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Fakten und Hintergründe zum Film "Freche M?dchen"

Kino.de Redaktion |

Freche Mädchen Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Hintergrund

Als Vorlage für den Film dienen die Mila-Hanna-Kati Bücher der Autorin Bianka-Minte-König, die in der Buchreiche „Freche Mädchen-Freche Bücher“ im Thienemann Verlag seit dem Jahr 2000 erschienen sind. Die Buchreihe „Freche Mädchen-Freche Bücher“ hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Seit dem Jahr 2000 wurden über 5,5 Millionen Exemplare verkauft. Weltweit sind es sogar über 6 Millionen. Die Bücher wurden außerdem in 19 Sprachen übersetzt .

Produktion: Vom Buch zum Film

„Freche Mädchen - freche Bücher!“– und Millionen begeisterte Leser: Ob „Liebesquiz & Pferdekuss“, „Superstars & Liebesstress“, „Liebestrank & Schokokuss“ oder „Liebestest & Musenkuss“: Die Romane der Autorin Bianka Minte-König um die drei Freundinnen Mila, Kati und Hanna gehören zu der erfolgreichsten deutschen Mädchenbuchreihe. So lag es nahe, die Geschichten um die Liebes- und anderen Verwirrungen der drei 14-Jährigen für die große Leinwand zu adaptieren. Nachdem die Münchner Constantin Film die Verfilmungsrechte für die Titel der „Freche Mädchen - freche Bücher!“-Reihe erworben hatte, kam man auf den ebenfalls in München ansässigen Produzenten Ulrich Limmer zu. Zusammen mit der Constantin Film als Co-Produzenten hatte Limmer mit seiner Produktionsgesellschaft collina film bis dahin schon Das Sams (2001), SAMS IN GEHFAHR (2003), DER Räuber Hotzenplotz (2006) und Herr Bello (2007) gemacht. Nun bot sich die Gelegenheit, diese bewährte und gute Zusammenarbeit fortzusetzen.

„Zu diesem Zeitpunkt gab es noch nichts weiter als die Buchvorlagen, und so habe ich mich auf die Suche gemacht, wer denn die richtige Autorin und die richtige Regisseurin wären“, sagt Limmer. Er fand die Geschichten von Mila, Kati und Hanna „total erfrischend“ und „überhaupt nicht abgehoben oder professoral“ – eine Vermutung, die sich fast automatisch aufdrängt, wenn Professoren Romane schreiben. Doch Bianka Minte-König, die seit drei Jahrzehnten eine Professur für Literatur-, Medien- und Theaterpädagogik innehat, schreibt in der Tat „sehr unakademisch“, wie Limmer feststellte: „Die Geschichten halten den Ton total durch, und wenn man’s liest, würde man nie denken, dass eine gestandene Geisteswissenschaftlerin dahinter steckt.“

Von Anfang an stand für Ulrich Limmer fest, dass es auf jeden Fall Frauen sein müssten, die er mit dem Schreiben des Drehbuchs und mit der Regie betrauen würde. „Das hier ist eine Mädchenwelt“, stellt er kurz und knapp fest. Limmer wurde bald mit der Autorin Maggie Peren einig, die zuletzt die Drehbücher zu Detlev Bucks HÄNDE WEG VON MISSISSIPPI (2007) und zu dem von ihr selbst inszenierten STELLUNGSWECHSEL (2007) geschrieben hatte. Im Hochsommer an der Isar liegend, las sie die Bücher in einem Rutsch, war von ihnen begeistert und machte sich sofort an die Arbeit. Es blieb aber noch die Frage: Wer soll die Abenteuer von Mila, Kati und Hanna in Szene setzen? Ulrich Limmer schlug Ute Wieland vor, von der er die Frauenfußballkomödie FC VENUS (2006) und einige Fernsehfilme kannte und schätzte – „Filme, die auch eher aus einer weiblichen Perspektive erzählt wurden“, wie Limmer fand. Was aber keineswegs das einzige Kriterium für die Entscheidung zu Ute Wielands Gunsten war: „Es war wichtig, dass es eine Regisseurin ist, die witzig erzählen kann, die frisch erzählen kann, die schnell erzählen kann.“ Limmer und Wieland verbindet darüberhinaus auch eine lange Vorgeschichte: Bevor Ute Wieland nach Berlin ging und sich die beiden etwas aus den Augen verloren, waren sie in den 80er Jahren zur gleichen Zeit an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film eingeschrieben. „Nach FC VENUS haben wir uns wiedergesehen“, erzählt Limmer: „Wir haben uns gleich wieder gut verstanden und ausgemacht: Lass’ uns gucken, ob man nicht ein Projekt findet! Und da war dies genau das Richtige.“

Produktion: Die Besetzung

In einem Film wie diesem, in dem die Erwachsenen ganz eindeutig nur die Nebenrollen spielen, kommt es extrem stark auf die Auswahl der jungen Darsteller an. Deren Auswahl war für Regisseurin Ute Wieland und Produzent Ulrich Limmer eine besondere Herausforderung, denn so viele Mädchen- und Jungenrollen auf einmal hatten beide noch nie für einen Film zu besetzen, angefangen natürlich bei den drei Hauptrollen Mila, Kati und Hanna.

Bei der Menge an Rollen war nicht daran zu denken, bei offenen Castings auf Zufallstreffer zu setzen; daher wählten Wieland und Limmer den gängigen Weg über Casting-Agenturen. Während sich bei den Jungen-Rollen bald einige Namen mit reichlich Kino- und Fernseherfahrung fanden, wie etwa Rufus Becks Sohn Jonathan oder Wilson Gonzalez Ochsenknecht (DIE WILDEN KERLE), sichteten Wieland und Limmer für die Mädchenrollen auch viele junge Talente, die noch nichts Größeres gemacht und schon gar keine Hauptrolle in einem abendfüllenden Spielfilm übernommen hatten: Manche hatten schon einmal auf der Bühne gestanden, andere hatten einfach nur Fotos machen lassen.

Bei der Besetzung der Rolle der Hanna, die im Film an einem Gesangswettbewerb teilnimmt, kam noch die Anforderung hinzu, auch wirklich singen zu können. „Wir waren aber natürlich auch auf der Suche nach dem richtigen Typ“, erinnert sich Ute Wieland: „Wir waren gedanklich schon darauf vorbereitet, Hanna notfalls nachzusynchronisieren.“ Doch dann fand sich mit Selina Shirin Müller doch noch die Idealbesetzung für die Rolle der Hanna – dank Christoph Becker von Constantin Music, Musikberater der Produktion, der die Regisseurin auf einige aufstrebende Nachwuchssängerinnen aufmerksam machte. Ute Wieland: „Christoph Becker hat mir sozusagen einen ganzen Stapel Mädchen auf den Tisch gelegt. Ich habe das erst einmal gar nicht so sehr beachtet, beiseite geschoben und geguckt, was von den Agenturen kommt. Dann bin ich aber doch nochmal an den Stapel gegangen und fand Selinas Sachen darunter.“

Selina hatte einiges aufzuweisen: 2006 hatte sie den Gesangswettbewerb des TV-Senders Ki.Ka „Beste Stimme gesucht!“ gewonnen und anschließend die Single „Dein Tag“ herausgebracht; ein Song, den Jeannette Biedermann für sie geschrieben hatte. Darüberhinaus besaß sie auch schon eine beachtliche Bühnenerfahrung als Sängerin.

Bevor aber die Besetzung der Hauptrollen endgültig feststand, ging es noch durch mehrere Recalls, in denen verschiedene Konstellationen für Mila, Kati und Hanna ausprobiert wurden. Ute Wieland erklärt: „Wir haben geschaut, ob die zusammenpassen, ob da etwas im Zusammenspiel passiert.“ Am Ende fiel die Wahl neben Selina Shirin Müller als Hanna auf die Berlinerin Emilia Schüle als Mila. Emilia hatte bereits Erfahrung als Darstellerin in Fernsehproduktionen und diversen Werbespots gesammelt. Außerdem entschied man sich auf die ebenfalls aus Berlin stammende Henriette Nagel, die hier ihre erste große Rolle als Kati spielt.

Waren die frechen Mädchen also tendenziell noch Newcomerinnen, hatten einige ihrer „Klassenkameraden“ schon deutlich mehr Schauspielerfahrung, allen voran Wilson Gonzalez Ochsenknecht, der im Film den neuen Mitschüler Brian spielt und im richtigen Leben bereits Film- und Popstar ist. Wilson Gonzalez zierte schon zahlreiche Titelseiten von Jugendzeitschriften – dank seiner Mitwirkung in den ersten vier DIE WILDEN KERLE-Filmen und nicht zuletzt dank seines 2008 erschienenen Debütalbums „Cookies“.

Die Sorge, dass der Filmstar in ihrer Mitte das Gruppengefühl der Jungdarsteller beim Dreh durcheinander bringen könnte, zerstreute Ochsenknecht praktisch gleich an seinem erster Arbeitstag am Set. Ulrich Limmer: „Wilson ist ein erstaunlicher, erfreulich bescheidener, völlig auf dem Boden gebliebener junger Mann ohne Allüren, der nie versucht hat, den Star herauszukehren! Er hat sich genauso in diese Gruppe hinein begeben wie alle anderen auch und war ein Gewinn für alle beteiligten Jugendlichen.“

Dabei war ihm seine Rolle als egoistischen Bandleader nicht unbedingt auf den Leib geschrieben. Mädchenschwarm Brian nimmt alles, was er kriegen kann (wie zum Beispiel Milas Gedicht), und ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Ulrich Limmer beschriebt es so: „Er verhält sich so, wie sich Wilson nie verhalten würde. Man kennt ja solche narzisstischen Menschen, die sich eigentlich nur mit sich selbst beschäftigen. Aber trotzdem üben Leute wie Brian große Faszination aus, und die Mädels laufen ihm alle nach.“

Eine solche Besetzung „gegen den Typ“ gab es bei den drei Hauptdarstellerinnen Emilia, Selina und Henriette nicht. Ulrich Limmer stellte fest, dass alle drei recht gut zu ihren Figuren passten: „Natürlich fließt ganz viel von der Persönlichkeit in die Figur ein. Emilia, die Mila, ist eine ganz kluge und klare Person, die Selina ist wie Hanna eine tolle Sängerin, lebt und brennt für das Singen und macht alles dafür. Und Henriette, unsere Kati, ist eine, die eine sehr fröhliche Lebenseinstellung hat; sie ist niemand, die mit viel Schwermut durchs Leben geht.“ Aber auch wenn es deutliche Parallelitäten zu den Filmfiguren gab – nicht zuletzt, weil die Darstellerinnen entsprechend ausgesucht wurden – mussten die drei in ihre Rollen auch noch ein wenig hineinwachsen. Limmer: „Es gab auch einen Lernprozess. Es ist immer wieder mal vorgekommen, dass sich die Mädchen bei bestimmten Szenen beschwerten: Das würd’ ich aber so nicht sagen! Und dann musste man immer sagen: Das bist nicht du, das ist die Figur! Du musst das unterscheiden!“

Was die drei im wirklichen Leben von ihren Rollen allerdings sehr unterscheidet, sind ihre beständigen schulischen Leistungen. Anders als Mila, Hanna und Kati, die sich gerne vom Unterricht ablenken lassen und sich schon mal ein „Versetzung gefährdet“ einhandeln, konnten es sich Emilia, Selina und Henriette leisten, für die Dreharbeiten für mehrere Wochen vom normalen Schulbetrieb freigestellt zu werden.

Produktion: Die Erwachsenen im Film

Vom cholerischen Mathe-Pauker bis zum Musiklehrer mit wildem rotem Haarschopf: Das Lehrerkollegium an der Schule, die die frechen Mädchen besuchen, ist mit namhaften Darstellern wie Armin Rohde, Anna Böttcher, Piet Klocke und David Rott nicht nur prominent besetzt, es ist auch ein ziemliches Kuriositätenkabinett. Und dieser Effekt war auch von Anfang an voll beabsichtigt, wie Ute Wieland sagt: „Es war von Anfang an das Konzept, dass das Kollegium aus Typen besteht. Es bleibt einfach so wenig Zeit, die Figur zu entwickeln: Die sind im Bild und müssen sofort eine erkennbare Figur sein und dabei Präsenz und Persönlichkeit mitbringen.“

Zu einigen der erwachsenen Darstellern wie Piet Klocke und Armin Rohde hatte Produzent Ulrich Limmer bereits durch frühere gemeinsame Projekte einen guten Kontakt. Limmer: „Gerade zu Armin Rohde gibt es so ein enges Verhältnis, dass ein Anruf mit der Frage, hättest du Lust und Zeit, reicht. Dann wird nicht lang gefragt, was für eine Rolle das ist, sondern es gibt dann einfach den Glauben daran, dass das schon etwas Anständiges ist, was wir ihm anbieten.“

In Armin Rohdes Fall war es auch die Chance, in seiner Rolle als Mathelehrer „Rumpelstilzchen“ Rache zu nehmen an den Lehrern, die er in der Schule hatte. „Das zeigt ja eine leicht sadistische Ader, wie er da so die Fünfen verteilt“, meint Ulrich Limmer und fügt hinzu: „Der Armin hat, glaube ich, die Schule ebenso gehasst wie ich sie gehasst habe und da hat er die Gelegenheit genutzt, vom Leder zu ziehen.“ „Rumpelstilzchen“ ist ein typischer Fall. Vom begeisterten Musikus Mc Donald (Piet Klocke) abgesehen, gibt es im Film nicht viele sympathische Lehrerfiguren, selbst der Referendar Pit Winter, in den sich Mila verknallt, entpuppt sich binnen kurzem als „typischer“ Pauker. Limmer charakterisiert ihn so: „Der ist eigentlich ein totaler Spießer, der gar nicht Inhalte sehen kann, der gar nicht erkennt, dass ein Mädchen ihm Liebesgedichte schreibt. Er sieht bei dem Gedicht nur die Rechtschreibfehler.“

Die wichtigste Erwachsenenrolle, die nichts mit der Schule zu tun hat, ist Milas Mutter, chaotisch, begeisterungsfähig, emotional – und kongenial gespielt von Anke Engelke. Sie war Ute Wielands absolut erste Wahl als Mutter: „,Blind Date’ fand ich hervorragend“, schwärmt Wieland: „Ich wollte immer schon mit ihr drehen!“ Um Engelke dabei zu haben, hätte Wieland ihr notfalls auch eine der Lehrerrollen gegeben, hätte Engelke den Wunsch geäußert. Doch gerade als Mutter, fand Wieland, konnte Engelke ihre ganze schauspielerische Bandbreite zeigen: „Milas Mutter mit ihren vielen vergeblichen Liebschaften ist auch ein wenig eine tragische Figur“, erklärt Ute Wieland: „Aber so wie Anke Engelke das spielt, wird die Figur niemals von dieser Tragik überwältigt. Ich finde es liebenswert und zurückhaltend gespielt; ich bin so begeistert von ihr!“

Wieland würde auch jederzeit „liebend gern“ wieder mit ihr zusammenarbeiten, auch wenn sie am eigenen Leib erfahren hat, was es bedeutet, einen der meistbeschäftigten deutschen Fernsehstars im Ensemble zu haben: Da Engelke für ihre Drehtage nur sehr wenige Zeitfenster zur Verfügung standen, wurde es, wie sich Wieland erinnert, „ein totales Geschiebe und Gewürge“ mit dem Drehplan – bis schließlich sämtliche Szenen von Engelke im Kasten waren.

Nicht zuletzt die am Ende des Films, in der Milas Mutter auf dem Reiterhof zum ersten Mal auf den Vater von Milas Klassenkameraden Markus trifft – und sich sofort, diesmal aber ernsthaft, verliebt…

Christian Tramitz’ amouröser Gastauftritt ist für Ulrich Limmer „der Clou“ am Schluss des Films: „Wir waren der Meinung, dass es nicht einfach ein Niemand sein darf, der am Ende Anke Engelke küsst. Das darf nicht einfach verpuffen. Es musste einer sein, bei dem man auch sagen kann: Da freu’ ich mich für die Mutter, dass sie endlich mal einen Tollen aufgetan und nicht wieder daneben gelangt hat.“ Auch wenn Limmer zu Christian Tramitz vorher keinen persönlichen Kontakt gehabt hatte, brauchte es auch in diesem Fall nicht mehr als einen Telefonanruf, um den Deal zu besiegeln: „Ich habe ihn angerufen und gesagt: ‚Herr Tramitz, wir kennen uns nicht, aber ich wollte sie fragen, ob Sie Lust hätten auf einen Gastauftritt. Es geht darum, Anke Engelke zu küssen.’ Und da sagte er: ‚Sofort! – das ist doch keine Frage!’ Für diese Spontaneität bin ich noch heute dankbar.“ Eine solche Chance lässt man sich nun einmal nicht entgehen.

Produktion: Drehorte und Ausstattung

Die Dreharbeiten zu FRECHE MÄDCHEN fanden im Sommer 2007, im Juli und August, statt. Gedreht wurde in Wuppertal und im Studio in Köln; weitere Szenen wurden in München gedreht. Bianka Minte-Königs Bücher um Mila, Kati und Hanna spielen in einer nicht näher genannten Stadt. Daher wird auch im Film der Ort der Handlung nicht ausdrücklich genannt, der tatsächliche Drehort wird aber auch nicht kaschiert: Wer auf Details wie die Kennzeichen der Autos oder auf das wiederkehrende Motiv der berühmten Schwebebahn achtet, erkennt ganz eindeutig Wuppertal als Freche-Mädchen-Stadt. „Wir wollten das Milieu von Nordrhein-Westfalen haben“, erklärt Ulrich Limmer: „Und Wuppertal ist halt eines der besten Motive, die man da finden kann; es heißt nicht umsonst das San Francisco des deutschen Westens. Es gibt sonst kaum ein Motiv, das eine ähnliche Kraft und Ausstrahlung hat wie Wuppertal.“

Dabei war es der Produktion wichtig, dass die Geschichte nicht nur an einem „echten“ Ort, sondern auch in einem realistischen, wiedererkennbaren Milieu angesiedelt ist. „Es geht hier nicht sonderlich fein und bürgerlich zu; es sind eben Jungen und Mädchen aus der Mittelschicht. Der Frisörladen von Milas Mutter ist kein edler Salon, sondern ein einfacher Frisörladen, und Mila und ihre Mutter leben in einer Dreizimmerwohnung. Sie leben in bescheidenen Verhältnissen, viel Geld ist nicht da.“

Nur bei Kati, die in einem Bürgerhaus wohnt und bei Markus, dessen Vater einen Reiterhof besitzt, darf man vermuten, dass die Familien etwas besser gestellt sind. Limmer war es bei den Vorbereitungen zum Film von Anfang an auch sehr wichtig, die „innere Wahrheit der Bücher zu destillieren“. Für ihn liegt das Geheimnis ihres Erfolges darin, dass sie die Lebenswirklichkeit junger Mädchen sehr genau wiedergeben und so Identifikationsfiguren zu schaffen. „Frau Minte-König und die anderen Autoren der Buchreihe schauen den Kinder und Jugendlichen wirklich sehr genau auf den Mund“, sagt Limmer. Das wiederzugeben, sah er als Aufgabe des Films an, und dazu gehörte auch, den Lebensumständen der Buchheldinnen treu zu bleiben: „Man darf dann nicht eine völlig andere Welt erzählen, weil’s vielleicht schicker wäre, wenn das Ganze jetzt in München-Bogenhausen spielt, die Papis Porsche und die Mamis Volvo fahren und die Mädels sich nur über Gucci und Dolce & Gabbana unterhalten. Dann wär’s vorbei!“

Und gerade die realistische Erzählweise scheint bei einem jugendlichen Publikum auch sehr gut anzukommen, wie Regisseurin Ute Wieland bei ersten Testvorführungen feststellte: „Die Jugendlichen haben gerade auch sehr stark auf die Schulszenen angesprochen, mit denen sie sich sehr identifizieren und nicht etwa nur auf die Geschichte um die Castingshow.“ Denn auch die Schulerfahrungen von Mila & Co. wirken einfach sehr realistisch; nicht nur, weil in einer ganz normalen Schule im Wuppertaler Stadtteil Barmen gedreht wurde, sondern auch, weil das Zusammenspiel von Schülern und Lehrern weder im positiven noch im negativen Sinn allzu überspitzt dargestellt wird. Ute Wieland: „Wir wollten zeigen, dass die Schule kein Ort des Horrors für die Mädchen ist; die gehen da ja ganz gerne hin, dort trifft man sich und tauscht sich aus. Und die Lehrer erträgt man halt mit leichtem Spott.“ Ganz wie im richtigen Leben eben.

Produktion: Geschichten von der Produktion

Wenn man den Spaß, den die Beteiligten bei den Dreharbeiten hatten, an der Menge der beim Abschied vergossenen Tränen misst, dann müssen Cast und Crew von FRECHE MÄDCHEN unglaublich viel Spaß gehabt haben – Ulrich Limmer jedenfalls will beim Abschlussfest „Hektoliter“ von Tränen gesehen haben: „ Die jungen Mädels haben wirklich Rotz und Wasser geheult, als es vorbei war. Die waren kaum aus dem Veranstaltungslokal rauszukriegen, weil es immer hieß: Ich muss mich noch von dem verabschieden, und von dem, und von dem…!“ Und dass alle am liebsten sofort den nächsten FRECHE MÄDCHEN - Film gleich hinterher geschoben hätten, sieht Limmer als „ganz starkes Gruppenbekenntnis“. Was ihn aber auch nicht wirklich überraschte: Denn während der Dreharbeiten sind viele enge Freundschaften entstanden, und erwachsene Darsteller, Jugendliche und der Stab gingen ohne Ausnahme sehr freundschaftlich und harmonisch miteinander um.

Limmer hebt insbesondere Ute Wielands Anteil an der guten Atmosphäre hervor: „Ute war insofern auch wunderbar für diesen Film, weil sie ja in ihrer Seele sehr jung geblieben ist. Ihre Frische und Unkompliziertheit war von ganz großer Bedeutung in dem Umgang mit den Mädchen, weil sie mit denen ganz schnell eine Ebene gefunden hat. Sie hat klar und offen mit ihnen geredet, ohne den großen autoritären Regisseur zu geben – das war hervorragend.“

Wieland fügt hinzu: „Allein dadurch, wie der Film strukturiert ist, hat es sich ergeben, dass die Mädchen und Jungen beim Großteil des Drehs immer zusammen waren. Und so sind sie schon sehr mit dem Team zusammengewachsen. Beim Bergfest zur Hälfte der Drehzeit oder beim Abschlussfest waren selbstverständlich alle mit dabei; es wäre uns niemals der Gedanke gekommen, die Jugendlichen auszuschließen, um eine Erwachsenen-Party zu feiern.“

Was das Feiern betrifft, brauchten die Jungen und Mädchen keine Nachhilfe – wohl aber darin, den Ausgleich zwischen Party und Arbeit zu finden. Wie anstrengend ein Filmdreh sein kann, war gerade für manche der jungen Darsteller eine neue Erfahrung. Ulrich Limmer: „Das wurde denen erst nach ungefähr einer Woche klar, was das bedeutet an Disziplin, an Genauigkeit, an Rücksichtnahmen, an Früh-ins-Bett-Gehen, Ausgeschlafensein und so weiter.“

Aber dank der intensiven Vorbereitungsphase, in der sich die Jugendlichen unter Ute Wielands Anleitung mit ihren Filmfiguren befassten, und dank der intensiven Betreuung während des Drehs durch geschulte Pädagogen dominierte ganz eindeutig die Spielfreude – und am Ende der Stolz auf das, was man geschafft hatte.

Und auch auf das, was man dabei gelernt hatte. Ulrich Limmer: „Die haben da wirklich viel gelernt. Sie haben erlebt, dass Disziplin das Zentrale überhaupt ist, und sie haben gelernt, wie eine Gruppe funktioniert, wie Arbeitsteilung funktioniert, was Kollegialität ist.“ Als Einstieg in diesen Lernprozess hatte Limmer Armin Rohde gebeten, vor seinen Szenen mit der Schulklasse – statt Mathe – einen kleinen Grundkurs darin zu geben, was es tatsächlich bedeutet, Filmstar zu sein. Etwas anderes nämlich, als sie sich möglicherweise darunter vorgestellt hatten… Limmers Briefing an Armin Rohde war: „Zeig denen mal, was Disziplin ist!“ Limmer weiter: „Das hat er sich dann zur Aufgabe gestellt: dieser Klasse zu vermitteln, dass Schauspielerei harte Arbeit ist. Dass man sehr oft warten muss und dass es darauf ankommt, konzentriert zu bleiben, sofort auf dem Punkt zu sein, wenn man dran ist – und eben nicht zu sagen: Wie lange dauert’s denn noch?“

Interview mit Ulrich Limmer

Wie lange hat die Suche nach den richtigen Darstellern für die jugendlichen Hauptrollen gedauert?

Lang. Ich weiß gar nicht, wie viele wir angeschaut haben, aber das ging schon in die Hunderte. Ein sogenanntes „Street Casting“ haben wir aber nicht gemacht, weil die Auswahl der Agenturen sehr groß ist. Am Ende haben wir einfach fantastisches Glück gehabt mit den Mädchen, aber auch mit den Jungen.

An hoffnungsvollen Anwärtern mangelt es also nicht?

Ich glaube, die Faszination, Filmschauspieler zu werden, ist ungebrochen. Ganz viele wollen es, aber nur wenige sind auserkoren, auch vom Talent her. Wir hatten das Glück, extrem talentierte junge Darsteller zu finden, sowohl bei den Mädchen als auch bei den Jungen. Wobei die Jungen schon viel erfahrener waren, beispielsweise Jonathan Beck – der Sohn von Rufus Beck –, der schon viel gespielt hat, oder auch Wilson Gonzalez Ochsenknecht. Die Mädchen sind dagegen noch sehr frisch. Henriette Nagel, die Darstellerin der Kati, hat hier überhaupt zum ersten Mal gespielt. Diese verschiedenen Niveaus einander anzugleichen, war das große Kunststück, welches Ute Wieland, die Regisseurin, toll hinbekommen hat.

Nicht nur das – sie hat es auch geschafft, dass die erwachsenen Darsteller nicht so überzogen spielen, wie es in Filmen für ein junges Publikum immer wieder vorkommt…

Ich finde auch sehr wichtig, dass das so ist. In der Tat wird bei Kinderfilmen allzu oft gedacht, man könne das fortsetzen, was im Kindertheater gerne gemacht wird, nämlich so überdeutlich zu spielen, dass es nicht nur die letzte Reihe begreift, sondern auch noch draußen die Garderobenfrau! Aber damit täte man dem Genre Unrecht. Denn Kinder sind absolut fähig, kleinste Nuancen zu erkennen und gucken oft viel genauer hin als die Eltern. Und bei Teenies trifft das erst recht zu. Die Lehrer im Film mit ihren Eigenheiten sind deutlich gezeichnete Figuren, aber das wird auch so klar; es gab einfach keine Notwendigkeit herumzuchargieren.

Stand für Sie von Beginn an fest, dass der Grundton des Films auf wirklichkeitsnahen Figuren und realistischen Settings beruhen müsste?

Ja, denn man muss ja auch immer bedenken: Wie unterscheiden wir uns mit Kinofilmen vom Fernsehen? In der abgehobenen Fernsehwirklichkeit leben die Leute meistens sehr viel feiner, als man sich’s vorstellen kann; da fahren die Papis Sportwagen und die Mamis Cabrio… Uns war es sehr wichtig, das Ganze mehr zu erden und eine Realität zu zeigen, die man im Fernsehen eben nicht so oft sieht. Da sehen Sie nicht die Arbeiterviertel in Wuppertal, wo wir gedreht haben, oder eine Schule wie die in Barmen - eine sehr schöne Schule, aber eben auch ein typischer 70er-Jahre-Bau. Es ist ein einfaches Milieu, nichts, was glänzt und glitzert. Allerdings muss es deswegen ja noch nicht gleich verarmt sein, das ist nicht das Thema des Films. Das Thema des Films sind schließlich die Träume der Mädchen.

Wie konnten Sie sicher sein, dass Sie es hinbekommen würden, die Lebenswirklichkeit 14-jähriger Mädchen realistisch nachzustellen?

Ich kenne die Welt dadurch ein wenig, dass mein Sohn zur Zeit der Vorbereitung 16 war; die Ästhetik war mir durch ihn und andere aus seiner Klasse vertraut. Und die Nichte von Ute Wieland ist 15 gewesen, als wir gedreht haben. Man hat da sozusagen im familiären Bereich seine Recherchebasis. Und außerdem muss man die Mädchenzeitschriften genau anschauen: Wie ziehen die sich an? Welche Farben mögen sie? Und man muss mit offenen Augen durch die Welt gehen und gucken: Wie leben Leute? Was steht an Möbeln in den Wohnungen? Denn es war klar: Am Ende muss das alles eine große Authentizität haben, damit es das wiedergibt, was die Bücher erzählen.

Wie war die Atmosphäre bei den Dreharbeiten?

Es waren sehr, sehr angenehme Dreharbeiten. Da sind sehr viele enge Freundschaften entstanden; es ist eine richtige Gruppe zusammengewachsen. Daher waren auch alle traurig, als die Dreharbeiten zu Ende waren und haben gefragt: Wann kommt der zweite Teil? Warum drehen wir nicht weiter? Die hätten am liebsten gleich noch zwei, drei Monate weitergemacht…! Nun sind ja noch viele Bücher übrig, und ich würde das auch gerne fortführen. Denn hier ist etwas extrem Sympathisches und auch Anrührendes herausgekommen, was den Film, denke ich, sehr heraushebt.

Interview mit Ute Wieland

Wie weit war das Projekt, als Sie dazukamen?

Als Uli Limmer mich ansprach, existierte das Drehbuch und war schon in einer sehr fortgeschrittenen Form. Die Autorin Maggie Peren und ich haben schon länger versucht, einen gemeinsamen Stoff zu finden; ich kenne sie sehr gut und wusste daher, dass es mit Sicherheit unterhaltsam und gut geschrieben sein würde. Ich habe sofort gesagt: Ich möchte es machen!

Gehen Sie an ein solches großes Kinoprojekt anders heran als an TV-Produktionen?

Es gibt schon Unterschiede; für mich ist es nicht zuletzt eine Sache der Bildsprache. Ich beobachte, dass viele Regisseure gar nichts mit der Größe der Leinwand anfangen können. Dabei muss man sich viel genauer überlegen, was im Bild zu sehen ist, wenn es eben nicht nur ein paar Zentimeter Durchmesser hat wie auf dem Fernseher. Und von der Produktion her unterscheiden sich die beiden Bereiche ganz klar dadurch, dass man bei einem Kinofilm mehr Zeit hat; das heißt, man kann und muss auch sehr viel sorgfältiger arbeiten. Auch in der Postproduktion ist der Zeitplan vom Aufwand her ein ganz anderer. „Freche Mädchen“ war ein Jahr Arbeit; das wäre beim Fernsehen gar nicht finanzierbar.

Hatten Sie damit gerechnet, dass es sich so aufwendig gestalten würde, die richtigen Darstellerinnen zu finden?

Es stellte sich vor allem als eine Altersfrage heraus. Wir haben versucht, 15-jährige zu besetzen – auch deshalb, weil ab diesem Alter die Arbeitsschutzbestimmungen etwas lockerer sind als bei jüngeren Kindern. Das war allerdings schwierig, zum Teil wirkten diese Mädchen schon sehr erwachsen. Und bei jüngeren, die wir uns auch angeschaut haben, war es eben das Gegenteil. Viele von denen kamen als zu jung rüber – man hätte es bei ihnen eher unangenehm empfunden, wenn es um den ersten Kuss geht. Wir waren also sehr eingeschränkt, was das Alter betraf, und dann mussten diejenigen, bei denen es hinkam, ja auch noch spielen können! Und weil es zu allem Überfluss eine Komödie ist, mussten sie außerdem ein Gespür für Timing haben und das Talent, durch geradliniges Spielen Komik zu erzeugen. Schließlich hatte man immer noch die Befürchtung im Hinterkopf – weil in ein paar Monaten viel passieren kann –, dass die Darstellerinnen bis zum Drehstart ihren Rollen entwachsen wären…

War es für Sie eine große Umstellung, mit so vielen jungen Darstellern zu arbeiten?

Auf jeden Fall – ich hatte zwar immer mal einen Film, wo ich mit einem oder zwei Kinderdarstellern zu tun hatte, aber noch nie ein Projekt, bei dem ein Großteil des Casts Kinder und Jugendliche sind und die Erwachsenen nur in Neben- oder Tagesrollen dabei sind und im Film mehr als Stichwortgeber dienen. Es war auf jeden Fall eine tolle, bereichernde Erfahrung.

Sind sie dabei in ihrer Funktion als Regisseurin selbst zu einer Art Lehrerfigur geworden?

Ich kann das selber gar nicht recht beurteilen, ob ich da als Autorität aufgetreten bin. Es war auf jeden Fall eine starke emotionale Beziehung, die da entstand. Die Mädchen haben wirklich für die Sache gebrannt, es war so eine starke Energie…! Ich hatte selten so viel Freude an der Arbeit wie hier.

Die Erwachsenendarsteller anscheinend auch: So sehr, wie zum Beispiel Armin Rohde in seiner Rolle als Rumpelstilzchen aufgeht, scheint er sein ganzes Berufsleben darauf gewartet zu haben, einmal einen Mathelehrer in einem abgegriffenen Cordanzug zu spielen…?

Bei Armin Rohde kam, glaube ich, noch hinzu, dass es für ihn eine späte Rache an einem bestimmten Lehrer war, den er in der Schule hatte erdulden müssen. Da platzte regelrecht ein Ventil. Das konnte ich gut nachvollziehen, denn ich hatte zum Teil auch so schräge Vögel – bei mir waren es der Deutschlehrer oder auch ein paar der Naturwissenschaftler. Die Älteren fielen mehr in die Kategorie skurril; von uns Mädchen angeschwärmt wurden damals die Junglehrer…

Sehen Sie diese Kontinuität über die Generationen auch bei den heutigen Jugendlichen?

Eindeutig ja, zumal ich mich noch gut daran erinnere, wie ich mit 14 war. Ich merke es bei meinen Nichten und Neffen im Teenie-Alter: Es ändern sich Moden, es ändern sich Details, aber grundsätzlich hat sich da nicht viel geändert – die Gefühlswelt, die Träume, wie man miteinander umgeht… Wie das Phänomen, dass die gleichaltrigen Jungs immer den kürzeren ziehen, weil die Mädchen nach den älteren Jungs schielen, wie im Film der Brian, der ja wohl schon ein paar Ehrenrunden gedreht hat – und natürlich sind die Jungs mit Bands sowieso die Coolsten. Das war auch damals schon so.

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