Fremder Freund

   Kinostart: 11.12.2003
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Filmhandlung und Hintergrund

Ein Berliner Student quält sich nach dem Anschlag vom 11. September 2001 mit der Frage, ob sein verschwundener jemenitischer Freund ein "Schläfer" war.

Seit neustem teilt sich Chris (Antonio Wannek aus „Der Felsen„) seine Berliner Studentenbude mit dem 22-jährigen Yunes (Navid Akhavan), einem Studenten aus dem Jemen. Trotz der kulturellen Unterschiede (besonders in Yunes Umgang mit Frauen), werden die beiden schnell dicke Freunde und teilen neben der Bude bald auch Alltagsfreuden und -sorgen. Umso betroffener reagiert Chris, als der Freund plötzlich ohne Vorwarnung spurlos verschwindet und nur wenige Tage später der Anschlag auf das World Trade Center Schlagzeilen macht.

Nicht nur in Amerika oder Afghanistan gilt es, den 11. September und die Folgen zu verarbeiten: Auch in Deutschland, Heimat einer Kernzelle der Anschlagsplanung, lassen sich diesbezüglich spannende Stories finden. Elmar Fischer und Tobias Kniebe, zwei Herren aus dem Journalistenfach, schrieben, produzierten und dirigierten diese.

Als der 22-jährige jemenitische Student Yunes in Chris‘ Berliner Studentenbude einzieht, werden beide Freunde - trotz Yunes‘ wachsenden, politischem und religiösem Fanatismus, der Chris und besonders Yunes große Liebe Nora bisweilen vor den Kopf stößt. Dann verschwindet Yunes kurz vor dem 11. September 2001, und die Sorge der Freunde gibt mehr und mehr einem schrecklichen Verdacht Raum.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Fremder Freund: Ein Berliner Student quält sich nach dem Anschlag vom 11. September 2001 mit der Frage, ob sein verschwundener jemenitischer Freund ein "Schläfer" war.

    Jetzt hat 9/11 endgültig auch das deutsche Filmschaffen eingeholt: Nach Max Färberböcks „September“ ist mit „Fremder Freund“ ein weiterer Film entstanden, der sich mit den Auswirkungen der Terrorattacke befasst. Doch er wählt eine gänzlich andere Perspektive, und mit der thematischen Vorgabe sind die Gemeinsamkeiten auch schon erschöpft. Denn wo „September“ Episoden aus dem Leben von vier Paaren bzw. Familien nebeneinander stellt, erzählt Elmar Fischer in seinem wunderbaren Leinwandregiedebüt die Geschichte einer Männerfreundschaft, wie sie schöner keinem Buddymovie entstammen könnte - und das mitten in Deutschland.

    Als der 22-jährige Yunes (Kinoneuling Navid Akhavan mit erstaunlicher Präsenz), Student der Verfahrenstechnik aus dem Jemen, in Chris‘ (European Shooting Star Antonio Wannek knüpft an seine Leistung aus „Der Felsen“ an) Studentenbude in Berlin einzieht, werden die beiden schnell zu engen Freunden. Alltags-Freuden und -Sorgen, Gespräche über Frauen, ein Einlassen auf fremde Kulturen - alles erleben sie intensiv gemeinsam, auch wenn es in Yunes Augen manchmal gefährlich blitzt und seine Anfälle von politischem und religiösem Fanatismus Chris und dessen Freundin Julia (Mina Tander) bisweilen vor den Kopf stoßen. Yunes auf verletzten Gefühlen basierenden heftigen Reaktionen bekommt v.a. seine große Liebe, Kurzzeitfreundin Nora (Mavie Hörbiger) zu spüren. Sein Frauen- und Weltbild unterscheidet sich also doch von dem seiner Freunde. Aber hat das etwas zu bedeuten?

    Vor dieser Frage steht Chris, als Yunes plötzlich - es ist unmittelbar vor dem 11. September 2001 - verschwindet, ohne ein Lebenszeichen zu hinterlassen. Die Sorge um den Freund gibt mehr und mehr einem schrecklichen Verdacht Raum. Doch der Film gibt keine Antworten. Alle Möglichkeiten spielen sich nur in den Köpfen ab, kreisen um die Frage, ob in einer Zeit, in der aus Vorurteilen (zu) schnell Gesetze werden können, solche Zweifel überhaupt erlaubt sind.

    Die Anschläge auf das World Trade Center werden für immer mit dem Namen Hamburg-Harburg verbunden sein, wo sich in einer Studenten-WG eine der Keimzellen der Terrors gebildet hatte. Das Buch spielt an auf diese Hintergründe, vermischt Fakten mit Fiktion. Dabei sind genaue Beobachter am Werk: Elmar Fischer, TV-Produzent, -Autor und -Regisseur, ist Absolvent der Deutschen Journalistenschule und schrieb das Drehbuch mit Filmjournalist Tobias Kniebe. Intensive Recherchen begleiteten die Arbeit an dem extrem kostengünstig auf DV produzierten, auf 35 mm kopierten Werk, das, von der Idee bis zum fertigen Film, innerhalb eines Jahres realisiert wurde.

    „Fremder Freund“ überzeugt durch die großartige schauspielerische Leistung der vier Hauptdarsteller, sorgfältig gezeichnete Charaktere und so gelungene Dialoge, wie man sie im deutschen Kino selten zu hören bekommt. Diese ungewöhnliche Authentizität wurde durch Improvisation erreicht: Über weite Teile gab es keine ausformulierten Texte, so dass die jungen Schauspieler ganz in ihrer eigenen Welt agieren konnten, in ihrer eigenen Sprache.

    Ankreiden könnte man diesem kleinen Meisterwerk allenfalls eine gewisse Langatmigkeit. Doch die Ernsthaftigkeit, mit der hier eine Geschichte in Rückblenden erzählt wird, macht das allemal wett. Sympathisch ist auch, dass nie die persönliche Dimension, der subjektive Blickwinkel aufgegeben wird: was ist, wenn von einer engen, ja intimen Freundschaft nichts bleibt als ein schrecklicher Verdacht? Wie löst man das moralische Problem, das sich mit den Zweifeln am Freund einstellt und mit dem man allein bleibt, denn natürlich will man nicht zur Polizei gehen, ohne Gewissheit zu haben.

    An den bohrenden Fragen nach dem Was und Warum reiben sich die Figuren. Ihnen dabei zuzuschauen, lohnt sich, auch jenseits des Filmfests: Ein Film, dem ein Verleih zu wünschen ist. boe.

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