Filmhandlung und Hintergrund

Drama um einen jungen Mann, der den Mord an einem Stadtstreicher nicht verdrängen kann.

Im Alter von 20 tötet der Betonbauer-Geselle Bastian (Lukas Steltner) einen Stadtstreicher. Der Mord bleibt unentdeckt und ungesühnt, die Polizei glaubt an einen Unfall. Doch es gibt einen Zeugen. Ausgerechnet ein Freund Bastians hat als einziger die Tat gesehen und versucht ihn nun damit zu erpressen. Bastian flüchtet und schließt sich aus Bequemlichkeit einer Gruppe reisender Handwerksgesellen an. Je länger er auf Wanderschaft ist, desto näher kommt Bastian zum Ausgangspunkt des Verbrechens zurück: Er kann den Mord nicht mehr verdrängen.

Jahre nach ihrer aufsehenerregenden Skinhead-Tragödie „Oi! Warning“ kehren die Brüder Reding zum Kino zurück. Ihr aufwühlendes Drama um Schuld, Verdrängung und Sühne entzieht sich mit seiner rohen und zugleich subtilen Bildsprache jeder Kategorisierung.

Der 20-jährige Bastian tötet an einer Tankstelle grundlos einen Stadtstreicher. Bei einer Gruppe von Wandergesellen findet er Unterschlupf. Aber just in dem Moment, als Bastian an dem vogelfreien Leben Gefallen findet und seine Missetat zu verdrängen beginnt, wird offenkundig, dass jener „Penner“, den er auf dem Gewissen hat, ebenfalls ein Wandergeselle war.

Der 20-jährige Ostdeutsche Bastian tötet an einer Tankstelle grund- und emotionslos einen Stadtstreicher, bleibt aber unentdeckt. Bei einer Gruppe von Wandergesellen findet er Unterschlupf und macht sich auf der Seite des unangepassten Festus auf den Weg durch Deutschland. Aber just in dem Moment, als Bastian an dem vogelfreien Leben Gefallen findet und seine Missetat zu verdrängen beginnt, wird offenkundig, dass jener „Penner“, den er auf dem Gewissen hat, ebenfalls ein Wandergeselle war. Er muss eine Entscheidung fällen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Selten sieht man im deutschen Kino so starke Bilder wie in diesem Film. Jede Szene wurde offenbar auf ihre visuellen Möglichkeiten hin abgeklopft, die dann auch übervoll ausgeschöpft wurden – gewaltige Räume fanden die Regisseure, an denen sie on location drehen konnten, Turbinenhallen und eine Talsperre, einen Heißluftballon und eine bunt beleuchtete Wasserfontänenlandschaft. Und dazu ein stilisiertes Setdesign, knallige Farben und verfremdende Kamerafilter; der Weg aus dem Gefängnis ist eine Abfolge von Stahltüren in Rot, Gelb, Blau, Orange, Grün…Ein gewaltiges visuelles Erlebnis also, die Bilder sind auf Überwältigung aus, gleich zu Anfang schon, als in leuchtendem Feuerball eine Tankstelle in die Luft fliegt.

      Der Film ist auch ein Eintauchen in die gänzlich unbekannte Parallelwelt der wandernden Gesellen, die ihr ganz eigenes Codexsystem von Kleidung, Verhalten, Sprache haben. Nicht unähnlich den Burschenschaftlern, aber weltoffener und, wie es im Film heißt, nicht national gesinnt, „wir sind alle in der IG Bau“. Eine Welt, in der strenge Rituale herrschen und höchste Anforderungen für die, die Teil der community sein wollen. Bastian schließt sich den Wandergesellen an, auf Probe zunächst, doch das ist keine Sehnsucht nach Ehre, Kameradschaft und Solidarität, sondern eine Flucht; denn er war es gewesen, der an jener Tankstelle einen Menschen getötet hat…

      An diesem Grundkonflikt Bastians hängt sich der Film auf, in jedem Sinne. Der Getötete war der Wanderkamerad von Festus, der sich jetzt nichtsahnend mit Bastian anfreundet, sein Mentor wird, ihn in seine Kultur einführt und auf der großen Handwerksburschenkonferenz für ihn sprechen will. Freilich ist diese Grundkonstellation zu schwach, um den Film zu tragen; zumal sich die Reding-Brüder („Oi! Warning“) ohnehin eher auf die äußere Bildlichkeit zu konzentrieren scheinen als auf die inneren Konflikte der Figuren. Und zumal Sascha Reimann, der ehemals als Ferris MC die Musikszene durchgehiphopt hat, in seiner ersten großen Kinorolle darstellerisch nicht zu überzeugen vermag, zu überzogen sind Gestik und Mimik.

      Doch zum Glück wissen die Reding-Brüder um diese Schwachstellen und setzen dem immer wieder kleine Episoden entgegen, die teils ins Absurde gleiten, teils fast dokumentarisch die Handwerkstippelbrüder zeigen, die teils auch die mythische Initiation, den inneren Wandel und das Werden eines besseren Menschen bebildern. Szenen, die für sich stehen, ähnlich wie die überstarken Bilder, die den Film durchziehen… Isolation der episodischen Szenen und Stilisierung des Visuellen treten auf mitunter faszinierende Weise in Dialog miteinander.

      So wird neben der schwachen Grundhandlung eine weitere Ebene aufgebaut, die auf das Nebenher blickt. In der eine junge Frau, die noch dazu auf Wrestling steht, Bastian verführt und zu einem Flotten Dreier überredet, weil sie stinkende Burschen und ihre alten Socken so liebt; in der es Berührungen zur Rocker- und Bikerszene gibt; in der auch immer wieder eine antibürgerliche Einstellung zelebriert wird, wenn das Leben auf der Walz (auch) beschrieben wird als eine Art Denkmal für den unbekannten Hund, für die, die auf der Strecke geblieben, die unter die Räder gekommen sind, die ausgestoßen wurden.

      Fazit: Der etwas schwache Grundplot des Films und darstellerische Schwächen werden von den überwältigenden Bildern und den kleinen, episodischen Seitenblicken mehr als aufgewogen.
    2. Für den unbekannten Hund: Drama um einen jungen Mann, der den Mord an einem Stadtstreicher nicht verdrängen kann.

      Visuelle überzeugende und in der archaischen Welt der Wandergesellen angesiedelte Schuld-und-Sühne-Story von den „Oi! Warning“-Machern.

      Die Brüder Dominik und Benjamin Reding machen es sich wahrlich nicht leicht. Ihre raren Projekte stemmen sie zumeist ohne die Hilfe von TV- und Verleih-Geldern, und auch stilistisch wie inhaltlich versuchen sie immer wieder, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Das hat ihnen bis dato zumindest Erfolg bei Festivals und gute Kritiken eingebracht, erstmals 1999 für ihr eindrucksvolles, in schwarz-weiß gehaltenes Debüt „Oi! Warning“, das sich kenntnisreich mit der Punk- und Skinheadszene auseinandersetzt. Auch mit „Für den unbekannten Hund“ haben die Redings erneut ein heißes Eisen angefasst, geht es doch um einen Jugendlichen, der eines Nachts irgendwo an einer Tankstelle in Mecklenburg völlig grundlos einen Stadtstreicher tötet. Aus dieser Ausgangssituation entwickelt sich zum einen die Studie eines jungen Mannes, der versucht, mit dieser Schuld klarzukommen, zum anderen taucht der Film in eine Welt ein, die so im Kino noch nie zu sehen war, in die archaische Welt jener Wandergesellen, die mit kaum mehr als ihren Klamotten am Leib drei Jahre durch die Lande tingeln. Dort findet der 20-jährige Mörder Bastian (Lukas Steltner) durch Zufall Zuflucht und Freunde - den impulsiven Steinmetz Festus (Sascha Reimann) und die selbstbewusste Rockerbraut Leila (Zarah Löwentahl). Aber just in dem Moment, als Bastian an dem aufregenden, rastlosen und vogelfreien Leben Gefallen findet und seine Missetat zu verdrängen beginnt, wird offenkundig, dass jener „Penner“, den er auf dem Gewissen hat, ebenfalls ein Wandergeselle war.

      Ob Sprache oder Kleidung, Lebensart oder Rituale - die Reding-Brüder haben bei ihrer Inszenierung nichts dem Zufall überlassen. Jedes Detail zu diesem faszinierenden, weil für uns so fremden Thema Wanderschaft scheint stimmig und ist somit nachvollziehbar. Gleiches gilt für die Bereiche Kamera und Farbdramaturgie, die je nach Situation das Seelenleben der Protagonisten dokumentieren, besser noch: visualisieren. Wie schon bei „Oi! Warning“ haben die beiden Filmemacher auf Laiendarsteller gesetzt, eine Rechnung, die vor allem bei der Besetzung der männlichen Hauptrollen mit dem Rostocker Naturtalent Lukas Steltner und Sascha Reimann alias Rapper Ferris MC voll aufgeht. Dass auch der Soundtrack, der eine Bandbreite von hauchzarter Klassik bis knallhartem Rock besitzt, perfekt mit den Bildern korrespondiert, macht dieses eigenwillige Road Movie, diese Reflexion um Schuld und Sühne zu einem aufwühlenden Werk mit unverkennbar eigener Handschrift, das ganz zurecht schon auf den Festivals von Mannheim, Oldenburg und zuletzt mit dem Goldenen Biber von Biberach ausgezeichnet wurde. lasso.
    3. „Wertvoll”

        Großes Kino und ein kleiner, schmutziger Film. Radikal, mutig, hoch stilisiert und dabei bodenständig - solch einen deutschen Film hat es lange nicht gegeben, darüber war sich die FBW-Jury einig. Mit einer expressiven Bildgewalt, die im deutschen Kino selten ist, erzählen die Brüder Reding vom unbekannten Alltag der Wandergesellen und zugleich ein universelles Drama von Schuld und Sühne. Dieser Film ist der Hammer, er packt und überrascht.

        Jurybegründung:

        Benjamin und Dominik Reding trauen sich wirklich etwas, wenn sie zugleich großes Kino und einen dreckigen, kleinen Film machen. Die Subkultur der Wandergesellen, die auch heute noch in ihrer traditionellen Tracht auf die Walz gehen, sich in einem eigenen Code verständigen und die uralten Rituale ihrer Zünfte befolgen, ist für Filmemacher eine noch unentdeckte Goldgrube. Und aus dieser schöpfen die Brüder Reding in ihrem zweiten Spielfilm nach dem hoch gerühmten Debüt „Oi!Warning“.

        Manchmal fühlt man sich da wie in einem jener Science-Fiction-Filme über Zeitreisen, wenn diese jungen Menschen, die wie aus einem anderen Jahrhundert angezogen sind und „seltsam“ reden und agieren, im Hier und Jetzt der bundesdeutschen Gegenwart gezeigt werden.

        Dabei ist Bastian, der Protagonist des Films, ein extremes Produkt unserer Zeit: Ein Jugendlicher, dem die Playstation wichtiger als die Freundin ist und der auf der Suche nach dem Kick einen Stadtstreicher erschlägt. Weil ein Mitwisser ihn erpresst, schließt er sich einer Gruppe von Handwerksgesellen auf Wanderschaft an, und mit ihm lernt auch der Zuschauer diesen ganz eigenen, oft archaisch wirkenden Mikrokosmos kennen.

        Den zeigen die beiden Regisseure mit einer expressionistischen Bildgewalt, die im deutschen Kino selten ist. Da wird mit schreienden Farben gearbeitet, die Elemente Feuer und Wasser züngeln und spritzen als Leitmotive immer wieder spektakulär von der Leinwand herunter, und es gibt eine ausgeklügelte Kranfahrt herauf zu den Arbeitenden auf einer Kirche, bei der einem der Atem stockt.

        Doch merkwürdigerweise lenkt dieser extreme Stil-Wille nicht von der eigentlichen Geschichte des Films ab, denn der Film erzählt auch packend ein universelles Drama von Schuld und Sühne. Und er ist gut geerdet in der immer authentisch wirkenden Darstellung des Milieus. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie die Wandergesellen reisen, arbeiten, schlafen, essen, trinken - wie sie als Außenseiter behandelt werden, Kraft aus ihrem Ehrenkodex schöpfen, und frei sind, weil sie nichts besitzen.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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