1. Kino.de
  2. Filme
  3. Francis Bacon - Form und Exzess
  4. Fakten und Hintergründe zum Film "Francis Bacon - Form und Exzess"

Fakten und Hintergründe zum Film "Francis Bacon - Form und Exzess"

Kino.de Redaktion |

Francis Bacon - Form und Exzess Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über den Film

Eine dokumentarische Annäherung an Francis Bacon (1909–1992), den Maler der Gewalt und der menschlichen Deformation. Bacons eindrucksvolle Präsenz und seine gebieterische sowie verführerische Stimme durchdringen diesen Dokumentarfilm. Er zeigt ein Werk, von den Verbrechen und Erschütterungen des 20. Jahrhunderts geprägt wie kaum ein anderes, und ein Leben voller Ausschweifungen und Geheimnisse. Liebhaber, Stierkämpfe, Tierkadaver, Bewegungsstudien und »Falling in Love again« von Marlene Dietrich: FRANCIS BACON – FORM UND EXZESS findet in assoziativen Montagen und einem von Brian Eno komponierten Soundtrack kongeniale filmische Entsprechungen zu den Exzessen, Gespenstern und formalen Ambitionen eines Jahrhundertmalers.

Francis Bacon

Bilderstrecke starten(7 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Francis Bacon - Form und Exzess

»My work is a reflection of my life!«

(Francis Bacon)

Obwohl Francis Bacon ein weltweit populärer Künstler gewesen ist und selbst niemals abgeneigt

war, über sein Werk, sein Verhältnis zu Sexualität, Tod und Politik Auskunft zu geben, war bis zu diesem Film über seine Familie, seine Kindheit, Jugend und seine Beziehungen wenig bis gar nichts bekannt.

Für FRANCIS BACON – FORM UND EXZESS hat Regisseur Adam Low nicht nur umfangreiches Archivmaterial aufgespürt, sondern auch Menschen zu Interviews bewegen können, die über diese bislang verschwiegenen Punkte Auskunft geben: seine Schwester Ianthe Knott, eine Jugendfreundin, den

Bruder seines Partners George Dyer und seinen letzten Partner John Edwards zum Beispiel.

Erstmals stellt sich somit die Biografie von Francis Bacon annähernd vollständig dar:

Geboren am 28.10.1909 in Dublin als Sohn eines

Pferdezüchters. 1914 zieht die Familie nach London. Francis leidet an chronischem Asthma und wird dadurch am Schulbesuch gehindert.

Mit 16 setzt ihn der Vater, nachdem er von Francis’ Homosexualität erfahren hat, vor die Tür. 1927 wird Bacon, der sich in London prostituiert und von kleinen Diebstählen lebt, von seinem Vater unter die Obhut seines Onkels nach Berlin geschickt. Schon zwei Monate später geht Bacon auf eigen Faust nach Paris, arbeitet als Innenarchitekt und Designer und ist durch eine Ausstellung von Werken Picassos so überwältigt, dass er selbst anfängt zu malen.

Zurück in London 1928 richtet er sich in Kensington ein Atelier ein – sein erster Partner und Förderer ist der Künstler Roy de Maistre.

Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet Bacon u.a. in ‚Badehäusern’ für reiche Herren, wo

er den konservativen Politiker Eric Hall kennenlernt, der ihn bis in die 50er hinein aushält und zum Malen animiert. Die in dieser Phase entstehenden Werke hat Bacon beinahe komplett zerstört. Dennoch arrangiert Hall erste Ausstellungen für ihn. Nachdem die Kunsthändlerin Erica Brausen ihn 1946 entdeckt hat, wird sie seine Agentin – Bacons Produktivität und die

öffentliche Aufmerksamkeit für seine Malerei steigen sprunghaft an.

In den 50ern gibt Bacon sein festes Atelier auf.

Er besucht seine Familie, die nach dem Krieg nach Südafrika ausgewandert ist. Er lernt den ehemaligen Royal Air Force-Piloten Peter Lacy kennen, mit dem er eine lange Beziehung eingeht. Einzelne Bilder werden der Tate Gallery gestiftet. 1954 vertritt Bacon sein Land auf der Biennale in Venedig, 1955 organisiert das Londoner Institut of Contemporary Arts die erste Retrospektive der Werke Bacons. Ausstellungen in New York, Paris und Italien folgen.

Bacon besucht Peter Lacy in Tanger und lernt die

Schriftsteller der Beat Generation kennen. 1959 nimmt er an der 2. Documenta teil, 1960 bezieht er wieder ein festes Atelier in London. 1962 dann die große Retrospektive in der Tate Gallery – am

Vorabend erfährt Bacon vom Tod Peter Lacys.

Die 60er sind das Jahrzehnt seiner größten Popularität. Erste Künstlermonografien erscheinen, eine Ausstellung folgt auf die nächste. Bacon lernt George Dyer kennen, den er immer wieder porträtieren wird. 1971 eröffnet im Pariser Grand Palais eine weitere große Retrospektive. George Dyer stirbt an einer Überdosis.

Bacon trift den Fotografen Peter Beard, der durch seine Aufnahmen von verwesenden Elefanten berühmt geworden ist. Bacons neuer Beziehungspartner ist John Edwards, Modell vieler seiner Bilder. Anlässlich einer New Yorker Ausstellung seiner Werke lernt er Andy Warhol kennen. Bacon erwirbt eine Zweitwohnung in Paris.

In den 70ern mehrere Ausstellungen in Europa, Mexiko, New York. Weitere Studien zu seinen Werken erscheinen. 1985 dann die zweite große Retrospektive in der Londoner Tate Gallery. 1988 erste Ausstellung in Moskau.

1990 zieht Bacon nach Madrid. Sein chronisches

Asthma erzwingt Aufenthalte in einer Privatklinik. Am 28.4.1992 stirbt er dort an Herzversagen.

2000 wird sein Atelier in Reece Mews der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Exzess der Bilder

»Ich sehe mich selbst als einer, der Bildern Gestalt verleiht. Das Bild ist wichtiger als die Ästhetik des Malakts… Die Bilder kommen irgendwie über mich, als würden sie mir eingegeben…«

So beschreibt Bacon selbst die Quellen seiner Malerei: ein ständiger Ansturm von Bildern, schrecklichen, gewalttätigen, schönen und alltäglichen, die er in radikaler Subjektivität bannt und ihnen neue Geheimnisse verleiht.

FRANCIS BACON – FORM UND EXZESS vermittelt auf seine Weise einen Eindruck von diesem Bildersturm, findet in der Biografie Bacons immer wieder Material, das wie eine Vorlage zu den Werken erscheint.

Gleich zu Beginn: ein Stierkampf in Madrid (Bacons letztem Wohnort). Das immer gleiche Ritual, das immer mit dem Tod des Tieres endet. Doch der Verlauf ist brisant: der Stier nimmt plötzlich den Torrero auf die Hörner, verletzt ihn lebensgefährlich, ist kaum von ihm abzubringen. Eine Todesspiel, archaisch und doch formell.

Im Film ein Einstieg in die Debatte um die ‚Gewalttätigkeit’ der Bilder Bacons: »One of the things I’ve noticed was they always talk about this violence in my work. But I don’t think that my work is violent at all; you’ve only got to think about life.« (Bacon)

Die Obsession für Fleisch, für Kadaver, das Schlachten. Im Film wird das illustriert mit Bacons Besuch bei seiner Familie in Südafrika – das Schlachten exotischer Tiere, der Geruch des Todes, die Farbe des Bluts. Sie faszinieren durch ihre Schönheit, erinnern aber auch an die Sterblichkeit aller Lebewesen. »Wir sind ja schließlich selbst Fleisch, potentielle Kadaver.«

In den Bildern sind es dann Eindrücke der Qual,

des Leids, der unerlösten Kreatur, oft in Triptychen aufgefaltet, die den Betrachter umschließen. Oft sind Gewaltakt und Liebesakt bildlich nicht zu unterscheiden – was der Film auf die oft sadomasochistischen Beziehungen Bacons zu seinen Liebhabern zurückführt. Bis hin zur Aufarbeitung des Todes von George Dyer in den berühmten Triptychen von 1971–73, über die Wieland Schmied schrieb: »erbärmlicher, jammervoller, gottverlassener ist uns das Bild des Menschen in der Kunstgeschichte noch nie gezeigt worden!«

Adäquates Medium für den Ansturm der alltäglichen

Bilder ist die Fotografie – auch ihren Einfluss auf das Werk Bacons zeigt der Film von Adam Low: in der Auseinandersetzung mit den Bewegungsstudien von Edward Muybridge, in den Reportagen von Fliegerangriffen und Bombenterror aus dem Zweiten Weltkrieg (parallel montiert mit der Zerstörung der eigenen Bilder), bis hin zur Freundschaft mit dem Tierfotografen Peter Beard und seinen verwesenen Elefanten.

Low gelingt es immer wieder, in riskanten und

experimentellen Montagen die Bilder des 20. Jahrhunderts, biografische Aufnahmen des Malers und die Motive der Malereien aufeinander zu beziehen: Weltkriege, Bewegungsstudien von Affen, der Adolf-Eichmann-Prozess, Schlachthäuser, erotische Männerporträts, Safarireportagen. Das, was Bacon selbst »the Excitements of the Extreme«, den ‚Reiz des Extremen’, die ‚Erregung über das Extreme’ nennt.

Schwule Biografie

Adam Lows Zugang zur Biografie Bacons führt über die Geschichte der schwulen Beziehungen des Malers. Auch darin betritt der Film Neuland und folgt doch dem Offensichtlichen: Porträts dieser Männer stellen das wichtigste Motivreservoir der Baconschen Bilder dar.

Aber auch die zwischenmenschlichen Spannungen, die Low in den Beziehungen aufspürt, erscheinen für das Verständnis vieler Bilder zwingend: die katholische Motivik, die durch Roy de Maistre in Bacons Werk Eintritt findet (die ersten Bilder, die von ihm erhalten sind, greifen Kreuzigungs-Motive auf), die Mäzenaten- und Patronnage-Beziehung zu Eric Hall (Vorbild für das Abarbeiten an Autoritäten, das in dieser Phase für Bacon wichtig ist), die sadomasochistische Verbindung zu Peter Lacy, die großen sozialen Unterschiede in der Beziehung zu George Dyer, schließlich die väterliche und fördernde Freundschaft zu John Edwards.

Bacon, der immer offen über Sexualität geredet

hat, trug seine Emotionen nur selten zur Schau – eine Leerstelle, die die Freunde füllen können, die Low für diesen Film interviewt hat. Denn natürlich hatte Bacons schwule Biografie Auswirkungen auf sein Werk, worüber in den meisten Studien geschwiegen wird.

Noch 1985 berichtet Wieland Schmied in seinem Bacon-Buch von einem »allein lebenden« Bacon,

dessen eigentliches Leben sein »Arbeitsleben« ist

– der Film von Adam Low zeigt, wie wenig man die

‚verschiedenen Leben’ (öffentlich, privat und Arbeit) tatsächlich trennen kann.

Schwule Biografie

Adam Lows Zugang zur Biografie Bacons führt über die Geschichte der schwulen Beziehungen des Malers. Auch darin betritt der Film Neuland und folgt doch dem Offensichtlichen: Porträts dieser Männer stellen das wichtigste Motivreservoir der Baconschen Bilder dar.

Aber auch die zwischenmenschlichen Spannungen, die Low in den Beziehungen aufspürt, erscheinen für das Verständnis vieler Bilder zwingend: die katholische Motivik, die durch Roy de Maistre in Bacons Werk Eintritt findet (die ersten Bilder, die von ihm erhalten sind, greifen Kreuzigungs-Motive auf), die Mäzenaten- und Patronnage-Beziehung zu Eric Hall (Vorbild für das Abarbeiten an Autoritäten, das in dieser Phase für Bacon wichtig ist), die sadomasochistische Verbindung zu Peter Lacy, die großen sozialen Unterschiede in der Beziehung zu George Dyer, schließlich die väterliche und fördernde Freundschaft zu John Edwards.

Bacon, der immer offen über Sexualität geredet

hat, trug seine Emotionen nur selten zur Schau – eine Leerstelle, die die Freunde füllen können, die Low für diesen Film interviewt hat. Denn natürlich hatte Bacons schwule Biografie Auswirkungen auf sein Werk, worüber in den meisten Studien geschwiegen wird.

Noch 1985 berichtet Wieland Schmied in seinem Bacon-Buch von einem »allein lebenden« Bacon,

dessen eigentliches Leben sein »Arbeitsleben« ist

– der Film von Adam Low zeigt, wie wenig man die

‚verschiedenen Leben’ (öffentlich, privat und Arbeit) tatsächlich trennen kann.

Zu den Kommentaren

News und Stories

Kommentare