es war ein erstaunliches Jahr für John Williams und mich, weil er zwei der besten Soundtracks, die in unserer Zusammenarbeit entstanden sind, in diesem Jahr komponiert hat: Erst für „Tim und Struppi“ und anschließend für GEFÄHRTEN, zwei vollkommen gegensätzliche Ansätze für zwei vollkommen gegensätzliche Filme. John kann jedes Gefäß füllen, er ist als Komponist einfach ein Genie. Ich weiß nicht, wie er es gemacht hat, und ich weiß auch nicht, wie er es zweimal machen konnte, aber er hat es zweimal in einem Jahr getan.

Der Soundtrack zu GEFÄHRTEN erinnert noch einmal an das Land, den Ort und die Zeit dort und an die Freundschaft zwischen dem Jungen und dem Pferd. Und John fand dazu all diese wunderschönen Themen, die wie ich finde den Film wirklich zusammenhalten und dadurch meine Arbeit sehr erleichtert haben. John ist in der Lage, hinter die Geschichte zu sehen, die ich mir ausgedacht habe, und kann uns alle mit seinen Melodien zu zusammenbinden, dass alles von unserer Arbeit so wirkt, als ob wir es genauso geplant hätten.

Die Musik ist sehr stimulierend. Sie verwandelt sich von diesen großen, sinfonischen, orchestralen Klängen zu zarter Musik einzelner Instrumente wie Flöte oder Klavier und dann wieder zurück zum großen Orchester. Und John fühlt das. Er fühlt es einfach. Und er denkt nicht darüber nach. Er interpretiert nicht zuviel hinein. Sein Soundtrack zeigt einfach, was er in jeder einzelnen Szene fühlt. Und deswegen ist er, wer er ist.

17. Mit Michael Kahn haben Sie zum ersten Mal bei „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ zusammen gearbeitet. Was hat er zu GEFÄHRTEN beigetragen?

Michael Kahn ist vermutlich, neben John Williams, meine zweitlängste kreative Beziehung. Michael hat sein Gespür und seine Bereitschaft, mir zu sagen, dass ich abhauen soll, nie verloren – und das ist manchmal sehr wichtig.

Michael hat sich in diesen Film wirklich hineingefühlt, genauso wie wir alle. Er weiß, wo ein Moment enden muss. Lässt man den Schauspieler den Satz zu Ende sprechen, bricht man im letzten Atemzug ab oder schneidet man vor diesem Atemzug? Diese Dinge erscheinen den Zuschauern oft nebensächlich, aber manchmal entscheiden sie über die Qualität eines Films. Der Schnitt ist das Geheimrezept, das dem Ganzen fürs Publikum erst die richtige Wirkung verleiht. Und es verläuft alles unterschwellig.

Michaels Arbeit ist für Kinogänger nicht nach außen erkennbar. Sie möchten auch, während sie den Film ansehen, gar nicht wissen, wie es gemacht wird. Aber Michaels Arbeit ist so subtil, dass sie eine riesige Wirkung auf Leute hat, die sich einen Film ansehen wollen und gar nicht wissen, warum sie so beeindruckt sind. Viel davon liegt am Schnitt und sehr viel davon ist Michael Kahn.

18. Bitte erzählen Sie vom Sounddesign für GEFÄHRTEN.

Unser Sounddesigner Gary Rydstrom, hat nach Authentizität gesucht. Er wollte Geräusche, die so ähnlich klingen wie jene, die wir in solchen Situationen wirklich wahrnehmen würden. Er wollte also keine Geräusche künstlich erzeugen, die so ähnlich sind. Er wollte einfach, dass sie dieselben sind. Er wollte, dass die Geräusche zu dem passen, was wir hören. Deshalb sind seine Geräusche den ganzen Film über sehr echt und authentisch. Es gibt keine Übertreibungen, keine Erfindungen oder Täuschungen.

Er verbrachte eine Menge Zeit damit, mit Mikrofonen über die Moore zu laufen, um den Klang des Windes aufzunehmen, wie er sich nahe am Boden anhört, und wie hoch in der Luft. Er liebt diese Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven. Wenn man in einem Gebäude filmt, möchte er, dass jeder Raum einen anderen Ton besitzt, der sich in unseren Ohren ganz speziell anhört. Es ist dieser Unterschied, den wir hören, wenn man sich in einem kleinen Raum mit niedriger Zimmerdecke aufhält und dann in einem großen Zimmer mit hohen Wänden. Es ist ein vollkommen anderes Ambiente. Ich gehe nicht davon aus, dass das von den Zuschauern schließlich bemerkt oder gar gehört wird. Aber es verleiht der ganzen Geschichte mehr Wahrhaftigkeit.

Zu Gary Rydstroms Beitrag gehörten auch die Pferdestimmen, von Joey und Topthorn, und von den ganzen anderen Pferden in unsrer Geschichte. Er verbrachte viel Zeit damit, die Pferde aufzunehmen und fand verschiedene Möglichkeiten. Diese subtil eingesetzte Stimme verleiht Joey noch mehr Charakter.

19. Was bedeutet der an Joey gebundene Wimpel?

Ich wollte einen Weg finden, alle diese Geschichten aus Frankreich, Deutschland und England zu einer großen über den Krieg zusammenzubinden. Dazu suchte ich ein Element, das alle diese anscheinend unterschiedlichen und nicht zu vereinbarenden Geschichten doch vereint. Ich hielt es für interessant, und so schlug ich es dem Drehbuchautor Richard Curtis vor. Er schrieb in einen Entwurf hinein, dass der Vater eine Fahne aus dem Burenkrieg besaß, die der Junge von seiner Mutter erhält. Der Junge bindet diesen Wimpel um Joeys Halfter. Wenn Joey später verkauft wird und die Farm und seinen besten Freund verlassen muss, ist dies ein Talisman und die Erinnerung an ihre Freundschaft. Dieser spezielle Wimpel wird von Episode zu Episode weitergereicht, bis er zum Schluss wieder zurückkommt. Es war mir wichtig, dass es einen visuellen Talisman gibt, der alle einzelnen Geschichten miteinander verbindet, dann wirkt der Film nicht so episodenhaft. Und der Wimpel verbindet nicht nur Joey mit allen anderen Ereignissen, die gerade in Europa passieren, sondern er verbindet auch den Jungen mit seinem Vater.

20. Wie kamen die Schauspieler miteinander zurecht?

GEFÄHRTEN ist nicht nur die Geschichte eines Jungen und eines Pferdes. GEFÄHRTEN ist die Geschichte von sehr vielen unterschiedlichen Menschen. Und dies war eines der besten Schauspieler-Ensembles, mit denen ich jemals arbeiten durfte. Es ist ein Ensemble, in dem manche Charaktere niemals richtig miteinander in Erscheinung treten, und trotzdem bleibt schließlich der Eindruck, sie waren alle gemeinsam daran beteiligt. Ich bin wirklich stolz darauf, dass so viele gute Darsteller sich so verausgabt haben für uns, obwohl sie niemals miteinander spielen konnten.

Über die Produktion

Wie kann man eine in vielen Ländern spielende Geschichte von Liebe, Krieg, Standhaftigkeit und Hoffnung erzählen, wenn die Hauptfigur ein unschuldiges Pferd auf der Suche nach Freundschaft auf seinem Weg nach Hause ist?

Die Herausforderung beschäftigte Steven Spielberg sofort, nachdem er Michael Morpurgos Roman „Schicksalsgefährten“ gelesen hatte. „Das Buch erzählt eine Geschichte, die einen als Leser sofort begeistert. Aber eben aus einem anderen Blickwinkel als normalerweise üblich. Alle möglichen Arten von Geschichten sind aus Kriegserinnerungen entstanden – über Liebe, über Helden, über grausam getrennte Familien, über schwierige moralische Entscheidungen, die getroffen werden mussten. Aber hier bot sich eine Geschichte über die Zeit des Ersten Weltkriegs, wie man sie noch niemals zuvor gehört oder gelesen hatte: Aus der Sicht eines Tieres, das ohne Schuld und Vorsatz einfach zwischen die Fronten und mitten in die Schlacht hineingerät und eigentlich nur überleben will, um endlich wieder zu jenen Menschen nach Hause zurückkehren zu können, die es liebt.“

Diese Geschichte umzusetzen erforderte eine künstlerische wie auch technische Meisterleistung. Dabei bestand die Herausforderung gar nicht in besonderen Spezialeffekten, die für bestimmte Szenen einzusetzen waren. Das Besondere lag vielmehr in der erforderlichen „Handarbeit“, was das Zusammenspiel von Menschen und Tieren vor der Kamera anging. GEFÄHRTEN ist klassisches Erzählkino, das eine Reihe einzelner Geschichten zu einem vielschichtigen Bild über die Kraft der Hoffnung in schwierigen Zeiten zusammenfügt.

Der Roman arbeitete vorwiegend mit der schlichten Macht der Allegorie. Das Theaterstück, das Steven Spielberg auf Drängen seiner langjährigen Produzenten-Kollegin Kathleen Kennedy zum ersten Mal in London sah, transportierte Emotionen sehr gut, indem große Pferdepuppen auf außergewöhnliche Weise auf der Bühne eingesetzt wurden. Aber Spielberg erkannte sofort, dass er für eine Verfilmung eine eigene Form der Darstellung finden musste. Und diese Herausforderung nahm er im Galopp: „Die Puppen wirkten auf der Bühne einfach großartig, aber mir war sofort klar, dass für die Art und Weise, in der ich die Geschichte erzählen wollte, nur echte Pferde infrage kamen“, erinnert sich Spielberg. „An dem Buch gefiel mir besonders, dass die Ereignisse aus Joeys Perspektive erzählt wurden. Man konnte sogar seine Gedanken hören. Ich wusste, dass sich das für einen Film nicht eignete. Aber es half mir zu verstehen, wie wichtig es ist, die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erzählen.“

Dieser neuen Spur folgend stellte sich Spielberg den Film als eine Art Odyssee vor – eine mythische Reise, die den jugendlichen Helden in eine gefährliche Welt hinaus zwingt und aus der er mit hart erkämpfter Weisheit und einem neuen Blick auf das Leben zurückkehrt. Dieses Mal würde der Reisende die Menschheit in dieser unruhigen Zeit allerdings aus der Perspektive eines stillen, aber gefühlvollen Beobachters sehen.

Was die Struktur betrifft, wechseln in GEFÄHRTEN die Stimmungen immer wieder absichtlich, die Gegensätze bedingen sich. So lösen die Szenen, in denen der junge Hengst Joey zum ersten Mal ein modernes, technisch hochgerüstetes Schlachtfeld sieht, beim Zuschauer einen regelrechten Schock aus. Die folgende Episode zeigt dann dagegen einen idyllischen französischen Bauernhof, der sich wiederum aufzulösen scheint im Chaos der Schützengräben und Nebelschwaden im Niemandsland. Dem folgen erneut Erinnerungsfetzen an das Dorf, von dem aus Joey seine weite Reise anzutreten hatte und in das er unbedingt wieder zurückkehren will.

Tapferkeit und Mut sind die Tugenden, die Joey und Albert in diesen mit Gefahren erfüllten Jahren ihrer Trennung unter Beweis stellen müssen. Und diese notwendige Courage zieht sich als Leitmotiv durch den ganzen Film. „Ich denke, GEFÄHRTEN sagt viel zum Thema Mut“, merkt Spielberg an. „Und über Dinge, die man nicht für sich selbst macht, sondern um denen zu helfen, die man liebt. Dieses Thema kommt im Film immer wieder auf unterschiedliche Weise zur Sprache.“

Er fügt an: „Albert und Joey haben ein sehr großes Vertrauen zueinander. Das beginnt noch vor dem Krieg, als sie gemeinsam versuchen, dieses unglaublich steinige, unfruchtbare Feld in Devon zu pflügen. Diese Zusammenarbeit schafft eine enge und auch sehr emotionale Verbindung zwischen dem Jungen und dem Pferd, die auch durch die Trennung in Kriegszeiten nicht mehr zerreißt. Das ist Schicksal, und daher wird nach all dem Chaos des Krieges schließlich auch etwas Wunderbares geschehen.“

Tatsächlich begegnet Joey an allen Stationen seiner Reise Menschen und Tieren, die alles geben würden, nur um ihr nacktes Überleben zu sichern. Von Anfang an hat Spielberg die Idee besonders fasziniert, Joey immer wieder in eine weitere fesselnde Geschichte zu verwickeln: „Ich glaube nicht, dass ich jemals zuvor in diesem episodenhaften Format gedacht und gearbeitet habe, in dem sich schließlich alle Einzelstücke zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen“, bemerkt er. „Charaktere tauchen auf und verschwinden wieder, und alle diese Biografien streift Joey auf seinem Weg zurück nach Hause. Man sieht dabei zu, wie diese Figuren Joey verändern – und wie er diese Menschen beeinflusst.“

Egal ob diese Personen nun Briten, Franzosen oder Deutsche sind – Spielberg war vor allem daran interessiert, eine allgemein geltende Menschlichkeit als alles verbindenden Ursprung ihrer Taten herauszustellen. GEFÄHRTEN ergreift niemals Partei für eine Nation. Jeder findet Trost bei Joey und kommt schnell in Kontakt mit ihm. „Der Film interessiert sich nicht dafür, wer auf wessen Seite steht“, erläutert Spielberg. „Es geht wirklich nur darum, wie sich die einzelnen Charaktere dem Pferd gegenüber verhalten. Pferde interessieren sich schließlich nicht für Politik, sondern ausschließlich für die, die sie lieb gewonnen haben. Das ist ein wichtiger Aspekt, der der Geschichte vor dem Hintergrund des Kieges eine ganz besondere Art von Humanität verleiht.“

Fasziniert war Spielberg auch von der geheimnisvollen engen Verbindung mancher Menschen mit der Natur. Er selbst lebt auf einer Farm mit vielen Pferden und sieht dort selbst täglich, wie eng die Verbindung zwischen Mensch und Pferd sein kann. Nun möchte er das Herz und die Seele eines Pferdes so zeigen, wie man sie zuvor noch nie auf einer Leinwand gesehen hat – in all ihrem reinen, puren Gefühl und ihrer edlen Gesinnung: „Seit über 15 Jahren lebe ich mit Pferden zusammen, und ich habe inzwischen wirklich gelernt, wie ausdrucksfähig sie sind“, sagt der Filmemacher. „Aber im Film sieht man selten, was Pferde fühlen. In den ‚Indiana Jonesʻ-Filmen beispielsweise bestand meine Aufgabe darin, Indiana Jones ins Zentrum zu stellen, nicht sein treues Pferd. Aber bei der Vorbereitung zu GEFÄHRTEN war ich erstaunt, wie gut Pferde ihre Gefühle ausdrücken können. Im Theaterstück waren die Puppen tatsächlich in der Lage, dem Publikum die Gefühle der Pferde zu vermitteln. Aber in meinem Spielfilm wollte ich denselben Effekt mit echten Pferden erreichen.“

Als passionierter Geschichtsfan wusste Spielberg natürlich bereits, dass gerade die Situationen, die Soldaten und Pferde im Ersten Weltkrieg zu überstehen hatten, zweifellos zu den erschütterndsten der jüngeren Geschichte gehören. Bekannt als der „Krieg, um alle weiteren Kriege zu beenden“, weil sich niemand vorstellen konnte, etwas Ähnliches nochmals durchleiden zu können, markierte der Erste Weltkrieg eine spürbare Verschiebung von Maßstäben. Galten zuvor in der militärischen Kriegsführung noch Maßstäbe wie Ritterlichkeit oder Ehre, ließen sich nun die Entmenschlichung und Grausamkeiten der modernen Kriegsführung beobachten. Doch Spielberg betonte von Anfang an, dass er sich unbedingt der historischen Wahrheit verpflichten wolle. „Es war mir wichtig, einen möglichst ehrlichen Film zu machen“, kommentiert der Filmemacher seine Entscheidung von damals. „Aber ich habe mich teilweise in bestimmten Szenen zurückgehalten, um aus GEFÄHRTEN nicht einen zweiten SAVING PRIVATE RYAN (1998) oder ein zweites „Band of Brothers“ (2001) oder „The Pacific“ (2007–2009) zu machen.“

Diese Erfahrung wurde für Spielberg selbst zu einer Wiedervereinigung mit einigen langjährigen Freunden und Mitarbeitern, die schon bei vielen anderen seiner Produktionen maßgeblich beteiligt gewesen waren. „Alle meine tapferen Familienmitglieder und Mitstreiter, die mich schon so viele Jahre und Filme lang begleitet haben, kamen zusammen, um mit mir gemeinsam an GEFÄHRTEN zu arbeiten“, sagt er. „Das war auch eine großartige Erfahrung.“

Aus Sicht von Cast und Crew war GEFÄHRTEN die perfekte Verbindung von Künstler und Buch. Ko-Drehbuchautor Lee Hall fasst es so zusammen: „Die Hauptrolle hat keine einzige Zeile Text, aber Steven besitzt die großartige Begabung, auch noch die komplizierteste Geschichte so geradlinig zu erzählen, dass sie einen wirklich bewegt. Obwohl alle Figuren Charaktere sind, die sich von uns heute sehr unterscheiden, öffnen sie dennoch unsere Herzen und ermöglichen eine Identifikation.“ Allgegenwärtig während der Arbeit an GEFÄHRTEN war auch das Bewusstsein um die historischen Ereignisse. „Es herrschte allgemein ein großer Respekt, wenn es um die Genauigkeit in der Darstellung der Ereignisse ging. Und jedem war bewusst, dass es tatsächlich einmal Menschen gab, die genau dies hier durchlitten hatten“, sagt der britische Drehbuchautor Richard Curtis. ,,Das Design war sehr authentisch und ich denke, Steven wollte so ehrlich und gefühlsecht sein wie möglich, er wollte nicht romantisieren, sondern eine authentische Situation erschaffen, die aber immer die Möglichkeit offen lässt, dass es Joey und Albert zurück nach Hause schaffen.“

Und der bereits fünfmal mit dem Oscar® ausgezeichnete Komponist John Williams, dessen Musik seit 1974 untrennbar mit allen Spielberg-Filmen verbunden ist, fügt hinzu: „Meine Reaktion auf GEFÄHRTEN war nur: Niemand anders außer Steven kann eine Geschichte mit einem solchen Maß an Präzision und Energie auf die Leinwand bringen.“

Produktion: Das Drehbuch

Nach bescheidenen Anfängen wurde GEFÄHRTEN als Theaterstück schnell Teil der Gegenwartskultur – eine Geschichte aus einem vergangenen Jahrhundert, die das behandelt, was uns heute ebenso angeht. Zuerst war der Roman ein in/bei allen Altersgruppen beliebtes Buch, anschließend wurde daraus ein höchst innovatives Drama, das sein Publikum im Sturm eroberte, und nun gibt es eine erneute Wiedergeburt, wieder in einem anderen Medium.

Angefangen hat alles bei Michael Morpurgo, einem Schriftsteller und Kinderbuchautor, der schon lange eine Geschichte über den Ersten Weltkrieg schreiben wollte. Er ist vermutlich der am wenigsten diskutierte Konflikt des 20. Jahrhunderts, obwohl er die Welt für immer veränderte und eine ganze Generation zwang, aus Asche wieder etwas aufzubauen. Lange suchte Morpurgo nach einer vernünftigen und gleichzeitig originellen Möglichkeit, über diesen Krieg zu schreiben. Aber nichts funktionierte richtig. Bis er eines Tages zufällig in einer Bar einen hochbetagten Weltkriegsveteranen kennen lernte. Als Morpurgo hörte, wie der Mann voller Begeisterung nicht von seinen damaligen Kameraden, sondern von den unglaublich heldenhaften und treuen Pferden dieser Zeit sprach – da hatte der Autor seine passende Perspektive gefunden.

Wie die meisten Menschen hatte auch Morpurgo bis dahin in seinem Leben nicht darüber nachgedacht, was mit Pferden in Kriegszeiten geschah. Erst dieser alte Soldat öffnete ihm die Augen für diese große, unerforschte Welt, in der die Bindungen zwischen Menschen und Tieren oftmals enorm stark und tief waren und auch im Kampf nicht zerrissen werden konnten. „Ich hörte erstaunt diesem alten Mann zu, wie er mit Tränen in den Augen von der Beziehung zu seinem Pferd erzählte, das ihn Jahrzehnte zuvor an der Westfront begleitet hatte“, erinnert sich der Schriftsteller. „Ich lernte, dass diese Pferde viel mehr getan hatten, als nur die Sachen und Waffen der Soldaten durch die Lande zu tragen. Sie hatten damals eine wirkliche Bedeutung für die Menschen.“

Diese erste Unterhaltung veranlasste Morpurgo zu intensiven Recherchen. Er entdeckte unter anderem, dass über eine Million Pferde mit den britischen Soldaten in den Ersten Weltkrieg gezogen – und nur 62.000 Tiere wieder zurückgekehrt waren. Er lernte, wie wichtig Pferde waren – für alle Kriegsteilnehmer. Er erforschte anhand von Gemälden und historischen Berichten, wie Pferde geopfert wurden, wie sie gelitten und wie tapfer sie sich verhalten hatten – genauso wie ihre menschlichen Begleiter. Dieser Episoden wegen fühlte er, diese Geschichten müssten endlich aufgeschrieben werden.

1982 erschien der Roman, gedacht für ein jugendliches Publikum. Er erreichte rasch eine riesige Zahl an Lesern überall auf der Welt und gewann den zweiten Preis beim bedeutenden Whitbread Award. 2007 wurde die Geschichte dann als furioses Theaterstück für das National Theatre in London adaptiert. Das Publikum war vollkommen außer sich und diskutierte begeistert über die im Drama angesprochenen Themen wie Freundschaft zwischen Mensch und Tier, Durchhaltevermögen und Glaube an eine bessere Zukunft, wenn alles verloren scheint.

Das Stück sprach auch Produzentin Kathleen Kennedy an, die sich sofort in Joey und seine unerschütterliche Entschlossenheit, wieder nach Hause zu kommen, verliebte. „Ich habe die Geschichte und die Gefühle, die sie bei mir hervorrief, einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen“, erinnert sie sich. Deswegen dachte sie sofort an Steven Spielberg. „Aber Steven war nicht interessiert an einem Kriegsfilm“, erzählt Kennedy. „Später, als er sich eingehender damit beschäftigte, begeisterte ihn vor allem die Beziehung zwischen dem Jungen und dem Pferd und ihre Reise. Jeder kann sich mit Joeys ganz unverstellten Emotionen identifizieren. Und deswegen kann man sich gar nicht dagegen wehren – man fühlt einfach mit ihm. Das war es dann auch, was Steven durch Joeys Erfahrungen zeigen wollte: die menschliche Güte und Integrität, die sich auf beiden Seiten des Krieges finden ließ.“

Als Spielberg sich dann tatsächlich des Projektes annahm, konnte Morpurgo es anfangs gar nicht glauben. Er war sehr angetan von der Tatsache, dass die Leinwand-Fassung ebenso eigenständig sein würde wie das Theaterstück, das bereits allein neben dem Roman bestehen konnte. „Es gab einen großartigen Gedankenaustausch mit Steven. Wir sind beide begeisterte Geschichtenerzähler, die sich immer wieder davon fesseln lassen können, wie unterschiedlich sich eine Geschichte erweitern und entwickeln lässt. Steven erzählt die Story in GEFÄHRTEN auf seine eigene Art, viel breiter und opulenter“, fasst der Autor seine Erfahrungen zusammen.

Die in London beheimatete ausführende Produzentin Revel Guest, die sich seit der Premiere des Theaterstücks um eine Verfilmung bemühte, war ebenfalls begeistert: „Es gibt niemanden, mit dem ich lieber einen Film zusammen produzieren würde als Steven Spielberg“, erklärt sie. „Er ist ein Pferdenarr und abgesehen davon der beste Kriegsfilm-Regisseur unserer Zeit. Eine bessere Kombination kann man sich nicht denken.“

Die Filmemacher wandten sich mit Feuereifer der Adaption zu. Zuerst holten sie den britischen Drehbuchautor Lee Hall mit ins Team, der im Jahr 2000 das Skript für den großartigen BILLY ELLIOT verfasst hatte. Anschließend nahm man noch einen anderen Briten mit an Bord: Richard Curtis, der Drehbücher für VIER HOCHZEITEN UND EIN TODESFALL (1994) und NOTTING HILL (1999) schrieb sowie die TV-Serie „Black Adder“, die in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges spielte. Curtis fiel auf, dass die Geschichte von GEFÄHRTEN einen deutlichen Bezug zur Gegenwart aufweist: „Die Frage, wie der Einzelne in einer unübersichtlichen, gefährlichen Welt überleben kann, ist uns in Zeiten der Finanzkrise und ständiger terroristischer Bedrohung absolut gegenwärtig“, merkt er dazu an. Um diese Parallelen und Verbindungen zur heutigen Zeit zu verdeutlichen, musste er zwei schwierige Fragen beantworten: Wie kann Joey das Zentrum der Geschichte sein, obwohl er nicht sprechen kann? Und wie soll es gelingen, dass der Fokus der Geschichte durchgehend auf Joey und seine Suche nach dem Heimweg gerichtet bleibt und nicht im Dreck und im Chaos des Krieges versinkt? „Der Krieg muss allgegenwärtig sein, als stete Bedrohung. Aber er darf nicht das Zentrum des Films werden“, erläutert Curtis. „Die Herausforderung lag darin, diese Balance zu halten – also den Horror des Krieges nicht abzuschwäche, aber auch nicht zu verhehlen, wie bewegend die Geschichte einiger Menschen ist, die zufällig über ein Pferd miteinander in Verbindung geraten.“

Als er die Feinheiten des Drehbuchs mit Spielberg diskutierte, sah er sich auch einem anderen Einfluss ausgesetzt: „Ich glaube, Steven hatte während unserer Arbeit immer auch die klassischen Western-Bilder im Hinterkopf. Man beginnt die Szene in einem hübschen Bauernhof, wo ein paar Leute Wasser aus einem Brunnen holen und eine freundliche Gans herumläuft, und plötzlich hat man eine Vorahnung, dass gleich etwas Schreckliches am Horizont auftauchen wird“, sagt er. Als das Grauen des Krieges schließlich tatsächlich das beschauliche Devon erreicht, werden die Freunde Albert und Joey durch das einsetzende Chaos getrennt und haben von nun an jeder eigene Abenteuer zu bestehen. Eine Fahne wird zum Symbol für die Trennung der Freunde – und ihre stete Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Für Spielberg wurde der schlichte Wimpel ein wichtiges Objekt im gesamten Film. „Ich wollte einen Weg finden, alle einzelnen Geschichten in GEFÄHRTEN durch ein prägnantes Symbol zu vereinen, und das wurde die Kriegsfahne von Alberts Vater“, sagt er. „Joey nimmt damit eine Erinnerung an ihre Freundschaft von einer Episode zur nächsten bis hin zum Ende des Films mit. Die Fahne ist eine Art visueller Talisman für ihn, und das war mir für diesen Film sehr wichtig. Der Wimpel verbindet nicht nur Joey und den Jungen, sondern auch Albert mit seinem Vater und alle mit ihrem Zuhause in Devon.“

Curtis fügt hinzu: „Steven ist sehr geschickt darin, in seinen Filmen solche visuellen Marker zu setzen, und gerade in einem so weit gespannten Drama wie GEFÄHRTEN ist so etwas sehr wichtig. Die Fahne brachte Alberts Vater aus dem Krieg mit nach Hause, und jetzt wird sie zur einzigen Konstanten inmitten all der Wirren und Unruhen des Krieges, bis sie endlich wieder dorthin zurückkehrt, wo sie herkam.“

Doch egal was die Drehbuchautoren an unerwarteten Wendungen einbauten, Joey war und blieb stets das Herz der Geschichte: „Er repräsentiert unsere ganze Unschuld, als er mitten hineingeworfen wird in diese unglaubliche Katastrophe“, fasst Hall zusammen. „Aus seiner Sicht werden alle komplizierten Zusammenhänge stark vereinfacht und mit einem Mal steht allein die menschliche Tragödie im Mittelpunkt“.

Produktion: Die Besetzung

Beim Casting stand für Spielberg ausschließlich der Charakter im Vordergrund. Er suchte in ganz Großbritannien nach passenden Schauspielern, egal ob sie bisher schon bekannt waren oder noch völlig unbekannt. „Steven hat schon viele großartige Entdeckungen gemacht“, merkt Kathleen Kennedy an, „und er war sehr glücklich über die Möglichkeit, ein ganzes Schauspieler-Ensemble suchen zu können für die vielen Rollen, die GEFÄHRTEN bot.“ Eine möglichst vielfältige und sofort für sich einnehmende Besetzung sollte es nach Spielbergs Ansicht sein. „GEFÄHRTEN ist nicht nur die Geschichte eines Jungen und eines Pferdes. Es ist auch die Geschichte von vielen sehr verschiedenen Menschen, die den beiden begegnen – und daraus wurde eines der herrlichsten Ensembles, mit denen ich jemals zusammen arbeiten durfte“, bemerkt der Regisseur dazu. „Ich bin wirklich stolz darauf, dass so viele tolle Schauspieler sich für uns so verausgabt haben.“

Eine der entscheidendsten Fragen war, wer die Rolle des Albert übernehmen sollte. Während eines groß angelegten Vorsprechens fiel dem Team ein junger Schauspieler sofort auf: Jeremy Irvine, ein 20 Jahre alter Brite, der wie Albert aus einem kleinen Dort stammte. „Für die Rolle des Albert wollte ich keinen schon überall bekannten Darsteller haben“, sagt Spielberg. „Ich suchte ein frisches, noch unverbrauchtes Gesicht. Joey war vollkommen unbekannt. Also sollte es der Junge ebenfalls sein. Ich erinnerte mich daran, dass Christian Bale damals der zweite Schauspieler war, den ich mir für DAS REICH DER SONNE (1987) ansah, und dass ich mich Monate später schließlich für ihn entschieden habe. Dasselbe passierte mir jetzt mit Jeremy. Wir waren gerade so richtig mittendrin in der Suche, als wir Jeremy zum ersten Mal sahen. Trotzdem wollten wir uns alle anderen Kandidaten auch noch ansehen. Nach einigen weiteren Monaten des Suchens war klar, dass er einfach der Beste für diese Rolle war.“

Jeremy Irvine mochte den Roman „Schicksalsgefährten“, seitdem seine Mutter ihm das Buch erstmals vorgelesen hatte. Damals war Jeremy zehn Jahre alt. Albert ist in seinen Augen eigentlich ein ganz normaler Junge, der sich gerade an der Grenze zum Erwachsen werden befindet. „Wenn wir Albert im Film kennen lernen, beginnt er gerade, seinen Vater infrage zu stellen – er wird einfach erwachsen“, beobachtet Irvine. „Aber er findet dank des Pferdes eine gute Möglichkeit, damit umzugehen. Ich denke, das kann jeder nachvollziehen. Wir alle haben einmal unangenehme Erfahrungen machen müssen, und wir alle hatten in der Phase des Erwachsenwerdens einen Freund, der in unserem Leben eine entscheidende Rolle gespielt hat.“

Der Erste Weltkrieg hatte dabei für den Schauspieler zusätzlich eine ganz persönliche Bedeutung: „Zwei meiner Urgroßväter kämpften im Ersten Weltkrieg“, erklärt er. „Einer war in Gallipoli und hatte ein Pferd namens Elizabeth, an dem er sehr hing. Ich sah einmal eine Rechnung, die belegte, dass er das Pferd für 28 Pfund von der Army gekauft hatte. Das war exakt derselbe Betrag, den Albert besitzt, als er versucht, der Armee seinen Joey abzukaufen! Das war schon ein erstaunlicher Zufall.“

Irvine begann eine Phase intensiven Trainings und ritt oft zehn Stunden täglich in den Stallungen von Herfordshire, wo etwa Pferde-Berühmtheiten aus Filmen wie SEABISCUIT oder BLACK BEAUTY beheimatet sind. Dort lernte er nicht nur, mit den Tieren umzugehen. Er lernte auch, wie Pferde denken. „Pferde sind so sensibel“, führt er aus. „Es war eine Freude zu lernen, wie man mit diesen wunderbaren Kreaturen umgeht. Und es ist unglaublich, wie schnell man alles begreift, wenn man die besten Lehrer hat.“

Während der Dreharbeiten erwiesen sich die vielen Reit- und Kampfszenen in den schlammigen Schützengräben als wirklich anstrengend. Aber für Irvine war es das wert, um die Geschichte des Films zu erzählen. „An manchen Tagen stand man unter künstlichen Regenschauern, bis man völlig durchnässt war und nur noch zitterte, an anderen steckte man bis zum Hals im Schlamm. Wir verbrachten über 14 Stunden am Tag im Dunkeln, an vollkommen verlassenen Orten, die aussahen wie das Ende der Welt. Aber gerade weil alles so real erschien, haben wir allmählich erahnen können, wie sich die jungen Männer damals tatsächlich fühlten. Steven Spielberg macht nichts Halbes. Gerade das macht den Film so wahr und aussagekräftig.“

Schauspiel-Newcomer Irvine hatte die Gelegenheit, mit zwei großartigen Kollegen zusammen zu arbeiten: Peter Mullan, ein schottischer Schauspieler, den man aus BRAVEHEART (1995), TRAINSPOTTING (1996) oder BOY A (2007) kennt, und Emily Watson, die für ihr Spiel in HILARY & JACKIE (1998) und BREAKING THE WAVES (1996) bereits zweimal für den Oscar® nominiert wurde, spielen seine Filmeltern.

Mullan war besonders angetan von der Originalität des Films: „Es ist einfach genial, wie der Film entlang der Reise eines Pferdes so viele unterschiedliche Geschichten erzählt“, sagt er. „Man dachte immer, eine Geschichte über den Krieg lässt sich nicht anders erzählen, als man es bisher kannte. Aber Spielberg gelingt es, das Ganze völlig neu und ungewöhnlich erscheinen zu lassen. Die Ereignisse mit den Augen eines Pferdes zu betrachten, ist so wunderbar einfach – es erinnert einen daran, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.“

Der Schauspieler fand die Figur des Ted Narracott einfach faszinierend, denn er ist nicht so, wie er auf den ersten Blick wirkt. Anfangs erscheint er als stur und widerspenstig, doch hinter dieser Maske versteckt er eine Vergangenheit voller Heldenmut und Herzschmerz aus seiner Zeit im Burenkrieg. „Ted ist grundsätzlich ein anständiger Kerl, der allerdings mit physischen und psychischen Problemen zu kämpfen hat“, beteuert Mullan. „Er hat seine Selbstachtung verloren. Ich bin der Ansicht, dass die schlechten Dinge, die er anstellt, nur deswegen passieren, weil er frustriert und einsam ist. Die Familie lebt in sehr bescheidenen und auch emotional schwierigen Verhältnissen. Aber seinen Sohn liebt Ted wirklich sehr – und er ist sehr stolz darauf, wie geschickt Albert mit Joey umgeht.“

Die Zusammenarbeit mit Steven Spielberg war für Mullan sehr anregend: „Steven ist ganz anders als die Regisseure, mit denen ich bisher gearbeitet habe. Er konstruiert eine Figur Einstellung für Einstellung. Oft fühlte sich das an, als ob wir einen Stummfilm drehen würden, da wir von Steven Regieanweisungen bekommen haben, während wir eine Szene gespielt haben, und nicht danach. Aber mir hat es sehr gefallen. Wenn man mit ihm zusammen arbeitet, gibt man sich völlig in seine Hand.“

Emily Watson war ebenfalls gespannt darauf, zum ersten Mal mit Spielberg zusammen zu arbeiten: „Der Stoff war einfach toll, und Rosie ist genau der griffige Charakter, an dem man ordentlich zu beißen hat“, sagt sie. „Ich wusste, Steven wird aus der Geschichte einen großen, breit angelegten Film machen. Es gelingt ihm immer wieder hervorragend, uns zu zeigen, wie Menschlichkeit aus der Sicht eines anderen Lebewesens aussieht. Das hat er schließlich schon in ET getan, oder?“ Watson sah das Theaterstück zum ersten Mal, als sie gerade hochschwanger war. „Es gibt wohl kaum etwas, was einen mehr mitreißt als die Geschichte eines Kindes, das von seiner Mutter getrennt wird und versucht, sie wiederzufinden. Ähnlich verhält es sich hier mit dem Pferd und dem Jungen, die ebenfalls ihre Familie suchen – in einer Zeit, in der es nicht allzu vielen gelang, sie wiederzufinden.“

„Rosie ist diejenige, die diese Familie zusammenhält“, beschreibt Watson ihre Rolle. „Es ist eine schrecklich anstrengende Aufgabe, aber sie bewältigt sie sehr gut. Ihre Familie ist sehr arm und immer kurz davor, von Haus und Hof vertrieben zu werden. Ihr Ehemann gibt das letzte Geld für ein überflüssiges Pferd aus. Aber als sie sieht, wie ihr Sohn mit dem Tier umgeht, verliebt sie sich ebenfalls in Joey. Die Arbeit mit dem Pferd, das versteht Rosie mit der Zeit, verwandelt ihr Kind in einen Mann.“

Wie viele andere Teammitglieder hat auch Emily Watson eine persönliche Beziehung zum Ersten Weltkrieg: Jeder von uns kennt Geschichten von Männern, die in den Krieg zogen“, erzählt sie. „Der ältere Bruder meiner Großmutter, den sie sehr liebte, fiel in Ypern. Sie sprach niemals darüber, bis sie über 80 Jahre alt war. Und während sie uns dann erzählte, dass sie bis heute seinen letzten Brief aus dem Schützengraben unter dem Kopfkissen liegen hatte, konnte sie gar nicht mehr aufhören zu weinen.“

Eine Schlüsselrolle kommt auch David Lyons aus Alberts Dorf in Devon zu. Lyons ist der Sohn des Vermieters der Narracottts und entwickelt sich im Krieg zu einem erbitterten Rivalen Alberts. Für den Part des David wähle Spielberg Robert Emms aus, der für seine Darstellung des Albert in der Londoner West-End-Produktion von „War Horse“ von den Kritikern gefeiert wurde. Emms sagt dazu, egal welche Figur er in der Geschichte spiele, sie rührt ihn immer an. „Die Themen Krieg und Freundschaft sind völlig zeitlos, und genau das spricht die Zuschauer auch so an“, erklärt er. Spielberg sprach mit Emms auch über die Beziehung seiner Filmfigur David zu seinem Vater. „Er sprach über die Szene, als David auf dem Zaun sitzt und sich nicht sicher ist, ob er so sein will wie sein Vater oder einfach wie die anderen Jungs. Ich hatte das vorher noch nicht so gesehen und es hat mir wirklich weitergeholfen,“ erinnert er sich.

Der preisgekrönte englische Schauspieler David Thewlis, bestens bekannt seit den HARRY POTTER-Filmen, übernahm die Rolle von Davids unangenehmem Vater. Er sollte einen archetypischen Charakter der Filmgeschichte spielen: „Als Steven auf mich zukam und mich bat, Lyons zu spielen, deutete er an, dass dieser Kerl eine klassische Kino-Figur ist, die bis auf die Stummfilmzeit zurückgeht. Den bösen Gutsherrn und Vermieter, den gab es schon immer – und ich bin froh, dass ich ihn unter Stevens Führung auf eine ganz andere Weise spielen konnte.“

Als Joey in den Krieg zieht, begegnen ihm drei junge britische Kavallerieoffiziere: Captain Nicholls, der ihn reitet und Albert verspricht, auf Joey aufzupassen, Major Stewart, der den eleganten Rappen Topthorn reitet, und Leutnant Waverly, Captain Nicholls bester Freund.

Den jungen britischen Schauspieler Tom Hiddleston sah man kürzlich erst als F. Scott Fitzgerald in Woody Allens MIDNIGHT IN PARIS (2010). In GEFÄHRTEN übernahm er nun den Part des Nicholls. „Ich sah ihn in ein paar kleineren Rollen und fand damals schon, er ist die Reinkarnation von Errol Flynn“, erinnert sich Spielberg. „Ich dachte, es wäre doch schön, wenn die erste Person, die Joey kauft, dieser klassische, schneidige britische Held wäre. Also haben wir alle Vorsicht außer Acht gelassen und uns anstatt gegen den Strich zu besetzen, für den Typ charmanter, kultivierter, aber auch sehr achtsamer junger Soldat entschieden.“

Hiddleston bemühte sich, seiner Figur gerecht zu werden: „Nicholls ist jemand, der ein Gespür dafür besitzt, wie grausam dieser Krieg werden würde“, merkt er an. „Um mit dieser Angst klarzukommen, zeichnet er und fertigt auch diese wundervollen Skizzen von Joey an. Ich empfand gar nicht, dass ich nur einen Soldaten zu spielen hatte. Für mich war er ein Soldat mit einer Künstlerseele.“

Obwohl er ein erfahrener Reiter ist, musste Hiddleston für den Film lernen, das Schwert im Stile der britischen Kavallerie zu führen, während er auf einem Pferd saß. Er sagt: „Ein Schwert zu führen, erfordert viel Präzision, Übung und Disziplin – besonders wenn man damit in der Nähe von Pferden ist! Wir mussten von Anfang an lernen nur mit einer Hand am Zügel zu reiten. Das erforderte viel Übung, um sich dabei sicher zu fühlen.“

Benedict Cumberbatch, der mittlerweile schon eine Menge historische Charaktere von Stephen Hawking bis Sherlock Holmes gespielt hat, übernahm die Rolle des Major Stewart – und die Zügel von Topthorn. Er sagt über seinen Part: „Stewart ist sehr jung. Das waren viele der mit einem Kommando betrauten Offiziere im Ersten Weltkrieg. Aber er besitzt eine Autorität und Bestimmtheit, die seine Männer überzeugen. Er kennt die Risiken und die Unwägbarkeiten ihres Einsatzes, kann seine Soldaten aber stets davon überzeugen, sich loyal und mutig zu verhalten.“

Patrick Kennedy, der bereits in ABBITTE (2007) zu sehen war, spielt Leutnant Waverly. Kennedy beschreibt seine Figur als „Witzbold in der Truppe. Ich halte ihn nicht für einen sehr ernsthaften Soldaten, aber er meint es immer gut. Ich denke, seine Geselligkeit und sein Humor sollen in erster Linie seine Angst überdecken.“

David Kross spielte bereits den Michael Berg in Stephen Daldrys Adaption von Bernhard Schlinks DER VORLESER (2008). Hier ist er der deutsche Soldat Gunther, der mit Joey aus der Armee flüchtet, um seinen kleinen Bruder zu retten. Kross sagt, dass es für einen einfachen Soldaten wie Gunther ein unglaubliches Ereignis gewesen sein muss, mit einem so tollen Pferd wie Joey unterwegs zu sein. „Gunther stammt aus einer einfachen Arbeiterfamilie und hatte bisher noch nie mit Pferden zu tun. Als er Joey sieht, ist er sofort tief beeindruckt von diesem schönen und starken Tier. Das muss so sein, als ob man heute einen Ferrari auf der Straße stehen sieht. Er ist sofort hin und weg und hat gleichzeitig seine Chance gefunden, aus der Armee zu entkommen.“

Die beiden deutschen Jungen und Joey fliehen zu einem französischen Bauernhof, wo Joey, versteckt hinter einer Windmühle, zum ersten Mal eine echte Atempause vom Krieg findet. Er begegnet Emilie, einem zarten aber äußerst temperamentvollen kleinen Mädchen. Ihr Großvater hofft, seine Enkeltochter so weit wie nur möglich von den Ereignissen des Krieges abzuschirmen. Die beiden erinnern Joey an zuhause. „Die Beziehung, die Emilie zu Joey aufbaut, ist sehr ähnlich zu derjenigen zwischen Joey und Albert“, merkt Spielberg dazu an. „Es erscheint so, als würde sich das Pferd plötzlich an Albert erinnern, weil dieses kleine Mädchen sich ebenso rührend um ihn kümmert.“

Der gefeierte französische Schauspieler Niels Aestrup (EIN PROPHET, 2009) übernahm die Rolle des Großvaters. Nach einem ausführlichen Casting erhielt die Newcomerin Celine Buckens aus London die Rolle der Emilie. Buckens lernte dafür extra, mit einem französischen Akzent zu sprechen. Das Mädchen hat bisher nicht viel mit Pferden zu tun gehabt, aber sie verstand sofort instinktiv, warum Emilie sich so unmittelbar zu Joey und Topthorn hingezogen fühlte: „Sie lebt während des Krieges sehr isoliert allein bei ihrem Großvater, und die beiden Pferde verkörpern für sie die Hoffnung auf eine andere Welt jenseits der ihres Opas“, sagt Celine Buckens.

Der Film war für Buckens ohne Übertreibung eine lebensverändernde Erfahrung. Es war nicht nur ihr erster Spielfilm, und dann gleich unter der Regie von Steven Spielberg, sie entdeckte während der Dreharbeiten auch ihre große Liebe zu Pferden: „Jetzt liebe ich diese Tiere“, sagt sie. „Ich habe verstanden, was für wunderschöne und liebenswerte Kreaturen das sind. Die Pferde, die ich während der Dreharbeiten kennen lernte, waren beeindruckend.“

Eine weitere Figur, die schnell eine tiefe Verbindung zu Joey aufbaut, ist in der Szene zu sehen, als ein englischer Soldat aus der Umgebung von Newcastle aus dem englischen Schützengraben klettert und sein Leben im Niemandsland zwischen den Fronten riskiert, um Pferd Joey zu retten, das sich dort im Stacheldraht verfangen hat. In dem Moment, als der englische Soldat dort einen deutschen Soldaten trifft, ist ein zarter Friede zwischen den beiden zu spüren. Für Steven Spielberg ist dies die Szene, auf die er am stolzesten ist.

In der Rolle des englischen Soldaten ist der britische Darsteller Toby Kebbell, den man aus PRINCE OF PERSIA: DER SAND DER ZEIT (2010) kennt, zu sehen. Kebbell über seine Szene im Niemandsland der Front: „Als die Szene abgedreht war, nahm sie mich viel mehr mit, als ich vorher gedacht hatte. Es hatte etwas Zeitloses, noch heute Gültiges, als ich aus dem Schützengraben geklettert bin, ins Niemandsland zwischen den Fronten. Das ist genau das, warum ich Schauspieler geworden bin: für diese Erfahrungen – es hat sich alles so wirklich angefühlt.“

Produktion: Die Pferde und ihre Trainer

Waren die menschlichen Darsteller für GEFÄHRTEN unerlässlich, so waren es die Pferde-Akteure mindestens genauso. Schließlich hatten sie die schwierige Aufgabe zu erfüllen, das Publikum in eine Perspektive mit hineinzunehmen, wie es sie noch nie zuvor im Kino gab. In den letzten Jahrzehnten erfüllten Pferde häufig eine wichtige Rolle in Spielfilmen. Oft im Hintergrund wie in unzähligen Western. Manchmal aber auch bereits in der ersten Reihe der Darsteller wie etwa in ALLES GLÜCK DIESER ERDE (International Velvet, 1978), DER SCHWARZE HENGST (The Black Stallion, 1979) oder SEABISCUIT – MIT DEM WILLEN ZUM ERFOLG (2003).

Aber niemals vor GEFÄHRTEN hatte ein Film versucht, die Ausdrucksmöglichkeiten von Pferden so exakt wiederzugeben. Auch waren die furchtbaren Dinge, die sie im Krieg erleiden mussten, bisher niemals so erzählt worden. Allein aus diesen Gründen war es für Steven Spielberg notwendig, die perfekte Kombination aus engagierten Trainern und sensiblen Tieren zu finden.

Unter der Aufsicht von Bobby Lovgren, der als einer der innovativsten Pferdetrainer bekannt ist und auch schon für SEABISCUIT mit den Tieren für die Kamera gearbeitet hatte, wurde eine große Einheit von über 100 Pferden zusammengestellt. Lovgren wiederum rekrutierte ein zusätzliches Team von Trainern aus Australien, Spanien und den USA, organisierte außerdem Händler, Transporter, einen Tierarzt und sogar spezielle Make-up-Künstler für die Tiere. Alle diese Personen wurden freundlich beaufsichtigt von Barbara Carr von der American Humane Association.

„Bobby und sein Team haben wirklich wahre Wunder mit den Pferden vollbracht“, bekennt Spielberg. „Mir war besonders wichtig, dass es den Pferden stets gut geht. Ich liebe diese Tiere und ich wollte unbedingt verhindern, dass ihnen während der Dreharbeiten zu GEFÄHRTEN ein Leid geschehen könnte. Bobby hat großartig dafür gesorgt, dass das auch nie passierte. Eine weitere wichtige Person am Set war in diesem Zusammenhang natürlich Barbara Carr, die Vertreterin von American Humane, die jede einzelne Einstellung beaufsichtigte. Ich ermächtigte sie dazu, sofort eingreifen zu dürfen, sollte sie der Ansicht sein, hier würde einem Pferd etwas angetan oder es könnte gar verletzt werden. Ich wollte, dass sie bei allen Action-Szenen und Stunts dabei war, die die Pferde zu bewältigen hatten. Daraus ergab sich eine sehr lebhafte Zusammenarbeit zwischen Bobby, Barbara und mir.“

Als Lovgren das Drehbuch las, war er zutiefst bewegt von diesem selten klugen, wahrhaftigen Porträt von Tieren in Kriegszeiten und von Joeys Standhaftigkeit. Gleichzeitig erkannte er aber bereits, welche Herausforderungen auf ihn warteten – und auf seine Pferde. „Anfangs überstieg das Buch jede Vorstellungskraft im Bezug auf das, was überhaupt möglich sein kann“, gesteht er. „Die Pferde hatten so viele vollkommen unterschiedliche und anspruchsvolle Szenen zu bewältigen. Mit so vielen verschiedenen Personen und an so vielen Kriegsschauplätzen – mir war klar, das wird für alle Beteiligten sehr schwierig werden, für die Menschen und die Tiere“, erläutert er. „Aber wir nahmen die Sicherheitsbestimmungen sehr genau und konnten uns auf unsere wirklich außergewöhnlichen Trainer immer verlassen. Kein Pferd wurde jemals verletzt. Wenn man sie nun im Film hinken sieht, haben wir lange mit ihnen dafür geübt.“

14 verschiedene Pferde spielten Joey in der Zeitspanne vom jungen Fohlen bis zum erwachsenen Hengst. Aus ihnen setzte sich allmählich das Bild eines Pferdes zusammen, das sich ebenso edel, tapfer und loyal verhält wie der junge Mann, der es aufzog und trainierte. Dabei war auch Lovgrens eigenes Pferd Finder (das er kaufte, nachdem er es bei SEABISCUIT trainiert hatte), das in Joeys schauspielerisch schwierigsten Szenen zu sehen war. Lovgren sagt, Finder hat die verblüffende Fähigkeit, seine Gefühle zu übermitteln. „Zwei der schwierigsten Szenen für ein Pferd sind die, als Joey im Stacheldraht gefangen ist, der aus Plastik gemacht ist, damit sich das Pferd nicht verletzen kann, und als Topthorn stolpert und Joey versucht, ihn wieder aufzurichten. Es war sehr wichtig, die Emotionen in diesen Szenen sichtbar zu machen, aber das ist mit den meisten Pferden sehr schwierig. Wir hatten sehr viel Glück mit Finder, da er eine Persönlichkeit hat, die sich emotional mit den Zuschauern verbindet.“

Vier unterschiedliche Pferde teilten sich die Rolle von Topthorn, Joeys Rivalen und Freund in Kriegszeiten. Barbara Carr von American Humane: „In einer Szene sollte George, das Pferd, das Topthorn spielte, ganz unbeweglich liegen. Finder, der in dieser Szene Joey verkörperte, sollte sich still danebenlegen. Die Pferde waren beide so hervorragend ausgebildet, dass sie diese schwierige Szene vollkommen entspannt meisterten. Keiner bewegte sich. Man hatte den Eindruck, die beiden Tiere wussten genau, was sie da gerade zu spielen hatten. Das anzusehen war so bewegend, dass anschließend die ganze Crew Tränen in den Augen hatte.“

Ali Bannister war für das Aussehen von Joey zuständig, und gemeinsam mit dem Pferde-Make-up-Chef Charlie Rogers sorgte sie dafür, dass alle unterschiedlichen Joeys jeweils das gleiche, spezielle Aussehen erhielten. „Jeder der Joey-Darsteller war besonders für spezielle Szenen trainiert worden. Aber natürlich sollten sie alle gleich aussehen“, erklärt sie. „Jeder brauchte vier ‚weiße Strümpfe̒ und einen weißen Stern auf der Stirn. Es dauerte jedes Mal 45 Minuten, um aus einem Pferd einen Joey zu machen – und sie hatten alle sehr unterschiedliche Temperamente. Also brauchte ich gelegentlich recht viel Geduld!“

Barbara Carr machte es viel Spaß, Lovgren und seinem Team bei der Arbeit zuzusehen: „Ich war bei allen Trainings dabei“, beschreibt sie ihre Rolle am Set. „Ich sah zu, wie ihnen unterschiedliche Blicke beigebracht wurden und andere Verhaltensweisen, die dem Zuschauer eine Identifikation erleichtern sollten. Das ist sehr schwer einzuüben. Zusätzlich wurden sie daran gewöhnt, dass sie auf der Stirn alle ein wenig rasiert wurden, damit dort jeweils der weiße Stern aufgeschminkt werden konnte. Es war faszinierend, wie rasch sich die Tiere an alle diese Dinge gewöhnten.“

Auf manche Szenen freuten sich die Tierdarsteller ebenso wie ihre menschlichen Kollegen, besonders bei den Kavallerie-Szenen. „Die Pferde freuten sich so darauf, rennen zu dürfen“, sagt Carr. „Wir konnten sie nur schwer daran hindern, weil es ihnen eine solche Freude machte, als eine riesige Herde zusammen zu laufen. Es war einfach wunderschön, das anzusehen.“

Die Darsteller spürten, dass die Pferde sehr stark auf menschliche Empfindungen reagierten. „Den ganzen Film über fiel mir auf, dass, egal was ich fühlte, die Pferde das genauso zurückgaben“, sagt Tom Hiddleston, der in GEFÄHRTEN den Captain Nicholls spielt. „Sie fühlen Angst, sie fühlen Überheblichkeit, und sie spüren auch eine Art innerer Ausgeglichenheit. Sobald ich ruhig war, blieben sie ebenso gelassen, aber sobald ich nervös war, wurden sie ebenfalls aufgeregt.“ Patrick Kennedy, der den Waverly darstellt, fügt hinzu: „Wir alle waren den Pferden irgendwann unglaublich zugetan. Diese Tiere kennen und reiten zu lernen gehörte zu den größten Privilegien, die ich je hatte.“

Spielberg war begeistert davon, wie schnell sich die Pferde wie echte Schauspieler benahmen. „Ich wollte, dass sie ihre Rollen ebenso spielten wie Emily Watson oder Peter Mullan“, fasst der Regisseur zusammen. „Und genau so war es schließlich. Es gab Phasen während dieser Dreharbeiten, da verhielten sich die Pferde so, wie ich es niemals von Tieren erwartet hätte. Da sitzt man nur noch da und dankt dem Schicksal für diese Pferde.“

Während beinahe alle Szenen in GEFÄHRTEN mit lebendigen Pferden gedreht wurden, setzte Spielberg für einige Sequenzen im „No Man’s Land“ ein animiertes Pferd ein. Es sind jene Szenen, in denen sich Joey in den Dornen eines Stacheldrahtes verheddert – was im Ersten Weltkrieg oftmals das tragische Ende eines Tieres bedeutete. Special-Effects-Supervisor Neil Corbould baute einen atemberaubend echt wirkenden, originalgroßen Joey für diese Szene. Er war vollständig computeranimiert und saß auf seinen Knien. Wir gruben ein eineinhalb Meter tiefes Loch, in dem immer vier oder fünf Puppenspieler unter der Erde saßen, die das Pferd bewegten“, erklärte Corbould. Aber um Joeys Gefühle für die Nahaufnahmen seines Gesichts in dieser Szene sichtbar zu machen, setzte Spielberg dennoch das echte Pferd Finder ein. Toby Kebbell, der den britischen Soldaten spielt, der hilft, Joey zu befreien, sagt dazu: „Das Computerpferd war unglaublich lebensecht, es konnte sogar Luft aus seinen Nüstern blasen und den Kopf schütteln. Es war wirklich sehr nahe am echten Joey dran. Aber natürlich kein Vergleich mit dem Original!“

Produktion: Angriff der Kavallerie

Das intensivste Training mit den Pferden war nötig für jene Szenen, in denen Joey zum ersten Mal unmittelbar ins Kriegsgeschehen eintaucht und gegen die deutsche Kavallerie zu bestehen hat. Seit Rittertagen waren die berittenen Truppen ein fester Bestandteil jeder kriegerischen Auseinandersetzung. Im Ersten Weltkrieg allerdings wurde die Kavallerie zum letzten Mal eingesetzt. Denn gegen Stacheldraht und Maschinengewehr-Salven erwiesen sich die berittenen Truppen als nahezu sinnlos. Die Art der Kriegsführung hatte sich durch Einführung von Schnellfeuerwaffen erheblich geändert. Pferde wurden langsam überflüssig. 1914 waren noch zehn Prozent der britischen Truppen zu Pferd unterwegs. 1917 waren es nur noch zwei Prozent.

Um sicherzustellen, dass der authentische Kavallerieangriff, der Joeys Kriegserlebnisse einläutet, reibungslos über die Bühne ging, ließ Spielberg ungewöhnlich viel vorab inszenieren. „Es war sehr wichtig, dass jeder, vor allem die Pferdetrainer und Reiter, wusste, was von ihm erwartet wurde. Ich wollte, dass die Humane Association, die Stuntleute und die Trainer sich alles genau vorstellen konnten, um anschließend darüber urteilen zu können: ‚Nein, das ist nicht sicherʻ oder ‚Ja, das ist machbar.̒ Es ging darum, bestens vorbereitet zu sein und dass den Pferden nichts geschieht.“

Spielberg rekrutierte für die Dreharbeiten einen speziellen Berater für die Kavallerie. Dieser Experte, Dr. David Kenyon, war erstaunt, das, was er seit vielen Jahren ausschließlich aus historischen Büchern kannte, leibhaftig vor seinen Augen zu sehen. „Nachdem ich schon so viel über das Thema gelesen hatte, war es höchst erstaunlich und aufregend für mich, diese Zeit um mich herum auferstehen zu sehen“, erinnert sich Kenyon. „Als ich die Reiter das erste Mal in kompletter Uniform sah, alle mit der korrekten Ausstattung und auch auf den ebenso richtig ausgerüsteten Pferden, lief mir wirklich ein Schauer über den Rücken.“

Die bloße Menge an Pferden war beängstigend. „Für die Kavallerieangriffe waren mehr als hundert Pferde erforderlich“, merkt Kathleen Kennedy an. „Und das waren Einstellungen, die wir maximal zwei- oder dreimal drehen konnten, da sonst die Pferde müde wurden. Es war eine echte Herausforderung.“

Um der Szene mehr Dynamik zu geben, ließ Spielberg die Pferde durch die Zeltstädte rennen. „Wir setzten Schnellspanner und Bungee-Riggs in den Zelten so ein, dass die Pferde vorbeirennen konnten, ohne dass ihnen die Zelte in den Weg fallen würden“, erklärt Neil Corbould. „Außerdem verwendeten wir zusammenklappbare Tische und Stühle aus Schaumstoff. Mit den richtigen Soundeffekten dazu wirkte es dann schließlich, als würden die Pferde alles über den Haufen rennen. Tatsächlich bestand aber keine Gefahr, dass sie sich verletzen konnten.“

Um die Unterschiede zwischen der Kavallerie und der modernen Kriegsführung zu zeigen, beschaffte sich Simon Atherton, der Chef-Waffenmeister des Films, mehrere alte Maxim-Kanonen – die ersten Maschinengewehre, auch als „The Devil’s Paintbrush“ („Die Zahnbürste des Teufels“) bekannt. „Wir fanden Händler und Sammler, von denen wir uns Waffen ausleihen durften, die tatsächlich noch funktionierten. Aber natürlich benutzten wir nur Platzpatronen“, fügt Atherton an. „Im Gegensatz dazu wurden die Soldaten mit Nachbildungen alter Schwerter von 1908 und Säbel von 1912 ausgestattet. Um die Säbel leicht zu halten, fertigten wir sie erst aus Bambus an und verchromten sie anschließend.“

Während die Sicherheit über allem stand, waren die Darsteller vom Prunk durchaus beeindruckt. „Es fühlte sich schon recht heldenhaft an, auf einem Pferd in eine Schlacht zu reiten. Das muss 1914 schon ein fantastischer Anblick gewesen sein, mit all diesem Prunk und Pomp“, sagt Benedict Cumberbatch.

Es war aber auch eine bemerkenswerte Erfahrung für die jungen Schauspieler. Tom Hiddleston erinnert sich: „Steven gab mir eine erstaunliche Regieanweisung: Mach am Anfang ein möglichst grimmiges Kriegsgesicht. Wenn die Kamera sich allmählich über dein Gesicht bewegt, möchte ich, dass du langsam zwanzig Jahre jünger wirst, und am Ende, wenn du das Maschinengewehr siehst, bist du neun Jahre alt. Ich will das Kind in dir erkennen.ʻ Das war eine der erstaunlichsten Regieanweisungen, die ich jemals erhalten hatte. Er fing damit den Verlust der Unschuld ein, der sich durch diese Aufgabe ergab.“

Produktion: Die Landschaft

In GEFÄHRTEN gibt es zwei Arten von Darstellern, die Menschen und die Tiere. Doch auch ein dritter Mitspieler ist von großer Bedeutung, und das ist die Landschaft. Die Bandbreite der unterschiedlichen Orte, die zu sehen in, reicht von den sanft gezackten Ackerfurchen Devons bis hin zum wolkenverhangenen, düsteren Himmel und den zerklüfteten Schlachtfeldern im Niemandsland. Nach Spielbergs Ansicht sollte jeder Zwischenstopp von Joeys Reise, vom Bauernhof in den Wald und zu den Schützengräben, dem Publikum ohne überflüssige Worte die jeweils neue Situation erklären.

Um eine Welt zu erfinden, die in ihrem Ausdruck einerseits malerisch ist, andererseits aber höchst real in ihren Auswirkungen, arbeitete Spielberg mit einem Team zusammen, das bereits seit langem ein Teil seiner künstlerischen Arbeit ist, wie beispielsweise Kameramann Janusz Kaminski, Produktionsdesigner Rick Carter und Kostümbildnerin Joanna Johnston. „Janusz, Rick und Joanna hatten die Fähigkeiten, um in diesem Film wirklich zu glänzen“, sagt Kennedy. „Der Umfang der Recherchearbeit, die Rick und Joanna für die Bühnenbilder und Kostüme angestellt hatten, war bemerkenswert. Und Janusz gelang es hervorragend, die Atmosphäre des Films allmählich zu verändern von einer üppigen, pastoralen Schönheit in eine Schreckenslandschaft des Krieges. Die Kombination ihrer Einfälle gibt dem Film eine einzigartige, authentische Optik, die sehr außergewöhnlich ist.“

Kaminski, Oscar®-Gewinner für SAVING PRIVATE RYAN und SCHINDLERS LISTE, war sehr angetan vom visuellen Anspruch der Geschichte von GEFÄHRTEN und er wusste, dass Spielberg alles daran setzen würde, es stilistisch so umzusetzen, wie es am besten zur Geschichte passt. „GEFÄHRTEN ist ein typischer Spielberg-Film“, sagt Kaminski. „Voller großer Emotionen, grandioser Action-Szenen und glaubwürdiger Charaktere, alles eingebettet in eine anrührende Geschichte, die ihre volle Wirkung auf einer großen Leinwand entfaltet. GEFÄHRTEN ist so gesehen ein richtig altmodischer Film – niemand außer Spielberg dreht heute noch solche Filme.“

Nach so vielen Jahren der Zusammenarbeit verstehen sich Spielberg und Kaminski inzwischen nahezu wortlos. „Wir haben beide den gleichen Ansatz, um eine Geschichte zu erzählen“, merkt Kaminski dazu an. „Er arbeitet mit den Schauspielern daran und achtet auf die Dialoge. Ich konzentriere mich auf die Schatten und das Licht und alles, was ohne Worte auskommen muss.“ Er fährt fort: „Wir unterhalten uns mittlerweile nicht mehr ausführlich darüber, wie ein Film aussehen muss. Wir sprechen kurz über bestimmte Einflüsse – in diesem Fall haben wir uns über John Fords Komposition von Landschaft und Darstellern ausgetauscht und wie die Charaktere am besten mit der Landschaft verschmelzen das Land anderseits aber auch verändern könnten. Die Inszenierung greift nun beide Aspekte auf. Ich habe dazu sehr starkes, kräftiges und helles Licht verwendet, denn ich wollte unbedingt blauen Himmel und bauschige Wolken und Menschen, die sich stark von dieser Landschaft abheben.“

Während der Dreharbeiten arbeitete Kaminski irgendwann mit dem unbeständigen englischen Wetter und kämpfte nicht mehr dagegen an: „Wir mussten uns einfach an die Unbeständigkeit des Wetters anpassen, und schließlich gelang uns das auch, und wir konnten den Regen, die Wolken und das plötzliche Auftauchen der Sonne wunderbar nutzen“, erklärt er.

Kaminskis Ansicht nach betonen diese ständigen Wetterwechsel die sich ändernde Stimmung, die Joeys gesamte Reise bestimmt. „GEFÄHRTEN war für mich eine spannende neue Erfahrung, da ich mit der Kamera so viele unterschiedliche Looks entwerfen konnte. Manche Einstellungen sollten einfach atemberaubend schön aussehen, andere möglichst realistisch und grobkörnig. Die Szene als am Ende das Pferd und der Junge wieder heimkehren, habe ich als Hommage an VOM WINDE VERWEHT gedreht. Der Himmel ist tiefrot, die Farben wie gemalt, und man fühlt, dass ihre Odyssee sich nun dem lang ersehnten Moment des Wiedersehens nähert.“

Für Produktionsdesigner Rick Carter, dessen Arbeit an AVATAR kürzlich mit einem Oscar® belohnt wurde, waren die Orte, durch die Joey auf seiner Reise kommt, von größter Bedeutung. „Die Geschichte der Landschaft spiegelt Joeys Geschichte. Devon ist trocken und steinig, aber auch sehr idyllisch. Dann kommen wir mit Joey nach Europa und sehen, wie der Krieg das Land immer mehr zerstört und verwüstet bis hin zum Niemansland, das wirklich schon einer lebensfeindlichen Mondlandschaft gleicht“, fasst Carter zusammen.

Die erste Herausforderung für Carter war, den richtigen Platz für die Farm der Narracotts zu finden, die einzige wirkliche Heimat, die Joey und Albert jemals haben. Er entdeckte diesen Ort in den verwilderten/wilden Hügeln des Dartmoor National Parks im Süden von Devon, wo die düstere, aber auch immer hypnotische Schönheit der Moorlandschaft nach wie vor erhalten ist. „Es dauerte ziemlich lange, bis wir einen Ort gefunden hatten, der diese spezielle robuste Natürlichkeit vermittelte, die wir suchten“, fügt er hinzu. „Schließlich fanden wir in Dartmoor ein vollkommen einsames, heruntergekommenes Haus, das wir zu neuem Leben erweckten. Es bot uns die Möglichkeit zu imposanten 360-Grad-Panoramen, die einem das Gefühl geben, Teil von etwas Großem zu sein, eins zu werden mit der Weite des Himmels und der Kraft der Elemente – genau die Art von Schönheit eben, die wir uns für die Bleibe der Narracotts erhofft hatten.“

Spielberg war ebenfalls von der Wildheit der Region, die wie ein Echo auf die Lebensbedingungen der Narracotts schien, tief beeindruckt. „Ich war auf diese Art von unberührter, unverfälschter Schönheit des Moors gar nicht vorbereitet“, sagt er. „Es war früher alles bewaldet, war aber bereits vor hunderten von Jahren gerodet worden. Also sieht die Landschaft heute immer noch so aus, als ob dort viele Bäume stehen könnten, aber stattdessen sieht man nur steinige Hügel. Und der Himmel über dem Moor ist genauso dramatisch wie unsere Geschichte.“

Der Regisseur fügt hinzu: „In diesem Film ist die Landschaft so extrem wichtig. Das Land bedeutete einfach alles für seine Bewohner. Die Leute haben sich völlig dem Land um sich herum verschrieben. Auch wenn sich das Land umgekehrt nicht immer bezwingen ließ.“

Diese Mischung aus rauer Schönheit und wetter- und schicksalsgegerbten Menschen ist genau das, wovon Autor Michael Morpurgo träumte, als er sich die Geschichte ausdachte. „Steven kann sich hervorragend ins Leben auf dem Land einfühlen“, sagt er. „Ich denke, in diesen ersten Szenen wird klar, was dieses Leben den Menschen körperlich und auch geistig abverlangte. Neben Gefühlen wie Zuneigung, Loyalität, Vertrauen und Mut ist auch eine Härte in der Welt des Filmes zu sehen, die ihn davor bewahrt, zu sentimental zu werden.“

Ebenso entscheidend war es, die richtige Gegend für die Eröffnungsszene zu finden, in der Ted Narracott seine Kräfte mit dem wilden, ungezähmten Joey misst. Diese Sequenz wurde in Castle Combe aufgenommen, einem gut erhaltenen mittelalterlichen Dorf in Wiltshire, das wirklich noch aus einer anderen Zeit zu stammen schien. „Als ich zum ersten Mal durch Castle Combe lief, fragte ich, ‚Ist das für Touristen erbaut?̒ Aber nein, es ist einfach ein kleines malerisches Dorf. So etwas hat man vorher noch nie gesehen. Es war der perfekte Ort für die Szene des Kaufs von Joey – und für jene, in der die Männer in den Krieg ziehen, in dem Glauben, sie seien bis Weihnachten wieder zuhause“, sagt Spielberg.

Obwohl das Leben in Devon recht hart ist, bildet es dennoch einen scharfen Kontrast zu den Erfahrungen der Kriegszeit, die mit dem ersten Kavallerieangriff beginnt. Was die Ausstattung angeht, war dies eine der komplexesten Sequenzen. Die emotionale Wirkung beruhte im Wesentlichen darauf, dass Joey ins Ungewisse aufbrechen musste. „Steven hatte das Bild in seinem Kopf, dass plötzlich Schilfhalme hinter den Soldaten und Pferden her- wehten. Das sollte die Idylle andeuten, aus der die Männer ausziehen mussten, hinaus aufs Feld, hinein in einen dunklen Wald“, sagt Carter. „Ich denke, das sind die Bilder, die man im Kopf behalten wird, weil sie die Schönheit inmitten des Schreckens illustrieren, und vielleicht auch, weil sie so viel der eigenen Vorstellungskraft überlassen.“

Es war in Bourne Wood, einer Art Urwald in der Grafschaft Surrey, wo Carter endlich die Stelle fand, wohin Joey und Topthorn unter größten Anstrengungen die schwere deutsche Kanone auf einen steilen Hügel zu ziehen hatten. „Rick fand dafür einen erstaunlichen Ort“, erinnert sich Spielberg. „Es sah dort aus, als wäre das Land angestrahlt, als wäre es vom Krieg entblößt. Es wurde eine der zermürbendsten Szenen des ganzen Films.“

Während die echten deutschen Haubitzen mehr als jeweils acht Tonnen wogen, baute die Produktion zwei leichtere Exemplare nach, die allerdings auch immer noch mehr als zwei Tonnen pro Stück auf die Waage brachten. Um die Pferde nicht in Gefahr zu bringen, fügte man zusätzliche mechanische Winden hinzu, die ihnen halfen, die Kanonen diese steile Steigung hinaufzuziehen.

Ein anderer Lieblingsdrehort von Carter war das französische Bauernhaus, wo Joey von der fröhlichen kleinen Emilie und ihrem liebevollen Großvater aufgenommen wird. „Ich dachte genau genommen an Heidi und ihren Großvater, als ich diese Szenen entwarf“, erzählt er. „Ich wollte diesen Hof als einen idyllischen Ort zeigen, der aber deutlich umringt wird von dem Grauen des Krieges. Es war wichtig, dass die Figuren und die Drehorte dem Publikum eine Verschnaufpause gönnen, um wieder Hoffnung zu schöpfen, einen Augenblick der Erholung vom Blutbad.“

Wisley Airfield, ein verlassener Test-Flugplatz des Zweiten Weltkriegs in Surrey, war ein weiterer unverzichtbarer Drehort. Schließlich bot sich für Carter auf dieser weiten Fläche die Möglichkeit, das klaustrophobische Labyrinth aus Schützengräben aus der französischen Region rund um die Somme wiederaufzubauen, wo die erbittertsten Kämpfe des Ersten Weltkriegs ausgetragen worden waren. Carter und sein Team gruben den Boden um, um daraus das grauenvolle Niemandsland zu schaffen. Danach verwendeten sie dieselbe Erde, um daraus die britischen Schützengräben und die deutschen Lager zu bauen. Wieder war Steven Spielberg sehr bestimmt in seiner Vorstellung, wollte sowohl den Eindruck von Chaos vermitteln, als auch den von Authentizität bis ins Detail „Es war wichtig, dass es sich bei dem Ort nicht nur um ein großes Schlammloch handelte“, erklärt Carter. „Wir haben eine Struktur darunter gelegt, damit Steven und die Kameracrew sich darauf bewegen konnten, um die richtigen Positionen und Beleuchtungen zu finden.“

Spielberg war davon sehr beeindruckt. „Rick hat wirklich außergewöhnliche Arbeit geleistet, als er dieses platte Flugfeld in die Somme-Gegend, in das Niemandsland aus dem Jahr 1917, verwandelt hat“, sagt er.

Schützengraben-Berater Andrew Robertshaw war ebenfalls beeindruckt von dieser Arbeit. „Am ersten Tag, als ich hierher kam, war ich sprachlos“, erinnert er sich. „Hier war der Erste Weltkrieg in drei Dimensionen. Ich konnte durch sie hindurch gehen. Ich konnte es riechen. Es war wirklich genauso, wie es damals gewesen sein musste. Dieses Set vermittelte auch den Schauspielern ein echtes Gefühl dafür, wie es für ihre Großeltern oder Urgroßeltern wohl gewesen sein musste.“

Kathleen Kennedy fügt hinzu: „Ricks Fähigkeit, ein Stück Land in etwas zu verwandeln, das man nur von Fotografien aus jener Zeit kennt, war unglaublich. Natürlich hätten wir das alles auch in der Postproduktion am Computer erschaffen können. Aber es vermittelte den Darstellern einen weitaus tieferen Einblick in die Wirklichkeit, die wir zeigen wollten. Das war eine altmodische Art des Filmemachens. Und wir wollten auch keinen großen Effekte-Film drehen – wir wollten eine Geschichte erzählen, die durch ihre Umgebung noch an Wahrhaftigkeit gewinnt. Es war der beste Weg, um die epische Breite der Erzählung zu erfassen.“

Die Schützengräben erwiesen sich auch in der heutigen Zeit noch als tückisch. Spielberg machte so seine Erfahrungen damit: „Es regnete ununterbrochen, wir waren ständig am Rutschen und Schlittern. Eines Tages, nach einem schrecklichen Unwetter, stapfte ich in meinen Regenhosen durch das tiefe Wasser der Schützengräben, als ich plötzlich in ein acht Fuß tiefes Loch fiel und völlig unterging. Erst meine Crew schaffte es, mich wieder aus dem Loch herauszuholen.“

Später wurden alle unterschiedlichen Drehorte und Stimmungen durch die Arbeit des dreifach Oscar®-preisgekrönten Cutters Michael Kahn, der mit Spielberg schon seit UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART aus dem Jahr 1977 zusammenarbeitet, zusammengefügt. „Michael ist wahrscheinlich, neben Johnny Williams, mein ältester Kreativ-Partner“, sagt Spielberg. „Er verlor niemals seine Sensibilität und seine Bereitschaft, mir die Meinung zu sagen. Diesen Film fühlte er von Anfang an mit dem Herzen mit, wie wir alle.“

Als sie den Film anhand seiner visuell und emotional bedeutsamsten Momente zusammen- setzten, schien für Kahn ein Element alle anderen Geschichten von GEFÄHRTEN zu verbinden: Manche nennen es Hoffnung, Kahn nennt es Liebe. „Ich denke, der Film handelt von Menschen und Tieren, die mit denjenigen zusammenbleiben möchten, die sie lieben“, resümiert er. „Und ich fühlte dies sehr stark über die Bilder. Die Art der Liebe und Zuneigung, die Joey umgibt, ist schwer zu kriegen. Dass ein Pferd derart inspirieren kann, spricht Bände.“

Produktion: Die Kostüme

Historische Recherchearbeit und einen Blick für die feinen Details der unterschiedlichen Charaktere bestimmten auch die Arbeit der Kostümdesignerin Joanna Johnston, einer weiteren langjährigen Mitarbeiterin Steven Spielbergs. Mit viel Verve vergrub sich Johnston schon für SAVING PRIVATE RYAN tief in der Welt des Militärs. Wie viele andere an der Produktion Beteiligte hat auch sie einen persönlichen Bezug zum Ersten Weltkrieg: „Der Bruder meiner Großmutter war im Krieg, und ich erinnere mich gut an ein Foto von ihm, das gemacht wurde, bevor er auf sein Pferd stieg. Das Tier blickt schon nach vorne, während er noch zurückschaut“, erinnert sich Johnston. „Ich habe das Foto sofort an Steven geschickt und es wurde mein ganz persönlicher Zugang zum Film.“

Letztlich nähten Johnston und ihr Team über 85 Prozent der Kostüme für den Film, die allesamt nach historischen Aufnahmen erstellt wurden, mit der Hand. „Joanna hat ihre Aufgabe mit einer unermesslichen Geduld und Sorgfalt ausgeführt und tatsächlich genau herausgefunden, was die Truppen der einzelnen Länder damals getragen hatten“, erzählt Spielberg. „Sie fand sogar heraus, wie sich die deutschen Helme von 1914, als sie noch diese Spitze auf dem Kopf hatten, langsam veränderten zu den traditionelleren deutschen Helmen, die in der zweiten Hälfte des Krieges getragen wurden. Sie verbrachte sehr viel Zeit im Imperial War Museum, um sicherzustellen, dass auch jedes Kostüm bis ins kleinste Detail richtig genäht war.“

Johnston näherte sich dem Design für jedes einzelne Abenteuer, das Joey erlebt, genauso, als wäre es ein neues Kapitel in einem Buch. „Es war wirklich großartig, sich einem Projekt auf diese Weise anzunähern. So konnte jedes einzelne Kapitel die gesamte Geschichte immer ein wenig exakter bestimmen. Man blättert die Seite um und ist in einem neuen Kapitel und in einer neuen Welt. Und die einzelnen Episoden überlappen sich auch kaum“, fügt sie hinzu. ,,Ich wollte jeder Episode ihr eigenes Aussehen, ein möglichst individuelles Design geben. Historisch gesehen war alles mehr oder weniger so, wie es tatsächlich hätte sein können. Nur die Szene auf dem Bauernhof in Frankreich habe ich ein wenig süßer und lieblicher gestaltet, als es vermutlich ausgesehen hat. Ich hatte das Gefühl, man braucht inmitten dieser Kriegswirren eine kleine Oase. Es wirkt nun wie ein kleiner Platz der Sicherheit und Ruhe, in einer Ecke versteckt.“

Um die Naturverbundenheit der Familie Narracott zu betonen, suchte sie nach rustikaler Kleidung aus der damaligen Zeit: „Sie sind Bauern. Also habe ich versucht, in der Kleidung Praktisches mit Einfachem zu verbinden“, erklärt sie ihr Vorgehen. „Der junge Albert sollte jungenhaft und liebenswert aussehen. Ted dagegen deutlich altmodischer, mit einer Jacke, die er vermutlich schon seit 15 Jahren trägt. Rosies Kleider sind sehr praktisch, aber sie bemüht sich, einen gewissen Standard zu halten.“

Die Recherche zu den Militäruniformen zeigte, dass sie nicht wirklich „uniform“ waren. Es gab zum Beispiel keine standardisierte Offiziersuniform. Die Offiziere ließen ihre Uniformen individuell bei ihren persönlichen Schneidern anfertigen. Dies erlaubte Johnston auch einiges an Freiheit. Sie benutzte verschiedene Stoffe und Farben für die britischen Soldaten Nicholls, Stewart und Waverly, um sie voneinander abzusetzen.

Die Kostüme unterstützten die Schauspieler in ihren Performances. Emily Watson sagt dazu: „Die Kostüme waren so wichtig. Rosie trägt einfache Kleidung, aber jeder Stoff war sorgfältig ausgesucht und vermittelte Stärke und Weiblichkeit zur selben Zeit. Alles war wundervoll handgenäht mit den unglaublichsten Details.“

Produktion: Das Sounddesign

Einer der treuesten Weggefährten von Steven Spielberg ist zweifellos der Komponist und fünfmalige Oscar®-Preisträger John Williams. Neben der Musik zu GEFÄHRTEN erarbeitete Williams in diesem Jahr auch den Soundtrack zu Spielbergs DIE ABENTEUER VON TIM UND STRUPPI. „Das war ein unglaubliches Jahr für John, denn ich denke, bei diesen zwei Filmen handelt es sich um zwei unserer besten gemeinsamen Arbeiten“, sagt Spielberg. „Die Kompositionen für DIE ABENTEUER VON TIM UND STRUPPI und für GEFÄHRTEN sind absolut gegensätzlich eingesetzt – in zwei vollkommen unterschiedlichen Filmen. Ich kann mir kaum erklären, wie er das beides innerhalb eines Jahres schaffen konnte … Aber er hat’s getan.“

Williams nennt Spielberg seinen „musikalischen Leiter“, und über ihre gemeinsame Leidenschaft, das Geschichtenerzählen, kommen sie immer schnell auf einen gemeinsamen Nenner. Für GEFÄHRTEN betrat Williams diesmal allerdings völliges Neuland. Denn Williams bekannte sich offen dazu, zu Pferden bisher überhaupt keine Verbindung zu haben. Um seiner Fantasie ein wenig auf die Sprünge zu helfen und sich inspirieren zu lassen, verbrachte der Komponist eine Zeitlang auf einer Pferdefarm in Kalifornien. „Ich gewöhnte mir an, die Pferde immer am Morgen zu beobachten, und ich erkannte allmählich, wie sie untereinander in Kontakt traten und wie sie auch auf mich neugierig wurden. Da begann ich langsam zu sehen, dass Pferde wirklich ganz besondere Tiere sind. Sie wurden den Menschen zu großartigen, treuen Freunden“, sagt der Komponist.

Zusätzlich inspirierte ihn der weite Weg, den Joey zwischen den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges zurücklegt. „Musikalisch gesehen war GEFÄHRTEN eine großartige Herausforderung, denn der Film handelt von Menschen ebenso wie von Tieren und spielt in drei höchst unterschiedlichen Ländern. Er beginnt eher klein und intim, wenn sich Albert und Joey auf der Farm kennen lernen. Dann erschüttert der Ausbruch des Krieges das bisherige gesellschaftliche und familiäre Gefüge vollkommen – und auch die Musik macht diese 180-Grad-Wendung mit. Von den sanften, freundlichen und auch sentimentalen Klängen hin zu einer Musik der Schlachtbegleitung. Es ist eine musikalische Reise voller Gefühl, und ich habe mich bemüht, eine Atmosphäre zu schaffen, die lyrische, poetische und tragische Momente dieser Periode aufnimmt.“

Wie für Spielberg wurde die Landschaft auch für Williams zu einem Quell der Inspiration: „Die Schönheit und Weite von Devon haben mich unmittelbar angesprochen“, beschreibt er. „Wir konzentrieren uns dort musikalisch auf das Freundschaftsthema, aber so, dass man auch die Größe und Kraft dieser Landschaft fühlt. Der Film beginnt mit einem Flötensolo, dem ein Streichorchester folgt, und Steven war ganz meiner Meinung, dass diese klare, schlichte Eröffnung mehr über die Weite der Landschaft aussagt als alles andere. Es erschien uns einfach wunderschön.“

Obwohl Williams die Kriegsszenen als erschütternd empfand, betont er, dass der Score die Zuschauer an die guten und edleren Gefühle erinnern soll, die Joey und Albert wieder zusammenkommen lassen. Diese positiven Gefühle zeigten sich auch in den Aufnahmesessions, die 90 Profi-Musiker zusammenbrachten. „Die Aufnahmen haben sehr viel Spaß gemacht, da der Film sehr von der Musikerperformance abhängt,“ sagt Williams. „Dies ist ein gefühlvoller Film, der eine gefühlvolle Musik braucht. Also waren die Aufnahmen eher wie ein Konzert als wie eine Filmmusikaufnahme.“

Steven Spielberg hat es wie bei jedem gemeinsamen Film sehr viel Spaß gemacht, Williams bei der Arbeit zu beobachten. „Die Filmmusik reicht von opulenter Orchesterbegleitung bis hin zu leiser, zarter Musik und wieder zurück – und John fühlt jeden Moment davon. Er möchte seine Arbeit nicht überintellektualisieren. Die Musik ist das, was er in jeder Szene selbst emotional durchlebt. Und deswegen ist John so, wie er ist“, erklärt Steven Spielberg ihre Beziehung.

Mehr Details für die Ohren fügte die Arbeit von Sound-Designer Gary Rydstrom zu GEFÄHRTEN hinzu, der jedes Hufklappern, jedes Gewehrknacken und jedes Wiehern zu einem Teil des Gesamterlebnisses werden ließ. Spielberg sagt: „Gary war auf der Suche nach Authentizität, nach den Geräuschen, die wir gehört hätten, wenn wir tatsächlich in den Situationen, in denen der Film spielt, anwesend gewesen wären. Er wanderte mit Mikrofonen durchs Moor und trug auch zu den Geräuschen von Joey, Topthorn und der anderen Pferde bei. Er fand einen Weg, den Pferden durch den Sound noch mehr Charakter zu geben.“

Während Rydstrom eine große Bandbreite an Geräuschen aufnahm, von den Explosionsgeräuschen der Schlacht bis zum Pfeifen des Windes in Devon, arbeitete er am liebsten mit den Pferden. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, Joey und Topthorn durch den Sound noch mehr Persönlichkeit durch den Sound zu geben“, erklärt er. „Wir haben alle möglichen Geräusche von verschieden großen Pferden aufgenommen. Miniaturpferde klingen ein bisschen anders und noch emotionaler. Viele von Joeys Geräuschen sind die von Miniaturpferden, die etwas verlangsamt wurden.“

Rydstroms subtilste Arbeit entstand inmitten der gedämpftesten Szene des Films, als Joey aus dem Stacheldraht im Niemandsland befreit wird. „Es ist sehr still, also ist der Ton sehr wichtig“, sagt er. „Wir wollten jedes Detail hören, wenn ein Stacheldraht zerschnitten wird. Dazu dann Joeys Geräusche, die sehr kraftvoll sind.“

Rydstrom arbeitete fortwährend eng mit John Williams zusammen: „Johns Arbeit wurde ein größerer Teil der Mischung als in anderen Filmen, die ich mit Steven zusammen gemacht habe“, kommentiert er. „Steven wollte die Sound-Effekte wirklich mit Musik und Dialog verweben, und ich denke, Johns Partitur vereint das alles auf eine wunderschöne Weise. Jedes Mal, wenn ich die Musik höre, werde ich sehr emotional. Es ist wie eine Oper, und die Musik bringt alle verschiedenen Teile der Reise zusammen.“

Über die Pferde im Ersten Weltkrieg

Im Laufe der Geschichte haben Tiere den Menschen immer wieder in die Schlacht begleitet. Ihre natürlichen Instinkte dienten den jeweiligen Zielen der Menschen hervorragend. Die erste bewaffnete Kavallerie tauchte um 1.000 v. Chr. in Assyrien auf. Der große Karthager Hannibal reiste mit einer Herde Elefanten und diese im Römischen Reich trainierten „Kriegsschweine“ waren berühmt für ihre Wildheit. Aber erst während des Ersten Weltkrieges wurden viele, insgesamt Millionen, Tiere systematisch als selbstverständlicher Teil diverser militärischer Operationen eingesetzt. Sie lebten, starben und überlebten in unmittelbarer Nähe zu den jungen Soldaten, von denen viele zuhause geliebte Haus- und Farmtiere zurückgelassen hatten.

Hunde und Vögel transportierten Nachrichten, Kamele und Maulesel schleppten die Ausrüstung und sogar Hauskatzen waren mit dabei, um die Rattenplage in den Schützengräben in den Griff zu bekommen. Dennoch war das Tier, das im Ersten Weltkrieg am meisten zu leiden hatte, zweifellos das Pferd. Zwischen vier bis acht Millionen Pferde starben auf allen Seiten, von großen Arbeitspferden bis zu Springpferden wie Joey, die von der Kavallerie bevorzugt wurden. Später irgendwann, nach einigen Kriegsjahren, wurden alle Pferde eingesetzt, die man bekommen konnte. Die Lebensbedingungen für die Tiere waren sehr schwierig. Wie auch die Männer um sie herum waren sie der Artillerie ausgesetzt, dem Giftgas, den eisigen Wintern, den überall grassierenden Krankheiten, sie litten unter Erschöpfung, der steten Nahrungsmittelknappheit und der anstrengenden Arbeit, die sie zu leisten hatten. Während des Ersten Weltkrieges kamen täglich über 1.000 Pferde aus Großbritannien an den Schützengräben an, um die toten Tiere zu ersetzen. (Auch 182.000 amerikanische Pferde waren im Krieg, 60.000 starben.)

Für die Soldaten wurden die Pferde, die sie Tag für Tag begleiteten, eine Quelle von Trost und Inspiration. Sie bauten eine enge Bindung zu ihren Pferden auf und bewunderten die Arbeitsethik der Tiere und ihren Willen, jeden kaum zu bewältigenden Kraftakt ohne Klagen durchzustehen.

So gefragt wie damals waren die Pferde später niemals wieder für den Kampfeinsatz. Auch im Zweiten Weltkrieg waren Pferde noch Teil militärischer Einsätze, wieder zu Transportzwecken und sogar mitunter noch bei der Kavallerie. Schließlich erkannten sogar die Regierungen die enormen Leistungen der Tiere an. Großbritannien verlieh aus diesem Grund außergewöhnlich tapferen Pferden, die sich im Kampfeinsatz besonders bewährt hatten, ab 1943 die Dickin-Medaille.

Heutzutage nutzen nur noch einige militärische Organisationen, wie beispielsweise die Janjaweed im Sudan, Pferde in der Schlacht. Auf der ganzen Welt sind Pferde aber nach wie vor im selben Einsatz, den auch ihre Vorfahren bereits ausübten: bei der berittenen Polizei. Über die einzelnen Pferde, die im Ersten Weltkrieg so unerschrocken und mutig waren, wird man nie mehr erfahren. Doch inzwischen ist das Verständnis für Pferde und ihre Leistungen im Krieg deutlich größer geworden, da mehr Menschen davon erfahren. 2004 wurde im Londoner Hydepark das ,,Animals in Warʻʻ-Memorial eingeweiht, das auch die Bronzestatue eines Pferdes einschließt, das in die Ferne blickt.

Steven Spielberg glaubt, dass ein großer Teil der Anziehungskraft der Geschichte von GEFÄHRTEN in der tiefen Bindung liegt, die aus der Zeit geblieben ist, als die Pferde eine so wichtige Rolle für die Menschen spielten. „Pferde waren über Jahrhunderte das einzige Transportmittel. Mächtige Armeen kämpften auf Pferden. Pferde zogen Feuerlöschfahrzeuge und Kinderwagen“, sagt er. „Aber nach dem Aufkommen der Autos hatten die Pferde nicht mehr dieselbe Relevanz für die Gesellschaft. Und trotzdem sind sie auch heute noch sehr wichtig für uns. Ich glaube, irgendwo in unserer DANN wird immer besonderer Respekt und Bewunderung für Pferde vorhanden sein.“

Fakten zum Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg, auch bekannt als der „Große Krieg“, fand von Juli 1914 bis November 1918 statt, nachdem das filigrane Gleichgewicht zwischen den europäischen Mächten ins Wanken geraten war.

Die Alliierten (Großbritannien, Frankreich, Russland, Belgien, Serbien, Italien, Japan und Griechenland) kämpften gegen die Mittelmächte (Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich). Die USA traten dem Krieg 1917 auf Seiten der Alliierten bei.

Es war der erste Krieg in der Geschichte, der auf drei Kontinenten geführt wurde.

Es war der erste Krieg, in dem man automatische Artillerie, Senfgas und Panzer einsetzte.

9,7 Millionen Soldaten und 6,7 Millionen Zivilisten starben weltweit in den vier Kriegsjahren.

Über 200.000 Mann kamen allein in den Schützengräben der Westfront um.

Der Krieg erzwang den noch nie dagewesenen Einsatz von Tieren in der Schlacht, darunter von Millionen Pferden und Hunderttausenden von Hunden.

Es war der letzte Krieg, in dem eine große Kavallerie zum Einsatz kam. Aber durch den Einsatz von automatischer Artillerie und Grabenkämpfe, wurde der Einsatz von Kavallerie während des Krieges immer seltener. Pferde wurden im Verlaufe des Krieges zunehmend nur noch als Lasttiere eingesetzt.

Man bezeichnete den Ersten Weltkrieg später als „Krieg, um alle Kriege zu beenden“, weil sich niemand vorstellen konnte, dass sich so ein schreckliches Ereignis noch einmal wiederholen sollte.

Als Großbritannien im August 1914 in den Krieg zog, glaubten die Soldaten und auch die englische Bevölkerung noch, in ein paar Wochen oder Monaten wäre alles vorbei und die Männer wären an Weihnachten wieder zuhause.

Die meisten Soldaten waren zwischen 17 und 40 Jahre alt, obwohl viele sich älter machten, um ihren Dienst bei der Truppe überhaupt antreten zu dürfen.

Die Westfront des Krieges war eine Schlachtlinie, die ganz Europa durchzog. Sie verlief von der belgischen Küste über die Schweizer Grenze und durch große Teile Frankreichs hindurch, wo die entscheidenden Schlachten in Ypern, Verdun und an der Somme ausgetragen wurden.

Nachdem 1918 ein Waffenstillstand unterzeichnet worden war, kehrten die Truppen von der Westfront zurück. Die überlebenden Soldaten und Pferde, wie Albert und Joey, kamen wieder heim in ihre Dörfer und brachten die Hoffnung auf einen lange währenden Frieden mit in diese Welt, die sich für immer geändert hatte.

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • Emmerich arbeitet am "Stonewall"

    Emmerich arbeitet am "Stonewall"

    Für seine filmische Aufarbeitung der sogenannten Stonewall-Unruhen hat der Regisseur jetzt einen ersten Jungstar verpflichtet.

    Ehemalige BEM-Accounts  
  • Fakten und Hintergründe zum Film "Gef?hrten"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

    Kino.de Redaktion  

Kommentare