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Fakten und Hintergründe zum Film "Friedliche Zeiten"

Kino.de Redaktion |

Friedliche Zeiten Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktion: Das Casting

Die Dreharbeiten von FRIEDLICHE ZEITEN fanden von August bis Oktober 2007 in München und Umgebung statt und gingen in 40 Drehtagen über die Bühne. Nach kurzen anderthalb Jahren waren die Arbeiten an der amüsant-chaotischen Tragikomödie abgeschlossen, die Postproduktion in Köln und München eingeschlossen.

Neben der Arbeit am Drehbuch - sieben Fassungen wurden erstellt - nahmen die intensiven Vorbereitungen am meisten Zeit in Anspruch. Das Casting der Hauptdarsteller etwa und vor allem der Kinderrollen. Regisseurin Neele Leana Vollmar: „Es war ein langwieriger Prozess, wir haben sehr viele Kinder angeschaut, aber dann bei den drei sofort gespürt, dass es die richtigen sind.“

Mit von der Partie sind Tamino Wecker, der Sohn von Konstantin Wecker, in seiner ersten Rolle, Leonie Brill, die nach Pornorama und einigen Fernsehauftritten schon fast ein alter Hase ist, und Nina Monka, die ebenfalls bereits über erste Filmerfahrung verfügte. Vollmar: „Die Kinder lernen schnell und es war faszinierend, welche Kraft die kleinen Würmchen an den Tag gelegt haben.“ Ohne Unterstützung der Eltern war das allerdings nicht möglich, sie wurden von Anfang an stark mit einbezogen.

Die Hauptrollen der Familienmitglieder werden ergänzt durch grandios besetzte Nebenrollen, die für den prickelnd trockenen Humor im Hintergrund sorgen: Axel Prahl, Georgia Stahl, Doris Kunstmann, Meret Becker, Anna Böttcher und Gustav Peter Wöhler in einem Gastauftritten.

Produktion: Die Drehorte

Ein weiterer langwieriger Prozess war die aufwendige Suche nach einer geeigneten Familienunterkunft im adäquaten 60er-Jahre-Stil. Fündig wurde die Produktion schließlich in Ludwigsfeld bei München. Der Ort gehörte zum KZ Dachau, später wurden dort Aussiedler untergebracht – heute lebt in Ludwigsfeld ein bunter Nationen-Mix, es gibt sogar eine orthodoxe Kirche. „Bei den Vorbereitungen trafen wir einen alten Mann, der uns mit in seine Wohnung nahm und ganze Kisten mit Fotoalben anschleppte. Wir konnten also genau sehen, wie es damals in den 60ern aussah – und es hat sich nicht viel geändert seitdem,“ erzählt Produzentin Caroline Daube. In Ludwigsfeld wurde eine Hauptstraße komplett gesperrt und diente sechs Tage lang als Filmkulisse für die Außenaufnahmen. Die Wohnung von Familie Striesow war in einem Studio in München aufgebaut – damit war man zum Glück unabhängig vom schlechten Wetter des Sommers 2007.

Bei einem wichtigen Außendreh hatte der Wettergott aber ein Einsehen und ließ es nicht regnen – obwohl die Szene im Regen spielt. Die Nachtszene auf der Brücke war auch der aufwändigste Teil der Dreharbeiten – der eine kleine Rekordmarke setzte: Mit 120 Metern Länge wurde die Strecke zur längsten Regenstraße Münchens. Das Team hatte ausgiebig nach einer geeigneten Location gesucht: eine große Brücke, die gefährlich aussieht, nachts gesperrt und gut beleuchtet werden kann. Die perfekte Brücke fand man schließlich in Dingolfing. Die Aufnahmen von Mutter und Kindern im Auto bei Regen entstanden im Studio, auf einer Wackelkonstruktion. Holzstangen mit Lampen, die im Studio geschwenkt wurden, erzeugten die bedrohliche Atmosphäre.

Eine langwierige Suche erforderte auch eine andere Location, die Baustelle des in Entstehung begriffenen Eigenheims der Familie. Die Aufnahmen entstanden in Feldmoching. Daube: “Wir mussten die Bauherren überreden, den Bau vorübergehend einzustellen, bis wir fertig gedreht haben. Der Rohbau musste dann noch digital bearbeitet werden, denn eine solche Baustelle sieht heute natürlich ganz anders aus als vor vierzig Jahren.“

Erinnerungen an den Charme der Swinging Sixties weckt auch das authentische Setting. Verantwortlich fürs Szenenbild zeichnet Stephanie Schlienz, die die Filmemacherinnen aus ihrer Zeit an der Filmakademie Ludwigsburg kennen. Viele der im Film zu sehenden Schätze stammen von den zahlreichen Wohnungsauflösungen, die sie mitgemacht hat. Auch Kostümbildnerin Juliane Maier (1. Mai, Urlaub vom Leben) bediente sich ausgiebig aus einem reichen Fundus, der immer noch u. a. in Secondhandläden zu finden ist. Die Kamera führte wieder, wie bereits bei Urlaub vom Leben und Meine Eltern, Pascal Schmit.

FRIEDLICHE ZEITEN ist die zweite Zusammenarbeit von Caroline Daube und Neele Vollmar. Weitere Projekte der VGF-Preisträgerinnen mit Büro in Münchens Geiselgasteig sind in Planung.

Interview mit Neele Leana Vollmar

FRIEDLICHE ZEITEN basiert auf dem gleichnamigen Roman von Birgit Vanderbeke. Was hat Sie an dem Stoff gereizt?

Uns hat die Tonalität gefallen. Es ist die Zustandsbeschreibung einer Familie, die sehr humorvoll und mit Augenzwinkern aus der Sicht der Kinder erzählt wird. Das hat uns berührt.

Haben Sie sich eng an die Vorlage gehalten oder gab es wesentliche Änderungen?

Die Erzählung erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren, wir haben das ganze auf ein Jahr komprimiert. Auch lebt das Buch von vielen Wiederholungen, das haben wir verdichtet und gestrafft.

Wie kam die Zusammenarbeit mit der bekannten Drehbuchautorin Ruth Toma zustande?

Ruth Toma hat uns schon immer begeistert und deshalb kontaktierten wir sie eines Tages. Es folgte ein Findungsprozess. Wir verbrachten einige Nachmittage miteinander, um uns besser kennen zu lernen. Wir schätzen an ihrer Arbeit vor allem die Verknüpfung von Emotionalität mit Humor – wie in Emmas Glück oder Kebab Connection hervorragend zu sehen. Alles, was melodramatische Töne hat, kommt im deutschen Film ja nicht so oft vor, Zwischentöne gibt es kaum. Und sie ist eine Meisterin darin.

Warum dieses Thema, diese Zeit, diese Lust auf die muffigen 60er, die man doch lieber hinter sich lassen möchte?

Auch der Roman spielt in den 60ern. Außerdem fanden wir es spannend, dass es ein ganz anderer 68-er Film ist – im Fernsehen sieht man zwar die Bilder der Studentenproteste, aber das geht an dieser Familie mit ihren eigenen Sorgen vorbei. Sie leben in einer derart anderen Welt, dass sie nichts davon mitbekommen. Sie haben ihren kleinen Kosmos aus der DDR in die Bundesrepublik verpflanzt. Irene gelingt es nicht, sich dem neuen Leben zu öffnen und sie versucht im Westen, den Osten nachzuleben. Genauso wichtig war uns auch die Liebesgeschichte – es gibt ja diese durchaus lebendige Liebe zwischen Mann und Frau, die das ganze überhaupt erst trägt.

Könnte diese Familiengeschichte auch heute spielen, oder ist das Bild der Familie durch die Zeit geprägt?

Uns reizte, dass man dieses ganze Geschichtstrauma eben auch als Trauma dieser Zeit zeigen kann. Heute haben die Menschen andere Ängste. Im Vordergrund stehen aber die universellen Themen, wie das Klammern an bestimmten Dingen, nicht loslassen wollen - das kann man in alle Zeiten transportieren. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt für den Zuschauer, er kann sich damit identifizieren – die Situation kennen wir, das kann auch heute passieren und hat erst einmal nichts mit dem Trauma DDR zu tun. Universell ist auch, dass Kinder sich nicht für das Leiden ihrer Eltern verantwortlich fühlen sollten. Dieses Sich-Verantwortlich-Fühlen der Kinder für ihre Eltern, das ist auch etwas, das jeder kennt. Es geht auch darum, dass die tradierten Rollen sich plötzlich ändern - wer ist Kind, wer Eltern? Die Töchter sagen der Mutter plötzlich, wo’s langgeht, Irene wird, zeitweise, zum Kind. Das ist das emotional Bewegende dieser Geschichte.

Das Thema Schuld als eines der Schlüsselthemen?

Ja, und diese Schuldfrage hat Drehbuchautorin Ruth Toma hervorragend herausgearbeitet. Am Anfang hatte sie uns gebeten, ihr zu sagen, was wir mögen. Und wir haben ihr Filme, Bücher, geschickt, die uns bewegen, und überall kam das Schuldthema vor – was sie sofort erkannt hat.

Wie viel Autobiografisches steckt in FRIEDLICHE ZEITEN?

Natürlich gibt es Momente, die übereinstimmen. Meine Mutter stammt aus der DDR und ist vor der Wende geflüchtet. Da forscht man dann noch mehr nach, wenn es Berührungspunkte mit der eigenen Geschichte gibt. Sie ist mit der S-Bahn nach Berlin gefahren, nur eine Tasche konnte sie mitnehmen.

In Ihren Filmen ist die Familie immer wieder das zentrale Thema …

Es gibt ja schließlich kaum etwas, was einen täglich mehr berührt und bewegt. Und zwar jeden von uns. Daher war es für mich ein nahe liegendes Sujet für meine ersten Filme: Meine Eltern, einen Kurzfilm, und dann mein Spielfilmdebüt Urlaub vom Leben.

Was für eine Frau ist Irene Striesow?

Eine Frau, die sich heimatlos fühlt und nicht loslassen kann, sie fühlt sich im Westen deplaziert, sehnt sich nach der Sicherheit des Lebens in der DDR, auch wenn sie dort viel durchgemacht hat: Ihre erste Liebe ist vor ihren Augen erschossen worden, sie leidet darunter, dass sie sich bei ihrer Flucht nicht einmal von ihrer Mutter verabschieden konnte. Sie ist eher neurotisch als depressiv, lebt rückwärts gewandt und kultiviert ihre Macken, statt nach vorne zu blicken. Sie sieht, wie so viele, im Leben immer zuerst das Negative. Allerdings hat sie auch nicht den Mann an ihrer Seite, der sie stützt und festhält – den sie aber, trotz aller Konflikte und Eifersüchteleien, auf herzerfrischende, unkomplizierte Art liebt.

Wie sind Sie auf Katharina Schubert gekommen?

Wir haben sehr lange gesucht. Die Anforderungen der Rolle sind extrem hoch, es ist ein ganz schmaler Grat für eine Schauspielerin. Sie muss dafür sorgen, dass man diese Frau, die etwas Anstrengendes an sich hat, versteht und akzeptiert. Katharina Schubert gelang dies so hinreißend und überzeugend, dass man ihre Irene mit all ihren Macken richtig lieb gewinnt.

Werden da lustvoll Ost-Vorurteile genährt?

Das Eingesperrtsein gibt ihr Sicherheit, den Wettbewerb mag sie nicht. In der DDR war alles geregelt, alle waren gleich, man musste sich nicht so behaupten. Jetzt schließt sie sich ein, hat Angst vorm Einmarsch der Russen, lehnt aber alles Westliche ab. Das ist ein Paradoxon. Aber sie macht ja einen Prozess durch, entwickelt sich. Das zeigt auch ihre Reaktion, als sie hinter die Affäre ihres Mannes kommt. Sein Geständnis setzt bei ihr einen wichtigen Prozess in Gang nach dem Motto ‚Endlich ist es raus.’ Das ist wie eine Bestätigung für sie, sie muss nicht mehr an ihrem Verstand zweifeln. Die Ungewissheit war das Schlimmste, jetzt kann sie damit umgehen, aktiv etwas unternehmen. Und am Ende ihres Prozesses steht dann die Öffnung mit der Erkenntnis: Meine Heimat ist nicht mehr die DDR, sondern dort, wo meine Familie ist.

Einige Szenen sind dem Schnitt zum Opfer gefallen. Fiel es Ihnen schwer, sich davon zu trennen?

Es schmerzt immer, Szenen aus dem Film zu streichen. Aber es gehört zu dem normalen Prozess dazu, denn man muss das Ganze sehen. Ich hatte das Glück mit einem Cutter zusammen zu arbeiten, der bereits eine gute Vorauswahl getroffen hat. Wir haben beim Sichten des Materials schnell gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Wir haben viel ausprobiert, einiges umgestellt, herumexperimentiert. Das war ein spannender Prozess.

Bleiben Sie dem Familienthema treu?

In gewisser Weise ja: Mein nächster Film, ist wieder eine Literaturverfilmung: Jan Weilers Maria, ihm schmeckt’s nicht – und dann sind natürlich neue Projekte mit unserer eigenen Produktionsfirma Royal Pony Film in Planung.

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