Filmhandlung und Hintergrund

Brisantes Drama nach Motiven aus dem Leben des Ex-Neonazis Ingo Hasselbach über zwei Freunde aus Ostberlin, die nach dem Mauerfall in der rechten Szene landen.

Den Jugendlichen Heiko (Christian Blümel) und Tommy (Aaron Tristan Hildebrand) fällt in der DDR die Decke auf den Kopf, doch ihre naiven Versuche, dem Alltagstrott zu entkommen, enden wegen versuchter Republikflucht im Gefängnis. Dort machen sie die Bekanntschaft geschulter Neonazis, die besonders Tommy schnell in ihren Bann ziehen, während Heiko den im Gefängnis nicht ganz ungefährlichen Weg des Einzelgängers geht. Nach dem Fall der Mauer sieht man sich wieder.

Nach Motiven des Szene-Aussteigers und EXIT-Mitbegründers Ingo Hasselbach entwirft Winfried Bonengel („Beruf: Neonazi„) ein packendes und realistisches Drama über ein hochbrisantes Zeitphänomen.

Die zwei achtzehnjährigen Freunde Heiko und Tommy landen nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR im Knast. Tommy freundet sich mit den einsitzenden Neo-Nazis an und kann schließlich sowohl dem Gefängnis als auch den Staatsmauern entfliehen. Kurz darauf, nach dem Mauerfall, trifft er Heiko wieder, der inzwischen zum glühenden Nazi geworden ist.

Zwei Jugendfreunden, Heiko und Tommy, fehlt in der DDR der späten 80er Jahre die Luft zum Atmen. Die Jungs wollen weg, raus aus dem sozialistischen Einheitsmief und die Welt kennen lernen. Australien heißt ihr Traumziel, und dafür wagen sie die Republik-Flucht. Das Unterfangen schlägt fehl und die Kumpels landen im Knast. Um halbwegs gegen Übergriffe von Mitgefangenen geschützt zu sein, schließt sich Tommy der starken Clique inhaftierter Neonazis an, während Heiko sich unter Lebensgefahr alleine durchzuschlagen versucht…

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Führer Ex: Brisantes Drama nach Motiven aus dem Leben des Ex-Neonazis Ingo Hasselbach über zwei Freunde aus Ostberlin, die nach dem Mauerfall in der rechten Szene landen.

    Er ist Spezialist in Sachen Rechtsextremismus: Winfried Bonengel. Besonders seine oft (und gerne) falsch verstandene Dokumentation „Beruf: Neonazi“ (1993) über Ewald Althans sorgte wegen ihrer bewusst unkommentierten Wiedergabe nationalsozialistischen Gedankenguts für helle Aufregung. Was der Qualität des dekuvrierenden Werks keinen Abbruch tat - in 32 Ländern kam der Film zur Aufführung und wurde obendrein zu über 40 Festivals eingeladen. Mit „Führer Ex“ legt Bonengel nun sein Spielfilm-Kinodebüt zum gleichen Sujet vor, das als offizieller deutscher Wettbewerbsbeitrag der 59. Filmfestspiele von Venedig gezeigt wird und ob seines brisanten Themas wieder für heftige Kontroversen und in der Folge wohl für relativ ansprechende Besucherzahlen sorgen dürfte.

    „Wir sind wieder da“, „Ein Neonazi steigt aus“ oder „The Right Wing Exposé“… Winfried Bonengel, Jahrgang 1960, ehemals Student an der Pariser Filmhochschule ESRA und später Regieassistent von Claude Boissol, hat sich im Verlauf seiner Karriere vornehmlich mit dem Themenkreis Rechtsextremismus auseinandergesetzt, wobei er sich durchaus die Freiheit nimmt, immer wieder „fremd“ zu gehen. So stammt beispielsweise das stimmige Drehbuch zu Peter Keglevics viel beachtetem TV-Film „Ganz in Weiß - Die Roy Black Story“ aus Bonengels Feder. „Führer Ex“ wiederum ist die Verfilmung eines eigenen Buchs, das er 1993 gemeinsam mit Ingo Hasselbach schrieb und den Titel „Die Abrechnung“ trug.

    Nach Motiven aus dem Leben des Neonazi-Aussteigers und EXIT-Mitbegründers Hasselbach erzählt der Film die Geschichte zweier Jugendfreunde, Heiko und Tommy, denen in der DDR der späten 80er Jahre die Luft zum Atmen fehlt. Die Jungs wollen weg, raus aus dem sozialistischen Einheitsmief und die Welt kennen lernen. Australien heißt ihr Traumziel und dafür wagen sie die Republik-Flucht. Das Unterfangen schlägt fehl und postwendend werden die Kumpels zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Um halbwegs gegen Übergriffe von Mitgefangenen geschützt zu sein, schließt sich Tommy der starken Clique inhaftierter Neonazis an, während Heiko sich unter Lebensgefahr alleine durchzuschlagen versucht…

    Die jüngste deutsche Geschichte hat im Kino Konjunktur. Nachdem sich „Die innere Sicherheit“ - übrigens vorletztes Jahr auf dem Lido zu sehen - und „Black Box BRD“ mit dem Baader-Meinhof-Komplex auseinandergesetzt haben (demnächst läuft noch Christopher Roths „Baader“ an), widmet sich Bonengel in dramatischer Form hier dem anderen Ende des politischen Spektrums. Ein überaus heikles Unterfangen, wenn man bedenkt, welch heftige Kontroversen Geoffrey Wrights ähnlich gelagerter „Romper Stomper“ seinerzeit hierzulande auslöste. Aber dieses Risiko scheut der Regisseur und Drehbuchautor nicht. Mit hochgeklapptem Visier sucht er in seinem harten, überaus realistischem und kompromisslosen Werk nach den Wurzeln des Übels. Warum werden junge Männer zu Neofaschisten, was macht sie für Gewalt empfänglich und wie geraten sie in den Bann von charismatischen Totschlägern? Und Bonengel findet auch Gründe - bekannte (schwieriges soziales Umfeld, Vereinsamung, politisches Desinteresse) wie weniger bekannte (Rebellion als Geisteshaltung, Selbstschutz, Standesdünkel). Solange Bonengel bei seinem Thema bleibt, funktioniert auch sein Film. Gebannt verfolgt man die überzeugenden, hoch talentierten Newcomer Christian Blümel und Aaron Hildebrand auf ihrem Weg in die Hölle und zurück. Nur der etwas zu lang geratene, im Knast angesiedelt Mittelteil läuft dem Regisseur aus dem Ruder. Plötzlich findet man sich in einem typischen Gefängnisfilm mit all seinen Stereotypen und Klischees wieder - Vergewaltigungen und Korruption inklusive. Doch das tut dem handwerklich insgesamt überaus solide gestaltetem Werk keinen Abbruch. „Führer Ex“ (so lautet auch der US-Buchtitel von „Die Verführung“) ist ein mutiger, wichtiger Beitrag zu einem brisanten, hochaktuellen Zeitphänomen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn diese Geschichtsaufarbeitung der für Politstoffe stets empfänglichen Venedig-Jury einen Preis wert wäre. geh.

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