Ganges - Fluss zum Himmel

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   2004
Ganges - Fluss zum Himmel Poster
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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der amerikanische Dokumentarfilm von Regisseurin und Produzentin Gayle Ferraro entführt mitten in den exotisch anmutenden Trubel der Millionenstadt Varanasi, die gleichzeitig ein spirituelles Zentrum des hinduistischen Glaubens ist. Hier wird man Zeuge von religiösen Ritualen und Traditionen rund um den Tod, die geheimnisvoll und fremd wirken. Aus dem Alltag gegriffene, informative Aufnahmen liefern einen tiefen Einblick in das spirituelle Leben in Indien.

    Da sind die Familien, die ihre sterbenden Mütter und Väter, wenn sie nichts mehr essen können, unter zahlreichen Strapazen nach Varanasi bringen. Ein 1958 eingerichtetes Hospiz gewährt kostenlose Unterkunft. Sie betten die Alten auf den Boden und wachen Tage, manchmal Wochen an ihrer Seite. So erfüllen die Söhne oder Schwiegersöhne den Eltern einen letzten Dienst: Sie ersehnen durch diesen Tod Mukti, den Eintritt in den Himmel ohne weitere Wiedergeburt. Frauen begleiten die Sterbenden ins Hospiz, doch von der Bestattungszeremonie sind sie ausgeschlossen.

    Die Dokumentation lässt Bootsbesitzer, Hospizmitarbeiter, Lastenträger und Angehörige die Hintergründe dieser jahrhundertealten Tradition in Varanasi erklären. Man lernt die Sage von Shiva und Ganga kennen, man erfährt, dass nicht alle Toten feuerbestattet werden. Zwar werden täglich rund 100 Leichen am Ufer des Ganges auf Holzhaufen verbrannt, doch Lepra- und Pockentote sowie Opfer von Schlangenbissen wurden schon immer im Fluss versenkt. Das Holz, zwischen 200 bis 400 Kilogramm pro Bestattung, schleppen ausschließlich Männer aus der Kaste der Unberührbaren heran.

    An den sieben Kilometer langen Steinstufen entlang des Ganges in Varanasi herrscht unglaublicher Trubel. Gläubige steigen in das trübe Wasser, um sich spirituell zu reinigen, Frauen gehen in bunten Kleidern zum Bad, daneben wird Wäsche gewaschen. Affen sitzen auf den Mauern, heilige Kühe rasten am Rande des Wassers. An der Burning Ghat, den Stufen, die für die Feuerbestattungen reserviert sind, werden permanent neue Scheiterhaufen aufgestellt. Indische Musik begleitet die ungeheuer informativen Szenen aus dem Alltag von Varanasi, die sich straff geschnitten abwechseln.

    Die Szenen mit den Familien, die im Hospiz an der Seite der stummen Alten ausharren, entfalten einen rührenden Charme. Die Sterbenden halten die meiste Zeit die Augen geschlossen, doch manchmal wollen sie, dass der Sohn, die Tochter ihre Hand hält, oder sie bekommen ein wenig Wasser und Milch mit dem Löffelchen eingeflößt. Gleichgültig wie lange es dauert, die Sterbenden sind in ihrem Abschied vom Diesseits nicht allein, und die wartenden Angehörigen scheinen bei ihrer Aufgabe von einer tiefen Genugtuung erfüllt.

    Die ökologische Belastung des Ganges durch die Abwässer der dicht bevölkerten Städte wird auch thematisiert. Neuerdings prüfen Wasseranalysen die Verschmutzung mit Kolibakterien, es gibt Pläne zur Reinigung durch Ansiedlung von Mikroalgen. Denn wie ein Anwohner sagt, am Überleben des Flusses hängt ein großer Teil des indischen Selbstverständnisses. Obwohl die Bilder Respekt für die spirituellen Rituale vermitteln, beschönigen sie nicht und muten Westlern, die es eher gewöhnt sind, den Tod auszublenden, auch einiges zu.

    Fazit: Eindrucksvolle, sehr informative Dokumentation über indische Sterberituale in Varanasi am Ufer des Ganges.

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